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ZUM 50JÄHRIGEN JUBILÄUM DES WESTDEUTSCHEN VERLAGES

Jürgen Friedrichs, Karl Ulrich Mayer und Wolfgang Schluchter (Hrsg.)

Soziologische Theorie und Empirie
Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie im Westdeutschen Verlag
Westdeutscher Verlag: Opladen 1997. ISBN 3-531-13139-7. X und 519 Seiten. Preis: DM 50,--.

Einleitung
Jürgen Friedrichs, Karl Ulrich Mayer und Wolfgang Schluchter

1948 wurde die Kölner Zeitschrift von Leopold von Wiese nach der im Dritten Reich erzwungenen Unterbrechung neu begründet und seitdem vom Westdeutschen Verlag betreut. Der Westdeutsche Verlag hat aus Anlaß seines 50jährigen Jubiläums uns als Herausgebern und Ihnen als Lesern das Geschenk gemacht, eine Auswahl von Beiträgen als Buch zu veröffentlichen. In dieser Einleitung wollen wir zum einen knapp auf die Geschichte der Zukunft eingehen, zum anderen unsere Kriterien für die Auswahl der Beiträge begründen.

Zur Geschichte der Kölner Zeitschrift

Die Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie will eine Universalzeitschrift für das Fach Soziologie sein, d.h. sie will weder einzelnen Schulen noch Forschungsgebieten oder Teilgebieten besonderen Vorrang einräumen. Außer den jährlich ca. 30 Aufsätzen, bei denen es sich grundsätzlich um Erstveröffentlichungen auf der Grundlage neuer Forschungsergebnisse handelt, werden auführliche Literaturberichte und Besprechungen wichtiger Fachliteratur publiziert. Schließlich finden sich in der KZfSS regelmäßig Kongreßbereichte und wichtige Nachrichten aus dem Fach. Jährlich erscheint ein umfangreiches Sonderheft, dem die Aufgabe zukommt, zusammenhängend und intensiver, als dies in Einzelbeiträgen möglich wäre, über den aktuellen Forschungsstand in wichtigen Bereichen zu bereichten. Bis heute sind 48 Jahrgänge der Zeitschrift erschienen. Rechnet man die zwölf Vorkriegsjahrgänge mit ein, so sind es insgesamt 60 Jahrgänge. Zusätzlich erschienen 36 Sonderhefte, von denen viele richtungsweisend für die weitere Forschung wurden.

Besonderen Wert legt die Zeitschrift darauf, jungen Fachkollegen die Möglichkeit einer Erstveröffentlichung zu geben. Dies führte dazu, daß viele der heute bekannteren Soziologen in Deutschland über die Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie einem breiten Fachpublikum, vor allem auch im Ausland, zuerst vorgestellt wurden. Über die Annahme eines Manuskriptes entscheiden externe Gutachter und die Herausgeber.

Die Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie ist die älteste soziolgische Fachzeitschrift in Deutschland. Sie wurde 1919 als „Kölner Vierteljahrshefte für Soziologie“. Gründer und erster Herausgeber war Leopold von Wiese.

Die ersten beiden Jahrgänge der „Kölner Vierteljahreshefte für Sozialwissenschaften“ enthielt als „Reihe A: Soziologische Hefte“ zwei Einzelhefte, die Leopold von Wiese als alleinverantwortlicher Herausgeber betreute (die anderen Hefte wurden von der sozialpolitischen Abteilung des Instituts verantwortet). 1921 wurden die „Soziologischen Hefte“ als „Kölner Vierteljahrshefte für Sozialwissenschaften“ verselbständigt, die bis 1934 weitergeführt wurden. Dann mußte Leopold von Wiese die Zeitschrift einstellen.

1948 gründete der sie als „Kölner Zeitschrift für Soziologie“ neu. Er betreute sie bis 1954, um sie dann an René König, der Leopold von Wiese auf dessen Lehrstuhl gefolgt war, zu übergeben. Er gab ihr 1956 den heutigen Titel. Lange fungierte die Zeitschrift auch als Mitteilungsblatt der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS), weshalb damals ein umfangreicher wissenschaftlicher Beirat entstand.

König begann 1956 die Serie der Sonderhefte der Zeitschrift. In den Jahren 1972 bis 1977 nahm er zunächst Günter Albrecht, Fritz Sack und Alphons Silbermann als Mitherausgeber auf. Im Jahre 1978 kooptierte König den neuen Direktor am Forschungsinstitut für Soziologie und Nachfolger auf seinem Lehrstuhl, Friedhelm Neidhardt. Im Jahre 1979 kam Peter Christian Ludz, Universität München, hinzu. Seither bilden drei Personen das Herausgebergremium. Als Peter Christian Ludz 1979 starb, trat 1980 M. Rainer Lepsius (Universität Heidelberg) in das Herausgebergremium ein.

Ende 1985 schied René König nach 31-jähriger Herausgebertätigkeit aus. Sein Nachfolger wurde 1987 Hartmut Esser. Nach dem Weggang von Friedhelm Neidhardt an das Wissenschaftszentrum Berlin wurde Jürgen Friedrichs als Direktor des Forschungsinstituts für Soziologie nach Köln berufen. Er übernahm die Funktion des geschäftsführenden Herausgebers. Hartmut Esser schied 1992 aus dem Herausgebergremium aus und wechselte in den Beirat. Ende 1995 schied dann auch Friedhelm Neidhardt aus dem Herausgebergremium aus. Mit Beginn des Jahrgangs 1996 wurde Karl Ulrich Mayer (Berlin) in das Herausgebergremium der Zeitschrift aufgenommen. Ende 1996 verließ M. Rainer Lepsius, der letzte von König selbst mitbestellte Mitherausgeber, das Herausgebergremium. Sein Nachfolger wurde Wolfgang Schluchter.

Dem Herausgebergremium gehören also gegenwärtig an: Jürgen Friedrichs (Forschungsinstitut für Soziologie der Universität zu Köln, geschäftsführend), Karl Urlich Mayer (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin) und Wolfgang Schluchter (Institut für Soziologie der Universität Heidelberg).

Im Jahre 1987 wurde ein Beirat der Zeitschrift mit fünf Mitgliedern begründet. Die Mitglieder waren zunächst: Alois Hahn (Trier), Siegwart Lindenberg (Groningen), Walter Müller (Mannheim), Helga Nowotny (Wien), Fritz Sack (Hamburg). 1990 wurde der Beirat auf sieben Mitglieder erweitert. Walter Müller schied ebenso wie Hans Joas aus, weil beide in das Herausgebergremium der „Zeitschrift für Soziologie“ gewählt worden waren. Seit dem Jahre 1994 gehören dem Beirat an: Hartmut Esser (Mannheim), Alois Hahn (Trier), Max Haller (Graz), Siegwart Lindenberg (Groningen), Birgitta Nedelmann (Mainz), Michael Schmid (Augsburg), Fritz Sack (Hamburg).

Die Redaktion der Zeitschrift befindet sich seit ihrer Gründung am Forschungsinstitut für Soziologie der Universität zu Köln. Gegenwärtiger ‘Redaktionssekretär’ der Zeitschrift ist Heine von Alemann. Das ‘Institut’ des Redaktionssekretärs wurde von René König 1956 eingeführt. Die früheren Redaktionssekretäre waren: Peter Heintz, Dietrich Rüschemeyer, Fritz Sack, Karl-Dieter Opp, Günter Albrecht, Axel Schmalfuß. Seit 1948 wird die KZfSS durch den Westdeutschen Verlag betreut.

Zur Auswahl der Beiträge in diesem Band

Der Verlag bat die drei Herausgeber, eine Auswahl unter den für die Entwicklung des Faches wichtigen Aufsätzen zu treffen. Aus fast 50 Jahrgangsbänden der Kölner Zeitschrift eine Auswahl zu treffen, erschien uns zunächst als eine ebenso verlockende wie intellektuell vergnügliche Aufgabe. Es stellte sich freilich rasch heraus, daß wir es nicht nur mit einer „embarrasment of riches“ zu tun haben, sondern auch, daß wir drei Herausgeber untereinander keineswegs im ersten Anlauf Übereinstimmung fanden. Es gibt offensichtlich eine Vielzahl von Kriterien, unter denen wir die Auswahl hätten vornehmen können. Eines davon hätte sein, die Geschichte der (westdeutschen) Soziologie als Fach in den Aufsätzen abzubilden. Nach ausführlicher Diskussion haben wir dieses Kriterium fallengelassen, weil es zu einer sehr strittigen und eher dokumentierenden Auswahl gekommen wäre. Davon, so vermuteten wir, würden nur wenige Leser und Leserinnen profitieren.

Zunächst entschlossen wir uns, keine Aufsätze aus der Zeitschrift vor 1948 aufzunehmen und auch keine aus den Sonderheften der Zeitschrift. Dann schien uns wichtig, Aufsätze auszuwählen, von denen wir meinen, daß sie auch für die gegenwärtige Diskussion noch bedeutsam sind. Aus der so gewonnenen ‘Grundgesamtheit’ mußten wir dann eine engere Auswahl treffen, wobei wir fünf Gruppen bildeten.

Die erste Gruppe enthält Aufsätze, die sich auf die Grundlagen des Faches richten. Dazu gehört der einflußreiche Aufsatz von Fijalkowsky über die Theoriebegriffe in der deutschen Soziologie, ebenso die Aufsätze von Dahrendorf und Luhmann zur Systemtheorie. Gerne hätten wir auch die Aufsätze von Albert ("Der Mythos der totalen Vernunft. Dialektische Ansprüche im Lichte undialektischer Kritik", 16/1964) und Habermas ("Gegen einen positivistisch halbierten Rationalismus. Erwiderung eines Pamphlets", 16/1964) einbezogen, da die Positivismus-Debatte in den 60er Jahren sehr bedeutsam war. Beide Aufsätze sind jedoch inzwischen mehrfach wieder abgedruckt worden, so daß wir darauf verzichten konnten, sie hier nochmals aufzunehmen.

Den Texten von Klassikern kommt in der Soziologie noch immer eine hohe Bedeutung zu, sei es, um hieraus Hypothesen zu gewinnen oder dort formulierte zu testen. Aus diesem Grund haben wir zwei beispielhafte Klassiker-Interpretationen aufgenommen: die der Arbeit von König über Emile Durkheim und die der Arbeit von Tenbruck über Max Weber.

Mit drei Beiträgen soll auf die Bedeutung historischer Untersuchung für die Soziologie hingewiesen werden. Als Beispiele dienen die Studie über die Machtbalance von Geschlechtern von Elias und die über die Beichte durch Hahn. Der dritte Aufsatz ist eine quantitative Analyse des Zusammenhangs von Arbeitslosigkeit und Nationalsozialismus durch Falter u.a.. Alle Aufsätze machen deutlich, wie historische soziologische Analyse angelegt werden kann.

Die größte Gruppe umfaßt theoretisch-empirische Analysen. Dies entspricht nicht nur dem Programm der Disziplin, sondern auch dem der Zeitschrift. Hier hätten sich sehr viele Untersuchungen angeboten. Deshalb haben wir nur solche Aufsätze ausgewählt, die allgemein sind und sich auf den Wandel der Gesellschaft beziehen. Aufsätze zu Teildisziplinen der Soziologie sind deshalb nicht in die Auswahl aufgenommen, obgleich dies von ihrer Qualität her gerechtfertigt gewesen wäre.

Drei Aufsätze behandeln die Problematik sozialer Ungleichheit: der von Müller und Haun über Bildungsungleichheit, der von Bloßfeld und Mayer über berufsstrukturellen Wandel und der von Pappi über soziale Schichtung. Gerne hätten wir hier auch noch den Aufsatz von Kleining und Moore ("Soziale Selbsteinstufung (SSE). Ein Instrument zur Messung sozialer Schichten", 20/1968) einbezogen, doch er ist zu umfangreich. Es folgen zwei weitere makrosoziologische Analysen: über die Versorgungsklassen im Wohlfahrtsstaat von Alber und eine neuerliche Kapitalismus-Analyse von Windolf und Beyer.

Zwei ganz andere Formen sozialen Wandels, die sich als dauerhaft und bedeutsam erwiesen haben, sind die Veränderungen des Lebenslaufs, die Kohli behandelt und die steigende Anzahl nichtehelicher Lebensgemeinschaften, die Meyer und Schulze untersuchen.

Mikrosoziologisch orientiert sind die beiden letzten Arbeiten: Wegener beschäftigt sich mit der Netzwerkanalyse, hier speziell mit der These von der Bedeutung schwacher Beziehungen. Esser untersucht im Rahmen der Nutzen-Erwartungs-Theorie die Frage, ob Befragte im Interview lügen.

Die letzte Gruppe der Aufsätze richtet sich auf die Stellung der Soziologie in der Gesellschaft. Diese Auseinandersetzung dokumentieren wir mit einem Aufsatz von Mayntz und einer programmatischen Arbeit von Lepsius. Gerne hätten wir als einen weiteren Aufsatz den von Scheuch ("Sozialer Wandel und Sozialforschung. Über die Beziehungen zwischen Gesellschaft und empirischer Sozialforschung", 17/1965) aufgenommen, doch war auch hier der Umfang der Grund, ihn wegzulassen.

Wir können gut begründen, warum es die ausgewählten Aufsätze verdienen, in diesen Band aufgenommen zu werden. Wir können naturgemäß viel weniger gut oder überhaupt nicht begründen, warum ebenso gute und/oder für die Entwicklung des Faches ebenso wichtige andere Aufsätze nicht an deren Stelle aufgenommen wurden. Vielleicht fühlen sich die Leserinnen und Leser herausgefordert, einmal in den alten Bänden der Kölner Zeitschrift zu schmökern und selbst die Probe aufs Exempel zu machen. Dies wäre nicht die schlechteste Folgewirkung unserer Auswahl.

Die Herausgeber

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Datei aktualisiert am 15.12.2003 in der Redaktion der KZfSS