Gesamtübersicht Signale-Bände
Musikwissenschaftliches Institut der Universität zu Köln
Musik der Gegenwart
Prof. Dr. Christoph von Blumröder / Marcus Erbe M.A.
Albertus-Magnus-Platz
D-50923 Köln
Signale aus Köln
Beiträge zur Musik der Zeit

Herausgegeben von Christoph von Blumröder
Pfau-Verlag, Saarbrücken, 1998 bis 2000 (Band 1 bis 4)
Lit-Verlag, Münster - Hamburg - London, 2002ff. (Band 5ff.)

 

Pressestimmen Band 5

Komposition und Musikwissenschaft
im Dialog II (1999)

Henri Pousseur
Parabeln und Spiralen
Zwei Hauptaspekte eines Lebenswerkes

Herausgegeben von
Imke Misch und Christoph von Blumröder
Redaktion: Jan Simon Grintsch

Münster - Hamburg - London 2002

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"Der Veröffentlichung liegen zwei Vorträge und ein Arbeitsbericht zugrunde. Gegenstand des ersten Vortrags sind die in den sechziger Jahren entstandene (Anti-)Oper Votre Faust und die Komposition Dichterliebesreigentraum. Der zweite Vortrag und der Arbeitsbericht widmen sich der Entstehungsgeschichte der acht elektronischen Études paraboliques von 1972.  ... Gewiß erleichtert die Tatsache, daß die Vorträge in freier (deutschsprachiger) Rede gehalten wurden, die Lektüre. ... Wer sich ... Zeit nimmt und die vielen Modulationen und Permutationen anhand der abgedruckten Diagramme nachvollzieht, dem gewährt Pousseur den seltenen Einblick in die tiefsten Schichten der Genese seiner Werke. Er berichtet von Fehlschlägen und davon, wie er seine Phantasie gelegentlich von technischen Imponderabilien hat leiten lassen, und auch, wie eine leise Ahnung sich manchmal als eine echte Entdeckung erwies. Es gelingt Pousseur, ästhetische Figuren wie das Rhizom, das Netz, die Spirale und die Matrix, Figuren also, die ästhetisches Denken ein halbes Jahrhundert lang bis heute bestimmen, aus musikalischen Überlegungen heraus, der Vermählung von harmonischer Modulation und serieller Permutation zum Beispiel, herzuleiten. ... Und: Pousseur ist ein blendender Erzähler. Nicht daß die technischen Schaltdiagramme zu den Études paraboliques gleich zu einem Kriminalroman werden. Aber Pousseur verknüpft die vielen Erfindungen, vor allem im Bereich der elektronischen Musik, doch zu einer spannenden Geschichte, und er reichert seine Berichte mit vielen Anekdoten an. ... Insbesondere die Veröffentlichung des Realisationsprotokolls der Études paraboliques erweist sich als ein echter Gewinn. ... Die acht Etüden sind Bausteine eines akustischen Mobiles offener Form, die sich je neu zu einem Stück zusammensetzen lassen. Pousseur selbst hat mehrere Fassungen solcher Paraboles-Mix realisiert und veröffentlicht. Dem Buch liegt eine weitere Fassung bei: ein 1999 realisierter Paraboles-Mix mit Höllenlektionen, der mit Texten von Rimbaud angereichert wurde."

(Björn Gottstein, Eine realistische Musik? Henri Pousseurs Buch 'Parabeln und Spiralen', MusikTexte H. 98, August 2003, S. 89f.)

 

"Wer ... schnellstens in das verbale Musikdenken Pousseurs einsteigen möchte, dieses in vielfachen, höchst detaillierten Originaltönen - als Vortrag, Essay und Gesprächsstatement - tun will, greife zu der Publikation, die Imke Misch und Christoph von Blumröder am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität zu Köln herausgegeben haben. Seit den Neunzigern, seit von Blumröder den Lehrstuhl für die Musik des 20./21. Jahrhunderts an der Kölner Universität inne hat, entfaltete das Institut einen sehr intensiven Dialog zwischen Komponisten und Musikwissenschaftlern, ein durchaus gelungenes Projekt, das nicht nur der lokalen Nachwuchsförderung dient. Und die bisher erschienenen Resultate, von denen die mit einer Audio-CD (darauf eine vom Komponisten improvisierte Mehrkanal-Version seines Stücks Paraboles-Mix mit Höllenlektionen) bestückte Pousseur-Publikation das jüngste ist, sollte anderen Instituten Mut machen, ähnliches zu tun, der Fantasie mit dem lebend(ig)en Wissenschaftsgegenstand Musik von heute den noch immer nötigen Raum und Nachhall zu geben. An dem von Köln aus signalisierten Pousseur-Buch führt jedenfalls derzeit kaum ein Weg vorbei, um sich mit dem Werk des belgischen Komponisten intensiver als bisher auseinanderzusetzen. Alles, aber auch wirklich alles, jede noch so kleine Note, Anekdote, die Henri Pousseur in den Kölner Präsentations- und Diskussionsrunden im Januar 1999 artikuliert hat, findet sich in der anschauungsreichen, künftige historisch-kritische Editionen zu diesem Ereignis unnötig machenden Publikation wieder."

(Stefan Fricke, Ermunternde Höllenlektionen, Dissonanz / dissonance Nr. 88, Dezember 2004, S. 46)