Zwischen Gravitationstheorie und Verkehrsmodellen - und im Schwerpunkt der Forschungsinteressen des Instituts - liegt der große Bereich moderner Festkörpertheorie.
Wie ein roter Faden zieht sich der Einfluß von Unordnung auf ansonsten regelmäßige Strukturen durch etliche verschieden Themenschwerpunkte. In Form von Störstellen führt sie bei tiefen Temperaturen und starken Magnetfeldern zum 1980 entdeckten Quanten-Hall-Effekt, der in ungeordneten zweidimensionalen Halbleiterstrukturen auftritt und die Messung einer Kombination von Naturkonstanten mit der Genauigkeit von einem millionstel Prozent gestattet. Im Ladungstranport in ungeordneten Nanostrukturen sind Quantenfluktuationen, nicht zuletzt wegen möglicher Anwendungen auf künftige Nanometer-Computertechnologien, von aktuellem Interesse. Ein mathematischer Teilaspekt der Arbeiten zu diesem Gebiet ist die supersymmetrische Pfadintegration. In einer ganzen Klasse von Materialien, z.B. supraleitenden oder magnetischen Systemen, wechselwirken Verunreinigungen mit topologischen Defekten des Materials. Dies hat dramatische Auswirkungen auf statische und Transportphänomene und ist von großem technologischen Interesse.
Auf Hochtemperatur-Supraleiter bezieht sich ein weiteres Arbeitsgebiet: Die Theorie stark korrelierter Elektronensysteme. Aktuelle Substanzklassen, die hier untersucht werden, sind schwere Fermionensysteme und Übergangsmetalle mit ihren Oxiden. Für niedrigdimensionale Modelle, mit Anwendung z. B. auf eindimensionale Fermionensysteme, lassen sich unter Umständen exakten Lösungen angeben. Am Institut wurde in diesem Zusammenhang das Konzept des "Optimum-Grundzustandes" entwickelt.
Wechselwirkende Quantensysteme, wie Bosekondensation, suprafluides Helium, Quantenspingitter und Eichmodelle zur Beschreibung magnetischer Kristalle, bilden einen weiteren Schwerpunkt.
Monte-Carlo-Simulationen auf Supercomputern (z.B. Cray T3E in Jülich) schließlich dienen der Analyse von magnetischen und geometrischen Phasenübergängen in sehr großen Modellen.
Zukünftige Neuberufungen sollen das Profil in Richtung Materialwissenschaften und Astrophysik ausweiten, um bestehende experimentelle Arbeitsgruppen zu unterstützen.
Die Absolventen des Instituts finden ihren künftigen Arbeitsplatz im Forschungsbereich, in Software- und Unternehmensberaterfirmen, bei Banken ("Risk-Management") und in der Industrie.