II. Physikalisches Institut

(*Dieser Text wurde 1997 von den Mitgliedern des Instituts als Beitrag zur Fakultätsbroschüre erstellt.)

Physik und Technologie neuartiger Festkörper

Forschungsprofil

Die Forschungsarbeiten am II. Physikalischen Institut sind auf die Physik der kondensierten Materie ausgerichtet. Aufgrund der großen Anwendungsrelevanz der festkörperphysikalischen Grundlagenforschung gewinnt die Forschung und Lehre in diesem Bereich der Physik stetig an Bedeutung. Immer mehr Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens basieren auf den physikalischen Grundlagen und den speziellen mechanischen, elektrischen, magnetischen oder optischen Eigenschaften fester Körper. Der heutigen festkörperphysikalischen Grundlagenforschung kommt die wichtige Aufgabe zu, die Basis für zukünftige Technologien, innovative Materialsysteme und damit neue Produkte zu schaffen. Als Beispiele sollen hier Mikroelektronik- und Kommunikationssysteme, aber auch neuartige, ökologische und ökonomisch wichtige Materialien erwähnt werden.

Forschungsschwerpunkte

Die Forschungsarbeiten am II. Physikalischen Institut konzentrieren sich auf die physikalischen Grundlagen, die Herstellung die physikalische Charakterisierung neuartiger Materialsysteme (z. B. supraleitende, ferroelektrische und ferromagnetische Oxide, Clustermaterie, künstliche Dielektrika, Funktionskeramiken, intermetallische Verbindungen oder organische Materialsysteme). Bei der Materialherstellung werden dabei modernste Methoden der Dünnschichttechnologie (z. B. Laser-Molekularstrahlepitaxie, Cluster-Quellen) eingesetzt. Die physikalischen Eigenschaften der hergestellten Materialien werden unter extremen Bedingungen (tiefe Temperaturen, hohe Magnetfelder, großer Druck, hohe Frequenzen) analysiert. Im Bereich der Grundlagenforschung betreffen die zentralen wissenschaftlichen Fragestellungen die Änderung der physikalischen Eigenschaften bei Reduzierung der räumlichen Dimension (niedrigdimensionale und mesoskopische Systeme) und den Zusammenhang zwischen Struktur, Supraleitung, Magnetismus und Transport in Materialien mit stark korrelierten Elektronen. Unsere Forschungsarbeiten dienen neben der Erforschung der physikalischen Grundlagen neuartiger Materialsysteme auch deren Entwicklung und Verbesserung im Hinblick auf ihren technischen Einsatz. In diesem anwendungsbezogenen Bereich konzentrieren sich unsere Arbeiten auf die Entwicklung neuartiger elektrischer Bauelemente wie supraleitender Transistoren oder Quanteneffekt-Bauelemente, organischer Leiter und Hochfrequenzabsorber, die bis hin zur Produktentwicklung erforscht und entwickelt werden.

Ausstattung

Das II. Physikalische Institut verfügt über modernste Apparaturen zur Herstellung neuartiger Materialsysteme und elektronischer Bauelemente sowie deren Charakterisierung mittels Strukturanalyse, spektroskopischer Methoden und Transportexperimenten bei extremen Bedingungen (tiefe und hohe Temperaturen, hohe Magnetfelder, hoher Druck, hohe Frequenzen). Als zentrale Einrichtungen stehen ein Heliumverflüssiger, ein Dünnschichtlabor und ein Reinstraum zur Herstellung von elektronischen Bauelementen und nanostrukturierten Materialien zur Verfügung.

Perspektiven und Verknüpfungen

Die Forschungsarbeiten am II. Physikalischen Institut werden stark im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 341 (Physik mesoskopischer und niedrigdimensionaler metallischer Systeme), durch mehrere BMBF-Verbundprojekte, aber auch durch Förderung aus der Industrie sowie durch Einzelverfahren der DFG und der VW-Stiftung gefördert. Bei der anwendungsbezogenen Forschung bestehen enge Kooperationen mit Großforschungseinrichtungen und Industriepartnern (Siemens AG, Daimler-Benz AG, IBM, Bayer AG, Bosch AG, FRANKONIA GmbH, Zipperling, Cerasiv-Dynamit Nobel Hewlett-Packard).