Geschichte und Kulturen · Forschung 2004/2005

Lokale Medienpraxen und –diskurse II: Kassettenkultur in Nordnigeria

Bearbeiter

Dr. Matthias Krings

Leiter

Prof. Dr. Heike Behrend

Beschreibung

Untersucht wird die Praxis der Videofilmproduktion in Nordnigeria. Während in Ghana und Südnigeria bisher vor allem der lokale "Horrorfilm" erforscht wurde, wird in diesem Projekt eine Transkription global zirkulierender Bilderströme analysiert, die wesentlich von der Rezeption und Lokalisierung des indischen "Bollywood-Kinos" geprägt ist. Dabei interessieren insbesondere die Auswirkungen der regionalen Zensurbehörde, die seit der Einführung der Sharia im Jahr 2000 verstärkt islamisch-fundamentalistische Kritik ins Spiel bringt, auf die Videoproduktion.

Schatten – Medialisierungen der Nicht-Präsenz

Bearbeiter

Dr. Thomas Reinhardt

Leiter

Prof. Dr. Heike Behrend

Beschreibung

Aufgrund seiner besonderen epistemologischen Position zwischen aktivem Subjekt und passivem Objekt, Ding und Nicht-Ding, Materie und Immaterialität soll in diesem Projekt der Schatten und seine Rolle für die Konstituierung von "personhood" und "agency" kulturvergleichend untersucht werden. Dabei wird den medialen und technischen Aspekten der Erzeu¬gung des Schattens besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Resurrecting Cannibals: The Localization of the Catholic Church in Western Uganda

Bearbeiter

Prof. Dr. Heike Behrend

Beschreibung

Dieses Forschungsprojekt begann bereits 1998; es gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil wird die Lokalisierung der katholischen Kirche in Westuganda vor dem Hintergrund einer globalen "charismatischen Erneuerung" sowie einer lokalen Renaissance okkulter Mächte in Form von Hexen und Kannibalen behandelt. Der zweite Teil beschäftigt sich in historischer Perspektive mit der Figur des Kannibalismus als dem radikal Anderen. Dabei wird der lokale Kannibalismusdiskurs als das Resultat einer Geschichte der wechselseitigen Ver-Anderung dargestellt.

„Treu bis in den Tod“ Afrikanische Askaris im populären Diskurs in Deutschland ab 1889.

Bearbeiter

Dr. Stefanie Michels

Leiter

Prof. Dr. Heike Behrend

Beschreibung

Im Zentrum des Projektes stehen die historischen Veränderungen des kollektiven Gedächtnisses der Deutschen in Bezug auf die deutschen afrikanischen Kolonialsoldaten. Hier setzt die Aufarbeitung von Genese, Wandel und Funktion dieses Topos in verschiedenen Medien an: Neben Texten liegt hier die Aufmerksamkeit auf visuellen Massenmedien wie Fotografie, Postkarte und Film und somit der sinnlich-medialen Steigerung und der damit einhergehenden Kanonisierung des Bildes des afrikanischen Soldaten als „treuem Askari“. Die transnationale Öffnung der Untersuchung durch die Einbeziehung afrikanischer Perspektiven macht weitere Ambivalenzen, Verschiebungen, Konkurrenzen und Widersprüche innerhalb der Erinnerungstopographie sichtbar und schließt an Debatten über die Kosmopolitisierung der Erinnerung und die Ethik des Erinnerns an.

Bonamanga – eine kosmopolitische Familiengeschichte

Bearbeiter

J.-P. F. Eyoum, Dr. Stefanie Michels, Dr. J. Zeller

Beschreibung

Bisher ist Rudolf Duala Manga (1873-1914) durch seine politische Funktion im Fokus der historischen Betrachtung gewesen; die Ausweitung der Perspektive auf die gesamte Familie (Bonamanga) soll und kann zeigen, wie konstruiert die Grenzen zwischen Europa und Afrika waren und mit welcher Selbstverständlichkeit Afrikaner und Afrikanerinnen die Möglichkeiten der Zeit nutzten. Die Widersprüche entlarven dabei die (scheinbar) hegemonialen Diskurse um Rasse, Klasse und Nation. Die dichte Beschreibung von Lebensgeschichten widersetzt sich damit Tendenzen, diese weiterzuschreiben sowie rückwirkend zu verfestigen. So stehen die Lebensgeschichten der Bonamanga paradigmatisch für die histoire croisée, die entangled history.