Forschung
Sprachen und Literatur
Der Focus der wissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinheiten richtet sich primär auf Länder südlich der Sahara, weil nördlich dieser Region die Kulturen stark von einer Sprache (Arabisch) und einer Religion (Islam) geprägt werden, deren Arbeitsbereich traditionell von Orientalisten vertreten wird. Innerhalb des Landes Nordheim-Westfalen ist das Fach einzig in Form des Instituts für Afrikanistik der Universität zu Köln vertreten.
Die Afrikanistik bezieht ihre Existenzberechtigung aus der Sprachwissenschaft. Dementsprechend gehören Grundlagen der Linguistik (insbesondere der Phonetik, Phonologie, Morphologie und Syntax) unter besonderer Berücksichtigung afrikanischer Sprachen, wie auch die sprachsoziologische Lage in afrikanischen Ländern zum Kernprogramm. Obwohl Sprache und Sprachstudie eine herausragende Rolle als Schlüssel zur Kultur zukommt, ist die Afrikanistik nicht auf Sprachwissenschaft beschränkt. Aus dem Charakter des Lehr- und Forschungsangebots ergibt sich, dass Afrikanistik inhärent fachübergreifend ausgerichtet ist. Dies spiegelt sich auch in der Zusammenarbeit mit anderen Fächern der Universität wieder, insbesondere mit den Fächern Sprachwissenschaft, Völkerkunde, Ur- und Frühgeschichte und Literaturwissenschaften.
(Prof. Dr. Gerrit J.Dimmendaal)
Geschichte und Kulturen Afrikas
Dieser Bereich vermittelt zum einen "positives" Wissen über die Geschichte des Kontinents sowie über die Vielfalt seiner Kulturen. Dabei steht nicht nur das "traditionelle", sondern gerade auch das moderne Afrika im Zentrum: Afrika vor dem Hintergrund von Globalisierungsprozessen und den je spezifischen Formen lokaler Aneignung und Transformation. Es interessieren die Kontinuitäten und Diskontinuitäten, die in einem Feld von asymmetrischen Machtbeziehungen vorkoloniale, koloniale und postkoloniale Verhältnisse kennzeichnen. Themen wie "populäre" Kultur, moderne technische Medien (z.B. lokale Videoproduktion, lokale Fotografie), Krieg und Gewalt (z.B. moderne Formen der Sklaverei), Geschlechterverhältnisse, postkoloniale Staaten sowie "neue" Religionen in Afrika werden behandelt. Dadurch soll ein Beitrag zum Verständnis auch der neuesten Entwicklungen in Afrika geleistet werden.
Zum anderen muss das Wissen, das vor allem westliche Wissenschaftler über Afrika produzierten und weiterhin produzieren, auch einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Denn Fremd- und Selbstbilder sind aufeinander bezogen; das eine kann nicht ohne Bezug auf das andere verstanden werden. Ethnografien über Afrika vermitteln Einsichten über die untersuchte Lebenswelt wie über die Kultur des Ethnografen. Das heißt, dass sich die Bilder von Afrika auch als verzerrte Bilder unserer eigenen Kultur lesen lassen, als Ergebnis von zum Beispiel Ausschließungsprozessen innerhalb der eigenen Kultur, die das Ausgeschlossene dann in der Fremde - in Afrika - verorten. Deshalb muss das Wissen über Afrika als "relationales" Wissen behandelt werden und vor dem Hintergrund von westlichen Erkenntnisinteressen, wissenschaftlichen Methoden, Theorien, Institutionen, Medien, Repräsentationsmodi und Machtverhältnissen reflektiert werden.
(Prof. Dr. Heike Behrend)
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