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Neuronale Kontrolle der Fortbewegung


Für die meisten Tiere, auch für den Menschen, ist aktive Fortbewegung eine essentielle Voraussetzung des Überlebens. Nahrungserwerb, Fortpflanzung und Flucht bedürfen, auf die eine oder andere Weise, der Fortbewegung. Wie kontrolliert das Nervensystem Verhaltensweisen, die ebenso selbstverständlich wie lebensnotwendig sind, zum Beispiel Laufen und Schwimmen?

Wissenschaftlicher Hintergrund

Aktive Fortbewegung gründet zumeist auf zyklischen Bewegungen segmental angeordneter Lokomotionsorgane, also der Beine, Flügel, Flossen oder auch der Körperwand. Ein Bewegungszyklus zerfällt in zwei Phasen, zum Beispiel beim Laufen, in die Schwing- und Stemmphase eines Beins. Diesen Bewegungsphasen liegen in der Regel die alternierenden Kontraktionen antagonistischer Muskeln zugrunde. Die Aufklärung der Struktur und Funktionsmechanismen neuraler Netzwerke zur zyklischen, alternierenden Aktivierung antagonistischer motorischer Neurone wurde bisher in keinem lokomotorischen System abgeschlossen.

Fortbewegung muß auch als Koordinationsproblem verstanden werden. Einerseits müssen die Bewegungen in den Gelenken mehrgliedriger Lokomotionsorgane koordiniert, andererseits die Bewegungen verschiedener Lokomotionsorgane aufeinander abgestimmt werden. Allein das Hinterbein einer Katze wird durch etwa 36 Muskeln bewegt, um die 12 Muskeln bewegen das Bein einer Heuschrecke und selbst an der Bewegung eines Segments des Neunauges, das undulatorisch schwimmt, sind noch drei Muskelgruppen auf jeder Körperseite beteiligt. Allein die Anzahl an der Lokomotion beteiligter Muskeln zeigt, dass die Koordination der Kontraktionen selbst bei relativ einfach strukturierten Organismen wie Insekten und Neunaugen kein triviales Problem ist.

Eine gemeinsame grobe Struktur der Organisation neuronaler Kontrolle

Unabhängig von Organismus und Fortbewegungsart, scheint es eine allen Lokomotionssystemen gemeinsame grobe Struktur der Organisation neuronaler Kontrolle der Fortbewegung zu geben.

  1. Signale aus höheren zentralnervösen Zentren, dem „Gehirn“, initiieren die Erzeugung lokomotorischer Aktivität und halten sie aufrecht.
  2. Im Bauchmark der Wirbellosen und im Rückenmarks der Wirbeltiere befinden sich zentralnervöse Netzwerke (CPGs: Central Pattern Generators) die rhythmische Aktivität zur Kontrolle antagonistischer Muskeln, vielleicht sogar einzelner Muskeln erzeugen.
  3. Sinnesorgane auf und im Lokomotionsorgan signalisieren dem Zentralnervensystem Informationen über den aktuellen Bewegungsablauf und die erzeugten Kräfte. Die sensorischen Signale modifizieren und komplettieren die Ausgänge der CPGs und sorgen so für einen motorischen Ausgang, der z.B. variierenden Umweltbedingungen angepasst ist.
  4. Neurone, die über Segmentgrenzen ziehen, vermitteln koordinierende Signale, um die Bewegungen der Lokomotionsorgane aufeinander abzustimmen

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