Forschungsprofil
Der überwiegende Teil der im festen Zustand vorliegenden Materie
besteht aus Kristallen. Diese bauen sich aus Atomen, Ionen oder Molekülen auf,
die streng symmetrisch, dreidimensional periodisch angeordnet sind.
Das Fach Kristallographie analysiert deren Entstehung und Wachstum, die
Kristallstruktur und deren Gesetzmäßigkeiten unter
Beachtung der chemischen und physikalischen Eigenschaften, die sich in
einer besonderen Weise richtungs- und symmetrieabhängig räumlich
entfalten.
Forschungsschwerpunkte
Das Kölner Institut für Kristallographie nimmt durch seine
wissenschaftliche Ausrichtung national eine Sonderstellung ein. Während
die Mitarbeiter der meisten vergleichbaren Institute rein strukturellen
Fragen nachgehen, konzentriert sich die Forschung in Köln auf die
Kristallphysik und Kristallzüchtung. Diese ergänzen sich in der
Grundlagenforschung und bilden eine ausgezeichnete Brücke zu den
Materialwissenschaften. Den Rahmen der Grundlagenforschung liefert die
Interpretation von physikalischen Eigenschaften. Es werden Beziehungen
zwischen Struktur und Chemismus untersucht. Man geht von physikalischen
Modellen aus, um die kristallographischen Eigenschaften zu analysieren.
Dabei berücksichtigt man insbesondere die Symmetrie und Kristallchemie.
Dies erleichtert es, die Eigenschaften komplexerer Kristalle zu verstehen -
für einen Materialwissenschaftler, der nach neuen Verbindungen sucht,
ein ausgezeichnetes Werkzeug.
Nur Kristalle, die über kein Symmetriezentrum verfügen,
können nichtlineare und elektrooptische sowie piezo- und
pyroelektrische Eigenschaften aufweisen. Gezielt wird nach neuen
azentrischen Kristallen gesucht, gleichzeitig wird versucht, Kristallarten
mit stark polaren Effekten maßzuschneidern. Die Fragestellungen
bewegen sich zwischen der Grundlagenforschung und angewandten
Materialwissenschaften.
Einen weiteren Schwerpunkt bilden strukturelle Phasenumwandlungen. Mit
ihnen gehen kristallphysikalische Anomalien und strukturelle
Veränderungen einher.
Am Kölner Institut werden mehrere Kubikzentimeter große
Einkristalle gezüchtet. Zum einen werden aus überwiegend
wäßrigen Lösungen Kristalle gewonnen, von einfachen
anorganischen Salzen bis hin zu komplexen Verbindungen mit organischen
Komponenten. Zum anderen werden Schmelzzüchtungsverfahren, wie
das Czochralski- und das Bridgman-Verfahren sowie die "top seeded
solution growth" (TSSG) Methode benutzt. Das Metrialspektrum bilden hier
oxidische Substanzen, mit besonderer Berücksichtigung der Borate und
Phosphate. In den Züchtungsexperimenten wird versucht die chemischen
Verteilungsgesetze zu beeinflussen und zu beherrschen, die strukturelle
Perfektion zu erhöhen und den Einfluß von
Mischkristallkomponenten und Dotierungen auf die Kristalleigenschaft zu
analysieren.
Verknüpfungen und Perspektiven
Das interdisziplinäre Fach Kristallographie ist durch eine Reihe von
Gemeinsamkeiten mit der Mineralogie in der Fachgruppe Geowissenschaften
verankert. Ebenso wichtig ist eine enge Kooperation mit anderen
Festkörperdisziplinen, vor allem mit der Anorganischen Chemie und der
Festkörperphysik. Das äußert sich z.B. im 2006 abgeschlossenen
Graduiertenkolleg 549
Azentrische Kristalle und im Ende 2012 beendeten Sonderforschungsbereich 608
Komplexe
Übergangsmetallverbindungen mit Spin- und Ladungsfreiheitsgraden und Unordnung.
Vertreter der Fächer Experimentalphysik, Theoretische Physik (Standort
Köln und Bonn), Anorganische Chemie und
Kristallographie sind hier tätig.
Laufende Drittmittelprojekte des Instituts für Kristallographie sind im
Grenzgebiet zwischen Grundlagenforschung und Materialwissenschaften
angesiedelt. Den größten Umfang nimmt ein Projekt auf dem Gebiet
der nichtlinearen Optik ein.