Was weiß man heute eigentlich über Pluto und warum ist er so interessant?

Pluto ist nicht nur der äußerste, sondern mit einem Äquatorradius von 1140 km auch der kleinste Planet, sogar noch kleiner als unser Mond. Er besitzt mit 17° die größte Bahnneigung gegen die Ekliptik und seine Bahn hat eine außergewöhnlich hohe Exzentrizität, mit e = 0.249 die größte der Planeten des Sonnensystems. Die Exzentrizität ist so groß, daß Pluto (ebenfalls als einziger Planet) die Bahn eines anderen Planeten, nämlich des Neptun, kreuzt. Dennoch wird es in den nächsten Milliarden Jahren zu keiner Kollision zwischen Pluto und Neptun kommen, da die Bahnen so synchronisiert sind, daß sich Neptun immer weit genug vom Kreuzungspunkt entfernt befindet, wenn Pluto Neptuns Bahn kreuzt. Seit 1979 befindet sich Pluto diesseits der Neptunbahn und wird bereits 1999 diese wieder nach außen queren, um dann für die nächsten 230 Jahre wieder der sonnenfernste Planet zu sein.

Erst im Jahr 1978 wurde der einzige bisher bekannte Mond von Pluto, Charon, entdeckt. Seit dieser Zeit allerdings ist, vor allem als Ergebnis einer rasanten Entwicklung der Beobachtungstechnologie, die Kenntnis über das Pluto/Charon System enorm angestiegen. Aber auch der Zufall kam bei der Erforschung dieses binären Systems zu Hilfe: zwischen 1985 und 1990 fand eine Reihe von gegenseitigen Bedeckungen von Pluto und Charon statt, aus deren Beobachtung man die Größen, Massen, Rotation und ahnparameter recht genau bestimmen konnte. Außerdem fand man große Schwankungen der Oberflächenalbedo Plutos, ein Befund der 1995 durch Beobachtungen mit dem Hubble Space Telescope (HST) bestätigt wurde. Die Oberfläche Plutos (und Charons) scheint also über viel Struktur zu verfügen.

Desweitern fand 1988 eine Sternbedeckung durch Pluto statt, ein sehr seltenes Ereignis. Dabei schob sich Pluto vor einen Hintergrundstern. Aus der Geschwindigkeit, mit der die Helligkeit des Sterns abnahm, konnte man auf die Existenz einer Atmosphäre auf Pluto schließen.

Wirft man einen Blick auf die Planeten unseres Sonnensystems, so fällt folgendes auf: die inneren Planeten sind erdähnlich, bestehen im wesentlichen aus Gestein (und besitzen im Innern einen Metallkern) und sind ``klein''. Die äußeren Planeten bestehen hingegen vorwiegend aus Gas und sind ``groß'' (daher auch der Name ``Gasriesen''). Als gefrosteter Winzling passt nun Pluto überhaupt nicht in diese Ordnung. Heute geht man daher mehr und mehr dazu über, Pluto nicht nur als äußeren Planeten (mit Atmosphäre, Magnetosphäre (?), Gezeitenwechselwirkung etc.), sondern auch als (größtes ?) Objekt des ``Kuiper Disk'' zu typisieren. Lesen Sie dazu mehr im Kapitel ``Der Kuiper Disk''.



Physikalische Parameter von Pluto

Mittlere Entfernung von der Sonne
Siderische Periode
Äquatorradius
Rotationsdauer
Oberflächentemperatur
Neigung des Äquators gegen die Orbitbahn
Zahl der bekannten Satelliten
Atmosphärenzusammensetzung
39.4 Astronomische Einheiten (AU)
247.68 Jahre
1170 km
6.4 Tage
ca. 40 Kelvin
96°
1 (Charon)
N2, CO, CH4

Physikalische Parameter von Charon

Äquatorradius
Mittlere Entfernung von Pluto
620 km
20000 km

Autor: Dr. Lex Wennmacher