[PD Dr. Nikolaus Wegmann: Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2000/2001 am Institut für Deutsche Sprache und Literatur (IDSL) der Universität zu Köln]

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Lehre: Wintersemester 2000/ 2001



Die DDR als Literaturgesellschaft
Die DDR ist nur noch Geschichte. Niemand interessiert sich noch für ihre geschichtsphilosophischen Postulate oder ihre sozialistische Scholastik. Jetzt, aus dem Rückblick, schreibt man nur noch Resümees über einen Staat, der nicht überlebensfähig war. Nicht wenige sehen auch die Literatur der DDR unter diesem Vorzeichen. Sie gilt dann als bloßes Anhängsel einer falschen Politik und wird mit der welthistorischen Niederlage des Sozialismus verrechnet. Die Vorlesung will sich von einer solchen Einschätzung lösen. Im Mittelpunkt steht die These, daß es die Literatur der DDR ist, die über das politische und ökonomische Ende dieses Staates hinaus "bleibt". Argumentiert wird in zwei Richtungen: Zum einen interessieren die Leistungen konkreter Autoren und Werke. Es wird daher einen Überblick geben über Anfang und Ende der DDR Literatur.
Zentrale Autoren (de Bruyn, C. Wolf bis Prenzlauer Berg Literatur), politisch-programmatische Zäsuren (Bitterfelder Weg etc.) und relevante Werke werden vorgestellt. Zum anderen wird die Literatur der DDR als Herausforderung für die Literaturtheorie und unser Verständnis von Literatur akzeptiert. Im Zentrum steht dabei die Kopplung von Staat und Literatur, wie sie im programmatischen Titel einer "Literaturgesellschaft" sichtbar wird. Anfang, Verlauf und Ende dieser Literaturutopie im gesellschaftsweiten Maßstab werden aus Sicht der Literaturwissenschaft - nicht der Politik - dargestellt.
(Stichworte: "Nullpunkt", Reeducation, Mauerbau, "inoffizielle" Literatur und Wendezeit). zurück zur Übersicht


Das Buch - Leitmedium der Gesellschaft
Das Buch ist ein vertrauter Gegenstand. Wir scheinen zu wissen, was es ist und wozu man es benutzen kann. Dies gilt um so mehr, als heute die sogenannten NeuenMedien unsere Aufmerksamkeit binden: Über sie denkt man (noch) nach, während das Buch selbst in einer buchgestützten Wissenschaft wie der Literaturwissenschaft kaum Beachtung findet. Man spricht über Text, écriture oder Kultur und überläßt das Buch einer Disziplin wie der Bücherkunde, die ihrerseits wieder als "Hilfswissenschaft" abgewertet wird. In diesem Seminar sollen die Vorzeichen vertauscht werden: Gegenstand ist das Buch als intellektuelles und technisches Medium. Aus dieser Sicht wird aus dem simplen Gebrauchsgegenstand eine mehrfache Realität: Das Buch ist physisches Objekt, Endprodukt verschiedener 'Künste', Zeichensystem, sowie Startpunkt für kulturelle Kommunikation. Das Seminar will diesem komplexen Gebilde nachgehen. Dafür werden zum einen neuere Forschungen aus dem Bereich der Mediengeschichte und insbesondere der book history herangezogen. Zum anderen soll die Geschichte des Mediums Buchdruck anhand ausgewählter Konstellationen untersucht werden. Die Stationen reichen von Gutenbergs Erfndung, über die Aufklärung als buchgestützte Bewegung und die Herausbildung einer auch für die literarische Literatur folgenreichen "Idee des Buches" bis hin zur aktuellen Situation:
Erleben wir das Ende des Gutenbergzeitalters, oder sind Phänomene wie E-Book und Internet-Publishing nur neue Formen eines alten Mediums?
Literatur: Darnton, Robert: What is the History of Books. In: Reading in America. Literature & Social History. Hrsg. v. C.N. Davidson. Baltimore 1989. S. 27-53.
Programm
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"Barock": - Eine Einführung in die Literatur des 17. Jahrhunderts
Barock kann als Stilepoche ohne genaue historische Einordnung verstanden werden. Als Epoche des barocken Trauerspiels ist es andererseits die ästhetische Vorausprojektion moderner zentralstaatlicher Perspektiven des Politischen. Durchgängig aber besitzt das Phänomen den Reiz des Fremdartigen und die Barockforschung bleibt ein Außenposten des Fachs. Das Seminar möchte zentrale Werke und Fragestellungen der Literatur des 17. Jahrhunderts und ihrer Erforschung vorstellen und diskutieren. Das thematische Spektrum reicht von Opitz' Programm einer deutschsprachigen Kunstdichtung und den Anfängen der Literaturkritik über Grimmelshausens Simplicissimus-Roman und Gryphius' Lyrik bis zu Jakob Böhmes theosophischen Schriften.
Programm
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Währungen der Aufmerksamkeit: Überfluß und Überdruß. Overexposure in den Medien
Dieses Kolloquium stellt sich die Frage nach der Macht und Reichweite von (Massen-)Medien. Doch der Ausgangspunkt ist nicht die kulturkritische Klage über deren angeblich alles und jeden überwältigende Wirkungskraft. Hier lautet die Leitfrage: Produzieren die Medien eine eigene Widerständigkeit, die ihren Einfluß gerade dann und genau dort kippen läßt, wo ihre Wirkung den Höhepunkt zu erreichen scheint? Gibt es eine allgemeine Ökonomie der Aufmerksamkeit, der sich auch die allmächtigen Medien fügen müssen? Diskutiert werden Beispiele aus der Medienindustrie. Diese aktuellen Fälle sollen von Vertretern aus den Medien geschildert werden. Ob es gelingt, diese Realität der Massenmedien analytisch zu fassen, wird sich zeigen.
Das Kolloquium bietet darüber hinaus meinen Examenskandidaten die Gelegenheit, ihre Arbeitsprojekte vorzustellen. zurück zur Übersicht





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last update 01/04/22 by Mladen Gladic