Institut für Anorganische Chemie

(*Dieser Text wurde 1997 von den Mitgliedern Instituts als Beitrag zur Fakultätsbroschüre erstellt.)

Chemie der Elemente: Moleküle, Komplexe, Festkörper, Materialien

Forschungsprofil

Das Fach Anorganische Chemie beschäftigt sich in Forschung und Lehre mit den Grundlagen der Chemie aller Elemente, ihren Verwandtschaften zu und ihren Reaktionen miteinander; die (neu) gebildeten Stoffe werden mit chemischen und physikalischen Methoden charakterisiert, ihre potentielle Anwendung als Ausgangsstoff für weitere Reaktionen, als Materialien oder Werkstoffe wird (vor)geprüft.

Forschungsschwerpunkte

In der Festkörperchemie und der Chemie fester Koordinationsverbindungen steht außer der auf verschiedenen Wegen durchgeführten Synthese die Bestimmung der Zusammensetzung und der (Kristall-)Struktur im Vordergrund, wobei die Untersuchung der Reaktivität von Festkörpern zunehmend Bedeutung erlangt. So werden neben den statischen Methoden zur Charakterisierung von Festkörpern wie der Röntgenbeugung verstärkt dynamische Methoden eingesetzt: Zeit- und temperaturaufgelöste Röntgen-Diffraktometrie und simultane Thermogravimetrie/Differenz-Thermoanalyse, kombiniert mit Massenspektrometrie.

Bearbeitet werden die Stoffklassen: komplexe Halogenide und Carboxylate der Übergangsmetalle und der Lanthanide, intermetallische Phasen, Oxosäuren und -salze, polynäre Oxide, Komplexe Hydroxide sowie Komplexe der Lanthanide. Ebenso kommen die genannten Untersuchungsmethoden bei der Strukturaufklärung von Polyiodiden und heteronuklearen Polyhalogeniden zum Einsatz.

Die Molekülchemiker des Instituts untersuchen den Mechanismus der Fluorierungsreaktion mit elementarem Fluor am Beispiel von Alkyl- und Arylelementverbindungen, entwickeln Synthesewege für Fluororganoelement-Verbindungen der Gruppen 11-13 und 15-18 des Periodensystems und bestimmen deren Strukturen und Eigenschaften. Weitere Arbeiten betreffen die Chemie der Interhalogenverbindungen, der Chalkogene und Interchalkogenwasserstoffe sowie die Strukturchemie der Schwefelvernetzung von Elastomeren. Das wichtigste Analysenverfahren ist die Heteroatom-NMR-Spektroskopie.

Zum Bereich der Koordinationschemie gehören die mit photochemischen und photophysikalischen Methoden an klassischen Komplexverbindungen betriebenen Arbeiten zur Aufdeckung der Beziehungen zwischen spektroskopischen Eigenschaften und Struktur.

Große praktische Bedeutung haben die ebenfalls zum Bereich der Koordinationschemie bzw. der Metallorganischen Chemie zählenden Untersuchungen zur Stabilisierung von Metallzentren in niedrigen positiven und formal negativen Oxidationsstufen durch geeignete Liganden. Die gewonnenen Erkenntnisse über Präparationsmethoden und Tendenzen der physikalischen bzw. chemischen Eigenschaften finden Anwendung bei der Entwicklung geeigneter Ausgangsverbindungen (Prekursoren) für die technisch bedeutsame chemische Gasphasenabscheidung (CVD für engl. Chemical Vapour Deposition) von Metallschichten. Erwähnt seien auch die Arbeiten zum Verhalten von Schwermetallen in der Umwelt, in deren Zug Messungen der Immission von Platingruppenelementen, hervorgerufen durch den Betrieb von Kfz-Katalysatoren, erfolgen.

Verknüpfungen

Mehrere Arbeitskreise des Instituts sind mit Physikern und Kristallographen in das Graduiertenkolleg "Klassifizierung von Phasenumwandlungen kristalliner Stoffe aufgrund struktureller und physikalischer Anomalien" eingebunden. Weitere Verknüpfungen ergeben sich über die Beteiligung an den Sonderforschungsbereichen "Physik mesoskopischer und niedrigdimensionaler metallischer System" sowie "Physik und Chemie interstellarer Molekülwolken". Langfristig angelegte Kooperationen bestehen mit Arbeitsgruppen an zahlreichen Universitäten des In- und Auslandes, mit Instituten der Max-Planck-Gesellschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft für Festkörpertechnik in München, dem Deutschen Forschungsinstitut für Luft- und Raumfahrt (DLR), dem EC Joint Research Centre IRMM in Belgien sowie der Industrie.