I. Physikalisches Institut

(*Dieser Text wurde 1997 von den Mitgliedern Instituts als Beitrag zur Fakultätsbroschüre erstellt.)

Molekülspektroskopie in Labor und Weltall

Die Forschung am Institut konzentriert sich auf Molekülspektroskopie im Labor, interstellare Molekülspektroskopie und Entwicklung von Nachweissystemen für den Submillimeter-Spektralbereich. Die Laborspektroskopie klärt einerseits Fragen über Spektrum und Struktur von Molekülen, anderseits bildet sie die Grundlage für viele Anwendungen, z. B. Die Analyse atmosphärischer Spurengase in der Umweltforschung.

Zentrales Thema der interstellaren Molekülspektroskopie am Institut ist die Sternentstehung und die damit verknüpfte Rückwirkung der jungen Sterne auf die sie umgebende Molekülwolke, die zu einer Selbstregulierung des Sternentstehungsprozesses führt.

Technologischer Schrittmacher

Die Astronomie ist wegen der extremen Anforderungen an die Empfindlichkeit der Instrumentierung immer auch Schrittmacher für neue technologische Entwicklungen. Entsprechend hat die Entwicklung von Detektorsystemen für den astrophysikalisch interessanten Submillimeter- oder Ferninfrarot-Spektralbereich am Institut besondere Bedeutung.

Ausstattung und Infrastruktur

Die Forschungsarbeiten am Institut wurden über die letzten 15 Jahre maßgeblich im Rahmen des SFB 301 "Die Physik und Chemie der interstellaren Molekülwolken" gefördert, außerdem durch die Verbundforschung Astronomie, durch die Technologie-Förderung des BMBF und durch Sondermittel des Landes NRW, bzw. der Universität zu Köln. Das Institut betreibt seit über 10 Jahren das Kölner Observatorium für Submillimeter-Astronomie (KOSMA) mit einem 3m-Radioteleskop auf dem 3200 m hohen Gornergrat, Zermatt, Schweiz (einem der wenigen Standorte weltweit, deren atmosphärische Bedingungen Beobachtungen im Submillimeter-Bereich erlauben).

Für die Entwicklung der Detektoren verfügt das Institut über ein Mikrostrukturlabor. Mit den dort entwickelten supraleitenden Detektoren werden Empfindlichkeiten nahe der fundamentalen Grenze des Quantenrauschens erreicht.

Internationale Zusammenarbeit

Das Institut ist weltweit führend an der Entwicklung empfindlicher Instrumentierung für den Submillimeter-Spektralbereich beteiligt. In Köln gebaute akusto-optische Spektrometer werden z. B. In astronomischen Observatorien am geographischen Südpol (AST/RO), in Chile (ESO-SEST) oder für Spurengasmessungen der Stratosphäre auf Spitzbergen eingesetzt. Der NASA-Satellit SWAS (Submillimeter Wave Astronomy Satellite) ist der erste astronomische Satellit für hochauflösende Spektroskopie im Submillimeter-Bereich und hat ein Kölner Spektrometer an Bord. Ein am Institut gebautes Submillimeter-Empfangssystem kam im Frühjahr 1996 am neuen 10m-Submillimeter-Teleskop auf dem Mt. Graham zum Einsatz. Dort gelang die erste Entdeckung der 809 GHz Kohlenstoff-Spektrallinie aus einer anderen Galaxie.

Praxisorientierte Ausbildung

Sowohl das Teleskop wie auch alle Laboreinrichtungen werden unter Anleitung einer relativ kleinen Gruppe von permanenten wissenschaftlichen Mitarbeitern und Technikern fast ausschließlich von Studenten im Rahmen ihrer Doktor- und Diplomarbeiten betrieben. Damit kommen die Studenten mit einem breiten Spektrum von allgemein wichtigen technologischen Gebieten in Berührung. Die durch die Mitarbeit an komplexen Großgeräten bedingte Teamarbeit und die durch die zahlreichen Kollaborationen bedingte internationale Zusammenarbeit geben eine gute Vorbereitung für das zukünftige Berufsfeld.

Perspektiven

Als amerikanisch-deutsches Gemeinschaftsprojekt wurde Ende 1996 das Stratospheric Observatory for Infrared Astronomy (SOFIA) begonnen, ein 3m-Infrarot-Teleskop auf einer Boeing 747, die ab 2001 regelmäßig Beobachtungsflüge durchführen soll, an denen sich das Institut beteiligen wird.