Qualitative Methoden nach Mayring

von Hannelore Wiesinger

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Qualitative Methoden zum Download

QUALITATIVE METHODEN:

GRUNDLAGEN:

MAYRING. Einführung in die qualitative Sozialforschung.

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Kurzer geschichtlicher Abriß

Unter dem Stichwort "qualitative Sozialforschung" mehren sich auch in der BRD seit den 70 er Jahren qualitative Ansätze. Einigkeit bei den Vertretern dieser Richtung besteht in ihrer Kritik an den sozialwissenschaftlichen Forschungsinstrumenten wie Skalen, Tests, Fragebögen, an den standardisierten Instrumenten, die die Versuchspersonen nicht zu Wort kommen lassen, sondern sie auf das Reagieren auf vorgegebene Kategorien (Stichwort: Kreuzchen machen) reduzieren.

Versuch, sich der sozialen Realität mit unstrukturierten Beobachtungen und offenen Befragungen in natürlichen, alltäglichen Situationen anzunähern.

Soweit nur einige wenige Beispiele.



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Theoretische Grundlagen/Grundsätze

Mayring will keine Alternative zum quantitativen Denken aufstellen, vielmehr sind für ihn qualitative und quantitative Denkprozesse in jedem Forschungs- und Erkenntnisprozeß enthalten.

  1. Gegenstand humanwissenschaftlicher Forschung sind immer Menschen, Subjekte. Sie müssen Ausgangspunkt und Ziel der Untersuchungen sein. Beispiel: Kritische Psychologie (Holzkampf, 1983) - setzt subjektwissenschaftliches Vorgehen dem kontrollwissenschaftlichen des experimentell-quantitativen Ansatzes entgegen - aber auch hier Warnung vor dem Stehenbleiben bei der Perspektive des Subjekts.

Drei Richtlinien: Berücksichtigung der Ganzheit des Subjekts; Berücksichtigung der Historizität des Subjekts, Ansatz an konkreten Problemen des Subjekts (Problemorientierung)

2. Am Anfang jeder Analyse muß eine genaue und umfassende Beschreibung des Gegenstandsbereiches stehen. Dilthey (1894) - genaue Beschreibungen des Gegenstandes müssen immer der Ausgangspunkt sein, bevor als zweiter Schritt erklärende Konstruktionen benutzt werden.

Drei methodische Grundsätze: Einzelfallbezogenheit, dem Subjekt mit mög- lichst großer Offenheit gegenübertreten, die methodischen Schritte dabei genau kontrollieren.

  1. Der Untersuchungsgegenstand der Humanwissenschaften liegt nie völlig offen, er muß immer auch durch Interpretation erschlossen werden. Von Menschen Hervorgebrachtes ist immer auch mit subbjektiven Intentionen verbunden (Hermeneutik). Bedeutungen müssen erst durch Interpretation erschlossen werden, denn dieselbe objektiv beobachtbare Handlung kann für unterschiedliche Akteure wie auch für unterschiedliche Beobachter völlig andere Bedeutung haben (Vorstellung von Glück etc.) Interpretation für alles verbale Material, das zu analysieren ist. Interviews, Fragebögen, Dokumente usw. Interpretation bedeutet zunächst, daß vorurteilsfreie Forschung so gut wie unmöglich ist, daß es also gilt, das Vorverständnis zu explizieren, Zulassen von Introspektion, von eigenen subjektiven Erfahrungen mit dem Forschungsgegenstand. Forschung immer ein Prozeß der Aus-einandersetzung mit dem Gegenstand - Forscher-Gegenstands-Interaktion

  1. Humanwissenschaftliche Gegenstände müssen immer möglichst in ihrem natürlichen, alltäglichen Umfeld untersucht werden. Kritik an Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse aus Laborexperimenten - humanwissenschaftliche Untersuchungsphänomene sind stark situationsabhängig - andererseits Kontrolle der Störvariablen im Labor. Aber: fast jeder forschende Zugang zur Realität bringt eine Verzerrung mit sich.

  1. Die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse humanwissenschaftlicher Forschung stellt sich nicht automatisch über bestimmte Verfahren her, sie muß im Einzelfall schrittweise begründet werden. Menschliches Handeln ist situativ gebunden, historisch geprägt und mit subjektiven Bedeutungen behaftet. Qualitative Forschung hat Probleme mit der Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse, u.a. auch wegen der geringen Fallzahlen. Schrittweise Verallgemeinerung - argumentative Verallgemeinerung, Prüfung der Frage, an welchen Stellen Quantifizierungen sinnvoll möglich sind.

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13 Säulen des qualitativen Denkens

  1. Einzelfallbezogenheit: Ergebnisse und Verfahrensweisen können sich von einzelnen Fällen wegbewegen, sie müssen aber immer wieder auf Einzelfälle bezogen werden. Dies sollte auch bei größeren Stichproben geschehen. An denen wird immer wieder Adäquatheit der Verfahrensweisen und die Ergebnisinterpretation überprüft. Einzelfallanalysen können eigene Fragestellungen verfolgen. Es können anhand einzelner Fälle Theorien widerlegt, Alternativerklärungen verglichen und Interaktions- und Kontextannahmen überprüft werden.

  1. Offenheit: auf theoretischer Ebene Kritik an der strengen Hypothesengeleitetheit der Forschung. Forschung muß so offen dem Gegenstand gegenüber gehalten werden, daß Neufassungen, Ergänzungen und Revisionen sowohl der theoretischen Strukturierungen und Hypothesen als auch der Methoden möglich sind, wenn der Gegenstand dies erfordert. Verletzung des Prinzips der Offenheit auf methodischer Ebene ist z.B. daran zu erkennen, daß die Restkategorie häufig kodiert wird. Zeigt es sich im Laufe des Forschungsprozesses, daß die Instrumente wichtiges Material nicht erfassen können, muß man offen sein für Ergänzungen.

  1. Methodenkontrolle: Ein Ergebnis kann nur nachvollzogen werden, über den Weg, der zu ihm geführt hat. Deshalb muß das Verfahren expliziert werden, und es muß sich an begründeten Regeln orientieren. Je offener das Verfahren, desto genauer muß beschrieben werden, wie im einzelnen, Schritt für Schritt der Forschungsprozeß ablief. Jede einzelne Verfahrensweise muß expliziert und dokumentiert werden. Offene Verfahren werden abgesichert, indem sie nach einer systematischen Prozedur ablaufen. Die Verfahrensschritte folgen vorher explizierten Regeln und lassen sich so begründen Grundlage für Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse.

  1. Vorverständnis: Humanwissenschaftliche Gegenstände müssen immer interpretiert werden (Grundannahme), Interpretationen sind nie voraussetzungslos möglich - sie werden vom eigenen Vorverständnis des Forschers beeinflußt - Hermeneutik - Dieses Vorverständnis ist zu Beginn der Analyse offenzulegen, am Gegenstand weiterzuentwickeln und so den Einfluß des Vorverständnisses überprüfbar zu machen.
  2. Introspektion: Bei der Analyse werden auch introspektive Daten als Informationsquelle zugelassen. Sie müssen jedoch als solche ausgewiesen, begründet und überprüft werden.

  1. Forscher-Gegenstands-Interaktion: Forscher und Forschungsgegenstand verändern sich durch den Forschungsprozeß - Interaktion. In der Sozialforschung handelt es sich um auf Forschung reagierende, sich verändernde Subjekte. Daten gewinnt man nur durch Kommunikationsprozesse, die immer auch subjektive Deutungen sind.

Menschen handeln Dingen gegenüber auf der Grundlage von Bedeutungen, die sie ihnen zumessen, die Bedeutung solcher Dinge entsteht oder wird abgeleitet aus der sozialen Interaktion, die man mit seinen Mitmenschen eingeht. Diese Bedeutungen werden in einem interpretativen Prozeß gehandhabt und abgeändert. Im Forschungsprozeß - als Interaktion verstanden - gehen auch immer die Probleme des Forschers, Ängste, Prozesse der Gegenübertragung im Sinne der Psychoanalyse, ein. Die Interaktionsprozesse von sich verändernden Forschern und Beforschten sind also die Daten der Sozialwissenschaften im Sinne qualitativer Forschung. - Qualitative Forschung als Dialog (u.a. Scheele & Groeben, 1988).

  1. Ganzheit: Analytische Trennungen in menschliche Funktions- bzw. Lebensbereiche müssen immer wieder zusammengeführt und in einer ganzheitlichen Betrachtung interpretiert und korrigiert werden. Die einzelnen menschlichen Funktionsbereiche (Denken, Fühlen, Handeln) und Lebensbereiche (Gesellschaft, Beruf, Familie, Freundeskreis ...) sind nur als analytische Differenzierungen zu betrachten, die immer wieder zusammengeführt werden müssen.

  1. Historizität: Die Gegenstandsauffassung im qualitativen Denken muß immer primär historisch sein, da humanwissenschaftliche Gegenstände immer eine Geschichte haben und sich immer verändern können. Beispiel für Ahistorizität: Intelligenztest in den USA in den 40 er Jahren. Junge Erwachsene schnitten am besten ab, da der Test auf ihren Bildungsstandard aufbaute. Galt lange als Beweis für Intelligenzabbau bereits im frühen Erwachsenenalter.

  1. Problemorientierung: Der Ansatzpunkt humanwissenschaftlicher Untersuchungen sollen primär konkrete praktische Problemstellungen im Gegenstandsbereich sein, auf die dann auch die Untersuchungsergebnisse bezogen werden können.

  1. Argumentative Verallgemeinerung: Bei der Verallgemeinerung der Ergebnisse humanwissenschaftlicher Forschung muß explizit, argumentativ abgesichert begründet werden, welche Ergebnisse auf welche Situationen, Bereiche, Zeiten hin generalisiert werden können.

  1. Induktion: In sozialwissenschaftlichen Untersuchungen spielen induktive Verfahren zur Stützung und Verallgemeinerung der Ergebnisse eine zentrale Rolle, sie müssen jedoch kontrolliert werden.

  1. Regelbegriff: Im humanwissenschaftlichen Gegenstandsbereich werden Gleichförmigkeiten nicht mit allgemeingültigen Gesetzen, sondern besser mit kontextgebundenen Regeln abgebildet

  1. Quantifizierbarkeit: Auch in qualitativ orientierten humanwissenschaftlichen Untersuchungen können - mittels qualitativer Analyse - die Voraussetzungen für sinnvolle Quantifizierungen zur Absicherung und Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse geschaffen werden.

Untersuchungen können als ausreichend qualitativ abgesichert gelten,

Untersuchungspläne (design) qualitativer Forschung = grundsätzliche Untersuchungsanlage

umfaßt (formal) Untersuchungsziel und -ablauf, stellt als Rahmenbedingung Regeln auf, die die Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Proband und Forscher wesentlich bestimmen

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Einzelfallanalyse:

Grundgedanke: Während des gesamten Analyseprozesses soll der Rückgriff auf den Fall in seiner Ganzheit und Komplexität erhalten bleiben, um so zu genaueren und tiefgreifenderen Ergebnissen zu gelangen: Beichten, Anamnesen, Memoiren, Tagebücher, Nachrufe etc.

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Zentrale Punkte:

  1. Formulierung der Fragestellung. Was soll mit der Fallanalyse bezweckt werden?
  2. Falldefinition. Was soll als Fall gelten? Extremfälle, Idealtypen, häufige oder besonders seltene Fälle, Grenzfälle, theoretisch interessante Fälle. Die Bestimmung des Falles und dann auch des Materials, das an dem einzelnen Fall untersucht werden soll, hängen von der Fragestellung ab.
  3. Bestimmung der spezifischen Methoden, Materialsammlung
  4. Aufbereitung des Materials (Tonband, Video, Fallprotokolle), Kommentierung des Materials (Kontextbindung der Erhebung, besondere Eindrücke). Folgende Arbeitsschritte der Fallzusammenfassung und -strukturierung haben sich bewährt:

Bilden die Grundlage der Fallinterpretation, ermöglichen, daß schrittweise Erklärungen an das Material herangetragen werden können.

  1. Einordnung des Falles in einen größeren Zusammenhang. Vergleich mit anderen Fällen, um die Gültigkeit der Ergebnisse abschätzen zu können.

Vorgehensweise: Fragestellung, Falldefinition, Materialsammlung, Aufbereitung, Falleinordnung.

Hauptproblem biographischer Fallanalysen: subjektive Verzerrung der Daten.

Weitere Personen befragen, andere Informationsquellen hinzuziehen usw. zur Objektivierung.

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Dokumentenanalyse:

kommt hauptsächlich in Geschichts- und Kommunikationswissenschaften zum Einsatz: Breite Definition: Dokumentenanalyse umfaßt Urkunden und Schriftstücke von besonderer Bedeutung und "sämtliche gegenständlichen Zeugnisse, die als Quelle zur Erklärung menschlichen Verhaltens dienen können." Z.B. Texte, Filme, Tonbänder, Werkzeuge, Bauten, Kunstgegenstände. Sie müssen nur interessante Schlüsse auf menschliches Denken, Fühlen und Handeln zulassen, d.h. sie müssen interpretierbar sein, denn Dokumente werden als Objektivationen (Vergegenständlichungen) der Psyche des Urhebers angesehen.

Vorteil 1: D. erschließt Material, das in klassischen Methoden wie Test und Verhaltensbeobachtung unter den Tisch fällt.

Vorteil 2: Daten sind bereits fertig, müssen nicht mehr erfragt, ertestet etc. werden - Fehlerquelle der Datenerhebung fällt weg, nur bei Auswahl spielt Subjektivität des Forschers eine Rolle - nonreaktives Messen.

Kriterien für den Erkenntniswert von Dokumenten:

Vorgehensweise: Genaue Definition des Ausgangsmaterials in bezug auf eine Fragestellung, Einschätzung des Aussagewertes und Interpretation des Gehalts. Evtl . auch quantitative Erschließung.

Einsatz der Dokumentenanalyse: überall, wo Material entsprechend vorhanden ist, können wegen des nichtreaktiven Charakters dazu dienen, die Gültigkeit auf andere Art und Weise gewonnenen Materials einzuschätzen. Überall, wo kein direkter Zugang durch Befragen, Messen, Beobachten möglich ist, aber Material vorhanden ist.

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Handlungsforschung

Grundgedanke: 3 Ziele

Zentrale Methoden der Handlungsforschung s. Mayring S. 37

Vorgehensweise: Handlungsforschung beginnt immer mit Problem- und Zieldefinition und pendelt in ihrem Verlauf zwischen Informationssammlung, Diskurs mit den Betroffenen und praktischen Handlungen.

Anwendungsgebiete: Immer, wenn an konkreten Praxisproblemen angesetzt wird, um Veränderungsmöglichkeiten zu erarbeiten, ist Handlungsforschung einsetzbar. Aber auch bei praxisferneren Fragestellungen lassen sich Elemente von Handlungsforschung sinnvoll einbauen, wie die Rückmeldung der Ergebnisse an die Betroffenen.

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Feldforschung:

Grundgedanke: Feldforschung will ihren Gegenstand in möglichst natürlichem Konktext untersuchen, um Verzerrungen durch Eingriff der Untersuchungsmethoden bzw. durch die wirklichkeitsferne Außenperspektive zu vermeiden.

Feldforschung vs. Laborforschung: Mayring behauptet, auch im Feld lassen sich einzelne Faktoren beeinflussen und kontrollieren - wie?

Probleme:

Wie bekommt der Forscher Kontakt zum Feld? Folgende Schritte: Annäherung, Orientierung, Initiation, Assimilation und schließlich Abschluß des Feldkontakts. Während dieses Prozesses wird der Forscher für die Beteiligten - idealtypisch - vom Eindringling zum Mitglied und schließlich zum Anwalt ihrer Probleme!?

Wird er akzeptiert, kann er Vertrauen gewinnen? (bitte nicht meckern, daß die weibliche Form nicht explizit angeführt wird, ich habe auch weibliche Forscher immer im Hinterkopf! d.V.)

Wie kann das unsystematisch gesammelte Material ausgewertet werden?

Vorgehensweise:

Anwendungsgebiete: Feldforschung ist nur anwendbar, wenn das Feld ohne große Störungen zugänglich ist (Spielplatz eher möglich als ein Betrieb), der Forscher auf die Probleme eingestellt und ein Engagement für die Beteiligten ersichtlich ist.

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Das qualitative Experiment

Def. (Kleining , 1986) "Das qualitative Experiment ist der nach wissenschaftlichen Regeln vorgenommene Eingriff in einen (sozialen) Gegenstand zur Erforschung seiner Struktur. Es ist die explorative, heuristische Form des Experiments."

Grundgedanke: das qualitative Experiment versucht, durch einen kontrollierten, gegenstandsadäquaten Eingriff in den Untersuchungsbereich unter möglichst natürlichen Bedingungen Veränderungen hervorzubringen, die Rückschlüsse auf dessen Struktur zulassen.

Techniken experimenteller Eingriffe (nach Kleining)

Vorgehensweise:

Der zweite und dritte Schritt muß dabei in der Regel mehrmals durchlaufen werden, bis der vierte möglich wird.

Qualitatives Experiment verwandt mit Feldexperiment, Krisenexperiment der Ethnomethodologie, ein Verfahren das versucht, Alltagsinteraktionen zu verunsichern, um deren Basisregeln zu eruieren.

Anwendungsgebiet: Qual.Exp. sind immer dann sinnvoll, wenn es um die Analyse von Strukturen im Gegenstandsbereich geht, die sich der einfachen Deskription verschließen.


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Verfahren qualitativer Analyse

Es wird unterschieden zwischen Erhebungstechniken, die der Materialsammlung dienen,

Aufbereitungstechniken, die der Sicherung und Strukturierung des Materials dienen, und

Auswertungstechniken, die eine Materialanalyse vornehmen.

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Erhebungsverfahren:

Der verbale Zugang, das Gespräch, spielt in der qualitativen Forschung eine besondere Rolle. Aus Beobachtungen lassen sich subjektive Bedeutungen nur schwer ableiten. Die Subjekte müssen also selbst zur Sprache kommen, da sie zunächst die Experten für ihre eigenen Bedeutungsgehalte sind.

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Qualitative Interviewtechniken:

problemzentriertes und fokussiertes Interview stellen offene, halbstrukturierte qualitative Verfahren dar - so auch Exploration und Tiefeninterview.

Problemzentriertes Interview - etwas stärker strukturiert

Narratives Interview - schwächer strukturiertes Interview
offenes (vs.geschlossenes) Interview bezieht sich auf die Freiheitsgrade des Befragten- Er kann frei antworten, ohne Antwortvorgaben,kann das formulieren, was ihm in bezug auf das Thema bedeutsam ist.
Unstrukturiertes (vs.struktu-riertes) bzw. unstandardisiertes (vs.standardisiertes) Interview bezieht sich auf die Freiheitsgrade des Interviewers Er hat keinen starren Fragenkata-log, er kann Fragen und Themen je nach Interviesituation frei formulieren.
Qualitatives (vs. quantitatives Interview bezieht sich auf die Auswertung des Interviewmaterials Die Auswrtung geschieht mit qualitativ-interpretativen Techniken

Begriffsbestimmung qualitativ orientierter Interviewformen

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(1)Problemzentriertes Interview

unter diesen Begriff sollen alle Formen der offenen, halbstrukturierten Befragung zusammengefaßt werden.

Die Grundgedanken sind:

Die Formulierung und Analyse des Problems steht immer am Anfang. Daraus werden die zentralen Aspekte für den Interviewleitfaden zusammengestellt. Er enthält die Themen des Gesprächs sowie Formulierungsvorschläge (evtl. Formulierungsalternativen) zumindest für die Einstiegsphase. Dann folgt die Pilotphase, d.h. es werden Probeinterviews durchgeführt. Hier wird der Leitfaden getestet und die Interviewer werden geschult. Die Gespräche bestehen im wesentlichen aus drei Teilen:




Problemanalyse
Leitfadenkonstruktion
Pilotphase:

Leitfadenerprobung und

Interviewerschulung
Interviewdurchführung

(Sondierungsfragen, Leitfadenfragen, Ad-hoc-fragen)
Aufzeichnung

Ablaufmodell des problemzentrierten Interviews

Anwendungsgebiete: sie bieten sich an bei stärker theoriegeleiteter Forschung mit spezifischeren Fragestellungen und bei Forschung mit größeren Stichproben.

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Narratives Interview

Definition des Gegenstandes

Stimulierung der Erzählung

Durchführung, Aufrechterhalten des roten

Fadens, der Erzählstruktur

Nachfragen in Richtung der intendierten

subjektiven Bedeutungsstruktur

Ablaufmodell des narrativen Interviews:

Anwendungsgebiete:

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Gruppendiskussion

Grundgedanken: Viele subjektive Bedeutungsstrukturen sind so stark in soziale Zusammenhänge eingebunden, daß sie nur in Gruppendiskussionen erhebbar sind. Hier können psychische Sperren durchbrochen werden, um auch zu kollektiven Einstellungen und Ideologien zu gelangen.

Vorurteile und Ideologien werden eher offenbart. Durch Gruppendiskussion, wenn sie gut geführt werden, können Rationalisierungen durchbrochen werden und die Beteiligten legen dann Einstellungen offen, die auch im Alltag ihr Denken, Fühlen und Handeln bestimmen. Solche subjektiven Bedeutungsstrukturen entstehen ja auch im wesentlichen in sozialen Situationen, in Alltagsdiskussionen. Durch Gruppendiskussionen kann man an so etwas wie öffentliche Meinung, kollektive Einstellungen, Ideologien herankommen.

Gruppenbildung bereitet oft Schwierigkeiten. Sie sollen 5 bis 15 Teilnehmer umfassen und möglichst im Alltag als Gruppe bestehen.

Formulierung der Fragestellung,

Ableitung von Grundreiz und Reizargumenten

für die Diskussion

Gruppenbildung

Darbietung des Grundreizes

Freie Diskussion

Einführung der weiteren Reizargumente

durch den/die Diskussionsleiter/in

Metadiskussion zur Bewertung der Diskussion

Ablaufmodell der Gruppendiskussion:

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Teilnehmende Beobachtung

d.h. näher am Gegenstand, man kann eher die Innenperspektive erheben.

Bspl. Untersuchungen von Eingeborenen in Neuguinea

Untersuchungen der Lebenswelt von sog. Landstreichern

Teilnehmende Beobachtung als qualitative Technik muß offen sein. Beobachtungsleitfaden, der genauer aufschlüsselt, was beobachtet werden soll. Ausführliche Kommentare seitens des Beobachters und Möglichkeit der Herausarbeitung neuer Aspekte.

Parallelen zum qualitativen Interview. Weder völlig frei noch vollständig strukturierte Vorgehensweise.

Die wichtigsten Beobachtungsdimensionen werden vorher theoriegeleitet festgelegt und in einem Beobachtungsleitfaden zusammengestellt. Beobachter muß ihn verinnerlicht haben und seinen Beobachtungsprotokollen (möglichst detailliert) zugrunde legen. So werden die Beobachtungen verschiedener Forscher und unterschiedlicher Situationen vergleichbar und die Ergebnisse leichter verallgemeinerbar.

Problem: Zugang zum Untersuchungsfeld. (S. S. 10, Feldforschung)

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Anwendungsgebiete:



Bestimmung der Beobachtungsdimension;

Erstellung des Beobachtungsleitfadens

Herstellen des Kontakts zum Untersuchungsfeld

Handeln im Feld -

Teilnehmende Beobachtung

Feldnotizen, Beobachtungsprotokolle

Schlußauswertung

Ablaufplan der teilnehmenden Beobachtung:

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Aufbereitungsverfahren:

Durch Erhebungsverfahren wird versucht, der Realität Informationen zu entlocken; dieses Material muß aber festgehalten, aufgezeichnet, geordnet und aufbereitet werden, bevor es ausgewertet werden kann. Die beste Erhebung nützt nichts, wenn hier unsauber gearbeitet wird.

Grundgedanken:

die Auswahl der Darstellungsmittel muß gegenstandsangemessen sein

sie muß möglichst vielfältig sein.

Darstellungsmittel:

Text,

graphische Darstellung - Tabellen, Prozeßmodelle, Kontextmodelle, Strukturmodelle

audio-visuelle Darstellung - Bildmaterial, Filmmaterial, Tonbandmaterial

wörtliche Transkription: vollständige Texterfassung verbal erhobenen Materials, bietet Basis für eine ausführliche interpretative Auswertung

kommentierte Transkription: zusätzliche Informationen, wie Pausen, Betonungen, Sprachbesonderheiten oder zusätzliche Kommentare nach vorher festgelegten Kriterien werden in einer eigenen Spalte neben dem Text festgehalten.

Zusammenfassendes Protokoll Reduzierung der Materialfülle bereits bei der Aufbereitung - Mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse; das Allgemeinheitsniveau wird vereinheitlicht und schrittweise höher gesetzt. Mit steigendem Abstraktionsniveau verringert sich der Materialumfang, da einzelne Bedeutungseinheiten integriert, gebündelt werden.

Bestimmung des angestrebten

Abstraktionsniveaus

Generalisierung der Bedeutungseinheiten

unter diesem Abstraktionsniveau

  1. Reduktion durch Selektion,

Streichen bedeutungsgleicher

Bedeutungseinheiten

  1. Reduktion durch Bündelung,

Konstruktion, Integration von Bedeutungseinheiten

auf dem angestrebten Abstraktionsniveau

Zusammenstellung der neuen Aussagen

als Kategoriensystem

Rücküberprüfung des zusammenfassenden

Kategoriensystems am Ausgangsmaterial

Ablaufmodell zusammenfassender Inhaltsanalyse (Zusammenfassung, Mayring S. 76/77)

Selektives Protokoll:

Bei großer Materialfülle und viel Überflüssigem, Abschweifendem im Material kann ein selektives Protokoll sinnvoll sein. Die Auswahlkriterien müssen aber genau festgelegt und definiert werden. Strukturierende Inhaltsanalyse.

Konstruktion deskriptiver Systeme

Mit der Konstruktion solcher Systeme soll das Material durch zu Kategoriensystemen zusammengefaßte Überbegriffe geordnet werden. Die Kategorien werden theoriegeleitet und auf das konkrete empirische Material bezogen entwickelt.

  1. 80 Ablaufmodell der Konstruktion deskriptiver Systeme

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Auswertungsverfahren:

Gegenstandsbezogene Theoriebildung: Sie geht davon aus, daß der Forscher während der Datensammlung theoretische Konzepte, Konstrukte und Hypothesen entwickelt, verfeinert und verknüpft, so daß Erhebung und Auswertung sich überschneiden.

Zentrales Instrument: Merkzettel: Memos. Immer wenn der Forscher in der Erhebungsphase, während der Feldarbeit auf zentrale Aspekte stößt, lautet die Handlungsanweisung: "Stop and memo!" - zur Klärung neuer Aspekte, zur Konkretisierung beitragen.

Anwendungsgebiete: läßt sich besonders gut durchführen bei einer teilnehmenden Beobachtung. Sie eignet sich eher für explorative Untersuchungen.
Datenerhebung d. Forscher im Feld

"Stop and memo"

Anfertigung von Merkzetteln

über konzeptuelle Aspekte des

Gegenstandsbereichs

Ausarbeitung und Vervollständigung

von Codes und Memos

Vergleich und Verknüpfung von

Codes und Memos

Gegenstandsbezogene Theorie

Ablaufmodell gegenstandsbezogener Theoriebildung

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Phänomenologische Analyse:

zwei Kernpunkte:

Drei Funktionen:

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Sozialwissenschaftlich-hermeneutische Paraphrase

Erstes Lesen: Gesamtkontext

erste Deutungsentwürfe

verschiedener Interpreten;

gegenseitige Begründung

und Nachfragen

Aufzeichnung und Transkription

Metakommunikative

Rekonstruktion;

Systematisierung und Gewichtung

der subjektiven Perspektiven

Identiffzierung der Kernaussagen;

Erstellung der Paraphrasen

Kommunikative Validierung




Vorverständnis der Interpreten

Theorien, subjektiv-biographische

(Alltagstheorien, wissenschaftliche

Erfahrungen)

Ablaufmodell der soz.wiss.hermeneutischen Paraphrase

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Qualitative Inhaltsanalyse:

Kritik an der quantitativen Inhaltsanalyse:

- Keine Berücksichtigung des Kontextes von Textbestandteilen;

- keine Berücksichtigung latenter Sinnstrukturen

- keine Berücksichtigung markanter Einzelfälle

keine Berücksichtigung dessen, was im Text nicht vorkommt.

Qualitative Inhaltsanalyse analysiert sprachliches Material systematisch

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Drei Grundformen qualitativer Inhaltsanalyse:

In qualitativ orientierter Forschung wird auf eine systematische Ableitung von Auswertungsgesichtspunkten aus dem Material, also eine induktive Kategorienbildung, großer Wert gelegt. Offenes Kodieren. Kategorisierungsdimension und Abstraktionsniveau müssen vorher festgelegt, definiert werden. Selektionskriterium für die Kategorienbildung muß festgelegt werden - deduktives Element, muß mit theoretischen Erwägungen über Gegenstand und Ziel der Analyse begründet werden. Mit dieser Definition im Hinterkopf wird das Material Zeile für Zeile durchgearbeitet.

Wenn das erste Mal eine zur Kategoriendefinition passende Textstelle gefunden wird, wird dafür eine Kategorie konstruiert. Ein Begriff oder Satz, der möglichst nahe am Material formuliert ist, dient als Kategorienbezeichnung. Wird im weiteren Analyseverlauf wieder eine dazu passende Textstelle gefunden, so wird sie dieser Kategorie ebenfalls zugeordnet (Subsumption). Wenn die neue Textstelle die allgemeine Kategoriendefinition erfüllt, aber zu der (den) bereits induktiv gebildeten Kategorien nicht paßt, so wird eine neue Kategorie induktiv, aus dem spezifischen Material heraus, formuliert.
Gegenstand der Analyse

Fragestellung, Theorie

Festlegen eines Selektionskriteriums;

Kategoriendefinition

Zeilenweiser Materialdurchgang

Kategoriendefinition;

Subsumption oder neue Kategorienformulierung

Revision der Kategorien nach

10-50% des Materials

Endgültiger Materialdurchgang

Interpretation, Auswertung

Ablaufmodell induktiver Kategorienbildung

Nach einem Teil des Materialdurchgangs (etwa 10-50%), wenn so gut wie keine neuen Kategorien mehr gebildet werden können, wird das Kategoriensystem überarbeitet. Es wird geprüft, ob es logisch ist, der Abstraktionsgrad zu Gegenstand und Fragestellung paßt. Falls Veränderungen des Kategoriensystems vorgenommen werden mußt, nochmalige Bearbeitung des Materials von Anfang an. Ergebnis: Set von Kategorien zu einer bestimmten Thematik, dem spezifische Textstellen zugeordnete worden sind. Weitere Auswertung:

Der Grundgedanke der Explikation ist, daß vorher genau festgelegt werden muß, wo nach zusätzlichem Material gesucht wird, um die fragliche Textstelle zu explizieren. Systematische Suche. Zwei Quellen:

Explikation ist damit im eigentlichen Sinn eine Kontextanalyse. Aus dem Kontextmaterials wird nun eine erklärende Paraphrase gebildet - bei großen Materialmengen mit Hilfe einer Zusammenfassung - und diese Paraphrase statt der fraglichen Stelle in den Text einzufügen. Nun wird geprüft, ob die Explikation ausreicht. Im negativen Falle muß neues Explikationsmaterial bestimmt werden und ein neuer Durchlauf der Kontextanalyse erfolgt.
Bestimmung der zu explizierenden Textstelle

Bestimmung des zulässigen

Explikationsmaterials

Materialsammlung

enge Kontextanalyse weite Kontextanalyse

direktes Textumfeld Zusatzmaterial über

den Text hinaus

Formulierung der explizierenden Paraphrase

Überprüfung, ob die Explikation ausreicht



eventuell

neuer Durchlauf

Ablaufmodell explizierender qualitativer Inhaltsanalyse

Ziel der sturkturierenden Inhaltsanalyse ist es, eine bestimmte Struktur aus dem Material herauszufiltern. Das können formale, inhaltliche Aspekte oder bestimmte Typen sein, es kann auch eine Skalierung, eine Einschätzung auf bestimmten Dimensionen angestrebt werden. Das Herzstück hierbei ist nun, daß das aus den Strukturierungsdimensionen zusammengestellte Kategoriensystem so genau definiert wird, daß eine eindeutige Zuordnung von Textmaterial zu den Kategorien immer möglich ist. Dabei hat sich das folgende 3-Schritt-Verfahren bewährt.

1. Definition der Kategorien: Es wird explizit definiert, welche Textbestand teile unter eine Kategorie fallen sollen

2. Ankerbeispiele: Es werden konkrete Textstellen angeführt, die unter eine Kategorie fallen und als Beispiele für diese Kategorie gelten sollen. Diese Ankerbeispiele haben prototypische Funktion für die Kategorie

3. Kodierregeln: Es werden dort, wo Abgrenzungsprobleme zwischen Kategorien bestehen, Regeln formuliert, um eindeutige Zuordnungen zu ermöglichen.. Sie werden in einem Kodierleitfaden gesammelt, der als Anweisung für die Auswerter dient. Im Laufe der Analyse können weitere Ankerbeispiele darin aufgenommen und bei strittigen Kodierungen neue Kodierungen formuliert werden.

In einem ersten, zumindest ausschnittweisen Materialdurchgang werden die Kategorien und der Kodierleitfaden erprobt und evtl. überarbeitet. Dabei unterteilt sich der Materialdurchgang in zwei Arbeitsschritte:

a) Bezeichnung der Textstellen im Material, in denen die Kategorie angesprochen wird

b) Je nach Art der Strukturierung wird das gekennzeichnete Material herausgefiltert, zusammengefaßt und aufgearbeitet (Kodierleitfaden s. S. 97)

Ablaufmodell strukturierender qualitative Inhaltsanalyse
Bestimmung der Strukturierungsdimensionen und Ausprägungen (theroriegeleitet); Zusammenstellung des Kategoriensystems


Formulierung von Definitionen, Ankerbeispielen und Kodierregeln zu den einzelnen Kategorien


Materialdurchlauf: Fundstellenbezeichnung

Materialdurchlauf: Bearbeitung und Extraktion der Fundstellen

Ergebnisaufbereitung




Überarbeitung, ggfs. Revision

von Kategoriensystem

und Kategoriendefinition

Anwendungsgebiet: Qualitative Inhaltsanalyse eignet sich für systematische, theoriegeleitete Bearbeitung von Textmaterial. Dabei sind auch große Textmengen zu bewältigen.

Weitere Verfahren, nur kurz dargestellt:

Objektive Hermeneutik: Sie will die hinter den subjektiven Bedeutungen stehenden objektiven Sinnstrukturen erschließen. Schrittweise werrden dazu mögliche oder tatsächliche Bedeutungsgehalte des Materials systematisch verglichen.

Anwendungsgebiete: Sie wird für Fragestellungen, bei denen es weniger um subjektive Bedeutungen als um allgemeine dahinterliegende Strukturen geht, empfohlen. Sie ist wegen ihres aufwendigen Vorgehens nur an kleinen Materialausschnitten oder mit erheblichen Ressourcen durchführbar.(S. S. 101)

Psychoanalytische Textinterpretation: geht davon aus, daß das Material nicht vollständig ist, wenn man an der Oberfläche stehenbleibt. Verdrängte Gehalte sollen mit psychoanalytischen Mitteln freigelegt und in ihrer gesellschaftlichen Bedingtheit und Relevanz analysiert werden.

Anwendungsgebiete: da diese Art der Textinterpretation an einen vorgegebenen Theoriehintergrund gebunden ist, kann sie nur in diesem Rahmen wichtige Aufschlüsse über verdrängte Sinngehalte geben.

Typologische Analyse: Hierbei sollen nach einen vorher festgelegten Kriterium Bestandteile aus dem Material detailliert beschrieben werden, die das Material in besonderer Weise repräsentieren. Sie empfehlen sich dann, wenn ineine Fülle explorativen Materials Ordnung gebracht werden soll, aber auf detaillierte Fallbeschreibungen nicht verzichtet werden kann.

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Zusammenfassung:

Qualitative Designs
Einzelfallanalyse

Dokumentenanalyse

Qualitative Evaluation

Handlungsforschung

Feldforschung

Qualitatives Experiment

Qualitative Techniken

Erhebung
Probelmzentriertes Interview

Narratives Interview

Aufbereitung

Wahl der Darstellungsmittel

Wörtliche Transkription

zusammenfassendes Protokoll

Selektives Protokoll

Konstruktion deskriptiver Systeme

Gruppendiskussionsverfahren

Teilnehmende Beobachtung

Auswertung

Gegenstandsbezogene Theoriebildung

Phänomenologische Analyse

Sozialwissenschaftlich-hermeneutische Paraphra se

Qualitative Inhaltsanalyse

Objektive Hermeneutik

Psychoanalytische Textinterpetation

Typologische Analyse

Untersuchungspläne und Verfahren qualitativer Forschung

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Computer in der qualitativen Sozialforschung:

Da z.B. die Transkription von Interviews meistens am PC geschieht ist es natürlich auch logisch, daß über den Einsatz von Computern hierbei nachgedacht wurde. Es gibt bereits verschiedene Textverarbeitungsprogramme, doch darauf will ich hier nicht näher eingehen.

Grundlegende Prozeduren der Computerunterstürzung:

Soweit einige Beispiele, graphische Gestaltung usw. ist natürlich auch drin.

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Noch etwas zu den Gütekriterien:

Methodenspezifische Gütekriterien: Datenerhebung:

Feldforschung/teilnehmende Beobachtung:

Sind sie offen und ehrlich?

Aufbereitung der Daten:

Auswertung:

Ein Beispiel ganz spezifischer Maßstäbe.

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Sechs Gütekriterien qualitativer Forschung:

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1. Verfahrensdokumentation

Methoden werden meist spezielle für diesen Gegenstand entwickelt oder differenziert. Das muß bis ins Detail dokumentiert werden, um den Forschungsprozeß für andere nachvollziehbar werden zu lassen. Dies betrifft die Explikation des Vorverständnisses, die Zusammenstellung des Analyseinstrumentariums, Durchführung und Auswertung der Datenerhebung.

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2. Argumentative Interpretationsabsicherung

Interpretationen spielen ein entscheidende Rolle in qualitativ orientierten Ansätzen. Sie lassen sich allerdings nicht beweisen, deshalb gilt die Regel, daß sie argumentativ begründet werden müssen.

  1. Das Vorverständnis der jeweiligen Interpretation muß adäquat sein, so wird die Deutung sinnvoll theoriegeleitet.
  2. Die Interpretation muß in sich schlüssig sein, wo Brüche sind, müssen diese erklärt werden
  3. Suche nach und Überprüfung von Alternativdeutungen. Die Widerlegung von "Negativfällen" kann ein wichtiges Argument für die Geltungsbegründung von Interpretationen darstellen.

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Regelgeleitetheit

Trotz Offenheit gegenüber dem Untersuchungsgegenstand und der Bereitschaft, gegebenenfalls vorgeplante Analyseschritte zu modifizieren, darf nicht ein völlig unsystematisches Vorgehen resultieren. Qualitative Forschung muß sich an bestimmte Verfahrensregeln halten, das Material systematisch bearbeiten. Es gilt jedoch: Keine Regel ohne Ausnahme! Aber ohne Regeln wird qualitative Forschung wertlos bleiben

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Nähe zum Gegenstand

Wird vor allem dadurch erreicht, daß man möglichst nahe an der Alltagswelt der beforschten Subjekte anknüpft. Inwieweit das gelingt, stellt ein wichtiges Gütekriterium dar. Gelingt es, eine Interessenübereinstimmung mit den Beforschten zu erreichen? Qualitative Forschung will an konkreten sozialen Problemen ansetzen, will Forschung für die Betroffenen machen und ein offenes, gleichberechtigtes Verhältnis herstellen. Im Nachhinein sollte nochmals überprüft werden, inwieweit das jeweils gelungen ist.

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Kommunikative Validierung

Die Gültigkeit der Ergebnisse, der Interpretationen kann man auch dadurch überprüfen, indem man sie die Beforschten nochmals vorlegt und mit ihnen diskutiert. Wenn sie sich in den Analyseergebnissen wiederfinden, kann das ein wichtiges Argument zur Absicherung der Ergebnisse sein (Scheele & Groeben 1988). In qualitativer Forschung sind die "Versuchspersonen" nicht nur Datenlieferanten, sondern denkende Subjekte, wie die Forscher auch. Aus dem Dialog mit ihnen kann der Forscher wichtige Argumente zur Relevanz der Ergebnisse gewinnen - vor allem, was die Absicherung der Rekonstruktion subjektiver Bedeutungen angeht.

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Triangulation

Triangulation meint, daß man versucht, für die Fragestellung unterschiedliche Lösungswege zu entwerfen und die Ergebnisse zu vergleichen. Dabei ist es nicht das Ziel, völlige Übereinstimmung zu erreichen. Aber die Ergebnisse der verschiedenen Perspektiven können miteinander verglichen werden, Stärken und Schwächen der jeweiligen Analysewege können aufgezeigt und schließlich zu einem kaleidoskopartigen Bild zusammengesetzt werden. Natürlich sind auch Vergleiche qualitativer und quantitativer Analysen sinnvoll möglich.

Soweit Mayring.

Er weist des weiteren noch darauf hin, daß auch qualitative Forschung für falsche Zwecke mißbraucht werden kann.

Zu Bortz-Döring - Kapitel 5, Qualitative Methoden S. 271-325

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Anmerkung:

Bortz-Döring beschäftigen sich im ersten Teil des Kapitels hauptsächlich mit Unterschieden zwischen den beiden Methoden, also quantitativ vs. qualitativ. Die Argumente, die als Beleg für das "bessere" quantitative Vorgehen herangezogen werden, sind meistens Extremfälle so z.B. daß schwerkranke Personen nicht in der Lage sein könnten, ein ausführliches qualitatives Interview zu führen, daß Personen lieber in einem standardisierten Interview Auskunft über sexuelle Erlebnisse geben als in einem ausführlichen "offenen" Interview usw. Die Beschreibung der Methoden als solches sind denen von Mayring ähnlich, obwohl Bortz-Döring andere Autoren als Mayring nennen. Deshalb spare ich es mir, sie hier noch einmal anzführen. Es lohnt sich aber schon, einmal den Text zu lesen!

Gut beschrieben - und bei Mayring fehlend - ist der Abschnitt über Frauenforschung, den ich hier kurz zusammenfassen möchte.

Frauenforschung:

zum einen quantitativ - Häufigkeitsdaten der Repräsentation von Frauen in öffentlichen Ämtern, der Anteil der Männer an der Hausarbeit etc.

qualitativ: eingeführte Konstrukte und Fragestellungen sind häufig bereits von traditionell einseitigen Sichtweisen und angeblichen Selbstverständlichkeiten geprägt, das kann hier herausgearbeitet werden durch offene, intensive qualitative Untersuchungen:

Beispiel: Ende der 70er Jahre - Situation der Industriearbeiterinnen kaum erforscht. - Wurden als Zusatzverdienerinnen charakterisiert. Die traditionelle Vorstellung, daß Arbeiterinnen primär familiär eingestellt sind und nur aus Not arbeiten, konnte empirisch immer wieder gezeigt werden. Die Arbeiterinnen klagten über diverse Belastungen der Fabrik- und Akkordarbeit. Ein etwas anderes Bild ergab sich erst, als Becker-Schmidt et al. (1982) die von ihnen entwickelte Technik des "Perspektivenwechsels" einsetzten. Sie fragten nicht nur nach der Fabrikarbeit, sondern auch nach der Hausarbeit (blieb sonst im Kontext von Berufsarbeit meist unberücksichtigt) und wechselten während des Leitfadeninterviews mit 60 Fabrikarbeiterinnen jeweils mehrmals zwischen diesen beiden Bereichen.

Befragt nach der Erwerbstätigkeit beschrieben die Probandinnen die Belastungen und Nachteile der Arbeit und betonten die angenehmen Seiten der Hausarbeit (freie Zeiteinteilung u.a.). Die "Familienorientierung" verschwand jedoch, wurden sie auf die Hausarbeit angesprochen. Nun wurden nämlich die Nachteile der Hausarbeit herausgestellt und die Belastungen der Familienarbeit hervorgehoben sowie die Vorteile der Erwerbstätigkeit beschrieben (Anerkennung, Selbständigkeit, eigenes Geld). Die "Ambivalenz" und die große Attraktivität von Erwerbstätigkeit für Frauen war in früheren Untersuchungen durch die Festlegung auf das Modell "familienorientierte Zusatzverdienerin" unter den Tisch gefallen.

Modelle der Geschlechterdifferenz

Neben der Bestandsaufnahme geschlechtsspezifischer Asymmetrien interessieren natürlich auch die Verursachungszusammenhänge.

Oftmals muß die Biologie herhalten

Geschlecht im biologischen Sinne im englischen Sprachraum = Sex

im sozialen bzw. kulturellen Bereich = Gender

In jüngster Zeit geht man davon aus, daß biologische, psychologische, soziologische, historische, ökonomische, politische und andere Faktoren zusammenwirken, so daß Frauenforschung stets als interdisziplinäres Forschungsfeld zu begreifen ist.

Es gibt keine allgemeine feministische Theorie - eine Vielzahl z.T. kontroverser Ansätze bestehen nebeneinander.