Wirbellosen-Fauna der Großstadt Köln


Zusammenfassung

Städtische Lebensräume sind durch vielfältige anthropogene Eingriffe in das Ökosystem charakterisiert, die zu Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt führen. Im folgenden werden die Ergebnisse aus Band I (1992) und Band II (1996) zusammengefaßt. Am Beispiel der Großstadt Köln wurde erstmals in dieser Vollständigkeit der untersuchten Gruppen und in dieser Kompaktheit die Tierwelt des dem Menschen nächstgelegenen, städtisch-industriellen Ökosystems untersucht, und zwar im Hinblick auf
1. das Arteninventar von verschiedenen, vor allem am Stadtrand gelegenen und durch städtische Faktoren weniger gestörten, naturnahen Biotopen, die durch die Ausdehnung der Bebauung bald von Gebäuden eingeschlossen sein werden,
2. das Arteninventar einiger Innenstadtbiotope und - unter thematischem Aspekt -
3. das Vorkommen von für den Menschen (un-)mittelbar relevanten Arten (i.S. von Vorratsschädlingen und Hausungeziefer, Bioindikatoren sowie Nutzinsekten) sowie das Massenschwärmen von Insekten.

Unter stadtökologischen Aspekten wurden 49 Tiergruppen unterschiedlicher systematischer Kategorien unter Einsatz verschiedener Erfassungsmethoden (MALAISE-, BARBER-, Licht- und Pheromonfallen-, Gelbschalen-, Kescher-, Köder- und Handfänge) registriert ("1992": Angaben in Band I, "1996": Angaben in Band II; "I": Innenstadt-Untersuchung): Mollusca: Gastropoda et Bivalvia (1996, I), Araneae (1992, 1996, I) und Araneae des NSG "Wahner Heide" (1996), Odonata (1992, 1996); Ensifera et Caelifera (1996 I); Orthopteromorpha (1996); Hemiptera: Heteroptera (1992, 1996), Auchenorrhyncha (1996), Coccina (1996, I); Neuropteroidea (1992); Coleoptera (1992, 1996) und Coleoptera des NSG "Wahner Heide" (1992); Hymenoptera: Formicidae (1996), Vespidae (1996), Pompilidae et Sphecidae (1996), Apidae (1996), Bombus et Psithyrus (1996); Macrolepidoptera (1992, I, 1996); Diptera: Stratiomyidae (1992), Lonchopteridae (1992), Bombyliidae et Conopidae (1996), Micropezidae (1992), Psilidae (1992), Agromyzidae (1992), Sciomyzidae (1992), Sepsidae (1992), Sphaeroceridae (1996), Heleomyzidae (1992), Trixoscelididae (1992), Lauxaniidae (1992), Empididae (1992, 1996), Hybotidae (1992, 1996), Microphoridae (1992, 1996), Atelestidae (1992, 1996), Phoridae (1996), Pipunculidae (1996), Syrphidae (1996), Tachinidae (1996), Drosophilidae (1996), Chloropidae (1992), Scatophagidae (1996), Fanniidae sowie Ulidiidae, Muscidae, Sarcophagidae, Piophilidae, Anthomyiidae, Calliphoridae, Tephritidae (1996, partim, I). Angewandte Fragestellungen beziehen sich auf 1) das den Laien beunruhigende Massenschwärmen der Eintagsfliege Ephoron virgo am Rhein (1996, I), 2) Brombeerhecken und Lebensgemeinschaften von Stechimmen (1996), 3) Vogelnistkästen als Entwicklungsherde von Vorratsschädlingen (1996, I), 4) den Einfluß der Tierhaltung im Stadtgebiet auf synanthrope Fliegen (1996, I), 5) die Nutzung von Mollusken und Insekten in Kunst, Kultur und Kommerz (1996, I) und 6) die Verwendung der Daten für das Artenschutzkataster der Stadt Köln (1996, I).

In den untersuchten Tiergruppen konnten aktuell aus Köln fast 4.000 Arten registriert werden, unter Berücksichtigung kumulativer Langzeiterfassungen und nach Auswertung von Sammlungen und der Literatur fast 4.500 Arten mit fast 250.000 Individuen entsprechend 16-75% des gruppenspezifischen Arteninventars in Deutschland. Aus dem NSG "Wahner Heide" bei Köln liegen in zwei separaten Erhebungen Angaben von über 2.100 Arten mit >36.000 Individuen vor.
Außer Gruppen anspruchsloser und damit anpassungsfähiger und erfolgreicher Arten konnten auch solche mit spezialisierten, nur an wenigen Standorten vorkommenden Spezies nachgewiesen werden.
Soweit Vergleiche möglich sind, zeichnet sich ab, daß die untersuchten Flächen in der Stadt geringere Arten- und Individuenzahlen aufweisen als naturnahe Flächen im Umland. Dennoch ergeben sich insgesamt relativ hohe Gesamtartenzahlen in Köln aufgrund von hohem methodischen Aufwand und Flächengröße.
Aus beinahe allen Gruppen werden aus Köln Arten der "Roten Listen" der vom Aussterben bedrohten Tierarten aufgeführt. Bisher wurden 14 für die zoologische Wissenschaft neue Tierarten in Köln entdeckt. Mindestens 61 weitere Arten wurden in Köln erstmals für Deutschland, 31 Arten erstmalig für NRW nachgewiesen. Von einigen Autoren werden Empfehlungen zum Schutz und zur Pflege ausgewählter städtisch-industriell geprägter Gebiete gegeben.

BESTELLUNGEN sind möglich bei der
Geschäftsstelle des Naturhistorischen Vereins der Rheinlande und Westfalens,
Nußallee 15a,
D-53115 BONN

Band I (DECHENIANA-BEIHEFTE Band 31): Preis 42,- DM (zuzügl. Porto u. Verp.)

Band II (DECHENIANA-BEIHEFTE Band 35): Preis 50,- DM (zuzügl. Porto u. Verp.)


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Letzte Änderung : 10. Juni 1999
KJB