Der Faschismus in Italien war nicht nur ein politisches,
sondern auch ein künstlerisches Ergebnis nationalistischer Tendenzen. Vor allem
im Bereich der Musik bewegte der Wille, sich der deutschen Vorherrschaft zu
entziehen, die Komponisten der 'Generation der 1880er' dazu, eine italienische
Identität zu suchen, indem man beispielsweise auf die Errungenschaften der
eigenen Vergangenheit zurückgriff. In den ersten beiden Jahrzehnten des 20.
Jahrhunderts setzte sich allmählich das Gefühl einer Rückgewinnung vor allem
im Bereich der Oper durch. Insbesondere die Musik Puccinis, die als Ausdruck von
Aspekten des Alltags galt, aber auch für die Sensibilität gegenüber dem
Weiblichen einstand, wurde als Manifestation des Kleinbürgertums wahrgenommen.
Ihr wurde eine Passivität und Mittelmäßigkeit nachgesagt, die ungeeignet war,
Spannung hinsichtlich nationaler Ziele zu erzeugen. Die Suche nach einem
authentisch italienischen Charakter mediterraner Herkunft verbindet Pizzetti,
Malipiero, Resphigi, Casella, Bastianelli, Torrefranca auf der Suche nach
Luzidität, Plastizität, Harmonie mit der Natur und einem ausgesprochenen
Formsinn. Diese Charakteristika, die ästhetische Ideale des Faschismus
verkörpern, sind also nicht dessen direktes ideologisches Ergebnis, sondern
bereiten es vor. Sie sind Resultate von Entwicklungen, für die sich die
genannten Musiker die Erneuerung des Geistes zur Aufgabe gemacht hatten, indem
sie ihren künstlerischen Manifestationen die Funktion zuerkannten, die
Authentizität der kulturellen Errungenschaften in ihren typisch südländischen
Ausprägungen zu bezeugen.
Übersetzung: Nathalie Wauters
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