Über das kulturelle Programm des Habsburger Hofes bestand
nach dem Reichstag in Regensburg im Jahr 1653 kein Zweifel mehr: Prestige und
Machtfülle wurden mit einer Oper italienischen Zuschnitts, dem Dramma
rappresentato in musica L’Inganno d’Amore, in einem eigens dafür
errichteten Theater dokumentiert. Mit der Aufführung begann die habsburgische
Aneignung der italienischen Oper. Sie setzte sich in der zweiten Hälfte des 17.
Jahrhunderts fort und machte Wien unter Kaiser Leopold I. zu einem wichtigen
Zentrum italienischer Musik. Das konnte nur gelingen, indem italienische
Fachleute an den Wiener Hof geholt wurden, und auch dafür hatte L’Inganno
d’Amore, eine rein italienische Produktion, die Richtung vorgegeben: Der
Librettist Benedetto Ferrari, der vor allem in Venedig gearbeitet hatte, war wie
der Bühnenbildner Giovanni Burnacini 1651 an den Hof von Leopolds Vater
Ferdinand III. gekommen. Während Ferrari nur für kurze Zeit in Wien blieb,
also eine Art Starthilfe für den kulturellen Aneignungsprozess gab, blieben
Burnacini wie auch der italienische Tanzmeister Santo Ventura und der Veroneser
Komponist Antonio Bertali, der ab 1649 als Kapellmeister von Ferdinand III. in
Wien tätig war, endgültig am Habsburger Hof. Die Mobilität von Komponisten
und anderen Bühnenkünstlern war zweifelsfrei eine Grundvoraussetzung, ohne die
der Kulturimport der italienischen Oper an den Habsburger Kaiserhof nicht hätte
gelingen können.
Wieso aber wurde die italienische Oper für die Habsburger Kaiser überhaupt in
diesem Maße interessant, und ist dieses Interesse mit einem Hinweis auf
allgemeine kulturhistorische Tendenzen hinreichend erklärt? Die "Welt
blickte damals auf jene oberitalienischen Fürstenhöfe, vornehmlich auf Mantua,
Florenz, Ferrara", so hat Stefan Kunze einmal argumentiert. "Was dort
geschah, strahlte auf ganz Europa aus. [...] Von Italien kam in jener Zeit -
vorab in der Musik - das Licht." Das ist unbestritten, aber wohl doch zu
eindimensional; immerhin gelang die Etablierung der italienischen Oper längst
nicht allerorten. Zu Recht fordert Peter Burke deswegen tieferes Hinterfragen:
"Wir sollten die Vorstellung aufgeben, es habe, von Florenz ausgehend, eine
schlichte Verbreitung neuer Ideen und Bilder oder eine 'Beeinflussung' durch sie
gegeben. Statt dessen sollten wir uns fragen, wofür Schriftsteller, Gelehrte
und Künstler in anderen europäischen Ländern Italien wohl 'benutzt' haben
könnten, welcher Logik ihre Aneignung folgte, warum und inwieweit neue
italienische Usancen oder Gedanken an [...] die heimische Tradition angepaßt
wurden."
Hier bricht die Leseprobe des Beitrags ab.
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