Die DDR als Literaturgesellschaft
Die DDR ist nur noch Geschichte. Niemand interessiert sich noch für ihre geschichtsphilosophischen
Postulate oder ihre sozialistische Scholastik. Jetzt, aus dem Rückblick, schreibt man nur noch
Resümees über einen Staat, der nicht überlebensfähig war. Nicht wenige sehen auch die Literatur
der DDR unter diesem Vorzeichen. Sie gilt dann als bloßes Anhängsel einer falschen Politik und
wird mit der welthistorischen Niederlage des Sozialismus verrechnet. Die Vorlesung will sich von
einer solchen Einschätzung lösen. Im Mittelpunkt steht die These, daß es die Literatur der DDR ist,
die über das politische und ökonomische Ende dieses Staates hinaus "bleibt". Argumentiert wird in
zwei Richtungen: Zum einen interessieren die Leistungen konkreter Autoren und Werke. Es wird daher
einen Überblick geben über Anfang und Ende der DDR Literatur.
Zentrale Autoren (de Bruyn, C. Wolf
bis Prenzlauer Berg Literatur), politisch-programmatische Zäsuren (Bitterfelder Weg etc.) und
relevante Werke werden vorgestellt. Zum anderen wird die Literatur der DDR als Herausforderung
für die Literaturtheorie und unser Verständnis von Literatur akzeptiert. Im Zentrum steht dabei
die Kopplung von Staat und Literatur, wie sie im programmatischen Titel einer "Literaturgesellschaft"
sichtbar wird. Anfang, Verlauf und Ende dieser Literaturutopie im gesellschaftsweiten Maßstab
werden aus Sicht der Literaturwissenschaft - nicht der Politik - dargestellt.
(Stichworte:
"Nullpunkt", Reeducation, Mauerbau, "inoffizielle" Literatur und Wendezeit). zurück zur Übersicht
Das Buch - Leitmedium der Gesellschaft
Das Buch ist ein vertrauter Gegenstand. Wir scheinen zu wissen, was es ist und wozu man es benutzen
kann. Dies gilt um so mehr, als heute die sogenannten NeuenMedien unsere Aufmerksamkeit binden: Über
sie denkt man (noch) nach, während das Buch selbst in einer buchgestützten Wissenschaft wie der
Literaturwissenschaft kaum Beachtung findet. Man spricht über Text, écriture oder Kultur und überläßt
das Buch einer Disziplin wie der Bücherkunde, die ihrerseits wieder als "Hilfswissenschaft" abgewertet
wird. In diesem Seminar sollen die Vorzeichen vertauscht werden: Gegenstand ist das Buch als
intellektuelles und technisches Medium. Aus dieser Sicht wird aus dem simplen Gebrauchsgegenstand
eine mehrfache Realität: Das Buch ist physisches Objekt, Endprodukt verschiedener 'Künste',
Zeichensystem, sowie Startpunkt für kulturelle Kommunikation. Das Seminar will diesem komplexen
Gebilde nachgehen. Dafür werden zum einen neuere Forschungen aus dem Bereich der Mediengeschichte
und insbesondere der book history herangezogen. Zum anderen soll die Geschichte des Mediums
Buchdruck anhand ausgewählter Konstellationen untersucht werden. Die Stationen reichen von
Gutenbergs Erfndung, über die Aufklärung als buchgestützte Bewegung und die Herausbildung einer
auch für die literarische Literatur folgenreichen "Idee des Buches" bis hin zur aktuellen Situation:
Erleben wir das Ende des Gutenbergzeitalters, oder sind Phänomene wie E-Book und Internet-Publishing nur
neue Formen eines alten Mediums?
Literatur: Darnton, Robert: What is the History of Books. In: Reading in America. Literature & Social History.
Hrsg. v. C.N. Davidson. Baltimore 1989. S. 27-53.
Programm
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"Barock": - Eine Einführung in die Literatur des 17. Jahrhunderts
Barock kann als Stilepoche ohne genaue historische Einordnung verstanden werden. Als
Epoche des barocken Trauerspiels ist es andererseits die ästhetische Vorausprojektion
moderner zentralstaatlicher Perspektiven des Politischen. Durchgängig aber besitzt
das Phänomen den Reiz des Fremdartigen und die Barockforschung bleibt ein Außenposten
des Fachs. Das Seminar möchte zentrale Werke und Fragestellungen der Literatur des 17.
Jahrhunderts und ihrer Erforschung vorstellen und diskutieren. Das thematische Spektrum
reicht von Opitz' Programm einer deutschsprachigen Kunstdichtung und den Anfängen der
Literaturkritik über Grimmelshausens Simplicissimus-Roman und Gryphius' Lyrik bis zu
Jakob Böhmes theosophischen Schriften.
Programm
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Währungen der Aufmerksamkeit: Überfluß und Überdruß. Overexposure in den Medien
Dieses Kolloquium stellt sich die Frage nach der Macht und Reichweite von (Massen-)Medien.
Doch der Ausgangspunkt ist nicht die kulturkritische Klage über deren angeblich alles und
jeden überwältigende Wirkungskraft. Hier lautet die Leitfrage: Produzieren die Medien eine eigene
Widerständigkeit, die ihren Einfluß gerade dann und genau dort kippen läßt, wo ihre Wirkung den
Höhepunkt zu erreichen scheint? Gibt es eine allgemeine Ökonomie der Aufmerksamkeit, der sich auch
die allmächtigen Medien fügen müssen? Diskutiert werden Beispiele aus der Medienindustrie. Diese
aktuellen Fälle sollen von Vertretern aus den Medien geschildert werden. Ob es gelingt, diese Realität
der Massenmedien analytisch zu fassen, wird sich zeigen.
Das Kolloquium bietet darüber hinaus meinen
Examenskandidaten die Gelegenheit, ihre Arbeitsprojekte vorzustellen. zurück zur Übersicht