Nach einem Theoriedefizit der
Literaturwissenschaft, das in der Nachkriegsepoche mit der
dominierenden, sogenannten werkimmanenten Literaturinterpretation fast
ein Vierteljahrhundert währte und vor allem auf
›Einfühlung‹ vertraute, kam es
– und zwar nicht zufällig nach und seit 1968
– zu einigen heftigen Schüben einer Neubestimmung
von ›Methoden‹ und
›Theorien‹ und ihrer Anwendung innnerhalb der
Literaturwissenschaft. Allerdings bürgt weder das Wort
›Theorie‹ bereits für deren
Homogenität, noch bürgt eine
›Methode‹ für unmittelbare Anwendbarkeit
im Sinne eines Werkzeugs, zumal es sich oft um Adaptionen aus anderen
Bereichen (Psychologie, Soziologie, Kommunikationsforschung,
Philosophie etc.) handelt. In den letzten Jahren sind zudem immer neue
›turns‹ oder ›Wenden‹ in den
Kulturwissenschaften ausgerufen worden, z.T. in Konkurrenz zu
bestimmten einzelnen Literaturtheorien, z.T. als Versuch, das
Gemeinsame bestimmter theoretischer Ansätze unter einer
›Wende‹ zu subsumieren. [TFS/SMS]
NB! An der Universität Göttingen entsteht derzeit eine annotierte Bibliographie zur Literaturtheorie: http://www.literaturtheorie.uni-goettingen.de/
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2.3.1 Einführung
in die Literaturtheorie
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Im gleichen Maße, wie die Literaturtheorie
für die Literaturwissenschaft an Wichtigkeit zunahm,
verzweigte sie sich auch. Methoden- und Theoriepluralismus
heißt das Phänomen, das nichts weiter besagt, als
daß es keine Leittheorie (mehr) gibt, der sich alle
anderen unterordnen würden. Der Preis, den man für
einen solchen Pluralismus zahlen muß, ist eine gewisse
Unübersichtlichkeit, der ›Einführungen in
die Literaturtheorie‹ abhelfen können.
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›der Nünning‹

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Nünning, Ansgar (Hg.):
Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Ansätze – Personen – Grundbegriffe
4., aktual. u. erw. Aufl. Stuttgart u. Weimar: J.B. Metzler, 2008.
Innerhalb eines Jahrzehntes hat sich dieses Lexikon mit seinen über
650 Artikeln, geschrieben häufig von führenden Forschern auf
dem betreffenden Feld, unumstritten als Standardwerk zur Literatur- und
Kulturtheorie etabliert. Es bietet »Einführungen in die
wichtigsten literatur- und kulturwissenschaftlichen Ansätze, deren
Hauptrepräsentanten und die von ihnen geprägten
Grundbegriffe. Im Mittelpunkt der Artikel stehen die Charakterisierung
der theoretischen Grundlagen der verschiedenen Ansätze und die
Erläuterung der jeweils relevanten Konzepte sowie der methodischen
Zugangsmöglichkeiten zur Analyse von literarischen und kulturellen
Phänomen.« (Aus dem Vorwort, V). Jeder Artikel bietet
umfangreiche Literaturhinweise. — Separat sind zwei
Auskoppelungen des Gesamtbandes erschienen, ebenfalls beide von Ansgar
Nünning herausgegeben: Grundbegriffe der Literaturtheorie. Stuttgart u. Weimar, 2004 (= Sammlung Metzler; 347); sowie Grundbegriffe der Kulturtheorie und Kulturwissenschaft.
Stuttgart u. Weimar: Metzler, 2005 (= Sammlung Metzler; 351) (letzter
Band erhält eine Auswahl von 150 Artikeln aus dem Lexikon, die um
Artikel zu Grundbegriffen der Kulturwissenschaft ergänzt worden
sind). [SMS]
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Renner,
Rolf Günter, u. Engelbert Habekost
(Hg.): Lexikon literaturtheoretischer Werke
Stuttgart:
Kröner, 1995. (= KTA; 425)
Sortiert nach dem Titel des Werkes,
stellt dieses vorzügliche Nachschlagewerk ein
Korpus von über 400 Texten aus dem Bereich der
literaturtheoretischen Diskussion von der Antike bis
heute vor, wobei der Schwerpunkt jedoch auf Werken
des 20. Jh. liegt. Die einzelnen Artikel referieren
Argumentation, Hauptgedanken und Wirkung des betreffenden
Textes und geben knappe weiterführende Literaturhinweise
(auch auf deutsche Ausgaben der Texte). Register nach
Sachgebieten, Register nach Sachbegriffen sowie ein
nach Autoren geordnetes Verzeichnis der besprochenen
Werke am Schluß des Bandes. [TFS]
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Selden,
Raman, Peter Widdowson
u. Peter Brooker: A Reader's Guide to Contemporary Literary Theory
5. Ausg. Harlow: Pearson Educated, 2005.
Eine nicht zuletzt didaktisch gute Einführung in die wichtigsten Literaturtheorien: Auf eine kurze, pointierte Darstellung folgt jeweils eine Liste mit empfohlenen Originaltexten (»Key texts«) und vertiefender Lektüre (»Further reading«). Behandelt werden »New Criticism, moral formalism and F.R. Leavis«, »Russian formalism and the Bakhtin School«, »Reader-oriented theories«, »Structuralist theories«, »Marxist theories«, »Feminist theories«, »Poststructuralist theories«, »Postmodernist theories«, »Postcolonialist theories«, »Gay, lesbian and queer theories«. Der Band endet mit einer Diskussion über unsere Zeit der »Post-Theory«. Anhang 1 enthält eine Liste empfohlener Wörterbücher und Glossare zur Literaturtheorie, Anhang 2 eine Liste einschlägiger (englischsprachiger) Zeitschriften. Ein Namens- und Titelregister sowie ein Sachregister erhöhen die Benutzbarkeit des Bandes. [SMS]
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Eagleton,
Terry: Einführung in die Literaturtheorie
[Literary Theory. An Introduction;
1983.] Übers. v. Elfi Bettinger u. Elke Hentschel.
4. erw. u. aktual. Aufl. Stuttgart: Metzler, 1997.
(= SM; 246) [1. Aufl. 1988]
Auch wenn Eagletons Einführung
mittlerweile schon bald dreißig Jahre alt ist, ist sie immer noch
eine der besten Annäherungen an die Literaturtheorie bis zum
Beginn der Dekonstruktion (also ohne Theorien wie New Historicism,
Gender Studies/Queer Studies/Men's Studies, Postkolonialismus,
Performativität etc.). Das Buch verkörpert alle Tugenden
angloamerikanischer Einführungen: klar und ohne Umschweife in
der Formulierung, also im besten Sinne ›lesbar‹, mit dem
Mut zur Wertung und zur Zusammenfassung. So fügt Eagleton etwa New
Criticism, Strukturalismus und Semiotik zu einem Kapitel, ebenso
Hermeneutik, Rezeptionstheorie und Phänomenologie, während
der Psychoanalyse und dem Poststrukturalismus (Dekonstruktion) je ein
eigenes gewidmet wird. Daß Eagleton aus einer dezidiert
materialistischen (will sagen: marxistischen) Position heraus schreibt,
macht auch das Schlußkapitel deutlich: es heißt
›Politische Kritik‹. Das Literaturverzeichnis
berücksichtigt nur im Text erwähnte Arbeiten. Die 4. dt. Auflage beinhaltet auch das ›Nachwort‹, das Eagleton für die englische Zweitausgabe seines Klassikers 1996 schrieb und das von 1996 aus auf die Theorieentwicklung seit Ersterscheinen des Buches zurückblickt. [TFS/SMS]
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Culler, Jonathan: Literaturtheorie. Eine kurze Einführung
[Literary Theory. A Very Short
Introduction; 1997.] Übers. v. Andreas Mahler. Stuttgart: Philipp
Reclam jun., 2002. (= RUB; 18166)
Diese ›kurze
Einführung‹ (im amerikanischen Original: ›sehr kurze
Einführung‹] verfolgt nicht den Ansatz, die Entwicklung der
Literaturtheorie als Abfolge verschiedener ›Schulen‹ und
›-ismen‹ darzustellen, wie dies sonst üblich ist.
Statt dessen bietet Culler in seiner konzentrierten, dabei aber
zugleich leicht zu lesenden Einführung eine Diskussion der
Legitimation der Literaturwissenschaft sowie der gemeinsamen
Grundannahmen und Fragestellungen der zum Entstehungszeitpunkt des
Buches aktuellen Theorien in acht Kapiteln, die mit »Was ist
Theorie?«, »Was ist Literatur und ist sie wichtig?«,
»Literatur und Kulturwissenschaft«, »Sprache,
Bedeutung und Interpretation«, »Rhetorik, Poetik und
Lyrik«, »Erzählen«, »Performative
Sprache« und »Identität, Identifikation und das
Subjekt« überschrieben sind. Wer trotzdem von seinen
›-ismen‹-zentrierten Zugang zur Literaturtheorie nicht
lassen will, bekommt im »Anhang« noch die wichtigsten
theoretischen Schulen und Strömungen äußerst kompakt
auf jeweils einer Seite skizziert. Das Buch ist allerdings deutlich
einer angloamerikanischen Theorieperspektive mit gelegentlichen
Ausblicken nach Frankreich verpflichtet. Nach der Frankfurter Schule
z.B. sucht man vergebens, und mit ›Kulturwissenschaft‹
ist einzig die angloamerikanische Tradition der Cultural studies gemeint. Personen- und Sachregister. [SMS]
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Bogdal, Klaus-Michael (Hg.): Neue
Literaturtheorien. Eine Einführung
3. Aufl. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 2005. [1. Aufl. Opladen: Westdt. Verlag 1990]
Zehn Kapitel behandeln: Michel Foucaults
historische Diskursanalyse, Jacques Lacans strukturale
Psychoanalyse, Louis Althussers symptomatische Lektüre
von Ideologie, eine semiotisch orientierte Diskursanalyse,
Bourdieus Kultursoziologie, neuere Hermeneutikkonzepte,
literaturwissenschaftliche Rezeptions- und Handlungstheorien,
Systemtheorie, feministische Literaturwissenschaft
und Dekonstruktion. Anders als etwa Eagletons ($178)
historisch einordnender und mehrere Ansätze kritisch
zusammenfassender Überblick werden hier didaktisch
gut aufgebaute Einzeldarstellungen gegeben, wobei
es vor allem auf die verständliche Erläuterung
zentraler Begriffe ankam. Bogdals einführendes
Kapitel fragt nach Ursprüngen und Gründen
für die ›Methodologisierung‹ der
Literaturwissenschaft und die damit einhergehende
Heterogenität sowie nach den Konsequenzen (z.B.
daß es keinen ›privilegierten Standpunkt‹
mehr gibt). — Der Band wurde später ergänzt
durch einen ›Applikationen-Band‹.
[TFS]
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Hörisch,
Jochen: Theorie-Apotheke. Eine Handreichung zu den
humanwissenschaftlichen Theorien der letzten fünfzig Jahre,
einschließlich ihrer Risiken und Nebenwirkungen
Ffm: Eichborn, 2004. (= Die Andere Bibliothek)
Eine Präsentation nicht nur
literaturwissenschaftlicher Theorien durch einen der prominentesten
deutschen Literatur- und Medienwissenschaftler, die
eingestandenermaßen stark persönlich geprägt ist:
»Die vorliegende Theorie-Apotheke versucht zu rekonstruieren,
welche Theorien auf welche Probleme ansprechen und welche
Nebenwirkungen, Kontraindikationen und Risiken sie haben. Sie will
Grundzüge, Grundgesten und Grundbegriffe derjenigen Theorien
vorstellen und prüfen, die in den letzten fünfzig Jahren das
Sagen hatten und zum Widerspruch reizten. Daß auch die in der
vorliegenden Theorie-Apotheke gegebenen Referate zum Widerspruch reizen
werden, liegt auf der Hand. Geht es doch um die pointierte, produktive
Vereinfachungen nicht scheuende Darstellung von haltbaren Grundgedanken
- und um den Verdacht, daß es mit der Haltbarkeit dieser
Grundgedanken mitunter schlecht bestellt ist.« (S. 23f) Nicht als
Einführung in die Literaturtheorie geeignet, aber mit Gewinn zu
lesen, wenn man sich bereits etwas im Theorie-Dschungel orientieren und
selbst zu einem Urteil über Hörischs streckenweise polemische
Diskussion kommen kann. [SMS]
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Bachmann-Medick, Doris: Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften
Reinbek bei Hamburg: Rowohlts Taschenbuch Verlag, 2006. (= rowohlts enzyklopädie; 55675)
Statt ihren Ausgangspunkt in
einzelnen Theorien oder Theoriesträngen wie Strukturalismus,
Poststrukturalismus, Hermeneutik o.ä. zu nehmen, versucht
Bachmann-Medick »eine andere Geschichte der
Kulturwissenschaften« zu skizzieren, »die gerade die
Vielzahl der cultural turns zum Leitfaden nimmt« (S. 7). In Einzelkapiteln werden die folgenden turns als
Ausdruck neugewonnener Analysekategorien der selbstreflexiven und
metadisziplinären Kulturwissenschaften diskutiert:
›Interpretive Turn‹, ›Performative Turn‹,
›Reflexive Turn/Literary Turn‹, ›Postcolonial
Turn‹, ›Translational Turn‹, ›Spatial
Turn‹, ›Iconic Turn‹. Den einzelnen Kapiteln folgt
jeweils eine nützliche Literaturliste zu dem jeweiligen turn. [SMS]
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Eine
Einführung in die Literaturtheorie aus dem Blickwinkel der
Ästhetik bietet Zima.
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