Drucken |  Sitemap |  Impressum  |  Kontakt |  Suche   

Philosophische Fakultät

Wichtiger Hinweis:
Diese Seiten werden nicht mehr gepflegt. Bitte besuchen Sie den neuen Webauftritt der Philosophischen Fakultät.

Zunge zeigen - Farbe bekennen

Der schwarzen indischen Göttin Kâlî hängt auf allen Bildern eine lange rote Zunge zum Hals heraus: „In einer der Göttergeschichten heißt es: in rechter Hand, an einem Arm ihrer zehn Arme, die Sichel schon hoch, habe Kali in ihrer Raserei die Zunge gezeigt, als ihr (vielleicht durch Zuruf von außen) bewußt wurde, daß sie zuletzt ihrem Göttergatten Shiva, der, gleich Kali, Gottheit der Zerstörung ist, an die Gurgel wollte; Zunge zeigen als Zeichen von Scham. Seitdem ist Kali in Abbildern käuflich: als bemalte Tonfigur, auf glänzenden Postern, zehnarmig, zehnfüßig, oft auch der Kopf vervielfacht, entsprechend die Zunge. Hängt den Lappen raus, bekennt Farbe.“ So erklärt Günter Grass in seinem Indien-Tagebuch Zunge zeigen (1988) nicht nur den Titel, sondern auch die Aufgabe der Kunst.

Zunge, aber auch Sprache heißt im Griechischen γλῶσσα (bzw. γλῶττα), wurde in der römischen Antike durch glossa oder glossema ersetzt und meinte ursprünglich ein ungebräuchliches erklärungsbedürftiges Wort, dann dessen Erklärung. Auch die spätere Zeitungsglosse erklärt, was dem Glossierenden erklärungsbedürftig erscheint, nun aber nicht mehr ‚wissenschaftlich‘, sondern ironisch, doch der Wahrheit verpflichtet. Vieles, was uns in der Universität erfreut, nachdenklich macht oder etwa auch verbittert, ist eine Glosse wert. Zwar mahnt die böse Marwood die tugendhafte Sara in Lessings Miss Sara Sampson: „Keine bitteren Glossen“, doch will die Rubrik „Zunge zeigen“ mit vielen verschiedenen, aber nie falschen Zungen den Mitgliedern der Fakultät und der Öffentlichkeit zeigen, wozu wir alles den Mund aufmachen können. Alle ein bis zwei Monate werden Sie unter "Aktuelles" Kommentare & Glossen finden, über die Sie dann mit Lessing sagen können: „Für solche Glossen bedanke ich mich.“

Wenn auch Sie sich solchen Dank verdienen möchten oder jemanden kennen, der das möchte, wenden Sie sich bitte an philfak-zib@uni-koeln.de

 

The Hindu Goddess Kali and God Bhairava in Union

The Hindu Goddess Kali and God Bhairava in Union, 18th century Painting; Watercolor, Opaque watercolor on paper, Image: 11 3/4 x 7 5/16 in. (29.85 x 18.57 cm); Sheet: 12 3/16 x 7 1/2 in. (30.96 x 19.05 cm) Gift of Dr. and Mrs. Robert S. Coles (M.81.206.7)
Quelle: www.lacma.org

[an error occurred while processing this directive]