Informationsquelle (Evidentialität)
zum Beispiel im Jaqaru, Peru
In einigen Sprachen ist es grammatisch
notwendig, in fast jedem Satz anzugeben,
woher man die Information für eine
Aussage bezogen hat. Das Jaqaru
(Jaqi-Sprachfamilie, ca. 5000 Sprecher
und Sprecherinnen) unterscheidet
beispielsweise zwischen
-
Sinneswahrnehmung (Endung -wa/-w),
- Hörensagen (-mna),
- Schlussfolgerung
(-jilli)
- bloßer Vermutung (-psa).
Eine Konsequenz aus einer solchen
grammatischen Markierung der
Informationsquelle ist, dass Sprechende
des Jaqaru über eigene Empfindungen
anders sprechen müssen als über die
einer anderen Person. Man vergleiche:
-
Yamkutu-wa 'Ich habe Hunger' (eigene
Wahrnehmung)
-
Yamki-mna 'Sie hat Hunger' (hat sie
gesagt)
-
Yamki-psa 'Sie hat Hunger' (Vermutung,
z.B. bei einem Baby)
Auf den korrekten Gebrauch dieser
Endungen schon von frühester Kindheit
an legen die Jaqaru großen Wert, und es
ist für sie nur schwer nachzuvollziehen,
dass es Sprachen gibt, in denen diese
wichtigen Unterscheidungen nicht
ausdrücklich markiert werden. So kommt
es oft zu Missverständnissen mit
Außenstehenden, z.B. mit
Entwicklungshelfern und -helferinnen,
die aus Unkenntnis dieser Sprache und
der damit verbundenen kulturellen
Normen Gehörtes und Gelesenes als
persönliches Wissen ausgeben.
nächstes Beispiel
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