Kerstin Neubarth und Uwe Seifert

Musikinformatik

Musikalische Multimediaprojekte des Laboratorio di Informatica Musicale am Dipartimento di Informatica, Sistemistica e Telematica der Universität Genua

    

Dieser rein deskriptive Beitrag verfolgt zwei Ziele: 1. Er soll am Beispiel der Forschungsprojekte des Laboratorio di Informatica Musicale (LIM) am Dipartimento di Informatica, Sistemistica e Telematica (DIST) in Genua auf die in Deutschland wenig bekannten, aber international regen Forschungen zur Musikinformatik aufmerksam machen. 2. Er soll dem historisch-hermeneutisch orientierten Musikwissenschaftler Einblick in Aspekte der Aufführungspraxis zeitgenössischer Werke geben, die eine enge Verbindung zu informationstechnologischem Denken in der Musik aufweisen.

Bei der Anwendung informationstechnologischen Denkens im Musikbereich sind die drei Felder Wissenschaft, Kunst und Technik zu unterscheiden:

a) Wissenschaft: Anwendung in der musikwissenschaftlichen Forschung;

b) Kunst: Anwendung in der künstlerischen und musikpädagogischen Ausbildung an Musikhochschulen und Konservatorien;

c) Technik: Anwendung im ingenieurwissenschaftlich-technologischen Bereich in der angewandten Informatik.

Unterschiedliche Forschungsinteressen bedingen folglich verschiedene Einsatzbereiche des Computers.

In wissenschaftlicher Hinsicht steht die theoretische Durchdringung eines einen Begründungszusammenhang fordernden Forschungsgegenstandes im Vordergrund. Die musikwissenschaftliche Perspektive informationstechnologischen Denkens findet ihren Ausdruck in der Kognitiven Musikwissenschaft. In ihr dient die Computermetapher als Heuristik zur Erforschung der Musikwahrnehmung kognitiver Systeme. Diese Metapher wird dabei in einem doppelten Sinn verwendet:

a) Der Computer wird als technologisches Produkt betrachtet, mit dem Modellbildungen durch Simulationen realisiert werden.

b) Der Computer bildet als abstraktes Rechensystem im Sinne einer Turing-Maschine oder eines endlichen Automaten den Bezugspunkt der Grenzen der Formalisierbarkeit in der Theoriebildung.

Der künstlerische Bereich ist gekennzeichnet durch ein mehr unbewusstes, meist wenig wissenschaftlich reflektiertes, jedoch stark ausgeprägtes ästhetisches Vermögen, etwa individuelle Schönheitsvorstellungen der Komponisten; diese mögen einhergehen mit religiösen und sonstigen weltanschaulichen Überzeugungen. Der enge Umgang mit dem Material und die Kenntnis bestimmter eingeschränkter Traditionen werden im europäischen Kontext vorwiegend durch eine Institution wie die Musikhochschule oder das Konservatorium vermittelt, wobei auch musikpädagogische Problemstellungen zu berücksichtigen sind. In diesen Sektor ist neben Computermusik auch das computergestützte Lernen einzuordnen. Innerhalb der erwähnten Institutionen lassen sich drei Standardapplikationen unterscheiden: Der Computer als Musikinstrument, der Computer als Kompositionsmittel und der Computer als Orchesterinstrument. Wird der Computer als Musikinstrument betrachtet, so ergeben sich Fragen der Klanggenerierung und des Sound-Designs. Er dient also zur Synthese und Manipulation von Klängen. Beispielhaft seien hierfür die Forschungen von Max Mathews und Jean-Claude Risset genannt, die unter Einsatz und Entwicklung von Music V und Csound stattfanden. Im Bereich der Komposition kann der Einsatz des Computers als Kompositionshilfe bis hin zur automatischen Komposition unterschieden werden. Die Anwendung algorithmischer Verfahren zur Generierung musikalischer Formen bildet den Kern dieses Einsatzes. Als Orchesterinstrument muss sich der Computer in Echtzeitsituationen bewähren. Hier findet z.B. die Multimedia-Programmierumgebung mit MAX/MSP im Rahmen der interaktiven Komposition Anwendung. In der Musikpädagogik können Multimediaanwendungen zur Vermittlung allgemein-musikalischen Wissens bis hin zum synchronen bzw. asynchronen netzbasierten 'computer supported cooperative learning' unterschieden werden.

Hier bricht die Leseprobe des Beitrags ab. Den vollständigen Artikel lesen Sie in:

Aspetti musicali

Musikhistorische Dimensionen Italiens 1600 bis 2000

Festschrift für Dietrich Kämper zum 65. Geburtstag
herausgegeben von Norbert Bolin, Christoph von Blumröder und Imke Misch
Verlag Dohr, Köln 2001
ISBN 3-925366-83-0
Seite 271-280


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