Säure-Basen-Haushalt
Corinna Bernard
Inhaltsverzeichnis
Der pH-Wert
Definition
Pufferkurve
Puffer und pH-Homöostase
Physiologische Puffer
Nichtbicarbonatpuffer
Bicarbonatpuffer
Säure-Basen-Paare und ihr pK-Wert
Offenes und geschlossenes System
Ausscheidung in der Niere
Titrationsazidität
NH3/NH4+-System
Übersicht der Störungen und ihrer Beeinflussung der Blutparameter
Primär respiratorische Störung
Primär nichtrespiratorische Störung
Einleitung
Parameter
pH = - log [H+]

Der pH-Wert muss konstant gehalten werden um die Strukturveränderung von Proteinen durch die Zerstörung der Wasserstoffbrückenbindungen zu verhindern!
® Funktion der Enzyme, Struktur der Zelle, Permeabilität der Membran [2]
Puffer bestehen aus einer schwachen Säure/Base plus ihrer dissoziierten Form:
-
H+ + A- « HA
-
A- : Base, Protonenakzeptor (bei Zugabe von H+ zu
HA)
- HA: Säure, Protonendonator (bei Zugabe von OH- zu A- + H+)
![]()
-
Ka ist die Dissoziationskonstante des Säuren-Basen-Paares
und ein Maß für die Stärke der Säure/Base
Henderson-Hasselbalch: ![]()
Aus der Gleichung geht hervor [3]:
1.
der pH-Wert hängt vom Verhältnis [A-]/[HA] ab
Rechenbeispiel:
-
pKa =7,0
-
Pufferlösung: ![]()
-
+ 1mmol/l HCl « H+ + Cl-
Þ ![]()
Ungepuffert ergäbe sich ein pH von 3,0 (
)
beschreibt die Änderung des pH-Wertes bei einer Änderung des
Verhältnisses von [A-] zu [HA].

Die Pufferkapazität entspricht der Steilheit der Pufferkurve (um den pKa-Wert am größten) und beschreibt die Möglichkeit des Puffers den pH-Wert konstant zu halten [2].
® Sie entspricht der Menge an H+-Ionen, die man einer Lösung unter Verschiebung um eine pH-Einheit zusetzen oder entziehen kann! [5]
Temporale und lokale pH-Schwankungen werden
durch die Puffersysteme ausgeglichen, während jedoch die H+-Bilanz
und damit die pH-Homöostase durch Lunge und Niere reguliert wird:
1. Die Lunge entfernt etwa 10 Mol CO2 am Tag
![]()
-
anorganisches Phosphat
-
organische Phosphate: ATP, Kreatinphosphat, Phosphatide, Nucleinsäuren,
phosphorylierte Intermediärprodukte
® anorganisches Phosphat liegt intrazellulär in größerer Konzentration vor und auch das organische Phosphat puffert in den Zellen, damit ist Phosphat der wichtigste intrazelluläre Puffer.
® anorganisches Phosphat puffert v.a. bei der H+-Ausscheidung im Harn.
-
nur Histidin puffert im physiologischen pH-Bereich (pK 6,5) [1]
-
Proteine machen die Hälfte der Pufferkapazität des Blutes aus [4]
1.
Albumin puffert im Plasma
2.
Hämoglobin ist in den Erythrozyten der wichtigste Puffer [1]:

®
DesoxyHb ist eine stärkere Base als OxyHb und nimmt im Gewebe besser Protonen
auf, letzteres gibt sie in der Lunge wieder ab.
ist als Puffersystem am wirkungsvollsten, da es sich um ein offenes
System handelt:
®
CO2 wird in der Lunge abgeatmet
®
HCO3- kann in der Niere ausgeschieden werden
Im Erythrozyten wird CO2 in Bicarbonat umgewandelt [1]:
® Carboanhydrase-Reaktion:
CO2 + H2O ® H+
+ HCO3-
®
HCO3- diffundiert ins Blut und wird zur Lunge
transportiert
(liegt im Plasma in hoher Konzentration vor (25,2 mmol/l) und puffert dort)
®
dort wird im Erythrozyten die Reaktion umgekehrt und CO2
abgeatmet
(H+ kann entfernt werden, aber HCO3- geht
dabei als Puffer verloren)

Bicarbonat puffert im physiologischen pH-Bereich, obwohl der pK bei 6,1
liegt:
®
![]()
®
Die Konzentrationen von HCO3- bzw. CO2
werden durch die Niere bzw. Lunge
auf bestimmten Werten konstant gehalten:
= 6,1+1,3 = 7,4
Þ dadurch puffert Bicarbonat genau im physiologischen
pH-Bereich!
Þ Bei einem Verhältnis von 20:1
zwischen HCO3-
und CO2 liegt der pH bei 7,4,
auch wenn die Konzentrationen der beiden Stoffe abweichen!
- HLa / La- pK 3,9 Þ pK-Wert liegt zu
weit vom
- NH4+ / NH3 pK 9,4 physiologischen pH des Blutes entfernt
- H2PO4- / HPO42- pK 6,8 Þ puffert als einziges im physiologischen Bereich (v.a. intrazellulär und im Urin)
Das anfallende H+
bindet an:
-
Bicarbonat (HCO3- wird zu CO2) und
- Nichtbicarbonatpuffer (Base B- wird zu HB)
1. geschlossenes System:
CO2 und HB können nicht
entweichen
® Pufferung v.a. über
Nichtbicarbonatpuffer, da diese eine grössere Pufferkapazität besitzen
® pCO2 steigt aber
ebenfalls an
2. offenes System:
CO2 kann über die Lungen
entweichen und es kann mehr gebildet werden
® Pufferung durch Bicarbonatpuffer
steigt an, da durch die Entfernung von CO2 die Pufferkapazität
steigt
® pCO2 sinkt wieder

Die Bilanzierung betrachtet die Nettoladung der aufgenommenen
Nahrungsstoffe im Vergleich zu den ausgeschiedenen Stoffwechselendprodukten.
H+- und OH--Ionen entstehen beim Abbau oder Umbau
von Aminosäuren in der Leber:
Bei normaler proteinreicher Mischkost westlicher Länder pro Tag:
® S-haltige AS (Methionin, Cystein) : 70 mmol H+
® Kationische AS (Lysin, Arginin): 140 mmol H+
® Anionische AS (Glutamat, Aspartat): 100 mmol
OH-
®
Salze organischer Säuren (Lactat, Malat,...): 60 mmol OH-
Þ Netto verbleiben also 50 mmol H+ im Organismus,
die ausgeschieden werden müssen (fixe Säuren, da sie nicht
durch die Lunge eliminiert werden können).
Diese
werden in der Leber durch HCO3- gepuffert und in der Niere
ausgeschieden!
CO2 aus der Endoxidation von Fetten und Kohlenhydraten (ca.
15 Mol/Tag) wird direkt abgeatmet und belastet den Säuren-Basen-Haushalt
netto nicht!
Ausscheidung von H+ und
gleichzeitige Regenerierung des Puffers HCO3-
-
Carboanhydrase-Reaktion (CA) in der Tubuluszelle:
CO2 + H2O « H+ + HCO3-
-
Die Tubuluszellen sezernieren H+ ins Tubuluslumen und HCO3-
ins Blut
Die H+-Ionen gelangen durch den Na+/H+-Austauscher
ins Tubuluslumen und erfüllen dort zwei Funktionen:
1.
Ein kleiner Teil der H+-Ionen wird an
Puffer gebunden (Säureanionen, v.a. HPO42-) ausgeschieden
® Dieser Teil ist durch Rücktitration des Harns zum pH des Plasmas bestimmbar: Titrationsazidität
(10 – 40 mmol/Tag = 30% der täglichen H+-Ausscheidung)
® bei Azidose: vermehrte
Mobilisation von Phosphat aus den Knochen
2.
Zum großen Teil dienen die H+-Ionen der
Resorption von glomerulär gefiltertem HCO3-
® Sie gelangen als CO2 (durch eine Carboanhydrase in den
Mikrovilli gebildet) in die Tubuluszelle zurück
(für Bilanz unwichtig; würden aber sonst als Puffer verloren gehen)

® bei Azidose vermehrte Genexpression des Na+/H+-Austauschers und dadurch vermehrte HCO3- -Rückresorption
® bei Alkalose verminderte Resorption und dadurch vermehrte
HCO3- - Ausscheidung
-
in der Tubuluszelle: Glutamin ® 2 NH4+
+ a-Ketoglutarat2-
(Glutaminase)
-
NH4+ wird in der Tubulusflüssigkeit ausgeschieden
® Als
NH4+ über Carrier oder als NH3+ und
H+ über nichtionische Diffusion
-
2 H+ aus der Carboanhydrase-Reaktion sind für die Umwandlung
von a-Ketoglutarat2- in
Glucose notwendig:
® 2 HCO3- werden ins Blut freigesetzt
(20 – 50 mmol/Tag = 60% der täglichen H+-Ausscheidung)

® bei Azidose kommt es zu einer vermehrten Ausscheidung von NH4+
durch eine vermehrte Glutaminbildung in der Leber (dadurch spart der
Körper HCO3- ein, das bei der Harnstoffsynthese
verbraucht würde)
® bei Alkalose bildet die Leber Harnstoff und es wird kein NH4+
ausgeschieden
Azidose (pH <7,37) und Alkalose (pH >7,47) werden im arteriellen
Blut diagnostiziert.
Eine klinisch sehr bedeutende Auswirkung ist die Hyperkaliämie bei
einer Azidose bzw. die Hypokaliämie bei einer Alkalose.
Die Auswirkung der Störung wird passiv und
schnell durch Pufferung gemildert, während die aktive Kompensierung 1-2
Tage dauert.
Das Ziel der Kompensation ist die
Normalisierung des pH-Wertes (bzw. des Verhältnisses [HCO3-]/[CO2]
= 20:1)
® dabei kommt es zu Abweichungen
der Bicarbonat-Konzentration und des pCO2, auch wenn das Verhältnis
wieder hergestellt wurde.
Erst wenn auch die Konzentrationen der Stoffe wieder korrigiert sind, spricht
man von einer vollständigen Kompensation!

® Azidose entsteht bei
Störungen des zentralen Atemantriebes, der peripheren Nerven und Atemmuskeln,
der Atemwege, der Beweglichkeit des Thorax oder des Gasaustausches [2].
-
Primäre Störung: pCO2
-
dadurch läuft Bicarbonatreaktion rückwärts
-
aktuelles HCO3-
® nur die
Nichtbicarbonatpuffer können puffern!
® Alkalose genau umgekehrt,
durch Reizung der Atemzentren bei Hirnschädigung oder verstärkter Atmung in
großer Höhe verursacht.
Kompensation der Azidose:
-
direkte gegenregulatorische Kompensation durch Stimulation der Atmung
(soweit dies möglich ist) Þ KUSSMAUL’sche
Atmung
-
renale Kompensation: vermehrte Ausscheidung von H+ und NH4+
® Azidose durch [2]:
-
Additionsazidose: vermehrte Zufuhr oder Bildung von Säure (Laktat bei
Arbeit oder Hypoxie; Ketonkörper bei Diabetes)
-
Retentionsazidose: verminderte Ausscheidung in der Niere
-
Subtraktionsazidose: Verlust von HCO3- z.B. bei
Diarrhö
® primäre Erhöhung der H+-Konzentration wird durch beide
Systeme gepuffert, deshalb kommt es zu einer Abnahme des aktuellen [HCO3-]
und der Basen der Nichtbicarbonatpuffer.
® Alkalose entsteht durch Erhöhung der OH--Konzentration
oder Erniedrigung der H+-Konzentration, v.a. bei Verlust von H+-Ionen
durch Erbrechen oder über die Niere
Kompensation der Azidose:
-
direkte gegenregulatorische Kompensation durch vermehrte Ausscheidung
von H+ über die Niere, dadurch werden wieder Pufferbasen zur
Verfügung gestellt (nur möglich, wenn die Schädigung nicht in der Niere selber
liegt)
-
respiratorische Kompensation: vermehrte Ventilation führt zu Absinken
von pCO2 und gleichzeitig weiterem Absinken des aktuellen [HCO3-],
aber das Verhältnis wird besser (Die Lunge kann die Azidose nur verzögern, aber
nicht verhindern, da sie HCO3- mit entfernt;
KUSSMAUL’sche Atmung)
Gesamtkonzentration der Pufferbasen im arteriellen
Blut: 48 mmol/l [2]
(HCO3-, Plasmaproteine, Hämoglobin)
® von der Hb-Konzentration abhängig,
da dieses der wichtigste Nichtbicarbonatpuffer ist
® nicht von pCO2 abhängig, da bei einer Erhöhung von pCO2 zwar die HCO3--Konzentration vermehrt wird, aber im gleichen Maß die Nichtbicarbonatbasen vermindert werden.
® im oxygenierten
Blut niedriger als im desoxygenierten Blut
Literatur: