QUALITATIVE METHODEN:
GRUNDLAGEN:
MAYRING. Einführung in die
qualitative Sozialforschung.
Unter dem Stichwort "qualitative Sozialforschung" mehren sich auch in der BRD seit den 70 er Jahren qualitative Ansätze. Einigkeit bei den Vertretern dieser Richtung besteht in ihrer Kritik an den sozialwissenschaftlichen Forschungsinstrumenten wie Skalen, Tests, Fragebögen, an den standardisierten Instrumenten, die die Versuchspersonen nicht zu Wort kommen lassen, sondern sie auf das Reagieren auf vorgegebene Kategorien (Stichwort: Kreuzchen machen) reduzieren.
Versuch, sich der sozialen Realität mit unstrukturierten Beobachtungen und offenen Befragungen in natürlichen, alltäglichen Situationen anzunähern.
Soweit nur einige wenige Beispiele.
Mayring will keine Alternative zum
quantitativen Denken aufstellen, vielmehr sind für ihn qualitative
und quantitative Denkprozesse in jedem Forschungs- und Erkenntnisprozeß
enthalten.
Drei Richtlinien: Berücksichtigung
der Ganzheit des Subjekts; Berücksichtigung der Historizität
des Subjekts, Ansatz an konkreten Problemen des Subjekts (Problemorientierung)
2. Am Anfang jeder Analyse muß eine genaue und umfassende Beschreibung des Gegenstandsbereiches stehen. Dilthey (1894) - genaue Beschreibungen des Gegenstandes müssen immer der Ausgangspunkt sein, bevor als zweiter Schritt erklärende Konstruktionen benutzt werden.
Drei methodische Grundsätze:
Einzelfallbezogenheit, dem Subjekt mit mög- lichst
großer Offenheit gegenübertreten, die methodischen
Schritte dabei genau kontrollieren.
Menschen handeln Dingen gegenüber
auf der Grundlage von Bedeutungen, die sie ihnen zumessen, die
Bedeutung solcher Dinge entsteht oder wird abgeleitet aus der
sozialen Interaktion, die man mit seinen Mitmenschen eingeht.
Diese Bedeutungen werden in einem interpretativen Prozeß
gehandhabt und abgeändert. Im Forschungsprozeß - als
Interaktion verstanden - gehen auch immer die Probleme des Forschers,
Ängste, Prozesse der Gegenübertragung im Sinne der Psychoanalyse,
ein. Die Interaktionsprozesse von sich verändernden Forschern
und Beforschten sind also die Daten der Sozialwissenschaften im
Sinne qualitativer Forschung. - Qualitative Forschung als Dialog
(u.a. Scheele & Groeben, 1988).
Untersuchungen können als
ausreichend qualitativ abgesichert gelten,
Untersuchungspläne (design) qualitativer Forschung = grundsätzliche Untersuchungsanlage
umfaßt (formal) Untersuchungsziel
und -ablauf, stellt als Rahmenbedingung Regeln auf, die die Kommunikationsmöglichkeiten
zwischen Proband und Forscher wesentlich bestimmen
Grundgedanke: Während des gesamten
Analyseprozesses soll der Rückgriff auf den Fall in seiner
Ganzheit und Komplexität erhalten bleiben, um so zu genaueren
und tiefgreifenderen Ergebnissen zu gelangen: Beichten, Anamnesen,
Memoiren, Tagebücher, Nachrufe etc.
Bilden die Grundlage der Fallinterpretation,
ermöglichen, daß schrittweise Erklärungen
an das Material herangetragen werden können.
Vorgehensweise: Fragestellung, Falldefinition, Materialsammlung, Aufbereitung, Falleinordnung.
Hauptproblem biographischer Fallanalysen: subjektive Verzerrung der Daten.
Weitere Personen befragen, andere
Informationsquellen hinzuziehen usw. zur Objektivierung.
kommt hauptsächlich in Geschichts- und Kommunikationswissenschaften zum Einsatz: Breite Definition: Dokumentenanalyse umfaßt Urkunden und Schriftstücke von besonderer Bedeutung und "sämtliche gegenständlichen Zeugnisse, die als Quelle zur Erklärung menschlichen Verhaltens dienen können." Z.B. Texte, Filme, Tonbänder, Werkzeuge, Bauten, Kunstgegenstände. Sie müssen nur interessante Schlüsse auf menschliches Denken, Fühlen und Handeln zulassen, d.h. sie müssen interpretierbar sein, denn Dokumente werden als Objektivationen (Vergegenständlichungen) der Psyche des Urhebers angesehen.
Vorteil 1: D. erschließt Material, das in klassischen Methoden wie Test und Verhaltensbeobachtung unter den Tisch fällt.
Vorteil 2: Daten sind bereits fertig, müssen nicht mehr erfragt, ertestet etc. werden - Fehlerquelle der Datenerhebung fällt weg, nur bei Auswahl spielt Subjektivität des Forschers eine Rolle - nonreaktives Messen.
Kriterien für den Erkenntniswert von Dokumenten:
Vorgehensweise: Genaue Definition des Ausgangsmaterials in bezug auf eine Fragestellung, Einschätzung des Aussagewertes und Interpretation des Gehalts. Evtl . auch quantitative Erschließung.
Einsatz der Dokumentenanalyse: überall, wo Material entsprechend vorhanden ist, können wegen des nichtreaktiven Charakters dazu dienen, die Gültigkeit auf andere Art und Weise gewonnenen Materials einzuschätzen. Überall, wo kein direkter Zugang durch Befragen, Messen, Beobachten möglich ist, aber Material vorhanden ist.
Grundgedanke: 3 Ziele
Zentrale Methoden der Handlungsforschung
s. Mayring S. 37
Vorgehensweise: Handlungsforschung
beginnt immer mit Problem- und Zieldefinition und pendelt in ihrem
Verlauf zwischen Informationssammlung, Diskurs mit den Betroffenen
und praktischen Handlungen.
Anwendungsgebiete: Immer, wenn an
konkreten Praxisproblemen angesetzt wird, um Veränderungsmöglichkeiten
zu erarbeiten, ist Handlungsforschung einsetzbar. Aber auch bei
praxisferneren Fragestellungen lassen sich Elemente von Handlungsforschung
sinnvoll einbauen, wie die Rückmeldung der Ergebnisse an
die Betroffenen.
Grundgedanke: Feldforschung will ihren Gegenstand in möglichst natürlichem Konktext untersuchen, um Verzerrungen durch Eingriff der Untersuchungsmethoden bzw. durch die wirklichkeitsferne Außenperspektive zu vermeiden.
Feldforschung vs. Laborforschung: Mayring behauptet, auch im Feld lassen sich einzelne Faktoren beeinflussen und kontrollieren - wie?
Probleme:
Wie bekommt der Forscher Kontakt zum Feld? Folgende Schritte: Annäherung, Orientierung, Initiation, Assimilation und schließlich Abschluß des Feldkontakts. Während dieses Prozesses wird der Forscher für die Beteiligten - idealtypisch - vom Eindringling zum Mitglied und schließlich zum Anwalt ihrer Probleme!?
Wird er akzeptiert, kann er Vertrauen gewinnen? (bitte nicht meckern, daß die weibliche Form nicht explizit angeführt wird, ich habe auch weibliche Forscher immer im Hinterkopf! d.V.)
Wie kann das unsystematisch gesammelte Material ausgewertet werden?
Vorgehensweise:
Anwendungsgebiete: Feldforschung ist
nur anwendbar, wenn das Feld ohne große Störungen zugänglich
ist (Spielplatz eher möglich als ein Betrieb), der Forscher
auf die Probleme eingestellt und ein Engagement für die Beteiligten
ersichtlich ist.
Def. (Kleining , 1986) "Das qualitative Experiment ist der nach wissenschaftlichen Regeln vorgenommene Eingriff in einen (sozialen) Gegenstand zur Erforschung seiner Struktur. Es ist die explorative, heuristische Form des Experiments."
Grundgedanke: das qualitative Experiment versucht, durch einen kontrollierten, gegenstandsadäquaten Eingriff in den Untersuchungsbereich unter möglichst natürlichen Bedingungen Veränderungen hervorzubringen, die Rückschlüsse auf dessen Struktur zulassen.
Techniken experimenteller Eingriffe (nach Kleining)
Vorgehensweise:
Der zweite und dritte Schritt muß
dabei in der Regel mehrmals durchlaufen werden, bis der vierte
möglich wird.
Qualitatives Experiment verwandt mit
Feldexperiment, Krisenexperiment der Ethnomethodologie, ein Verfahren
das versucht, Alltagsinteraktionen zu verunsichern, um deren Basisregeln
zu eruieren.
Anwendungsgebiet: Qual.Exp. sind immer
dann sinnvoll, wenn es um die Analyse von Strukturen im Gegenstandsbereich
geht, die sich der einfachen Deskription verschließen.
Es wird unterschieden zwischen Erhebungstechniken, die der Materialsammlung dienen,
Aufbereitungstechniken, die der Sicherung und Strukturierung des Materials dienen, und
Auswertungstechniken,
die eine Materialanalyse vornehmen.
Der verbale Zugang, das Gespräch,
spielt in der qualitativen Forschung eine besondere Rolle. Aus
Beobachtungen lassen sich subjektive Bedeutungen nur schwer ableiten.
Die Subjekte müssen also selbst zur Sprache kommen, da sie
zunächst die Experten für ihre eigenen Bedeutungsgehalte
sind.
problemzentriertes und fokussiertes Interview stellen offene, halbstrukturierte qualitative Verfahren dar - so auch Exploration und Tiefeninterview.
Problemzentriertes Interview - etwas stärker strukturiert
Narratives Interview - schwächer
strukturiertes Interview
| offenes (vs.geschlossenes) Interview | bezieht sich auf die Freiheitsgrade des Befragten- | Er kann frei antworten, ohne Antwortvorgaben,kann das formulieren, was ihm in bezug auf das Thema bedeutsam ist. |
| Unstrukturiertes (vs.struktu-riertes) bzw. unstandardisiertes (vs.standardisiertes) Interview | bezieht sich auf die Freiheitsgrade des Interviewers | Er hat keinen starren Fragenkata-log, er kann Fragen und Themen je nach Interviesituation frei formulieren. |
| Qualitatives (vs. quantitatives Interview | bezieht sich auf die Auswertung des Interviewmaterials | Die Auswrtung geschieht mit qualitativ-interpretativen Techniken |
Begriffsbestimmung qualitativ
orientierter Interviewformen
unter diesen Begriff sollen alle Formen der offenen, halbstrukturierten Befragung zusammengefaßt werden.
Die Grundgedanken sind:
Die Formulierung und Analyse des Problems steht immer am Anfang. Daraus werden die zentralen Aspekte für den Interviewleitfaden zusammengestellt. Er enthält die Themen des Gesprächs sowie Formulierungsvorschläge (evtl. Formulierungsalternativen) zumindest für die Einstiegsphase. Dann folgt die Pilotphase, d.h. es werden Probeinterviews durchgeführt. Hier wird der Leitfaden getestet und die Interviewer werden geschult. Die Gespräche bestehen im wesentlichen aus drei Teilen:
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Ablaufmodell des problemzentrierten
Interviews
Anwendungsgebiete:
sie bieten sich an bei stärker theoriegeleiteter Forschung
mit spezifischeren Fragestellungen und bei Forschung mit größeren
Stichproben.
Ablaufmodell des narrativen
Interviews:
Anwendungsgebiete:
Grundgedanken: Viele subjektive Bedeutungsstrukturen sind so stark in soziale Zusammenhänge eingebunden, daß sie nur in Gruppendiskussionen erhebbar sind. Hier können psychische Sperren durchbrochen werden, um auch zu kollektiven Einstellungen und Ideologien zu gelangen.
Vorurteile und Ideologien werden eher offenbart. Durch Gruppendiskussion, wenn sie gut geführt werden, können Rationalisierungen durchbrochen werden und die Beteiligten legen dann Einstellungen offen, die auch im Alltag ihr Denken, Fühlen und Handeln bestimmen. Solche subjektiven Bedeutungsstrukturen entstehen ja auch im wesentlichen in sozialen Situationen, in Alltagsdiskussionen. Durch Gruppendiskussionen kann man an so etwas wie öffentliche Meinung, kollektive Einstellungen, Ideologien herankommen.
Gruppenbildung bereitet oft Schwierigkeiten.
Sie sollen 5 bis 15 Teilnehmer umfassen und möglichst im
Alltag als Gruppe bestehen.
Ablaufmodell der Gruppendiskussion:
d.h. näher am Gegenstand, man kann eher die Innenperspektive erheben.
Bspl. Untersuchungen von Eingeborenen in Neuguinea
Untersuchungen der Lebenswelt von sog. Landstreichern
Teilnehmende Beobachtung als qualitative
Technik muß offen sein. Beobachtungsleitfaden, der genauer
aufschlüsselt, was beobachtet werden soll. Ausführliche
Kommentare seitens des Beobachters und Möglichkeit der Herausarbeitung
neuer Aspekte.
Parallelen zum qualitativen Interview. Weder völlig frei noch vollständig strukturierte Vorgehensweise.
Die wichtigsten Beobachtungsdimensionen werden vorher theoriegeleitet festgelegt und in einem Beobachtungsleitfaden zusammengestellt. Beobachter muß ihn verinnerlicht haben und seinen Beobachtungsprotokollen (möglichst detailliert) zugrunde legen. So werden die Beobachtungen verschiedener Forscher und unterschiedlicher Situationen vergleichbar und die Ergebnisse leichter verallgemeinerbar.
Problem: Zugang zum Untersuchungsfeld.
(S. S. 10, Feldforschung)
Ablaufplan der teilnehmenden
Beobachtung:
Durch Erhebungsverfahren wird versucht, der Realität Informationen zu entlocken; dieses Material muß aber festgehalten, aufgezeichnet, geordnet und aufbereitet werden, bevor es ausgewertet werden kann. Die beste Erhebung nützt nichts, wenn hier unsauber gearbeitet wird.
Grundgedanken:
die Auswahl der Darstellungsmittel muß gegenstandsangemessen sein
sie muß möglichst vielfältig sein.
Darstellungsmittel:
Text,
graphische Darstellung - Tabellen, Prozeßmodelle, Kontextmodelle, Strukturmodelle
audio-visuelle Darstellung - Bildmaterial,
Filmmaterial, Tonbandmaterial
wörtliche Transkription: vollständige Texterfassung verbal erhobenen Materials, bietet Basis für eine ausführliche interpretative Auswertung
kommentierte Transkription: zusätzliche Informationen, wie Pausen, Betonungen, Sprachbesonderheiten oder zusätzliche Kommentare nach vorher festgelegten Kriterien werden in einer eigenen Spalte neben dem Text festgehalten.
Zusammenfassendes Protokoll
Reduzierung der Materialfülle bereits bei der Aufbereitung
- Mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse; das Allgemeinheitsniveau
wird vereinheitlicht und schrittweise höher gesetzt. Mit
steigendem Abstraktionsniveau verringert sich der Materialumfang,
da einzelne Bedeutungseinheiten integriert, gebündelt werden.
Ablaufmodell zusammenfassender
Inhaltsanalyse (Zusammenfassung,
Mayring S. 76/77)
Selektives Protokoll:
Bei großer Materialfülle
und viel Überflüssigem, Abschweifendem im Material kann
ein selektives Protokoll sinnvoll sein. Die Auswahlkriterien müssen
aber genau festgelegt und definiert werden. Strukturierende Inhaltsanalyse.
Konstruktion deskriptiver Systeme
Mit der Konstruktion solcher Systeme soll das Material durch zu Kategoriensystemen zusammengefaßte Überbegriffe geordnet werden. Die Kategorien werden theoriegeleitet und auf das konkrete empirische Material bezogen entwickelt.
Gegenstandsbezogene Theoriebildung: Sie geht davon aus, daß der Forscher während der Datensammlung theoretische Konzepte, Konstrukte und Hypothesen entwickelt, verfeinert und verknüpft, so daß Erhebung und Auswertung sich überschneiden.
Zentrales Instrument: Merkzettel: Memos. Immer wenn der Forscher in der Erhebungsphase, während der Feldarbeit auf zentrale Aspekte stößt, lautet die Handlungsanweisung: "Stop and memo!" - zur Klärung neuer Aspekte, zur Konkretisierung beitragen.
Anwendungsgebiete:
läßt sich besonders gut durchführen bei einer
teilnehmenden Beobachtung. Sie eignet sich eher für explorative
Untersuchungen.
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Ablaufmodell gegenstandsbezogener
Theoriebildung
zwei Kernpunkte:
Drei Funktionen:
| Vorverständnis der Interpreten Theorien, subjektiv-biographische (Alltagstheorien, wissenschaftliche
Erfahrungen)
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| Ablaufmodell der soz.wiss.hermeneutischen Paraphrase |
Kritik an der quantitativen Inhaltsanalyse:
- Keine Berücksichtigung des Kontextes von Textbestandteilen;
- keine Berücksichtigung latenter Sinnstrukturen
- keine Berücksichtigung markanter Einzelfälle
keine Berücksichtigung dessen,
was im Text nicht vorkommt.
Qualitative Inhaltsanalyse analysiert sprachliches Material systematisch
In qualitativ orientierter Forschung
wird auf eine systematische Ableitung von Auswertungsgesichtspunkten
aus dem Material, also eine induktive Kategorienbildung, großer
Wert gelegt. Offenes Kodieren. Kategorisierungsdimension und Abstraktionsniveau
müssen vorher festgelegt, definiert werden. Selektionskriterium
für die Kategorienbildung muß festgelegt werden - deduktives
Element, muß mit theoretischen Erwägungen über
Gegenstand und Ziel der Analyse begründet werden. Mit dieser
Definition im Hinterkopf wird das Material Zeile für Zeile
durchgearbeitet.
Wenn das erste Mal eine zur Kategoriendefinition
passende Textstelle gefunden wird, wird dafür eine Kategorie
konstruiert. Ein Begriff oder Satz, der möglichst nahe am
Material formuliert ist, dient als Kategorienbezeichnung. Wird
im weiteren Analyseverlauf wieder eine dazu passende Textstelle
gefunden, so wird sie dieser Kategorie ebenfalls zugeordnet (Subsumption).
Wenn die neue Textstelle die allgemeine Kategoriendefinition erfüllt,
aber zu der (den) bereits induktiv gebildeten Kategorien nicht
paßt, so wird eine neue Kategorie induktiv, aus dem spezifischen
Material heraus, formuliert.
| |
Ablaufmodell induktiver Kategorienbildung |
Nach einem Teil des Materialdurchgangs (etwa 10-50%), wenn so gut wie keine neuen Kategorien mehr gebildet werden können, wird das Kategoriensystem überarbeitet. Es wird geprüft, ob es logisch ist, der Abstraktionsgrad zu Gegenstand und Fragestellung paßt. Falls Veränderungen des Kategoriensystems vorgenommen werden mußt, nochmalige Bearbeitung des Materials von Anfang an. Ergebnis: Set von Kategorien zu einer bestimmten Thematik, dem spezifische Textstellen zugeordnete worden sind. Weitere Auswertung:
Der Grundgedanke der Explikation ist, daß vorher genau festgelegt werden muß, wo nach zusätzlichem Material gesucht wird, um die fragliche Textstelle zu explizieren. Systematische Suche. Zwei Quellen:
Explikation ist damit im eigentlichen Sinn eine Kontextanalyse. Aus dem Kontextmaterials wird nun eine erklärende Paraphrase gebildet - bei großen Materialmengen mit Hilfe einer Zusammenfassung - und diese Paraphrase statt der fraglichen Stelle in den Text einzufügen. Nun wird geprüft, ob die Explikation ausreicht. Im negativen Falle muß neues Explikationsmaterial bestimmt werden und ein neuer Durchlauf der Kontextanalyse erfolgt.
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eventuell neuer Durchlauf |
Ablaufmodell explizierender
qualitativer Inhaltsanalyse
Ziel der sturkturierenden Inhaltsanalyse ist es, eine bestimmte Struktur aus dem Material herauszufiltern. Das können formale, inhaltliche Aspekte oder bestimmte Typen sein, es kann auch eine Skalierung, eine Einschätzung auf bestimmten Dimensionen angestrebt werden. Das Herzstück hierbei ist nun, daß das aus den Strukturierungsdimensionen zusammengestellte Kategoriensystem so genau definiert wird, daß eine eindeutige Zuordnung von Textmaterial zu den Kategorien immer möglich ist. Dabei hat sich das folgende 3-Schritt-Verfahren bewährt.
1. Definition der Kategorien: Es wird explizit definiert, welche Textbestand teile unter eine Kategorie fallen sollen
2. Ankerbeispiele: Es werden konkrete Textstellen angeführt, die unter eine Kategorie fallen und als Beispiele für diese Kategorie gelten sollen. Diese Ankerbeispiele haben prototypische Funktion für die Kategorie
3. Kodierregeln: Es werden dort, wo Abgrenzungsprobleme zwischen Kategorien bestehen, Regeln formuliert, um eindeutige Zuordnungen zu ermöglichen.. Sie werden in einem Kodierleitfaden gesammelt, der als Anweisung für die Auswerter dient. Im Laufe der Analyse können weitere Ankerbeispiele darin aufgenommen und bei strittigen Kodierungen neue Kodierungen formuliert werden.
In einem ersten, zumindest ausschnittweisen Materialdurchgang werden die Kategorien und der Kodierleitfaden erprobt und evtl. überarbeitet. Dabei unterteilt sich der Materialdurchgang in zwei Arbeitsschritte:
a) Bezeichnung der Textstellen im Material, in denen die Kategorie angesprochen wird
b) Je nach Art der Strukturierung wird das gekennzeichnete Material herausgefiltert, zusammengefaßt und aufgearbeitet (Kodierleitfaden s. S. 97)
Ablaufmodell strukturierender qualitative Inhaltsanalyse
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Anwendungsgebiet:
Qualitative Inhaltsanalyse eignet sich für systematische,
theoriegeleitete Bearbeitung von Textmaterial. Dabei sind auch
große Textmengen zu bewältigen.
Weitere Verfahren, nur kurz dargestellt:
Objektive Hermeneutik: Sie will die hinter den subjektiven Bedeutungen stehenden objektiven Sinnstrukturen erschließen. Schrittweise werrden dazu mögliche oder tatsächliche Bedeutungsgehalte des Materials systematisch verglichen.
Anwendungsgebiete: Sie wird für Fragestellungen, bei denen es weniger um subjektive Bedeutungen als um allgemeine dahinterliegende Strukturen geht, empfohlen. Sie ist wegen ihres aufwendigen Vorgehens nur an kleinen Materialausschnitten oder mit erheblichen Ressourcen durchführbar.(S. S. 101)
Psychoanalytische Textinterpretation: geht davon aus, daß das Material nicht vollständig ist, wenn man an der Oberfläche stehenbleibt. Verdrängte Gehalte sollen mit psychoanalytischen Mitteln freigelegt und in ihrer gesellschaftlichen Bedingtheit und Relevanz analysiert werden.
Anwendungsgebiete:
da diese Art der Textinterpretation
an einen vorgegebenen Theoriehintergrund gebunden ist, kann
sie nur in diesem Rahmen wichtige Aufschlüsse über verdrängte
Sinngehalte geben.
Typologische Analyse:
Hierbei sollen nach einen
vorher festgelegten Kriterium Bestandteile aus dem Material detailliert
beschrieben werden, die das Material in besonderer Weise repräsentieren.
Sie empfehlen sich dann, wenn ineine Fülle explorativen Materials
Ordnung gebracht werden soll, aber auf detaillierte Fallbeschreibungen
nicht verzichtet werden kann.
| Einzelfallanalyse
Dokumentenanalyse Qualitative Evaluation | Handlungsforschung
Feldforschung
Qualitatives Experiment |
| Probelmzentriertes Interview
Narratives Interview
Aufbereitung Wahl der Darstellungsmittel Wörtliche Transkription zusammenfassendes Protokoll Selektives Protokoll Konstruktion deskriptiver Systeme | Gruppendiskussionsverfahren
Teilnehmende Beobachtung
Auswertung Gegenstandsbezogene Theoriebildung Phänomenologische Analyse Sozialwissenschaftlich-hermeneutische Paraphra se Qualitative Inhaltsanalyse Objektive Hermeneutik Psychoanalytische Textinterpetation Typologische Analyse |
Untersuchungspläne und
Verfahren qualitativer Forschung
Da z.B. die Transkription von Interviews meistens am PC geschieht ist es natürlich auch logisch, daß über den Einsatz von Computern hierbei nachgedacht wurde. Es gibt bereits verschiedene Textverarbeitungsprogramme, doch darauf will ich hier nicht näher eingehen.
Grundlegende Prozeduren der Computerunterstürzung:
Soweit einige Beispiele, graphische
Gestaltung usw. ist natürlich auch drin.
Methodenspezifische Gütekriterien: Datenerhebung:
Feldforschung/teilnehmende Beobachtung:
Sind sie offen und ehrlich?
Aufbereitung der Daten:
Auswertung:
Ein Beispiel ganz spezifischer Maßstäbe.
Methoden werden meist spezielle für diesen Gegenstand entwickelt oder differenziert. Das muß bis ins Detail dokumentiert werden, um den Forschungsprozeß für andere nachvollziehbar werden zu lassen. Dies betrifft die Explikation des Vorverständnisses, die Zusammenstellung des Analyseinstrumentariums, Durchführung und Auswertung der Datenerhebung.
Interpretationen spielen ein entscheidende Rolle in qualitativ orientierten Ansätzen. Sie lassen sich allerdings nicht beweisen, deshalb gilt die Regel, daß sie argumentativ begründet werden müssen.
Trotz Offenheit gegenüber dem
Untersuchungsgegenstand und der Bereitschaft, gegebenenfalls vorgeplante
Analyseschritte zu modifizieren, darf nicht ein völlig unsystematisches
Vorgehen resultieren. Qualitative Forschung muß sich an
bestimmte Verfahrensregeln halten, das Material systematisch bearbeiten.
Es gilt jedoch: Keine Regel ohne Ausnahme! Aber ohne Regeln wird
qualitative Forschung wertlos bleiben
Wird vor allem dadurch erreicht, daß
man möglichst nahe an der Alltagswelt der beforschten Subjekte
anknüpft. Inwieweit das gelingt, stellt ein wichtiges Gütekriterium
dar. Gelingt es, eine Interessenübereinstimmung mit den Beforschten
zu erreichen? Qualitative Forschung will an konkreten sozialen
Problemen ansetzen, will Forschung für die Betroffenen machen
und ein offenes, gleichberechtigtes Verhältnis herstellen.
Im Nachhinein sollte nochmals überprüft werden, inwieweit
das jeweils gelungen ist.
Die Gültigkeit der Ergebnisse,
der Interpretationen kann man auch dadurch überprüfen,
indem man sie die Beforschten nochmals vorlegt und mit ihnen diskutiert.
Wenn sie sich in den Analyseergebnissen wiederfinden, kann das
ein wichtiges Argument zur Absicherung der Ergebnisse sein (Scheele
& Groeben 1988). In qualitativer Forschung sind die "Versuchspersonen"
nicht nur Datenlieferanten, sondern denkende Subjekte, wie die
Forscher auch. Aus dem Dialog mit ihnen kann der Forscher wichtige
Argumente zur Relevanz der Ergebnisse gewinnen - vor allem, was
die Absicherung der Rekonstruktion subjektiver Bedeutungen angeht.
Triangulation meint, daß man
versucht, für die Fragestellung unterschiedliche Lösungswege
zu entwerfen und die Ergebnisse zu vergleichen. Dabei ist es nicht
das Ziel, völlige Übereinstimmung zu erreichen. Aber
die Ergebnisse der verschiedenen Perspektiven können miteinander
verglichen werden, Stärken und Schwächen der jeweiligen
Analysewege können aufgezeigt und schließlich zu einem
kaleidoskopartigen Bild zusammengesetzt werden. Natürlich
sind auch Vergleiche qualitativer und quantitativer Analysen
sinnvoll möglich.
Soweit Mayring.
Er weist des weiteren noch darauf
hin, daß auch qualitative Forschung für falsche Zwecke
mißbraucht werden kann.
Zu Bortz-Döring - Kapitel 5,
Qualitative Methoden S. 271-325
Bortz-Döring beschäftigen sich im ersten Teil des Kapitels hauptsächlich mit Unterschieden zwischen den beiden Methoden, also quantitativ vs. qualitativ. Die Argumente, die als Beleg für das "bessere" quantitative Vorgehen herangezogen werden, sind meistens Extremfälle so z.B. daß schwerkranke Personen nicht in der Lage sein könnten, ein ausführliches qualitatives Interview zu führen, daß Personen lieber in einem standardisierten Interview Auskunft über sexuelle Erlebnisse geben als in einem ausführlichen "offenen" Interview usw. Die Beschreibung der Methoden als solches sind denen von Mayring ähnlich, obwohl Bortz-Döring andere Autoren als Mayring nennen. Deshalb spare ich es mir, sie hier noch einmal anzführen. Es lohnt sich aber schon, einmal den Text zu lesen!
Gut beschrieben - und bei Mayring
fehlend - ist der Abschnitt über Frauenforschung, den ich
hier kurz zusammenfassen möchte.
Frauenforschung:
zum einen quantitativ - Häufigkeitsdaten der Repräsentation von Frauen in öffentlichen Ämtern, der Anteil der Männer an der Hausarbeit etc.
qualitativ: eingeführte Konstrukte und Fragestellungen sind häufig bereits von traditionell einseitigen Sichtweisen und angeblichen Selbstverständlichkeiten geprägt, das kann hier herausgearbeitet werden durch offene, intensive qualitative Untersuchungen:
Beispiel: Ende der 70er Jahre - Situation der Industriearbeiterinnen kaum erforscht. - Wurden als Zusatzverdienerinnen charakterisiert. Die traditionelle Vorstellung, daß Arbeiterinnen primär familiär eingestellt sind und nur aus Not arbeiten, konnte empirisch immer wieder gezeigt werden. Die Arbeiterinnen klagten über diverse Belastungen der Fabrik- und Akkordarbeit. Ein etwas anderes Bild ergab sich erst, als Becker-Schmidt et al. (1982) die von ihnen entwickelte Technik des "Perspektivenwechsels" einsetzten. Sie fragten nicht nur nach der Fabrikarbeit, sondern auch nach der Hausarbeit (blieb sonst im Kontext von Berufsarbeit meist unberücksichtigt) und wechselten während des Leitfadeninterviews mit 60 Fabrikarbeiterinnen jeweils mehrmals zwischen diesen beiden Bereichen.
Befragt nach der Erwerbstätigkeit beschrieben die Probandinnen die Belastungen und Nachteile der Arbeit und betonten die angenehmen Seiten der Hausarbeit (freie Zeiteinteilung u.a.). Die "Familienorientierung" verschwand jedoch, wurden sie auf die Hausarbeit angesprochen. Nun wurden nämlich die Nachteile der Hausarbeit herausgestellt und die Belastungen der Familienarbeit hervorgehoben sowie die Vorteile der Erwerbstätigkeit beschrieben (Anerkennung, Selbständigkeit, eigenes Geld). Die "Ambivalenz" und die große Attraktivität von Erwerbstätigkeit für Frauen war in früheren Untersuchungen durch die Festlegung auf das Modell "familienorientierte Zusatzverdienerin" unter den Tisch gefallen.
Modelle der Geschlechterdifferenz
Neben der Bestandsaufnahme geschlechtsspezifischer Asymmetrien interessieren natürlich auch die Verursachungszusammenhänge.
Oftmals muß die Biologie herhalten
Geschlecht im biologischen Sinne im englischen Sprachraum = Sex
im sozialen bzw. kulturellen Bereich = Gender
In jüngster Zeit geht man davon aus, daß biologische, psychologische, soziologische, historische, ökonomische, politische und andere Faktoren zusammenwirken, so daß Frauenforschung stets als interdisziplinäres Forschungsfeld zu begreifen ist.
Es gibt keine allgemeine feministische
Theorie - eine Vielzahl z.T. kontroverser Ansätze bestehen
nebeneinander.