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Editorial für Heft 1/1998
50 Jahre Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie

Die "Kölner" geht nunmehr in ihren 50. Jahrgang. Genau genommen ist die Zeitschrift älter, denn es wären noch die zwölf Jahrgänge der "Kölner Vierteljahrshefte für Soziologie" (1921-1934) hinzuzurechnen, die unter Leopold von Wiese beim Verlag Duncker & Humblot erschienen sind. Leopold von Wiese war es auch, der 1948, nach den Jahren der Unterbrechung, die Zeitschrift als "Kölner Zeitschrift für Soziologie" wiedergründete. Er gewann den Westdeutschen Verlag für dieses Wagnis, für diesen das erste Großprojekt. Der Westdeutsche Verlag feierte 1997 sein fünfzigjähriges Jubiläum. Aus diesem Anlaß erschien der Band "Soziologische Theorie und Empirie", in dem 23 Aufsätze der "Kölner" versammelt sind, von denen die Herausgeber meinen, daß sie immer noch aktuelle Forschungsbeiträge des Faches darstellen.

Ungeachtet des neuen äußeren Erscheinungsbildes haben wir uns entschlossen, die von René König eingeführte Erweiterung des Namens der Kölner Zeitschrift für Soziologie "und Sozialpsychologie" beizubehalten; auch die innere Gliederung der einzelnen Hefte wurde nicht geändert. Bei aller Kontinuität entwickeln Herausgeber und Redaktion die Zeitschrift weiter. Hierfür seien drei Beispiele genannt.

1. Die Zeitschrift ist inzwischen zu einer peer-review Fachzeitschrift geworden, wenngleich die letzte Entscheidung bei den Herausgebern bleibt. Ihr Urteil stützt sich auf die Gutachten Dritter, weshalb wir seit drei Jahren im letzten Heft des Jahrgangs jeweils die Liste der Gutachterinnen und Gutachter veröffentlichen, die den Entscheidungsprozeß der Zeitschrift durch ihr fachliches Votum bereichert haben. Besonders erfreulich ist dabei die große Bereitschaft von Kolleginnen und Kollegen, diese verantwortliche Aufgabe wahrzunehmen und teilweise sehr detaillierte und hochqualifizierte wohlbegründete Voten abzugeben.

2. Von den eingesandten Manuskripten wird rund ein Viertel angenommen; hiervon werden jedoch die meisten an die Autoren mit der Aufforderung zurückgegeben, sie entsprechend den Vorschlägen der Gutachter und Herausgeber zu überarbeiten. Die Herausgeber bemühen sich, bei Manuskripten, die noch nicht publikationsreif sind, aber ein großes Potential enthalten, durch ausführliche Hinweise die Autoren zu einer Überarbeitung oder einer Neueinreichung zu ermuntern. Dieser Teil der Herausgeberarbeit ist in den letzten Jahren sehr verstärkt worden. Trotz des dadurch entstehenden zeitlichen Aufwandes bemühen wir uns, eingereichte Manuskripte innerhalb von vier Monaten zu beurteilen, die Überarbeitungen in einem noch kürzeren Zeitraum.

3. Das dritte äußerlich sichtbare Merkmal der Weiterentwicklung der Zeitschrift stellen die zu Beginn des Jahres 1997 aufgelegten Internet-Seiten der Zeitschrift dar, die unter der Adresse http://www.uni-koeln.de/kzfss/ eingesehen werden können. Diesen Weg der Digitalisierung der Zeitschrifteninformation wollen wir in Zusammenarbeit mit dem Verlag konsequent weiter beschreiten.

Ein Problem bereitet uns immer wieder der schlechte Stil, in dem viele Manuskripte geschrieben sind. Hierzu gehören eine überflüssige Substantivierung, Anglizismen oder ein pseudo-soziologischer Jargon. So werden uns Personen, die eine Haltung über längere Zeit einnehmen, als "Persister" vorgestellt. Wer den Terminus "Ansätze" verwendet, zeigt zumeist nur, daß er die Begriffs- und Theoriebildung eher oberflächlich behandelt. Ebenso ist es mit "plausibilisieren", "fokussieren" oder gar Sätzen, wie dem folgenden: "Als Konsequenz der interdependenten Phänomene von globalem Wettbewerb, Standortkonkurrenz der nationalen Regierungssysteme und wohlfahrtsstaatlicher Krise ist es sowohl in Deutschland als auch in den Vereinigten Staaten zur Reetablierung einer die Differenz von Einwanderern und Einheimischen akzentuierenden Politik gekommen." Wir würden statt dessen klare Formulierungen und auch klar definierte Begriffe bevorzugen. Schließlich halten wir es nicht für unsere Aufgabe, bei Manuskripten von 40 bis 50 Seiten der Autorin/dem Autor die Arbeit abzunehmen, die absehbar notwendigen Kürzungen vorzuschlagen. Wir würden gern mehr kürzere Beiträge publizieren.

Die Herausgeber vertreten weiterhin die Auffassung, Soziologie sei eine analytisch-empirische Wissenschaft. Wir sind nicht auf eine theoretische Richtung festgelegt, sondern wollen die Diskussion über theoretische Ansätze fördern. Wir werben auch keine Manuskripte ein, um monothematische Hefte zu veröffentlichen. Entgegen mancher Vermutung sehen die Herausgeber ihre Aufgabe nicht darin, ihre eigenen Forschungs- und Themengebiete oder ihre eigenen methodischen und theoretischen Vorlieben zu pflegen. Die "Kölner" versteht sich vielmehr programmatisch als eine Zeitschrift, die das gesamte Fach abbilden will und dies nicht nur für eine deutschsprachige Leserschaft. Ihre starke internationale Stellung in den Fachbibliotheken führt dazu, daß sie auch als Außendarstellung deutschsprachiger Soziologie wahrgenommen wird.

Jürgen Friedrichs, Karl Ulrich Mayer, Wolfgang Schluchter

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Datei aktualisiert am 17.12.2003 in der Redaktion der KZfSS