Flussläufe als Korridore der Transmission typologischer Merkmale in den Sprachen Zentral-Westafrikas und Ostafrikas
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Beschreibung
Das Forschungsvorhaben befasst sich aus vergleichender Perspektive mit den Transmissionskorridoren von typologischen Besonderheiten in ausgewählten Sprachbund-Arealen West- und Zentralafrikas sowie des Vaupés im Amazonasgebiet. Das Phänomen Sprachkontakt und insbesondere seine Folgen im Hinblick auf die Veränderung grammatischer Strukturen hat in den letzten Jahren vermehrt das Interesse von Linguisten – innerhalb wie auch außerhalb der Afrikanistik – gefunden. Für die in dem Projekt vorgesehenen Untersuchungsgebiete sind die Resultate sprachlicher Interferenzbeziehungen zwischen Tschadisch und Benue-Congo sowie Nilotisch und Ubangi nur teilweise beschrieben, aber nicht intensiver auf ihre räumliche und zeitliche Entstehung untersucht worden, und detaillierte Fallstudien fehlen fast völlig. Wenngleich also Prozesse des Transfers linguistischen Materials und grammatischer Techniken in diesen Spracharealen regelhaft und gleichmäßig ablaufen dürften, sind die hier als beispielhaft thematisierten afrikanischen Areale in der Verteilung der arealtypologischen Besonderheiten bislang als uneinheitlich und z.T. chaotisch dargestellt worden. Das Forschungsprojekt stellt sich die Aufgabe, die Rolle von Flüssen als Wege des Transfers von sprachlichem Material in Kontaktarealen von langer Dauer zu untersuchen.
Insgesamt werden drei Kontaktareale behandelt, die gemäß ihrer prototypischen Situierung ausgewählt wurden:
- Kontakt innerhalb eines politischen Verbunds (Benuetal; Kororofa-Reich),
- Kontakt in einem Migrationsareal (Ubangigebiet und Niltal),
- Kontakt durch ritualisierte interethnische Beziehungen (Vaupés, Amazonas).
Die parallele Untersuchung dieser drei verschiedenen Kontaktzonen ergibt sich daraus, dass hier verschiedene Typologien von sprachlichen und kulturellen Arealen in beispielhafter Weise unterschieden werden können. Während die Situation am Benuetal die eines möglicherweise eher rezenten Sprachbunds ist, dessen Grenzen und Ausbreitungstendenzen untersucht werden sollen, bildet das Forschungsgebiet in Ostafrika Teil eines etwa 2.000 Jahre alten sprachlichen Areals, dessen älteste Spuren schriftlich mit dem Meroitischen fixiert sind. Innerhalb dieses Areals finden sich zahlreiche Straten jüngerer Kontaktzonen, in denen Merkmale des Areals produktiv geblieben sind. Dazu zählen z.B. numerusmarkierende Formantien, aber auch semantische Konzepte. Am Vaupès schließlich ist Sprachkontakt in einer extremen Form als Teil eines interethnischen Heirats- und Verwandtschaftssystems geregelt und kodifiziert.
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