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Elektronischer Musik |
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Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) |
A7 Elektronische Musiktransformationen seit 1950Projektphase 2005 bis 2007
A7.1 Grafische Transkriptionen Elektronischer Musik
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Ausgangspunkt für die historisch-dokumentarischen und praktischen Untersuchungen des Teilprojekts bildete die These, dass die seit den 1950er Jahren zu beobachtenden elektronischen Musiktransformationen grundlegende künstlerisch-ästhetische Veränderungen bewirken, die sich an Musique concrète, Elektronischer Musik und Musique acousmatique aufweisen lassen. Der in Rede stehende Transformationsprozess hat dabei weitreichende Auswirkungen auf die Realität des musikalischen Werkes einschließlich seiner Aufführungspraxis. Auf Seiten der Rezeption führt er zu einer Krise der Evidenz musikalischer Struktur- und Formprozesse, der Komponisten und Musikanalytiker unterschiedlich zu begegnen suchen: Zum einen werden von auktorialer Seite zur Inszenierung ästhetischer Evidenz spezifische Strategien der Werkkommentierung eingesetzt, die man als sprachliche Transkripte musikalischer Abläufe begreifen kann. In ihrer spezifischen Verknüpfung argumentatorischer und rhetorischer Muster prägen diese Texte eine diskursive Formation aus, die im neu hinzutretenden Einzelprojekt A7.2 näher untersucht werden soll. Zum anderen bemüht sich die Musikanalyse um die Entwicklung von Verfahren der grafischen Transkription elektroakustischer Musik. Dabei ist hinsichtlich der Funktion partiturähnlicher Aufzeichnungsformen insofern eine Verschiebung zu konstatieren, als derartige Transkripte nicht länger auktoriale Handlungsanweisungen enthalten, sondern aufgrund ihrer nachträglichen Erzeugung Deskriptionen präexistenter Musik darstellen. Vor diesem Hintergrund hat das Einzelprojekt A7.1 in der vergangenen Forschungsphase untersucht, welcher analytische Status intermedialen Kommentarprozessen bei der transkriptiven Fixierung elektroakustischer Kompositionen zukommt. Dabei konnte unter anderem gezeigt werden, dass temporäre Festschreibungen transitorischer auditiver Ereignisse mittels grafischer Zeichen der Konstruktion einer Simultaneität von Auditivem und Visuellem bedürfen, um kommunikative Aufmerksamkeit zu binden sowie Anschlussleistungen (Kommentare, Diskussionen, Korrekturen, Präzisierungen des Transkribierten) zu ermöglichen. Dieser Umstand lässt sich auf das Fehlen intersubjektiv gültiger Schreibkonventionen zurückführen: Da im Zuge der Annotation elektroakustischer Werke kaum auf Elemente bestehender musikalischer Zeichensysteme zurückgegriffen werden kann, ist die Überprüfbarkeit der Transkriptionsergebnisse ausschließlich im Modus der Kopräsenz von Schallaufnahme und Transkript gewährleistet, wobei die wechselseitige Bezugnahme beider Medien aufeinander Differenzen produziert, die als Bewertungskriterien des Lektüreverfahrens herangezogen werden können. Bei der Fortsetzung des Einzelprojektes A7.1 Grafische Transkriptionen Elektronischer Musik sollen in Anknüpfung an die Ergebnisse der ersten Projektphase zur grafischen Beschreibbarkeit zeitlicher und spektromorphologischer Klangeigenschaften Möglichkeiten der Visualisierung musikalischer Spatialisierungsprozesse ins Zentrum der Untersuchung gerückt werden. Angesichts der gleichsam unsichtbaren kompositorischen Aufzeichnung räumlich-akustischer Verlaufsformen auf Speichermedien (statt in Partitur) gilt es, Prozeduren der Sichtbarmachung spatialer Klangkonstellationen zu erproben, wobei die Frage nach dem Mehrwert bildlicher Um-Schreibungen auditiver Phänomene und die daran geknüpften Mechanismen medialer Evidenzkonstruktion den Transkriptionsprozess stets begleiten soll. Parallel hierzu bedarf es grundsätzlicher Überlegungen zur Konzeption des Raumes in der elektroakustischen Musik, die sowohl die produktionstechnische Realisation als auch die werkspezifische theoretische Fundierung einschließen. Insofern ein solcher Rekurs auf auktoriale Theoriekonzepte stets mit einer kritischen Reflexion der evidenzgenerierenden Funktion sprachlicher Transkripte einhergehen muss, stellt das Einzelprojekt A7.2 Sprachliche Evidenzverfahren in Texten zu elektronischen Kompositionen eine notwendige Erweiterung und Ergänzung des Teilprojekts dar: Bedingt die Differenz der elektroakustischen Kompositionen zu Werken der musikalischen Tradition im allgemeinen Rezeptionskontext eine Krise der Evidenz musikalischer Struktur- und Formprozesse, so reagieren die Exponenten elektroakustischer Musik hierauf mit der Produktion sprachlicher Kommentare, in denen sie sich oftmals um die Anbindung ihres Komponierens an kulturell vielfältig vermittelte Theoriekonzepte anderer Disziplinen bemühen. Diese Kommentare, die in der allgemeinen kulturellen Praxis den quantitativ dominierenden Transkriptionsmodus darstellen, werden bislang in musikwissenschaftlichen Analysen oftmals unkritisch paraphrasiert.Das Einzelprojekt A7.2 zielt daher darauf ab, die in den auktorialen Kommentaren verfolgten Strategien der Inszenierung von ästhetischer Evidenz mit diskursanalytischen Mitteln sichtbar zu machen, um so im wechselseitigen Austausch mit dem Einzelprojekt A7.1 musikwissenschaftlich tragfähigere Kategorien der intermedialen Lesbarmachung der Formstruktur elektroakustischer Musik entwickeln zu können. |
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Lehrstuhl: |
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Homepage des kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs Medien und kulturelle Kommunikation, SFB/FK 427 |