Institut für Kernphysik

(*Dieser Text wurde 1997 von den Mitgliedern des Instituts als Beitrag zur Fakultätsbroschüre erstellt.)

Was die Welt im Innersten zusammenhält

Das Arbeitsgebiet

Die Untersuchung der Atomkerne sowie der Hadronen und ihrer Wechselwirkungen ist ein wichtiges Gebiet der Grundlagenforschung. Atomkerne sind quantenmechanische Vielteilchensysteme, in denen drei der vier fundamentalen Wechselwirkungen, die starke, die elektromagnetische und die schwache, wirksam sind. Hohe Bindungsenergien machen die Untersuchung der Hadronen und Kerne mit hochenergetischen Teilchenstrahlen notwendig, zu deren Erzeugung Beschleuniger erforderlich sind. Das Institut für Kernphysik betreut seit 1968 einen Van-de-Graaff-Tandembeschleuniger, der stetig ausgebaut wurde und eine hervorragende Maschine für die Grundlagenforschung im Bereich der Niederenergiekernphysik ist. Zusammen mit modernen Detektor- und Datenerfassungssystemen verfügt das Institut damit über ein ausgezeichnetes Forschungsinsturmentarium.

Physikalische Fragestellungen

In den ungefähr 2500 bekannten Nukliden zeigt sich eine ungeheure Vielfalt verschiedenartiger Strukturen und Anregungsformen von Atomkernen. Die Bestimmung der sehr unterschiedlichen Kernformen (sphärisch, ellipsoidförmig, triaxial), ihrer Stabilität bei hoher Drehgeschwindigkeit oder Temperatur sowie die Spektroskopie extrem deformierter (superdeformierter) Kerne stellt einen Forschungsschwerpunkt am Institut dar. Hierzu zählt auch die Suche nach Kernen mit unterschiedlichen koexistierenden Kernformen. Weitere Forschungsarbeiten in Köln konzentrieren sich auf Untersuchungen verschiedener Kollektivbewegungen angeregter Kerne wie Kernrotationen, Oberflächenschwingungen und der magnetischen Dipolschwingungen (Scherenmode).

Bei der Erforschung leichter Kerne steht die Nukleon-Nukleon-Wechselwirkung im Vordergrund. Wegen ihrer Spinabhängigkeit sind die Verwendung spinpolarisierter Strahlen und die Messung von Polarisationsobservablen wesentlich. Messungen am Dreinukleonenstreusystem sind u.a. durch die Suche nach experimentellen Beweisen der theoretisch postulierten Dreikörperkräfte motiviert. Die Untersuchung des Viernukleonensystems, wie z.B. mit Deuteron-Deuteron-Reaktionen, ist auch für Fusionsenergie- und astrophysikalische Fragen von Bedeutung.

Experiment und Apparaturen

Moderne Detektorenentwicklung ist, wie auch die Entwicklung spezialisierter Meßapparaturen, für die experimentelle Forschung unabdingbar. In Köln wurde neben verschiedenen Polarimetern und Geräten zur Messung von Zerfallszeiten (Plunger) das OSIRIS-Würfelspektrometer aufgebaut, mit dem wichtige Erkenntnisse auf dem Gebiet der Non-Yrast-Spektroskopie gewonnen werden konnten.

Langjährige Entwicklungsarbeiten an Quellen polarisierter Strahlen lieferten Erkenntnisse, die in die Konstruktion der Quelle polarisierter Ionen für das Cooler-Synchroton COSY-Jülich eingebracht werden konnten.

Im Rahmen von Diplom- und Doktorarbeiten wurde ein leistungsstarkes Meßdatenerfassungssystem entwickelt und gebaut.

Forschung und Lehre

Für die Ausbildung der Studenten ist die Beteiligung an modernen Forschungsprojekten von besonderer Bedeutung. Experimente am Großgerät Tandembeschleuniger bieten die Möglichkeit, vielfältige Kenntnisse auf den Gebieten der Vakuumtechnik, der Elektronik, der Datenverarbeitung und der Computertechnik zu erwerben, eine Voraussetzung für die guten Berufschancen der hier ausgebildeten Physiker in einer Vielzahl von Berufsfeldern.

Kollaborationen und Förderung

Nationale und internationale Zusammenarbeit ist für das Institut wichtig und selbstverständlich. Unsere Partnerinstitute sind u.a.:

Univ. Bochum, LBL Berkeley, GSI Darmstadt, TH Darmstadt, Univ. Göttingen, INR Dubna, Uni. Erlangen, FZ Jülich, LN Legnaro, Univ. Padua, FZ Rossendorf, Univ. Stuttgart, Univ. Tokio, Univ. Yale.

Die Forschungsarbeiten am Institut für Kernphysik werden durch das BMBF, die DFG die EG und vom FZ Jülich gefördert.