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Interdisziplinäre Vernetzung

Humboldt ist nicht tot - he just smells funny...
"Die wahre Universität, so sagte er, hat keinen bestimmten Ort. Sie verfügt über keinen Besitz, zahlt keine Gehälter und nimmt keine Gebühren entgegen. Die wahre Universität ist eine geistige Haltung. Sie ist das große Erbe rationalen Denkens, das durch die Jahrhunderte auf uns gekommen und nicht an einen bestimmten Ort gebunden ist. Sie ist eine Geisteshaltung, die zu jeder Zeit von einer Gruppe von Menschen verkörpert und bewahrt wird, die traditionsgemäß den Titel »Professor« tragen, doch selbst dieser Titel ist kein Bestandteil der wahren Universität. Die wahre Universität ist nichts anderes als die Gesamtheit der sich fortwährend erneuernden menschlichen Vernunft. Außer dieser Geisteshaltung, der »Vernunft«, gibt es aber noch eine juristische Körperschaft, die bedauerlicherweise denselben Namen trägt, jedoch etwas ganz anderes ist. Bei ihr handelt es sich um ein gemeinnütziges Unternehmen, eine staatliche Institution mit einer bestimmten Adresse. Sie verfügt über Besitz, ist in der Lage, Gehälter zu zahlen und Geldmittel entgegenzunehmen und dabei auf Druck seitens des Gesetzgebers zu reagieren. Aber diese zweite Universität, die staatliche Institution, kann nicht lehren, trägt nicht zur Mehrung unseres Wissens bei und bewertet keine Ideen. Sie hat nichts mit der wahren Universität gemein. Sie ist lediglich ein Kirchengebäude, die Lokalität, der Ort, an dem günstige Bedingungen für die Existenz der wahren Kirche geschaffen wurden.” (Robert M. Pirsig: Zen oder die Kunst ein Motorrad zu warten”)

Warum interdisziplinäres Studium?
Psychologie ist wie vielleicht keine andere Wissenschaft mit anderen Wissenschaften verwoben. An vielen amerikanischen Universitäten ist sie inzwischen Bestandteil einer Fakultät "Brain and Cognitive Science”, was der Tatsache Rechnung trägt, dass viele Einzelwissenschaften sich dem Thema "Gehirn und Kognition” widmen (Letzteres beinhaltet in einer weiten Definition auch Verhalten) und dass eine nicht-interdisziplinäre Behandlung psychologischer Themen in vielen Fällen eine Verschwendung von Ressourcen und eine freiwillige intellektuelle Beschränkung ist.
Mediziner und Biologen erforschen die physiologischen Grundlagen unseres Gehirns; Psychologen erforschen die Bedingungen menschlichen Verhaltens und Erlebens; Informatiker versuchen (z.B. durch neuronale Netze) kognitive Prozesse zu simulieren; Linguisten beschreiben Struktur und Möglichkeiten von Sprache; Philosophen diskutieren die Möglichkeiten menschlicher und somit auch wissenschaftlicher Erkenntnis - um nur einige Berührungspunkte zu nennen.
Dies sind eigentlich hervorragende Möglichkeiten für die Institution "Universität”, sitzen hier doch Spezialisten aller Fächer zusammen. So könnten Linguisten mit Psychologen zusammen Seminare über Kommunikation konzipieren, Mediziner und Psychologen zusammen Neurophysiologie lernen (gibt´s z.B. in Düsseldorf) und so nicht nur Wissen, sondern auch Kontakte über den eigenen Tellerrand hinaus erwerben.
Seminare über Freud in der Philosophie werden andere Ziele, Mittel und Methoden haben als die in der Psychologie; trotzdem kann jede Seite das Blickfeld der anderen erweitern. Wer verschiedene Zugangsweisen kennt, um mit einem Thema umzugehen, sieht die einzelnen Ansätze klarer und weiss ihre Leistungsfähigkeit und Grenzen besser einzuschätzen. Es ist immer von Vorteil, ein Thema aus mehr als einer Perspektive zu betrachten, so z.B. auch einmal bei den Wirtschaftlern hineinzuschnuppern, um zu sehen, was diese unter Feldforschung verstehen; oder sich einmal Sozialisation in der Soziologie von der Perspektive der Gesellschaft aus anzusehen anstatt wie in der Psychologie üblich vom Individuum aus etc.
Bis sich in Deutschland hier etwas tut, werden wahrscheinlich alle, die das hier lesen, bereits mit dem Studium fertig sein. Deswegen bleibt nur eine Lösung: Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt...dann müsst ihr eben in die Institute gehen, in denen diejenigen eurer Interessen liegen, die durch die in der Psychologie angebotenen Veranstaltungen kaum oder nicht abgedeckt werden...

Interdisziplinäres Studium innerhalb des BA-Studiengang
Im Rahmen eines Moduls „Interdisziplinäre Vernetzung“ werden mit dem menschlichen Erleben und Verhalten im Zusammenhang stehende Inhalte anderer Fachdisziplinen behandelt. Du erhältst einen Einblick in die Erkenntnisgegenstände der gewählten Fächer, in deren Erkenntnis generierende Methoden sowie ggf. in deren praktische Anwendung.
Dabei sind z. B. folgende Bereiche wählbar:
- Psychopathologie
- Kriminologie
- Medienkulturwissenschaften
- Erziehungswissenschaft
- Betriebswirtschaftslehre
- Soziologie
- Volkswirtschaftlehre

Auf Antrag mit Zustimmung der zuständigen Prüferin/der zuständigen Prüfers können auch andere Bereiche an der Universität zu Köln gewählt werden. Fragen der Zulassen zu Modulen, Veranstaltungen und dazugehörigen Prüfungen werden von den nachgefragten Fächern und/oder Fakultäten geregelt.


Bei weiteren Fragen zum Studium bitte die Fachschaft Psychologie kontaktieren.

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Psychologisches Institut Universität zu Köln

Seite zuletzt geändert am
30.10.2008