Ökologie
Blutströpfchenschmetterlinge
als Modellorganismen für Insekten mit komplexer jahresperiodischer
Entwicklung:
Innerhalb
einer engen Verwandtschaftsgruppe liefert der
Blutströpfchenschmetterling Zygaena trifolii (Esper, 1783) neue und
orginäre Einsichten über die
Variabilität der Steuerung von Lebenszyklen bei Insekten. Variable
Intensität,
Dauer und Stadium sowie Repetition der hormonal kontrollierten
Diapausereaktion
bei Larven von Zygaena sind
vielfältige Reaktionsmöglichkeiten für die
jahreszeitliche Einpassung des
Lebenszyklus in die Umweltbedingungen in Extrembiotopen und
ermöglichen eine
Entwicklungsunterbrechung bei Phasen mit ungünstigen
Wachstums- und
Reproduktionsaussichten. Mitteleuropäische Stämme
verteilen das
Fortpflanzungsrisiko einer Jahrgangskohorte durch Modulation ihrer
Ruhephasen
auf mehrere Jahre. Die Vererblichkeit des Merkmals
"Entwicklungsdauer" wurde mit Hilfe der Eltern-Nachkommen-Regression
getestet. Die Dauer der Larvalentwicklung von Nachkommen assortativ
verpaarter Eltern und der Eltern selbst weist eine genetisch
signifikante Varianz auf, die durch Versuche mit Inzuchtserien mit
disruptiver Auslese der sich rasch entwickelnden, aber zunächst
selten auftretenden L4-Diapauselarven bestätigt wird. Gleichzeitig
wird jedoch deutlich, daß schon in größeren Familien
soviel Varianz in der Entwicklungsdauer vorhanden ist, daß
zumindest einige der Nachkommen einzelner Weibchen einer
Jahrgangskohorte auch unter unvorhersagbaren Umweltbedingungen
Überlebenschancen haben. Die
Ergebnisse zeigen, daß sowohl umweltbedingte
individuelle Flexibilität (Polyphänismus) als auch
Vererbbarkeit adaptiver
Merkmale (genetischer Polymorphismus) die Voraussetzung für
langfristige
Anpassungen der Zygaena-Arten bilden
und das Überleben der Gesamtpopulatuion auch unter
unzuverlässig
fluktuierenden Klimabedingungen garantieren.
Dies
führt einerseits zu interessanten Anpassungskompromissen
(trade - off) bei wesentlichen Lebenszykluskomponenten, wenn die
Umweltsignale
nicht zuverlässig für zukünftige
Entwicklungsoptionen sind. Andererseits ist
die genetische Analyse einer möglichen Vererblichkeit der wohl
wichtigsten,
bisher aber nur selten untersuchten Lebenszykluskomponente "intra- und
interspezifische Variabilität der Diapause" eine
Voraussetzuung, um Hinweise
auf die Schlüssel- und Schaltstellen im Entwicklungszyklus einer
Insektenart zu
finden. Die Vererblichkeit der Merkmale "Diapause" und
"Entwicklungsgeschwindigkeit" ist bisher in dieser Vollständigkeit
und Kompaktheit bei kaum einer anderen Art untersucht worden. Die Untersuchungen wurden
durch energetische Fragen zur Diapausedauer und parasitäre
Randbedingungen
ergänzt.
Insekten - alpine Lebensräume:
Wirtswahl und Fressverhalten herbivorer Insekten einerseits sowie in
der alpin- subnivalen Stufe tages- und jahreszeitlich nur
beschränkt zur Verfügung stehende günstige Bedingungen
für Wachstum, Entwicklung und Reproduktion versprechen
interessante ökophysiologische Anpassungsleistungen. Bei der
Schmetterlingsart Zygaena exulans kann die Entwicklungsdauer
innerhalb einer Nachkommenschaft zwischen mehreren Jahren variieren,
weil sich ein Teil der Larven erst nach fakultativ mehrmaliger
Überwinterung zur Imago entwickelt. Die Verteilung der
Nachkommenschaft auf mehrere Jahre wird als "spreading of risk"
interpretiert, weil im alpinen Sommer die Bedingungen für Wachstum
und Reproduktion der wärmeliebenden, tagaktiven Imagines
möglicherweise ungünstig sind. Im Beispiel von Z. exulans
sind weite larvale Futterpflanzenspektren (Lotus alpinus,
Rhododendron ferrugineum, Salix glaucorsericea, S. retusa und ihre
Hybriden) sowie tageszeitliches Sonnverhalten von Larven und Imagines
weitere Voraussetzungen für ein Vorkommen in der alpin- subnivalen
Stufe.
Statt
Landschaft Stadtlandschaft; Kölns Tierleben: (Wirbellosen-Fauna
der Großstadt Köln)
In Köln ist ein breites
Spektrum von 49 Wirbellosengruppen (Insekten, Spinnen und Mollusken)
unter
Beteiligung von 51 Wissenschaftlern untersucht worden.
Betrachtet man
Biodiversität als Artenreichtum, dann ist Köln mit mehr als
5500 Tierarten die
zur Zeit bestuntersuchte und artenreichste Großstadt. Die
Bewertung der untersuchten
Stadtbiotope stützt sich dabei nicht allein auf die zahlreich
nachgewiesenen
"Rote-Liste"-Arten, die für die Wissenschaft neu entdeckten
Tierarten
oder den Umfang des Artenspektrums. In aktuellen Untersuchungen
erweisen sich
Laufkäfer (Carabidae) als geeignete Instrumente, wenn wichtige
Lebenszyklus-Komponenten
bei innerstädtischen Populationen mit solchen aus naturnahen
Habitaten am
Stadtrand verglichen werden sollen, um Biotopinseln in der
Innenstadt als
"Quellstrukturen" für die Überlebensfähigkeit von
Tierarten zu
beurteilen und zum Ziel von (Natur‑)Schutzbemühungen in den
flächenhaft immer
stärker expandierenden Stadtlandschaften zu machen.
Fühlinger See und
Escher See -Zwei Sport- und Naherholungsgebiete im Spannungsfeld
zwischen naturverträglicher Gestaltung und intensiver Nutzung-
untersucht am Beispiel von Libellen (Bearbeiter T. Steinke):
Libellen sind durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt,
viele Arten sind in Nordrehin-Westfalen auf der "Roten Liste
bestandsgefährdeter Tierarten aufgeführt. Die Ökologie
vieler Libellen ist gut bekannt und die meisten Arten sind gut im
Gelände zu identifizieren. Deshalb werden Libellen als
Biodeskriptoren in der ökologischen Begutachtung
regelmäßig benutzt. Aus dem Vorhandensein (oder Fehlen)
bestimmter Arten kann auf die Umweltqualität des Lebensraums -hier
Fühlinger und Escher See- geschlossen werden.
Die laufenden Untersuchungen erstrecken sich nicht nur auf das
Artenspektrum und die Populationsdichten der einzelnen Arten. Die
Untersuchungen sollen vielmehr zum einen den Erfolg der bisherigen
Renaturierungsmaßnahmen anhand einer semiaquatischen
Insektengruppe -den Libellen- messen und zum anderen durch
ergänzende Vorschläge auch der weiteren Verbesserung der
Umweltqualität dieser Sport- und Freizeitseen in Bezug auf eine
nachhaltige Entwicklung dienen. Die Ergebnisse könnten
Modellcharakter für ähnliche stadtnahe Seen haben, die im
Spannungsfeld zwischen Natur sowie Sport und Freizeit stehen.
Molekulare
Biogeographie
(Kooperation mit der Universität Trier, Projektleitung
Prof. Dr. Th. Schmidt und dem Musée national
d'histoire
naturelle du Luxembourg, Dr. M. Meyer)
Die Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten variiert in Raum und Zeit. In der Biogeographie kann die zeitliche Dimension eines Verbreitungsgebietes durch die genetische Analyse von Populationen untersucht werden. Die genetischen Informationen der Chromosomen oder der Mitochondrien werden dazu bestimmt. Durch nicht zufällige Verteilung genetischer Informationen können Rückschlüsse auf die Arealdynamik und die Arealkerne von Arten gezogen werden, insbesondere wenn es sich dabei um heute isoliert lebende Arten mit mediterraner oder borealer Herkunft handelt, die im Rheinland die Nordwestgrenze ihrer Verbreitung erreichen.
Die
Trierer Biogeographie arbeitet mit Modellorganismen wie der im
Naturschutz
hochbewerteten Fauna-Flora-Habitat Schmetterlingsart Lycaena
helle Art intensiv in diesem molekularen Forschungsfeld und
untersucht sowohl DNA- wie auch Enzym-Polymorphismen, wobei
Sequenzierung von
Organellen- und Kern-DNA, Mikrosatelliten-Analysen,
DNA-Fragmentlängen- und
Allozym-Polymorphismen zu den eingesetzten Methoden gehören.
Didaktik
In dem Lehramtsmodul Animal Field Ecology wird ein mehrtägiges Ökologisches Alpenpraktikum mit vorbereitend- begleitendem Seminar durchgeführt.
Das Modul beinhaltet Bildungsziele des Fachunterrichts und gibt einen ersten Einblick in fachdidaktische Unterrichtsansätze. Es verbindet Lehren und Lernen sowie das fachbezogene Reflektieren und Kommunizieren und bringt die entsprechenden Kenntnisse und Fähigkeiten anhand schulrelevanter Inhalte (z.B. bei späteren Freilandstudien während eines Schullandheimaufenthaltes) zur Anwendung. Das Modul vermittelt die theoretischen Kenntnisse und praktischen Fähigkeiten zur Planung, Durchführung und Analyse von Biologieunterricht an außerschulischen Lernorten.
Im Detail:
In den Alpen finden sich grössere naturnahe Lebensräume. Im
Rahmen des Alpenpraktikums
lassen sich an solchen außerschulischen Lernorten konzentriert
ganz allgemein ein
intensives Naturerlebnis demonstrieren wie auch das Interesse an Tieren
und
Pflanzen wecken. Der wissenschaftsorientierte
Fachunterricht steht im Vordergrund. Mit dem Vermitteln von
Artenkenntnissen
kann den Studierenden verdeutlicht werden, wozu solche Kenntnisse
nötig sind
und wie man zu Artenkenntnissen gelangt ((z.B. Entdecken der
Artenfülle auf
einer insektenreichen (Berg)-Blumenwiese, arbeiten mit
wissenschaftlichen
Texten, Bestimmungswerken und Feldbüchern, Unterschiede finden
zwischen
Wissenschafts- und Umgangssprache… )). Das
Expertenwissen von zukünftigen Lehrern kann von den taxonomischen
Kenntnissen,
die vielleicht für die Gestaltung späterer
Unterrichtseinheiten interessant
sind (Vergleich von Mundwerkzeugen bei Insekten) hin
zu den Lebensgemeinschaften (Artengemeinschaften
und Biozönosen der verschiedenen Höhenstufen und
Vegetationszonen in den Gebirgen)
geführt werden. Durch die Vielfalt des Gebotenen ist die
Motivation der
Studierenden immer gegeben. Die
Übertragung von Fachmethoden auf Schulversuche wird erprobt
(Kartierungen, Abundanzbestimmungen
mittels Fang-/Wiederfangmethoden)
und das allgemeine Interesse an Natur- und Umweltschutzfragen
gestärkt. Zur Leistungsmessung
wird von den Studierenden ein Poster erstellt. Kurze biologische Texte
fassen
das Wesentliche der Beobachtungen plakativ und verständlich auf
dem Poster
zusammen. Dabei müssen sich die einzelnen Arbeitsgruppen der
Studierenden um
den begrenzten Platz auf dem Poster auseinandersetzen und miteinander
kooperieren. Der Umgang mit PC-Systemen (Excel
für statistische Auswertungen, Word
und Powerpoint für
die Präsentation
wird vertieft.