Sprachen und Literatur · Forschung 1998/1999
Bedrohte Sprachen
Bearbeiter
Dr. Matthias Brenzinger, Prof. Dr. Bernd Heine
Leiter
Dr. Matthias Brenzinger, Prof. Dr. Bernd Heine
Beschreibung
Die Forschungen innerhalb des Berichtszeitraums konzentrieren sich darauf, ausgewählte Fälle von bedrohten Sprachen in Afrika in ihrem sprachlichen und soziokulturellen Kontext genauer zu betrachten. Die Arbeiten wurden primär im südwestlichen Afrika durchgeführt und hatten bedrohte Khoisan-Sprachen (//Ani, Kxoe und !Kun) zum Untersuchungsgegenstand.
Europa vs. Afrika: Tempus/ Aspekt/ Modus - Auxiliarisierung
BearbeiterInnen
Dr. Tania Kuteva, Prof. Dr. Bernd Heine
Leiter
Prof. Dr. Bernd Heine
Beschreibung
Die Thematik ist dem Schnittstellenbereich Syntax/Semantik zuzuordnen und betrifft in erster Linie die Konzeptualisierungsmuster in der Grammatikalisierung mit dem Schwerpunkt auf den Konzeptualisierungsmustern in der Tempus/Aspekt/Modus (TAM)-Auxiliarisierung ("TAM-Auxiliarisierung" im Sinne von Heine 1993, Hopper & Traugott 1993, Bybee et al 1994). Zugrunde gelegt wird eine kognitiv-funktionale Sichtweise und ihre Anwendung in der Grammatikalisierungsforschung. Die Untersuchungen sind allgemein den Gebieten der Grammatikalisierungstheorie und der Arealtypologie zuzuordnen.
Lexikon der Grammatikalisierung
Bearbeiterin
Dr. Tania Kuteva
Leiter
Prof. Dr. Bernd Heine
Beschreibung
Nachdem in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl von Daten über die Entwicklung grammatischer Kategorien zusammengetragen worden ist, stehen nun die Abschlussarbeiten für eine umfassende Veröffentlichung in der Form eines Lexikons an.
Grammatikalisierung: Areale Typologie
Bearbeiterin
Dr. Tania Kuteva
Leiter
Prof. Dr. Bernd Heine
Beschreibung
Die bisherigen Forschungen zur Entwicklung grammatischer Kategorien wurden mit der Zielsetzung fortgesetzt, den Einfluss von Sprachkontakt mithilfe von sprachgeographischen Untersuchungen, die auf einem Vergleich zwischen Europa und Afrika beruhen, genauer zu betrachten. Erste Ergebnisse zeigen, dass zentrale grammatische Begriffe in Europa wie in Afrika weniger durch sprachgenetische als durch sprachareale Kräfte geprägt werden.
Ideophone in afrikanischen Sprachen
Bearbeiterin
Dr. Christa Kilian-Hatz
Leiterin
Dr. Christa Kilian-Hatz
Beschreibung
Ausgangspunkt dieser Untersuchung war, dass diese oftmals sehr große Wortklasse in den meisten Sprachbeschreibungen schlichtweg ignoriert wurde. Der Studie wurde ein Korpus von 130 Sprachen aller Sprachfamilien der Welt - und wegen ihrer guten Dokumentation insbesondere afrikanischer Sprachen -zugrundegelegt. Neu an dem vorgestellten Ansatz ist es, darzulegen, dass Ideophone nicht wie herkömmliche Lexemarten beschrieben werden können, da sie funktional und formal komplementär zu diesen sind, indem sie Ein-Wort-Sätze der direkten Rede darstellen. Diese Art der Analyse ermöglicht es erstmals, die sich sprachvergleichend bisher formal extrem heterogen präsentierende Wortklasse sprachübergreifend wenigen Typen von Direkte-Rede-Konstruktionen zuzuordnen. Die Studie versteht sich als Modell und richtet sich als "Werkzeug" an Linguisten zur umfassenderen Dokumentation und Beschreibung von Sprachen.
Kasussystem des Ik
Bearbeiterin
Dr. Christa König
Leiterin
Dr. Christa König
Beschreibung
Vorrangiges Ziel dieses Vorhabens war die Beschreibung des Kasussystems des Ik. Das Ik ist eine Kuliaksprache, die in Ostuganda gesprochen wird. Das Ik weist sich als eine Sprache aus, in der Kasus ein bizarres Bild hinterlässt: Einerseits gibt es eine Flexionsmorphologie, mit der sieben verschiedene Kasus unterschieden werden. Andererseits ist gerade der Kernbereich, also die Kodierung von Subjekt und Objekt, von so vielen Unregelmäßigkeiten gekennzeichnet, dass in der Literatur sogar bestritten wurde, dass es sich überhaupt um eine Kasussprache handelt. Erst durch einen Ansatz, in dem Kasus in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen betrachtet wurde (Morphologie, cross-reference, Wortstellung, Haupt-Nebensatz, Diskurs), konnte das Kasussystem des Ik eine zusammenfassende Bewertung erfahren.
Texte auf Wickelkleidern von swahilisprachigen Frauen. Eine parömiologische und pragmatische Untersuchung
Bearbeiterin
Rose Marie Beck, M.A.
Leiter
Prof. Dr. Wilhelm Möhlig
Beschreibung
Insbesondere unter den swahilisprachigen Frauen von Mombasa herrscht die Sitte, durch Tragen von Wickelkleidern, auf denen sprichwortähnliche Texte aufgedruckt sind, untereinander, aber auch mit Männern zu kommunizieren. Auf mehreren Forschungsreisen wurde dieses Phänomen näher untersucht. Die entsprechende Darstellung der Ergebnisse in Form einer Dissertation konnte inzwischen abgeschlossen werden.
Oralliterarische Texte der Bantuvölker Namibias
Bearbeiter
Prof. Dr. Wilhelm Möhlig, Axel Fleisch, M.A., Dirk Otten, M.A., Frank Seidel, stud.phil.
Leiter
Prof. Dr. Wilhelm Möhlig
Beschreibung
Die Sammlung von Fabeln, Märchen und Mythen wurde systematisch mit dem Ziel fortgesetzt, möglichst das gesamte traditionelle Erzählgut der bantusprachigen Völker Namibias aufzunehmen. Mittelfristig ist auf dieser Grundlage die Erstellung eines vergleichenden Motivkatalogs geplant.
Sprache und Kultur der San (Buschmänner) im südlichen Afrika
BearbeiterInnen
Dr. Matthias Brenzinger, Dr. Christa Kilian-Hatz, Dr. Mathias Schladt, Yvonne Treis
Leiter
Prof. Dr. Bernd Heine
Beschreibung
Vorrangiges Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es, im Rahmen des Sonderforschungsbereiches 389 der DFG die Sprachen und damit das sprachliche und kulturelle Wissen der traditionellen Khoisan-sprachigen Wildbeuter zu dokumentieren. Im Vordergrund steht dabei das Sammeln von Texten, deren Analyse zum einen dazu beitragen soll, die Grammatik dieser Sprachen besser zu verstehen, zum anderen aber auch Aufschluss über die kulturelle Entwicklung dieser Bevölkerungsgruppen geben soll. Die Untersuchungen innerhalb der Kxoe-Sprache sind weit fortgeschritten, Probleme der Diskursanalyse und der Syntax dieser Sprache wurden angegangen und sind Gegenstand von Veröffentlichungen, die zurzeit vorbereitet werden. Neben den Kxoe wurden im Berichtszeitraum die //Ani und die !Kxun (!Kung, Zu-/'hoasi) in das Forschungsprogramm aufgenommen.
Kurzprojekt: Frauensprache im Sango
Bearbeiterin
PD Dr. Helma Pasch
Leiterin
PD Dr. Helma Pasch
Beschreibung
Anhand durch eine Missionsdruckerei verfielfältigter Trickster-Erzählungen soll die zentralafrikanische Sprache Sango auf Genderspezifika untersucht werden. Gleichzeitig soll mit der Herausgabe der Texte in Sango und Französisch eine für die Afrikanistik neue Form der Sprachlehrmittel, nämlich zweisprachige Texte, eingeführt werden.
Die neuen offiziellen Sprachen Südafrikas als schriftliche Medien auf Hinweistafeln, Postern und Flugblättern
Bearbeiterin
PD Dr. Helma Pasch
Leiterin
PD Dr. Helma Pasch
Beschreibung
Neben den zwei alten offiziellen Sprachen, Englisch und Afrikaans, sind neun "schwarze" Sprachen zu offiziellen Medien in Südafrika erklärt worden. In diesem Projekt wird analysiert und dokumentiert, welche Funktionen sie im öffentlichen Leben gewinnen konnten. Insbesondere als Medien für Informationen auf Hinweistafeln, Postern und Flugblättern werden sie kaum genutzt, und falls doch, dann vorwiegend für Verbote und Warnhinweise, während nützliche und freundliche Informationen fast ausschließlich in Englisch und Afrikaans formuliert werden.
Sprachhistorische Prozesse als Grundlage für ethnohistorische Erkenntnisse. Die Eisenhandwerke der Bantu im ost- und südafrikanischen Savannenraum aus der Perspektive ihres Wortschatzes
Bearbeiter
Dr. Reinhard Klein-Arendt
Leiter
Dr. Reinhard Klein-Arendt
Beschreibung
Das Projekt hat die Entwicklung einer Methode zum Ziel, durch die großräumige Ausbreitungsgeschichte von sprachlichen Elementen trotz des Fehlens schriftlicher zeitgenössischer Dokumente sichtbar gemacht werden kann. Die Methode umfasst im wesentlichen die Aufstellung sogenannter "semantischer Ableitungsketten", mittels derer die Entwicklung eines Fachwortes von seinem semantischen Ursprung abgeleitet werden kann, zum Beispiel ilungu 'Feuer' ilungu 'Feuerstelle' elungu 'Verhüttungsofen'. Bei geeigneter Darstellung solcher Ableitungsketten auf sprachgeographischen Distributionskarten des Savannenraums kann oftmals festgestellt werden, dass sich solche Ableitungsprozesse progressiv im geographischen Raum vollziehen. ilungu als 'Feuer' findet sich dabei exklusiv in einem bestimmten Gebiet, ilungu als 'Feuerstelle' in einem davon benachbarten und elungu als 'Verhüttungsofen ' in der Nachbarschaft von 'Feuerstelle'. Damit ist die Distributionsrichtung eindeutig nachgewiesen.
Besiedlungs- und Kulturgeschichte auf der Grundlage sprachlicher Quellen (Nord-Namibia)
Bearbeiter
Prof. Dr. Wilhelm Möhlig, Axel Fleisch, M.A., Dirk Otten, M.A., Frank Seidel, stud.phil.
Leiter
Prof. Dr. Wilhelm Möhlig
Beschreibung
Die Grundlagenforschung der ersten Förderphase wurde fortgesetzt und konzentrierte sich auf drei Arten von Quellen: Ortsnamen, Chroniken und andere historische Texte in den Vernakulärsprachen sowie Daten zu einem Dialektatlas vor allem der im Norden Namibias gesprochenen Bantusprachen, soweit möglich aber auch unter Einbeziehung der Bantusprachen im Süden und Südosten von Angola.
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