Institut für Mineralogie und Geochemie

(*Dieser Text wurde 1997 von den Mitgliedern Instituts als Beitrag zur Fakultätsbroschüre erstellt.)

Feste Körper fest im Griff

Forschungsprofil

Die Mitglieder des interdisziplinär ausgerichteten Instituts beschäftigen sich mit Fragen von atomaren Strukturen, über globale Stoffkreisläufe, bis hin zur Entstehung des Sonnensystems.

Gemeinsames Objekt der beteiligten Wissenschaften ist der Festkörper. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, unter welchen Bedingungen ein Festkörper entsteht, welche Wechselwirkung er mit seiner Umgebung zeigt und wie er auf äußere Einflüsse reagiert. Die Mineralogen und Geochemiker verwenden physikalisch-chemische Methoden, um damit Wechselwirkungen zwischen Festkörpern, Schmelzen und Lösungen zu untersuchen. Ziel ist es, die Bildung und Entwicklung von Gesteinen sowie die Verteilung chemischer Elemente im System Erde zu verstehen.

Die Wissenschaftler setzten ihre theoretischen Ergebnisse auch praktisch um. So entwickeln sie unter anderem Hochleistungskeramiken.

Forschungsschwerpunkte

Die Mitglieder des Instituts für Mineralogie und Geochemie konzentrieren sich auf aktuelle wissenschaftliche Herausforderungen sowie die Grundlagenforschung.

Einen Schwerpunkt bilden die Petrologie und Geochemie. Mit Hilfe von Feldstudien, experimentellen Arbeiten und thermodynamischen Berechnungen analysieren die Wissenschaftler die Entwicklungsgeschichte von Erdkruste und Erdmantel. Der Magmatismus und die Metamorphose dienen ihnen als Abbild geodynamischer Prozesse. Die Forscher untersuchen Transportmechanismen in geologischen Systemen sowie die Verteilung und Fraktionierung von Spurenelementen und Isotopensignaturen.

In der Kosmoschemie erforschen die Wissenschaftler Ursprung und Bildung fester Körper im Sonnensystem. Sie simulieren und berechnen Kondensationsprozesse im solaren Nebel und untersuchen meteoritische Materie. In Experimenten bestimmen die Forscher die Verteilung von Spurenelementen. Unter Drücken von mehreren hundert Kilobar und bei Temperaturen bei zu 2.000°C erlangen sie dadurch Erkenntnisse von der Entstehung des Erdkerns.

In der Oberflächengeochemie wird das Verhalten kristalliner Materie bei Auflösung, Wachstum, Korrosion, Verwitterung und Adsorption untersucht. Die Forscher analysieren diese Grenzflächenprozesse bis in den atomaren Bereich.

Die Umweltmineralogen entwickeln Verfahren, um Quellen und Verursacher von Schadstoffemissionen in Luft und Wasser zu identifizieren. Dies gelingt ihnen, indem sie Spurenelement- und Isotopensignaturen bestimmen. Sie konzipieren neue Methoden, durch die sich rückstandslos Schadstoffe in Wertstoffe umwandeln lassen. Ihr neues Verfahren zur verbrennungslosen und schadstofffreien Energieerzeugung aus Biomasse weist in die Zukunft.

Ausstattung

Das Institut besitzt unter anderem Röntgenfluoreszenz- und Atomemissionsspektrometer sowie Geräte zur Neutronenaktivierungsanalyse, die eine zerstörungsfreie Spurenelementanalyse im Nanogramm-Bereich zulassen. Die Wissenschaftler nutzen eine Elektronenstrahl-Mikrosonde, um Minerale und andere Feststoffe zu analysieren. Rasterkraft- und Nahfeldmikroskope erlauben, in Köln Festkörper bis in den Bereich atomarer Auflösung zu untersuchen. Die Forscher bestimmen mit Hochtemperaturmassenspektrometern thermodynamische Eigenschaften von Festkörpern. Sie sind mit Hochdruckapparaturen (bis 40 Kilobar) der Gesteinsentwicklung auf der Spur.

Dienstleistungen

Mit der Industrie und Wirtschaft arbeitete das Institut unter anderem auf dem Gebiet der Korrosionen und der Materialentwicklung zusammen. Zusätzlich lösen die Forscher mineralogische sowie geochemische Probleme für andere wissenschaftliche Einrichtungen, Behörden und Industrieunternehmen. Das Mineralogische Museum ist auch der Öffentlichkeit zugänglich.

Perspektiven und Verknüpfungen

Die Grundlagenforschung gewährleistet eine zukunftsorientierte Lehre und Ausbildung - die angewandte Forschung erbringt neue Verfahren, Methoden und Technologien. Interdisziplinär werden die Mineralogen verstärkt mit den Geowissenschaften, der Physik und Chemie sowie technischen Disziplinen kooperieren.