Literaturliste zur Vokalharmonie in afrikanischen Sprachen

Definition

Der Terminus ‚Vokalharmonie‘ bezeichnet das phonologische Phänomen, dass alle in einem vorgegebenen Bereich enthaltenen Vokale das gleiche phonologische Merkmal aufweisen. In afrikanischen Sprachen basiert die Vokalharmonie typischerweise auf dem Merkmal [ATR] (advanced tongue root), das durch die Zungenwurzel produziert wird. [+ATR] bezeichnet die nach vorne geschobene Zungenwurzel; [-ATR] oder [RTR] (retracted tongue root) die nach hinten verlagerte Position der Zungenwurzel. Dieses Merkmal dient zur Unterscheidung der folgenden beiden Vokalserien: [+ATR]: i, u, e, o, ə: [-ATR]: ɪ, ʊ, ɔ, ɛ, ɑ. Die Vokalharmonie ist merkmalsbestimmt, wenn eines der beiden Merkmale, meist ist es [+ATR], dominant ist und die Vokale in seiner Umgebung beeinflusst, d.h. dass bei der Affigierung eines Suffixes, das einen [+ATR]-Vokal enthält, der Stammvokal assimiliert wird. Bei einer wurzelbestimmten oder stammbestimmten Vokalharmonie bleibt dagegen der Stammvokal stabil und die Vokale des Affixes werden angepasst. Die Streuungsrichtung der Vokalharmonie ist bei der progressiven Vokalharmonie von links nach rechts, bei der regressiven Vokalharmonie von rechts nach links oder in beide Richtungen bei einer bidirektionalen Vokalharmonie. „Unregelmäßigkeiten“ in der Ausbreitung des harmonischen Merkmals können auf dem Vorkommen von opaken oder neutralen Vokalen beruhen. Opake Vokale verhindern die Streuung, neutrale Vokale sind transparent und reagieren nicht auf die Vokalharmonie.

Hintergrund

Begonnen hat die Erforschung der Vokalharmonie in den afrikanischen Sprachen mit dem Akan, das eine bidirektionale Vokalharmonie und Palatalisierungserscheinungen aufweist. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Aufsätzen, die jedem zu empfehlen ist, der die Entwicklungsgeschichte der theoretischen Diskussion zur Vokalharmonie nachvollziehen möchte (s.u. Akan). Die folgende Literaturliste zeigt, dass es weder areale noch genetische Vorkommensbeschränkungen gibt. Sprachen mit Vokalharmonie sind über den ganzen Kontinent verbreitet und befinden sich in West-, Ost- und Südafrika. In Vertretern der drei großen Sprachfamilien, den nilosaharanischen, den afroasiatischen und den Niger-Kongo-Sprachen, gibt es Vokale, die dem harmonischen Prinzip folgen. Nur in den Khoisan-Sprachen konnte m.W. keine Vokalharmonie festgestellt werden.

Die Literaturliste wurde im Rahmen der Veranstaltung ‚Vokalharmonie in afrikanischen Sprachen‘ zusammengestellt, die im Sommersemester 2005 von Ursula Drolc am Institut für Afrikanistik an der Universität zu Köln gehalten wurde. Sie beruht teilweise auf einer älteren Literaturliste, die Erhard Voeltz zur Verfügung gestellt hat und dem hiermit herzlich gedankt sei, eigenen Literaturangaben und der systematischen Recherche in STUDIES IN AFRICAN LINGUISTICS, JALL (Journal of African Languages and Linguistics), Linguistique Africaine, AAP (Afrikanistische Arbeitspapiere), Afrika und Übersee, JAL (Journal of African Languages), Journal of West African Languages. Für die Hilfe bei der Recherche herzlichen Dank an Nina Schauff.

Gliederung der Literaturliste

Unter ‚Allgemeines‘ finden sich Aufsätze und Bücher, die einen allgemeinen Überblick über die Vokalharmonie in Afrika geben. Einige Artikel behandeln die Vokalharmonien mehrerer Sprachen oder einer ganzen Sprachfamilie in einem vergleichenden Ansatz. Sie sind unter der jeweiligen Sprachfamilie, z. B. Bantu, aufgelistet. Bei Artikeln, die die Vokalharmonie einer Einzelsprache beschreiben, findet sich die jeweilige Sprache unter der dazugehörigen Sprachfamilie aufgeführt. Die Klassifikation der Sprachen ist approximativ und entspricht nicht dem neuesten Stand. Sie beruht weitgehend auf Greenberg (1963) The languages of Africa, d.h. das Ijo wird den in der Klassifikation umstrittenen Kwa-Sprachen zugeordnet. Nur die Kru-Sprachen werden als eine eigene Untergruppe aufgeführt. Nach den jeweiligen Sprachnamen ist das Land angegeben, in denen die Sprache hauptsächlich gesprochen wird.

Diese Literaturliste beschränkt sich weitgehend auf Aufsätze, die in afrikanistischen Fachzeitschriften erschienen sind. Monographien, die auch die Vokalharmonie in der jeweiligen Sprache behandeln, werden nicht systematisch aufgeführt. Daher wird auch nicht der Anspruch erhoben, alle afrikanischen Sprachen, die Vokalharmonie aufweisen, vollständig erfasst zu haben. Ergänzende Angaben sind daher erwünscht und sehr willkommen.

Literaturliste

Ursula Drolc