Neuroanatomie in Superkurzfassung

Was aus einem harmlosen Besuch bei Dr. G. wurde...

Zusammenfassung aus Birbaumer, Kolb/Whishaw, Kahle und Galley-Skript. Natürlich ohne jegliche Haftung. Es ist nichts mit irgendjemandem abgesprochen oder korrekturgelesen. Korrekturen und Verbesserungen jederzeit willkommen!


Die blauen Links verweisen auf entsprechende Abbildungen im Harvard-Altlas of Brain stucture and function


Hirnteile und ihre Funktionen

Hypothalamus: enge Verbindungen mit limbischem System; "Kopf-Ganglion des ANS"; verantwortlich für Motivation und Emotion; beeinflußt über unspezifischen Thalamus auch sensorische, motorische und kognitive Funktionen; oberstes Hormonsteuersystem durch Hypophyse; besteht aus einer Reihe von Kernen die Körperfunktionen überprüfen (Durst, Hunger, Temperatur etc.)

Thalamus: enge Verbindungen mit Cortex cerebri; schaltet fast alle Afferenzen zum Cortex um!; "das Tor zum Cortex"; Aufmerksamkeitsverhalten; alle Efferenzen aus dem NeoCortex geben eine "Kopie" an den Thalamus ab (Efferenzkopie); ventrale Kerne - Verbindung zu Basalganglien und Zerebellum (motorische Aufmerksamkeit und Planung); nucleus anterior ist Teil des limbisches Systems;

Limbisches System: kreisartige Verbindung aus: Hippokampus-Mammilarkörper-Vicqd'Azursches Bündel-nucleus anterior-G.cinguli; Grundlage von Emotionen; Steuerung aller Verhaltens- und Denkprozesse; wichtige Funktion für das Gedächtnis

Amygdala (Mandelkern): mehrere Kerne im vorderen Temporallappen; basolateraler Kern: kognitive u. emotionale Bewertung der sens. Info's; olfaktorischer Kern: verbindet bulbus olfaktorius mit dem temporalen Geruchscortex; zentromedialer Kern: Projektionen vom Hippokampus, Insel und orbifrontalem Cortex; projeziert in Hypothalamus und Hirnstamm

Hyppokampus (Seepferdchen): Teil der neokortikalen Assoziationskortizes. Vergleich ankommender und gespeicherter Infos (Kurzzeitgedächtnis, Habituation etc.); Infos kommen aus entorhinalem Cortex; Efferenzen kommen aus Subikulum;

Basalganglien: enge Verbindung mit motorischen Kernen des Thalamus; auch kognitive Funktionen und Aufmerksamkeit; bestehen aus: N. caudatus u. N. lentiformis (Putamen und Globus pallidus); Putamen und N. caudatus bilden zusammen das Striatum; Striatum ist die zentrale Eingangsstation der Basalganglien; selektive Aufmerksamkeit;

Substantia innominata: besteht aus: ventrales Striatum, N. basalis, Meynert u. zentro-mediale Amygdala; für Schwellenregulation von Erregung zuständig; große Rolle bei Gedächtnis und Aufmerksamkeit; entscheidend bei Alzheimer und evtl. Schizophrenie

NeoCortex: zwei Haupttypen von Neuronen: Pyramiden (80% aller Neurone)- und Sternzellen (Interneurone); Axone laufen entweder kontralateral (Kommisurenfasern über Balken) oder ipsilateral (Assoziationsfasern); 6 Schichten: spezifische (sensorische) thalamische Fasern Zellkörper der Pyramidenzellen in II, III, V, VI; Assoziations- und Kommisurenfasern in Schicht I und II; Schichten I-IV empfangen primär Afferenzen, Schichten V und VI sind Ausgangsschichten (deshalb ist Schicht V im motorischen Cortex viel dicker als z.B. im sensorischen); Kolumnen sind die kleinsten Organisationseinheiten der Neuronen, vertikale Anordnungen von mehreren Neuronen, die gemeinsam Info erhalten (Apikaldendrit) und verarbeiten;

Neurotransmitter: biochemische Botenstoffe zur Info-übertragung in der Synapse; Pyramidenzellen verwenden Glutamat, erregende Sternzellen Neuropeptide, hemmende evtl GABA (-Aminobuttersäure), afferente Fasern Noradrenalin und Dopamin, andere Acetylcholin, Serotonin und Histamin; Acetylcholinsystem (cholinerges System): für Schwellenregulation kortikaler Erregung notwendig, allgemeines Aktivierungssystem; Dopaminsystem: nigrostriatales System ist für den Wechsel motorischer Programme wichtig,- bei Mangel evtl. Parkinsonsche Krankheit; mesolimbisches System hat positive Verstärkerfunktion,- bei Fehler evtl. Schizophrenie; Noradrenalin- und Adrenalinsystem: locus coeruleus-System und laterales tegmentales System; beide wichtig für psychische Funktionen und Motorik; Serotonerges System: dämpfende Wirkung auf das Verhalten (d.h. vorwiegend inhibitorisch); Glutamat und Aspartat sind die wichtigsten erregenden Transmitter des ZNS;

Hirnlappen und ihre Funktionen:

1. Occipitallappen: Brodmann Area 17, 18, 19; 17 ist primäres visuelles Feld;
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2. Parietallappen: anteriore Zone Area 1, 2, 3, 43 (Somatosensorik); posteriore Zone Area 5, 7, 39, 40 (Kontrolle der visomotorischen Steuerung von Bewegungen)
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3. Temporallappen: auditorische Felder Area 41, 42, 22 (Verarbeitung von Sprache und Musik); ventrale visuelle Verarbeitungsbahn Area 20, 21, 37, 38 (Erkennung von Formen etc.)
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4. Frontallappen: motorischer Cortex Area 4 (Ausführen von Bewegungen), pämotorischer Cortex Area 6, 8, 44=Brocasche Region (Auswahl von Bewegungen); präfrontaler Cortex Area 9, 46 (Kontrolle kognitiver Prozesse, zeitliche Steuerung von Handlungen), inferiorer präfrontaler Cortex Area 11, 12, 13, 14; mediofrontaler Cortex Area 25, 32;
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12 Hirnnerven und ihre Funktion

1. N. olfactoriiGeruch
2. N. opticusSehen
3. N. oculomotorisAugenbewegungen
4. N. trochlearisAugenbewegungen
5. N. trigeminusKaubewegungen
6. N. abducensAugenbewegungen
7. N. facialisGesichtsmuskeln
8. N. vestibulocochlearisHören
9. N. glossopharyngeusZunge, Speiseröhre
10. N. vagusHerz, Blutgefäße, Eingeweide, Bewegungen von Kehlkopf und Speiseröhre
11. N. accessoriusNackenmuskulatur, Eingeweide
12. N. hypoglossusZungenbewegungen, Zittern; Schrumpfen der Zunge

Läsionserkenntnisse im Tierversuch

Rückenmarkstier: kann nicht: stehen, spontan bewegen, Temperatur regulieren; spinale Reflexe werden aus dem Rückenmark gesteuert (Wischreflex, Wegziehreflex etc., ebenso Organfunktionen für Verdauung etc.)

Rautenhirntier: Berührungs- und Geschmacksempfindung intakt, mimische Antwort; kann mit Streckungsstarre stehen; diese Starre bleibt bei intakten Basalganglien (durch hemmenden Einfluß) aus; Tier ist inaktiv, reagiert aber auf Stimulation; Schluckreflex aktiv; keine emotionale Reaktion; Instinktmotorik teilweise aktiv

Mittelhirntier (Sehnerv intakt): zielorientiertes Verhalten; kann großflächige Reize akustisch und visuell orten und ihnen folgen; keine spontane Aktivität; keine Gewöhnungsreaktion; Instinktmotorik (z.B. Sättigungsverhalten) komplett intakt; keine Affekte, kein Lernverhalten

Zwischenhirntier (d.h. ohne Basalganglien/Cortex): Riechnerv ist nun vorhanden; hormonelle und vegetative Regulation aktiv (Hypothalamus/Hypophyse); Wutreflex der Katze ist jetzt emotional "unterfüttert";

Althirntier (zusätzlich Hippocampus, Palaecortex); wichtigster Unterschied: Fehlen der dauerhaften Unruhe des Zwischenhirntieres; zielorientiertes/willkürliches Verhalten wird sinnvoll mit instinktmotorik verbunden; Lernen am Erfolg eingeschränkt möglich; simples Assoziationslernen funktioniert im Tierversuch ohne Cortex sogar besser!; Habituation; Tier kann aber z.B. kein Nest bauen, keinen Nachwuchs aufziehen etc.; die Organisation der zugehörigen Verhaltensweisen, der übergeordnete "Plan" fehlt;

Neuhirntier: Mustererkennung; komplizierte motorische Abläufe können gelernt werden; Erwerb von Fähigkeiten (Bsp.: Blindenhunde); Symbolgebrauch; Bewußtsein von sich selbst etc.