Untersucht wird der Wandel der frühen literarischen Sozialisation von Kindern seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts
in drei markanten historischen Querschnitten:
- Biedermeierzeit,
- Kaiserzeit,
- Zeit des "Eintritts in die Mediengesellschaft".
Mit historisch-hermeneutischen und empirischen Verfahren werden typische Formen des Umgangs mit Literatur für die jeweiligen
Zeiträume mit Hilfe von autobiographischen, pädagogischen und kinderliterarischen Quellen und Daten rekonstruiert und vor dem Hintergrund
des Medienwandels und der historischen Veränderungen der Familienstrukturen interpretiert.
Der Schwerpunkt liegt dabei auf der frühen literarischen Sozialisation. Damit sind alle Formen des Umgangs mit fiktionaler Literatur gemeint, die - vor oder neben dem planmäßigen (schulischen) Lesenlernen
- den Übergang von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit markieren und die sich demnach häufig in Kommunikation mit kompetenten Anderen realisieren. Es wird angenommen, daß sich diese Lesesituationen und Vermittlungsformen von Literatur, insbesondere von spezifischer fiktionaler Kinderliteratur je nach familialen Beziehungsstrukturen in ihrer Typik unterscheiden.
Die Ergebnisse werden in einen Theorierahmen eingeordnet, der Lesesozialisation als "Ko-Konstruktion" beschreibt.