Wieder
eine
Weltmeisterschaft, bei der ich mit von der Partie war
Beim Einkranen wurden die Schiffe gewogen.
Dazu war es auszuräumen. Gunnar tat sein Bestes. Hat dann
aber doch viel dringelassen. 1080kg brachte die í3V auf die
Waage wenn alles ausgeräumt gewesen wäre, könnten es
vielleicht 20-30kg weniger gewesen sein. Aber sie ist immer noch eine
der
Schwersten. Für den 6PS-Motor mussten wir, weil er zu leicht war,
noch Balast zuladen.
Dann
ging's zu Wasser. Alle Sharks lagen mit dem Bug nach vorne an den
Stegen. Für mich war das unmöglich. Ich hatte einen
wehen
Rücken und kam außerdem gerade von einer
Bandscheibenvorfallbehandlung. Deshalb reservierte man mir einen Platz,
an
dem
ich seitlich anlegen konnte. Damit war das wichtigste einmal erledigt.
Erfreulich flexibel waren die Rödeler.
Unsere Segel-Vermessung
war unproblematisch! Ich wusste, dass meine
OK waren. Auch die Anmeldung war OK.
Im Regattabüro erlebte ich wirklich perfekte Organisation. Jede
Crew erhielt Drei
verschiedene
Nummernschilder. Eines zum Anbringen am Schiff,
eínes zum Anbringen am Liegeplatz und einee um es auf eine Tafel
im
Aufgang zum Regattabüro zu hängen. Wir hatten
die Nummr 42. Vor jedem Auslaufen hatte man seine Nummer von der
Tafel zu nehmen und nach dem Einlaufen (genau 90 min nach Ende der
letzten Tageswettfahrt) wieder dort aufzuhängen.
Wer das
vergaß, wurde disqualifiziert. Beim ersten Mal hatten wir
vergessen sie mitzunehmen. Man hat uns verziehen aber Konsequenzen
für das
nächstem mal angedroht.
Außer den
Erinnerungsgaben wurden Marken
für das
Regattadinner, gesponsert von der Regattaleitung und eine Knipskarte
für die täglichen 'Happy Houres' ausgegeben. Am erste Abend
saßen
wir draußen um ein Lagerfeuer herum. Bier und andere
Getränke konnte man
kaufen und
dazu gegrillten Truthahn futtern. Preiswert und sättigend. Bis
spät in die Nacht hinein wurde getrunken, gegessen und gesungen.
Zur Einstimmung war das eine gute Idee.
Lüder
Heidemanns, ein guter
Bekannter aus der Wiesbadener Gruppe, sah mich umher humpeln. Er
bot mir eine heilende Salbe an, die ich auf meinen Rücken
schmieren
lassen konnte. Jürgen hat das liebevoll besorgt und zusammen mit
einem Nierengurt, den ich mir vorsorglich in Köln gekauft
hatte, wurde mein
Rücken besser und besser:
Die Tatsache, dass ich bereits seit
Jahren der älteste Teilnehmer bin, lässt die Sharkies
besonders höflich sein. Die Tatsache, dass mich alle als
Professor anreden,
lässt einen Jüngeren fragen, ob das ein Spitzname sei, oder
ob
ich wirklich einer wäre. Ich erläuterte ihm, dass es für
Viele einfacher sei als Hermann Josef.
Am Montag Morgen ging es mit der ersten Wettfahrt
los. Start war um
11:00.
Gegen 9:00 fuhren die meisten und auch wir zur Regattabahn. Zuerst
unter Motor und bald schon unter Segel. Der Wind blies achterlich und
frisch. Wir gewöhnten uns an das Wasser. Die Welle war sehr
erträglich. Jürgen, der das Revier von 505er Regatten bereits
kannte,
hatte sie uns als unangenehm geschildert. Mag sein für 505er.
Die Crew musste
sich wieder aneinander gewöhnen. Das
dauert immer seine
Zeit! Offensichtlich bin
ich einfach
zu
ehrgeizig um ruhig zu bleiben,
wenn es darum geht schnell zu sein und es nicht so klappt, wie es
sollte. Jürgen hat offensichtlich den
gleichen Ehrgeiz, aber andere Vorstellungen, wie man ihn
befriedigt. Kein Wunder dass es da zu Diskussionen kommt! Nur
einer kann
Skipper sein.
Ich weiß nicht
wie die Wertung zustande gekommen ist. Ich hatte den Eindruck bei
der 1.
Wettfahrt an backbord an der Zieltonne vorbei gefahren zu sein.
In der Liste
stehen wir auf dem 41. Platz.
Mit den Cracks mitzuhalten, ist uns nicht möglich.
Welten liegen
zwischen ihnen und uns. Wenn man sieht, wie sie vorneweg ziehen und in
der Lage
sind, auf der Kreuz jeden vorhandenen Wind in Vortrieb umzusetzen.
Dabei kürzen sie die Segel nur selten.
Das Wetter blieb die ganze Woche über windig, von frisch auf
stürmisch mit
zunehmender Tendenz
wechselnd. Wir packten bald die 180er Genua ein und
wechselten zur 150er, dann zur Fock, Auch das Großsegel
kürzten wir, bis zum Schluss, am letzten Tag
(Samstag) mein altes Groß mit dem zweiten Reff zum Einsatz kam.
Schaut man die sich die Ergebnisse an, so wäre es nicht ganz
so schlecht gelaufen, wenn wir uns nicht entschlossen
hätten,
auf
die Wettahrten am Samstag zu
verzichten. Zwar sind wir mit rausgefahren und haben die Shark
unter den bestehenden Windverhältnissen (7Bf) genossen. Der
gemeinsame Beschluss nicht mitzustarten stand sicher auch unter
dem Eindruck meiner Blessur, die ich mir Mittwochs eingehandelt
hatte. So kommt unsere Zielreihung 41, 44, 50, 49, 52, 47, dnc, dnc
zustande. Der 51 Platz war deshalb gar nicht so schlecht. Wie die 50er
Plätze zustandegekommen sind, muss ich erklären. Alle
Wettfahrten waren
'Up&Down'-Kurse. Dabei war die Startlinie erfreulich lang und wir
sind meist
gut weggekommen. Die Ziellinie dagegen war kurz (meines Erachtens zu
kurz). außerdem lag sie bei allen Wettfahrten sehr dicht an der
Leetonne. Nach dem Spikurs um die Tonne herum und ins Ziel zu kommen
war richtig Hetze.
Und in
den meisten Fällen von unsern unmittelbaren
Kontrahenten nicht all zu gut bewältigt. Dazu kam ein
Problem, dass wir auch erst erfahren mussten: Nämlich die
Ankerleine des
Zielschiffs. Wir haben sie gleich beim zweiten Durchgang
kennengelernt und eingefangen. Sie lag ohne Markierung
(verständlich) in Richtung Ziellinie und war ein schwer
erkennbares
Hindernis. Bei späteren Wettfahrten
waren es dann andere, die ihre negativen Erfahrungen damit machten, Wer
darin
hängen blieb, war Hindernis beim
Zieldurchgang und fing Nachfolgende auf, auch wenn die die Leine
berechnet hatten. Jetzt war sie durch den Anhängenden ja um etwa
8m
verbreitert. Und jedes
weitere Schiff, das sich verfing, machte die Ziellinie kürzer.
Zweimal
hatten wir das Pech so behindert zu werden. Das kostet natürlich
Plätze.
Weit davon entfernt
ein guter Regattasegler zu sein fällt mir auf, dass neben
den wenigen 'Auserwählten' die große Gruppe der
Mittelmäßigen und die der Schlechten mitsegelt.
Zu
Gedränge kommt es
bei den Mittelmäßigen, weil die in der Mehrzahl sind. In
solch ein Gedränge
hineinzugeraten ist platzraubend. Fehlen doch bei den meisten
zusätzlich
ausreichende Regelkenntnisse. Man hält sich deshalb vielleicht
besser raus aus brenzlichen Situationen.
Einmal habe
wir es nicht getan; am
Mittwoch bei der ersten Wettfahrt. Wir liefen auf das Leefass zu,
hatten den Spi geborgen, und dicht vor uns eine Gruppe von drei oder
vier Booten. Bei der Tonnenrundung war innen eine Menge Platz, den wir
ausnutzen wollten. wir setzten zur Rundung an, als da einer
war, der
glaubte es noch besser zu können, er hatte den Spi noch stehen und
fuhr zwischen uns und der Tonne geradeaus
weiter .Das war
Kollisionskurs! Er traf uns in Höhe des Travellers; also da, wo
ich als Steuermann sitze. Mit dem Krachen beim Zusammestoß sah
ich
aus dem linken
Augenwinkel
die stahlbewehrte Bugspitze auf meinen Kopf zuschießen. Den
konnte ich gerade noch wegdrehen. Die linke Schulter war dann der
Prellbock,
der die ganze Wucht der etwa 1,5 Tonnen (mit Besatzung) unter
Spi
bei mindesten 5 Bf aufzufangen hatte. Es haute mich in die Plicht
hinunter,
das Schiff war steuerlos. Ich hatte unter dem Schock
Mühe mich aufzurappeln. Deutlich unter dem
Eindruck dem Tod entronnen zu sein entfuhr mir der Satz, " Wollt Ihr
mich umbringen"! und das gleich mehrere Mal. Es war aber keineswegs
so. Dank
Schutzengel, kurzem Reflexintervall und Glück hatte ich mich
bald wieder im Griff. Meine Mannschaft reagierte vorbildlich.
Jürgen war glücklich, dass ich mich so äußerte,
wie ich es tat, weil ihm dadurch gleich klar war, dass alles OK sein
müsse.
Gunnar hatte sich
gerade davor gerettet durch das killende Vorsegel von Bord
geschleudert zu werden. Unter dem Eindruck der Ereignisse meinte er,
während ich meinen Einsatzfähigkeitsgrad prüfte, wir
sollten doch vielleicht die Wettfsahrt abbrechen. Ich
räsonierte:" der eine sagt mir wohin ich fahren soll
(Jürgen hatte die Lücke erkannt) und der
andere, wann ich aufhören soll. Ich bin der Skipper!
Ich entscheide! und sage wir fahren weiter." - So geschah
es. Ich
merkte sehr bald, dass ich die Großschot halten und kontrollieren
konnte und den Traveller bedienen konntem, ohne große Schmerzen
zu
haben. Also ging es weiter! Wir fuhren noch eine zweite Wettfahrt und
dann nach Hause ( Röbel Hafen). Dort angekommen ging es zum
Arzt.
Jürgen fuhr mich
hin. Dr. Buhse ein Orthopäde
machte
Röntgenaufnahmen und
Sonogramme. Er stellte fest, dass keine Knochen verletzt und auch
keine Sehnen oder Muskeln gerissen
waren.
Auf dem Weg
zur Apotheke erlebten wir noch ein kleines Zwischenspiel mit einer
Polizeistreife. Sie hatte
offensichtlich gesehen, was sie mir vorwarfen nachdem sie uns
angehaltern hatten: Ich war nicht
angegurtet. Nichts half an Argumenten! Dem Wachführer fehlte ein
ärztliches Rezept, das mir erlaubte ohne Gurt zu fahren. Schon
interessant, wie erpicht so mancher darauf ist, sich zu profilieren.
Am Tag darauf, Donnerstag, sollte die
Langfahrt gestartet werden. Bei der
Skipperbesprechung allerdings gab es eine lange Diskussion, die zur
Aufgabe des Plans führte. Man kam zu der Vorstellung, dass es
nicht möglich sei, bei dem zu erwarteten Wind bei eventuell
eintretenden Schaden
zurückzukommen. oder gefunden zu werden. Dadurch wurde der
Donnerstag zum Ruhetag. Eigentlich sollte das der Mittwoch gewesen
sein. War
für mich nicht so schlecht. Ich konnte mich an meine Verletzung
gewöhnen. Am Freitag fuhren wir drei Wettfahrten mit viel
Wind. Auch dabei fanden auf der Ziellinie Patzer statt, die zu
Behinderungen führten. Obwohl der Spikurs beendet war, war einem
der
Spi weggeflogen und flatterte am langen Fall hoch oben über
dem Schiff. Statt weiterzusegeln um die Ziellienie freizugeben,
gaffte die Crew nach oben, derweil ihr Schif vomSpi in die
Ankerleine des
Zielschiffs gezogen wurde. Dort sperrte es uns und anderen die
Zieldurchfahrt. Wir befreiten uns durch Rückwärtssegeln
und
fuhren noch einmal das Ziel an. So gehts! So kommen die Ergebnisse
zustande.
Am letzten Tag dem Samstag war das Wetter so heftig, dass
ich das
Groß mit den zwei Reffs aufzog (s.oben). Wir
entschlossen uns gemeinsam nicht zu starten und kein Risiko für
Mannschaft und Material einzugehen. Es war nicht falsch. Bei den
beiden Wettfahrten ist viel zu Bruch gegangen, Allein die
Rückfahrt vom Start in den Hafen war schon anstrengend genug
aber lehrreich.
Erfuhren wir doch, wie gut die Shark mit zwei Reffs im Groß
läuft.Leider
habe ich davon keine Bilder gemacht.
Anders war es bei der Feierei. Da hatte ich die Camera dabei
|