(*Dieser Text wurde 1997 von den Mitgliedern Instituts als Beitrag zur
Fakultätsbroschüre erstellt.)
Gesteinsarchive: Schlüssel zu Prozessen in Raum und Zeit
Forschungsprofil
Die Geologie widmet sich der Entwicklung und dem Bau unseres Planeten. Dessen heutiges -
und auch zukünftiges - Bild wird durch kompliziert verflochtene, in Zeit und Raum ablaufende
Prozesse geprägt. Vorgänge im Erdinneren, auf der festen Erdoberfläche, in den Ozeanen
und der Atmosphäre, Wechselwirkungen zwischen Organismen und ihrer Umwelt und
astronomische Parameter greifen dabei ineinander. Die beginnende Entschlüsselung dieses
Prozeßgefüges hat in den letzten drei Jahrzehnten das geologische Weltbild revolutionär
verändert. Mt Hilfe moderner Technik trat an die Stelle deskriptiver und qualitativer
Beobachtungen vielfach eine quantifizierende und modellierende Arbeitsweise. Mit dem
Verständnis der aus den Gesteinsarchiven ablesbaren räumlich-zeitlichen Interdependenzen
umfaßt die Geologie ein weites Spektrum im Bereich der Ressourcen-Sicherung, der
Daseinsvorsorge und des Umweltschutzes.
Forschungsschwerpunkte
Gemeinsam ist allen Arbeitsgruppen des Geologischen Instituts die Erforschung
sedimentärer Systeme. Die Untersuchung der Zusammensetzung von Sedimentgesteinen,
ihres Fossilinhaltes, ihrer Poreninhaltsstoffe und ihrer diagenetischen Geschichte ermöglicht
eine Rekonstruktion ehemaliger Lebens- und Ablagerungsräume. Unter Berücksichtigung
plattentektonisch induzierter geodynamischer Prozesse lassen sich paläoökologische und
paläoklimatische Veränderungen ebenso erkennen wie die Entwicklung sedimentärer Becken.
Im angewandten Sektor werden oberflächennahe Deckschichten, Böden und Grundwässer
im Hinblick auf ihre anthropogene Gefährdung und umweltverträgliche Nutzung untersucht.
Im Hinblick auf Ressourcen-Sicherung stehen die geologischen Bedingungen der Bildung
fossiler Brennstoffe (Erdöl, Erdgas, Kohle) im Vordergrund.
Besondere Bedeutung für die Daseinsvorsorge besitzt die zum Institut gehörende
Erdbebenstation Bensberg. Sie überwacht mit den zugehörenden Außenstationen den
seismisch aktiven Raum der dichtbesiedelten Niederrheinischen Bucht. Die langjährige
Registrierung regionaler seismologischer Ereignisse liefert Grundlagen für bauliche und
technische Vorsorgemaßnahmen.
Ausstattung
Unter den modernen Laboratorien und Großgeräten des Instituts seien die diversen
geochemischen Untersuchungsmethoden hervorgehoben. Sie beinhalten u.a. eine
Gaschromatographie-Massenspektrometrie- und eine Gaschromatographie-Atomemissions-Kopplung sowie ein Massenspektrometer für stabile Sauerstoff- und Kohlenstoff-Isotope. Für
ultramikroskopische Untersuchungen kann auf ein Rasterelektronenmikroskop mit EDX-Einrichtung sowie ein Transmissionselektronenmikroskop zurückgegriffen werden. Für
paläomagnetische Untersuchungen steht ein Kryogen-Magnetometer zur Verfügung.
Perspektiven und Verknüpfungen
Die Arbeitsgruppen am Geologischen Institut sind mit ihren Vorhaben in oft international
verkoppelte Schwerpunktprogramme der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie in
Forschungsprogramme der Europäischen Union eingebunden. Im regionalen Rahmen
bestehen enge Kontakte zum Forschungszentrum Jülich, zu den Geologischen Landesämtern
Nordrhein-Westfalens und benachbarter Bundesländer sowie zum Rheinischen Landesamt
für Denkmalspflege.
Mit dem Wandel der Forschungsrichtungen hat sich auch die Ausbildung im Studiengang
Geologie und Paläontologie verändert. Zur traditionell geländeorientierten Ausbildung sind in
zunehmendem Maße laborgestützte und experimentelle Lehrinhalte hinzugekommen.
Besondere Bedeutung besitzen dabei die an anderen Universitäten in Nordrhein-Westfalen
nicht vertretenen Forschungsrichtungen der organischen Geochemie, der Paläomagnetik,
der bundesweit nur in Köln vertretenen terrigenen Quartärgeologie sowie die
Erdbebenstation Bensberg. Die Studierenden schätzen die breite naturwissenschaftliche
Grundausbildung und die sehr weitgefächerten Ausbildungsmöglichkeiten im Gelände wie in
den Laboratorien. Gerade im kommunalen und privatwirtschaftlichen Umweltsektor werden
weiterhin zahlreiche Absolventen eine Arbeitsstelle finden.