2.3.4 Einzelne Theorien
und Methoden
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Die folgenden Seiten nennen
die wichtigsten aktuellen ›Theorien‹, die
freilich selten ein zur praktischen Benutzung bereitliegendes
literaturchirurgisches Werkzeug darstellen, ja oft nicht einmal ein
kohärentes Ganzes ausmachen. Angestrebtes Ziel dieses
Unterkapitels ist es, wenigstens einen einführenden Aufsatz
und/oder eine brauchbare Einführung in Buchform anzugeben
sowie ein bis zwei Hauptwerke und möglichst eine
›Anwendung‹ aufzulisten.
Folgende Theorien, Methoden und turns werden in diesem Kapitel in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt:
(Bourdieusche) Literatursoziologie, Dekonstruktion, Diskurstheorie,
Ecocriticism, Formalismus/Strukturalismus/Semiotik, Feministische
Literaturwissenschaft/Gender Studies/Queer Studies/Men's Studies, Hermeneutik/Rezeptionsforschung,
Intermedialität, Kritische Theorie, Marxismus, Medientheorie, New Historicism,
Performative turn, Postkolonialismus, Psychoanalyse und Spatial turn. Auch literaturwissenschaftliche Lexika
lassen sich für eine stichworthafte Orientierung über
die meisten dieser Theorien und Methoden heranziehen ( Kap.
3.4), längere, empfehlenswerte Essays finden sich in
Abrams sowie Seiffert.
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(Bourdieusche)
Literatursoziologie
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In der Folge der
Frankfurter Schule/Kritischer Theorie und einer marxistischen
Literaturtheorie (s.u.) entstand in den späten sechziger und
vor allem den siebziger Jahren eine soziologisch ausgerichtete
Literaturwissenschaft. ( Kap. 2.8) Neue
Impulse erhielt die Literatursoziologie in den neunziger Jahren vor allem aus
Frankreich durch Pierre Bourdieus Theorie des
›Habitus‹, des ›Feldes‹ und
seiner ›Soziologie der symbolischen Formen‹).
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Link,
Jürgen, u. Ursula Link-Heer:
Literatursoziologisches Propädeutikum
München:
Fink, 1980. (= utb; 799)
Eine didaktisch ausgerichtete, solide
Einführung in das Gebiet der Literatursoziologie,
das die Autoren verstehen als »alle Fragestellungen
und Theorien, die sich auf die soziale Determination
und Funktion von Literatur beziehen« (S. 18).
Methodisch schlagen die Autoren einen »von Marx
und Gramsci ausgehenden, viele andere Anregungen aufnehmenden
und teils selbst entwickelten materialistischen theoretischen
Rahmen vor« (S. 19), in dem systematische Grundbegriffe
der Literatursoziologie entwickelt und an Textanalysen
auch erprobt werden. Neuere Entwicklungen in der Literatursoziologie
(Bourdieu, Systemtheorie) finden aber in diesem ›älteren‹
Werk naturgemäß noch keine Berücksichtigung.
Mit Glossaren zu Kategorien und Autoren sowie Sach-
und Autorenregistern. [TFS]
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Dörner,
Andreas, u. Ludgera Vogt:
»Kultursoziologie (Bourdieu –
Mentalitätengeschichte –
Zivilisationstheorie)«
In: Bogdal,
S. 131–53.
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———:
Literatursoziologie. Literatur, Gesellschaft, Politische Kultur
Opladen:
Westdeutscher, 1994. (= WV studium; 170)
Sowohl der Aufsatz und als auch –
naturgemäß detaillierter – das Buch
geben einen ausgezeichneten Einblick in Bourdieus
Untersuchungen der Kultur und der sich für die
Literaturwissenschaft ergebenden Möglichkeiten,
wobei auch die Wurzeln und Quellen dieses Ansatzes
behandelt werden (neben Marx z.B. die frz. ›nouvelle
histoire‹, also die Alltags- bzw. Mentalitätengeschichte
von Febvre, Bloch, Braudel u.a. sowie Norbert Elias’
Untersuchungen über den Prozeß der Zivilisation).
Zur Veranschaulichung der Theorieansätze dient
eine Fallstudie zu Kleists Hermannsschlacht. [TFS]
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Jurt,
Joseph: Das literarische Feld. Das Konzept Pierre Bourdieus in Theorie
und Praxis
Darmstadt:
Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1995.
Nach einem Überlick über frühere
Ansätze einer Literatursoziologie (G. Lukács,
Werner Krauss, Erich Köhler, Peter Bürger)
sowie des Kontextes, in dem Pierre Bourdieus Soziologie
steht, erläutert Jurt zunächst dessen theoretische
Basis, ehe er in seinem Hauptteil anhand der französischen
Literatur von der Klassik bis zur Postmoderne eine
empirische Untersuchung des literarischen Feldes anstellt.
[TFS]
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Bourdieu,
Pierre: »Das intellektuelle Feld. Eine Welt für
sich«
Übers. v.
Bernd Schwibs. In: Ders.: Rede und Antwort. Ffm: Suhrkamp, 1994 (= es;
1547), S. 155–166.
Zwar hat Bourdieu keine eigentliche
Literaturtheorie entwickelt, doch sein Werk ist so
eng mit der Untersuchung der Kultur bzw. Werken der
Literatur verbunden, daß es auch für Literaturwissenschaftler
eine Herausforderung darstellt. Vor allem mit seinem
Begriff des ›Feldes‹ versucht Bourdieu,
Subjekt (Autor, Leser) und objektive Gegebenheiten
(Gesellschaft, Ökonomie) zu verbinden und damit
ein altes Dilemma zahlreicher Ansätze und Begriffe
(wie Milieu, Kontext, sozialer Hintergrund, die Bourdieu
alle für unscharf hält) zu überwinden.
[TFS]
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Bourdieu,
Pierre: Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes
[Les règles de l'art. Genèse et structure du champ littéraire; 1992.] Übers. v.
Bernd Schwibs u. Achim Russer. Ffm: Suhrkamp, 2001. (= stw;
1539)
Für Literaturwissenschaftler
unzweifelhaft Bourdieus Hauptwerk, in dem er zumeist an
französischen Beispielen untersucht, wie im Laufe des 19.
Jahrhunderts das literarische Feld entsteht und sich strukturiert. So
inspirierend Bourdieus Ansatz ist, Literatur und deren Ästhetik
unter soziologischen Auspizien, d.h. unter Rückgriff auf Bourdieus
Begriffe des ›Feldes‹ und des ›Habitus‹ zu
analysieren, so verwirrend liest sich Bourdieus literatursoziologische
Studie mitunter - man merkt dem langen Text an, daß er aus
diversen Einzelstudien zusammengesetzt worden ist, wodurch z.B. gewisse
Redundanzen erklärt werden können. [SMS]
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Dekonstruktion
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Culler, Jonathan: Dekonstruktion.
Derrida und die poststrukturalistische Literaturtheorie
[On Deconstruction. Theory and Criticism
after Structuralism; 1982.] Übers. v. Manfred
Momberger. Neuausgabe. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt
Taschenbuch, 1999. (= re; 474) [1988]
Nach wie vor der beste Zugang zu dieser
für Literaturwissenschaftler ebenso attraktiven
wie aggressiven Praxis einer Lektüre, die –
wenn man so will – den Ausgangstext sowohl ›zersetzt‹
als auch neu/anders zusammensetzt. Nach einer Problematisierung
des Lesens und Verstehens von Texten (z.B. im Hinblick
auf Differenzerfahrungen) widmet Culler den Hauptteil
des Buches der ursprünglich vor allem auf philosophische
Texte ausgerichteten Überlegungen und Übungen
Jacques Derridas. Mit den Konsequenzen für die
Literatur(-wissenschaft), wie sie vor allem in der
amerikanischen Spielart der Dekonstruktion (Paul de
Man, Geoffrey Hartmann, Stanley Fish u.a.) exerziert
wurde, die ihrerseits stark dem New Criticism verpflichtet
ist, befaßt sich der abschließende Teil.
[TFS]
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Zima,
Peter V.: Die Dekonstruktion. Einführung und Kritik
Tübingen u.
Basel: Francke, 1994. (= utb; 1805)
Weil Dekonstruktion zum Reizwort geworden
sei, »müssen die philosophischen und ästhetischen
Grundlagen der verschiedenen dekonstruktivistischen
Ansätze reflektiert und konkretisiert werden«.
Dies unternimmt Zima zum Teil in bewußter Konfrontation
mit der Kritischen Theorie. Neben der Einführung
in Schlüsselbegriffe Jacques Derridas werden
die amerikanischen Positionen (de Man, Hartman, Hillis
Miller, Bloom) in Einzelkapiteln dargestellt, vor
allem in ihrem Rückgriff auf die englische Romantik
und die Philosophie Schlegels. Ein Schlußkapitel
widmet sich Positionen, die sich kritisch mit dem
Dekonstruktivismus auseinandergesetzt haben. [TFS]
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Dahlerup,
Pil: Dekonstruktion. 90’ernes litteraturteori
5. Aufl. Kbh: Gyldendal, 2002. (=
Gyldendal Intro) [1991]
Kurze und prägnante Einführung
in Begriff und Schulen. Setzt die Schwerpunkte ähnlich
wie Culler
auf die Abfolge Leser>Text, Derrida, de Man, stellt
darüber hinaus auch andere Repräsentanten
vor (J. Hillis Miller, B. Johnson, M. Riffaterre).
Das letzte Viertel des Buches widmet sich den Konsequenzen
des Dekonstruktivismus für eine feministische
Literaturwissenschaft. – Eine deutsche Übersetzung,
besorgt von Barbara Sabel, erschien unter dem Titel
Dekonstruktion. Die Literaturtheorie der 1990er
1998 bei de Gruyter in Berlin (= Sammlung Göschen;
2813). [TFS/SMS]
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Engelmann,
Peter (Hg.): Postmoderne und Dekonstruktion. Texte
französischer Philosophen der Gegenwart
Stuttgart: Reclam,
1990. (= RUB; 8668)
Eingeleitet von Peter Engelmann (zugleich
Herausgeber zahlreicher deutscher Übersetzungen
von Derrida, de Man, Kofman u.a.), bietet der Band
Schlüsseltexte wie z.B. Lyotards Abgesang auf
die ›großen Erzählungen‹
(Christentum, Marxismus, Psychoanalyse) als Phänomen
der Postmoderne oder Derridas Erläuterung des
Terminus ›différance‹. [TFS]
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Derrida, Jacques: Die Schrift und
die Differenz
[L’Écriture
et la Différence; 1967.] Übers. v. Rodolphe
Gasché. Ffm: Suhrkamp, 1972. [Taschenbuchausgabe: Ffm:
Suhrkamp Taschenbuch, 1976. (= stw; 177)]
In verschiedenen Aufsätzen u.a.
zu Werken Freuds, Foucaults, Batailles und Lévi-Strauss’,
die z.T. eine Auseinandersetzung mit Positionen des
Strukturalismus sind, entwickelt Derrida seine Vorstellungen
von einem fortwährenden ›Spiel‹
der Zeichen, denen ein (Sinn-)Zentrum fehle. Zusammen
mit dem in seinem Buch De la grammatologie (1970;
deutsch als Grammatologie, übersetzt von Hans
J. Rheinberger und Hanns Zischler) formulierten ›Logozentrismus‹
der abendländischen Geistesgeschichte nach wie
vor eine Art Grundlegung der Dekonstruktion. [TFS]
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De
Man, Paul:
Allegorien des Lesens
[Allegories of
Reading; 1979 (Teilausgabe).] Übers. v. Werner Hamacher u.
Peter Krumme. Ffm: Suhrkamp, 1988. (= es; 1357)
De Man ist der einflußreichste
Vertreter der amerikanischen Variante der Dekonstruktion.
Diese Sammlung von Analysen zu Rilke, Proust und Nietzsche
(es fehlt das längere Rousseau-Kapitel der amerikanischen
Ausgabe) stellt die zentralen Konzepte einer dekonstruktiven
Lektüre in den Vordergrund: Trope und Allegorie
bzw. das Rhetorische (im Unterschied zur herkömmlichen
Rhetorik) von Texten als Überredungsstrategie(n);
Literatur ferner als privilegierte Form, die sich
jeder endgültigen Strukturierung/Sinnzuschreibung
widersetzt. Enthält außerdem eine gute
Einführung von Werner Hamacher zu de Mans Werk.
[TFS]
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Diskurstheorie
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Mit seinen Analysen der
sozialen und politischen Bestimmung von Krankheit (Klinik), Wahnsinn
(Psychiatrie) und Bestrafung (Gefängnis) setzte der
französische Philosoph und Wissenschaftshistoriker Michel
Foucault (1926–1984) den Grundstein einer Untersuchungsweise,
die er selbst Mikrophysik nannte. Sie sucht die Entstehung von
spezifischen gesellschaftlichen Institutionen und ihren (z.T.
verborgenen) Machtmechanismen zu beschreiben, deren interne
Regelsysteme seither auch mit dem Begriff
›Diskurs‹ (z.B. medizinischer D., juristischer
D.) bezeichnet werden.
Beachtenswert ist auch die von Jürgen
Link herausgegebene Zeitschrift KultuRRevolution.
Zeitschrift für angewandte Diskurstheorie (1982ff)
vor allem wegen ihrer (auch Literatur betreffenden)
Analysen. [TFS]
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Kammler,
Clemens: »Historische Diskursanalyse (Michel
Foucault)«
In: Bogdal,
S. 31–55.
Kurze, aber solide Einführung in
Foucaults Diskursbegriff und dessen Folgen für
die Literaturwissenschaft, nicht zuletzt am Beispiel
von ›Anwendern‹ wie etwa Jürgen
Link. [TFS]
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Fohrmann,
Jürgen, u. Harro Müller:
Diskurstheorien und Literaturwissenschaft
Ffm: Suhrkamp
Taschenbuch, 1988. (= st materialien; 2091)
Der Band setzt sich mit Problemen, Möglichkeiten
und Konsequenzen des (Foucaultschen) Diskursbegriffes
für die Literaturwissenschaft auseinander, und
zwar durchaus kritisch, wie gleich zu Anfang der Beitrag
des Hermeneutikers Manfred Frank zeigt. Auch die Nähe
(oder Ferne) zu anderen Ansätzen (Systemtheorie,
Dekonstruktion) steht zur Debatte, einzelne Fragen
werden vertieft (Verhältnis Autor–Diskurs)
und schließlich an Beispielen aus der Literatur
veranschaulicht (E.T.A. Hoffmann, A. Stifter, A. Döblin).
Eine Bibliographie am Ende des Bandes listet Bibliographien,
Zeitschriften und Periodika sowie Monographien und
Aufsätze zur Diskurstheorie seit Ende der siebziger
Jahre auf. [TFS]
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Marti,
Urs: Michel Foucault
2., überarb. Aufl. München:
Beck, 1999. (= Beck’sche Reihe. Große
Denker; 513) [1988]
Marti gibt einen Überblick über
das Werk Foucaults und seine intellektuelle Entwicklung,
studiert die Ursprünge und Einflüsse (z.B.
Nietzsche, Bachelard) und erläutert die wichtigen
Begriffe vor allem von Foucaults Archäologie
der Humanwissenschaften (Diskurs bzw. diskursive Formationen,
Episteme, Genealogie usw.). [TFS]
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Kleiner,
Marcus S. (Hg.): Michel Foucault. Eine Einführung in sein Denken
Frankfurt u. New York: Campus, 2001. (= Campus Studium)
Im Gegensatz zu den meisten, von einer Person geschriebenen Einführungen ins Foucaults Werk wie die von Marti
versucht dieser Band, »anhand der Darstellung von Leitbegriffen
und zentralen thematischen Zusammenhängen [...] das Foucaultsche
Denken [...] in seiner Heterogenität und Kontinuität bzw.
seiner permanenten Transformation, Prozessualität und
Extension« (S. 7) darzustellen. Im ersten Teil des Bandes werden
Leitbegriffe wie ›Dispositiv‹, ›Macht‹,
›Geschlecht und Subjektivierung‹ in Aufsatzform
diskutiert, im zweiten Teil (»Foucault im Kontext«) geht es
vor allem um Foucault Plazierung in der Philosophiegeschichte. [SMS]
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Foucault, Michel: Schriften zur
Literatur
Hg. v. Daniel Defert u.
François Ewald. Übers. v.
Michael Bischoff, Hans-Dieter Gondek u. Hermann Kocyba. Auswahl u.
Nachwort v. Martin Stingelin. Ffm: Suhrkamp, 2003. (= stw; 1675)
Diese bislang vollständigste deutschsprachige Auswahl enthält mehrere einflußreiche und
für die Literaturwissenschaft fruchtbare Aufsätze in Neuübersetzungen,
etwa denjenigen zum Begriff der ›Überschreitung‹
(als solche bestimmt Foucault Literatur) sowie die
radikale Infragestellung des Schriftsteller-Subjektes
in »Was ist ein Autor?«, dem Foucault
nur noch den Status eines Ensembles von Äußerungen
und sprachlichen Effekten zubilligt. [TFS]
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Ruoff, Michael: Foucault-Lexikon. Entwicklung - Kernbegriffe - Zusammenhänge
Paderborn: Wilhelm Fink, 2007. (= utb; 2896)
Gerade weil Foucault kein sonderlich
systematischer Denker war, ist ein Lexikon wie das vorliegende eine
ideale Ergänzung zu den mittlerweile zahlreichen Einführungen
in sein Werk: Zunächst werden die Hauptwerke aufgeführt und
deren Inhalt knapp wiedergegeben, dann folgt ein Lexikon mit den
Foucaultschen Grundbegriffen wie ›Bio-Macht‹,
›Diskurs‹, ›Dispositiv‹,
›Epistem‹, ›Gouvernementalität‹,
›Repressionshypothese‹, ›Subjekt‹ etc.,
wobei jeweils die relevanten Belege in Foucaults Schriften
aufgeführt werden. [SMS]
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Mills, Sara: Der Diskurs. Begriff, Theorie, Praxis
[Discourse; 1997.] Übers. v. Ulrich Kriest. Tübingen u. Basel: A. Francke, 2007. (= utb; 2333)
Der Begriff ›Diskurs‹
sei, so Mills in ihrer Einleitung, wahrscheinlich »der Begriff
mit dem größten Umfang an möglichen Bedeutungen
innerhalb der Literatur- und Kulturtheorie« (S. 1). Dieser
Unübersichtlichkeit begegnet Mills mit einem schlanken
Bändchen, das die Rezeption der Überlegungen Foucaults zum
Diskurs in verschiedensten Disziplinen (Literaturwissenschaft,
Kulturwissenschaft, Linguistik, Sozialpsychologie) nachzuzeichnen
versucht. Als Einstieg in Diskurstheorie(n) zu empfehlen. [SMS]
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Ecocriticism
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Inspiriert durch Werke wie Rachel Carsons Silent Spring (1962) oder die vom Club of Rome initiierte Studie The Limits to Growth
(1972), die als die Anfänge der aktuellen Ökologiedebatte
gelten können, etablierte sich in den 1990ern in der
nordamerikanischen Literaturwissenschaft die interdisziplinäre
Forschungsrichtung des Ecocriticism, die zunehmend auch in
den europäischen Universitäten Einzug hält. Theoretisch
und methodologisch bewusst offen und heterogen angelegt, sind es vor
allem die gemeinsamen Fragestellungen, die Ecocritics einen: Anhand
fiktionaler und nicht-fiktionaler Texte untersuchen sie die
Konstruktion von Natur und Mensch-Umwelt-Beziehungen sowie die
Wertvorstellungen und kulturellen Funktionen, die dem Natürlichen
zugeordnet werden. Ein institutionelles Zentrum für diese
Fragestellungen, die gelegentlich auch unter dem Label des Green Criticism verhandelt werden, stellt seit 1992 die Association for the Study of Literature and the Environment (ASLE) mit ihrer Zeitschrift ISLE (Interdisciplinary Studies in Literature and the Environment) und ihrer sehr informativen Homepage http://www.asle.org/ mit umfangreichem Textarchiv dar. [HaM].
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Garrard, Greg: Ecocriticism
London/New York: Routledge, 2004 (= The New Critical Idiom).
Eine sehr instruktive, leicht
verständliche und übersichtlich gegliederte Einführung,
die zentrale Themenfelder des Ecocriticism wie Pastoraldichtung,
apokalytische Vorstellungen und die Konstruktion von Wildnis oder
Verschmutzung vorstellt. Die Entwicklung der ›grünen
Literaturwissenschaft‹ wird ebenso umrissen wie die wichtigsten
theoretischen Positionen in diesem nach wie vor sehr heterogenen
Forschungsfeld: Environmentalism, Deep und Shallow Ecology, Ecofeminism
und Eco-Marxism. Ergänzt um ein Glossar, eine ausführliche
Bibliographie und einige kommentierte Leseempfehlungen ein
empfehlenswerter Einstieg in das Thema Ecocriticism. [HaM]
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Glotfelty, Cheryll: »Introduction«
In: Dies./Harold Fromm (Hg.): The
ecocriticism reader. Landmarks in Literary Ecology. London/Athens:
University of Georgia Press, 1996, S. XV-XXXVII.
Die vielzitierte
»Introduction« ist richtungsweisend vor allem für die
frühe Phase des amerikanischen Ecocriticism und enthält mit
Glotfeltys Definition wohl den kleinsten gemeinsamen Nenner, auf den
sich die zahlreichen Versuche der Selbstbeschreibung bringen lassen:
»Simply put, ecocriticism is the study of the relationship
between literature and the physical environment. Just as feminist
criticism examines language and literature from a gender-conscious
perspective, and Marxist criticism brings an awareness of modes of
production and economic class to its reading of texts, ecocriticism
takes an earth-centred approach to literary studies« (S. XIX).
Auch der Reader selbst hat als einer der ersten ökokritischen
Sammelbände nahezu kanonischen Status erlangt. [HaM]
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Goodbody, Axel: »Literatur und Ökologie. Zur Einführung«
In: Ders. (Hg.): Literatur und
Ökologie. Amsterdam/Atlanta: Rodopi, 1998 (= Amsterdamer
Beiträge zur neueren Germanistik; 43), S. 11-40.
Goodbodys Einführung liefert
einen knappen Überblick über die Entwicklung des
Ökologiebegriffs und des Ecocriticism als Forschungsrichtung.
Wesentliche Fragestellungen werden vorgestellt und auf die
deutschsprachige Literatur angewendet. Erklärtes Ziel von
Goodbodys ›ökologischer Literaturwissenschaft‹ ist
es, »einen Beitrag zur Überwindung der Kluft zwischen Natur
und Kultur zu leisten, indem sie Prosa und Lyrik, aber auch Essayistik,
Reisebeschreibungen und Autobiographik vor dem Hintergrund der sich
ändernden natürlichen Umwelt kritisch beleuchtet« (S.
28). Dementsprechend breit gefächert sind auch die Beiträge
des Sammelbandes. [HaM]
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Phillips, Dana: »Ecocriticism, Literary Theory and the Truth of Ecology«
In: New Literary History 30 (1999), S. 577-602.
Dana Phillips ist einer der
schärfsten Kritiker des Ecocriticism. Er warnt in seinem Aufsatz
ebenso wie in seiner vieldiskutierten Monographie »The Truth of
Ecology« vor der Gefahr, literaturtheoretische Fragestellungen
wie die der Repräsentation außer Acht zu lassen und einem
reaktionären Realismus das Wort zu reden. Auch die fehlende
Auseinandersetzung mit aktuellen Konzepten der Ökologie führe
oft zu naivem, inkorrektem oder bloß metaphorischem Gebrauch
einschlägiger Fachtermini: »In their flight from literary
theory, ecocritics have ignored an inconvenient fact: a considerable
body of what has to be called ›theory‹ must be surveyed,
at the least, before one can speak sensibly about ecology« (S.
582). Trotz oder gerade wegen des bisweilen beißend sarkastischen
Tons ein sehr lesens- und bedenkenswertes Plädoyer für eine
theoretisch fundierte ökologische Literaturwissenschaft. [HaM]
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Formalismus
Strukturalismus
Semiotik
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Die
gegenwärtige Theoriediskussion wurde ganz wesentlich
geprägt vom sogenannten ›linguistic
turn‹. Daher spielen formalistische, strukturalistische und
semiotische Ansätze – also solche, die Literatur als
ein Zeichensystem begreifen – eine grundlegende Rolle bei
(fast) allen neueren Theoriemodellen.
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Formalismus
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Striedter, Jurij (Hg.): Russischer
Formalismus. Texte zur allgemeinen Literaturtheorie und zur Theorie der
Prosa
5., unveränd. Aufl. München:
Fink, 1994. (= utb; 40)
Der Sammelband bündelt wichtige
Texte, darunter so zentrale wie V. Sklovskijs »Die
Kunst als Verfahren« oder Jurij Tynjanovs »Über
die literarische Evolution«. Er zeigt die Schwerpunkte
des russischen Formalismus auf, also z.B. Aspekte
der Literarizität, der Gattungen und der Redeweisen.
Striedters informative Einführung geht neben
der allgemeinen Geschichte dieser theoretischen Schule
auch auf die besonderen Leistungen der einzelnen Autoren
ein, wobei sich zeigt, daß der Formalismus nicht
homogen und schon gar nicht bloß formalistisch
war. [TFS]
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Ihwe,
Jens (Hg.): Linguistik und Literaturwissenschaft. Eine Auswahl. Texte
zur Theorie der Literaturwissenschaft
2 Bde. Ffm: Athenäum Fischer,
1972/1973. (= Fischer Athenäum Taschenbücher;
2015 u. 2016) Neuausgabe 1991
Ziel der schon etwas angejahrten beiden
Bände war eine Erneuerung der Literaturwissenschaft
als ›empirische Wissenschaft‹, wobei
vor allem jene Mechanismen im Zentrum standen, »die
zur Literaturgeltung einer sprachlichen Äußerung
führen«. In den verschiedenen Aufsätzen
werden Fragen der generativen Grammatik und ihre Folgen
für die Literatur(-theorie) ebenso behandelt
wie Fragen der strukturalen Analyse von Poesie oder
der Evolution von Gattungen. Nach wie vor interessant,
weil die beiden Bände ein breites Spektrum über
Ansätze und Weiterführung formalistischer
und strukturalistischer Modelle bieten. [TFS]
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Strukturalismus
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Titzmann,
Michael: Strukturale Textanalyse. Theorie und Praxis der Interpretation
3., unveränd. Aufl. München:
Fink, 1993. (= utb; 582) [1977]
Gegenstand der Darstellung ist das Was
und das Wie strukturaler Analyse, d.h. auf (vorwiegend)
literarische Texte bezogen: Welche Struktur läßt
sich ermitteln, wie steht es mit dem funktionalen
Ineinandergreifen der (Text-)Elemente? Wichtige Begriffe
wie z.B. ›binäre Oppositionen‹
werden im Hinblick auf die Untersuchung semantischer
Relationen im Text erläutert. Darüber hinaus
erarbeitet Titzmann Kriterien für die notwendige
Selektion und Hierarchisierung von Textelementen.
Eine ausführliche Demonstration am Beispiel eines
Gedichtes von C.F. Meyer beschließt den Band.
[TFS]
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Jakobson, Roman:
Hölderlin. Klee. Brecht. Zur Wortkunst dreier Gedichte
Eingeleitet u. hg. v.
Elmar Holenstein. Ffm: Suhrkamp Taschenbuch, 1979. (= stw; 262)
Jakobson in der Anwendung durch Jakobson!
Vor allem zentrale Aspekte (z.B. Übertragung
der paradigmatischen Funktion auf die syntagmatische
Achse als Kennzeichen literarischer Texte) werden
hier anschaulich gemacht. Darüber hinaus sehr
brauchbar wegen der Einleitung Elmar Holensteins,
eine der prägnantesten Darstellungen dessen,
was der Formalismus will. [TFS]
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Mukarovský, Jan: Studien zur
strukturalistischen Ästhetik und Poetik
[Mysl’
wspólczesna; 1973.] Übers. v. Herbert
Grönebaum u. Gisela Riff. München: Hanser, 1974.
[Taschenbuchausgabe: Ffm, Berlin u. Wien: Ullstein, 1977. (=
Ullstein-Buch; 3311)]
Weiterführung eines strukturalistischen
bzw. formalistischen Ansatzes, indem der Text nicht
als schlichtes Faktum begriffen wird, sondern erst
in der lesenden Aufnahme konkretisiert wird. Mit der
Auffassung, daß Zeichen immer bedeutungstragend
sind, verbindet Mukarovský die Frage nach ihrem
sozialen Sinn, wobei sein Ziel letztlich nicht die
Textanalyse, sondern eine allgemeine Kunsttheorie
ist. [TFS]
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Semiotik/
Semiologie
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Barthes, Roland:
»Einführung in die strukturale Analyse von
Erzählungen«
In: Ders.: Das semiologische Abenteuer [L’aventure
sémiologique; 1985]. Übers. v. Dieter Hornig. Ffm:
Suhrkamp, 1988 (= es; 1441), S. 102–143.
Wie Mukarovský versucht auch
Barthes, den Strukturalismus zu einer allgemeinen
Semiologie zu erweitern. Ein linguistisches Modell
zugrundelegend, begreift er die Erzählung als
Satz, als – mehr oder weniger kompliziertes
– Syntagma, dessen Einheiten sowie die Funktionen
und das Zusammenwirken der Elemente (z.B. Isotopie)
sich bestimmen lassen. Dieser Aufsatz gibt allerdings
nur einen stichwortartigen, dafür leicht zugänglichen
Einblick in die Werkstatt Barthes’; exemplarische
Anwendungen finden sich im selben Band, dem der Aufsatz
entstammt. [TFS]
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Trabant,
Jürgen: Elemente der Semiotik
Tübingen u.
Basel: Francke, 1996. (= utb; 1908)
Didaktisch sehr klare Einführung
in Begriffe und Gegenstand der Zeichentheorie. Erläutert
nicht nur anschaulich und mit der Betonung auf Verständlichkeit
unterschiedliche Konzepte wie Saussures zweigliedrigen
oder Peirces dreigliedrigen Zeichenbegriff, sondern
weist auch auf Probleme hin und klärt Voraussetzungen,
die z.T. bis ins Mittelalter zurückreichen (Realismus-Nominalismus-Streit).
[TFS]
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Eco, Umberto: Einführung
in die Semiotik
[La struttura assente; 1968.] Übers.
v. Jürgen Trabant. 9., unveränd. Aufl. München:
Fink, 2002. (= utb; 105) [1. Aufl. 1972]
Nach wie vor ein, wenn nicht sogar das
Standardwerk, vor allem wenn es um die Erweiterung
des Zeichenbegriffs über Sprache und Literatur
hinaus auf andere Bereiche geht (Film, Architektur,
Werbung usw.). Semiologie im Sinne Ecos begreift Kultur
vor allem als Komunikationsprozeß. Demzufolge
setzt sie sich zuallererst damit auseinander, wann
und wie etwas zum Zeichen wird, erst in zweiter Linie
(dann aber durchaus in kritischer Perspektive) mit
dessen Inhalt. Code und Botschaft lauten die zentralen
Termini, und die Semiotik stellt Mittel und Wege zur
Decodierung bereit. [TFS]
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Nöth, Winfried: Handbuch der Semiotik
2., vollständig neu bearb. u. erw. Aufl. Stuttgart u. Weimar: Metzler, 2000.
Nöths Handbuch hat sich schnell
als Standardwerk etabliert. Es bietet in übersichtlicher Form
nicht nur eine Einführung in die Geschichte und die bedeutendsten
Schulen und Richtungen der Semiotik, sondern diskutiert auch zentrale
semiotische Begrifflichkeiten und Forschungsfelder der Lehre von den
Zeichen und eignet sich daher sowohl zur fortlaufenden Lektüre als
auch zum gezielten Nachschlagen. Mit umfassender Bibliographie sowie
Personen- und Sachregister. [SMS]
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Feministische
Literatur-
wissenschaft/
Gender Studies/
Queer Studies/
Men's Studies
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Seit der Mitte der siebziger Jahre hat sich
im Zuge der Neuen Frauenbewegung und der allgemeinen
politischen Hinterfragung der Geisteswissenschaften
eine rege feministische Literaturwissenschaft etabliert.
Ihre Ansätze lagen zunächst in einer Kanonerweiterung
um vergessene oder verdrängte weibliche Autoren,
in einer kritischen Analyse von Frauenschilderungen
und einer Neubewertung der wenigen kanonisierten Autorinnen
unter Berücksichtigung ihres Geschlechts. Während
diese Anliegen der feministischen Literaturwissenschaft
sich keiner bestimmten methodischen Richtung verpflichtet
fühlten, entwickelte sich mit den Gender Studies
eine methodologisch spezifische, aber in ihrem Fragenspektrum
engere Richtung, der es um die Erforschung des Entstehens
der Geschlechterdifferenz, ihrer Erscheinungsformen
und ihrer Mechanismen geht. Etliche Studien haben gezeigt, daß diese Fragen, die vor
allem mit den Methoden der Dekonstruktion und unter
dem Einfluß psychoanalytischer Theorien verfolgt
werden, besonders ergiebig am literarischen Material
untersucht werden können. [MCT]
Aus den Gender Studies entstanden in den 1990er Jahren zwei weitere
Forschungsfelder: Zum einen die Queer Studies, die - aufbauend auf den
älteren Gay and Lesbian Studies und häufig mit Ausgangspunkt
in Judith Butlers Werk Das Unbehagen der Geschlechter - die vermeintlich ›natürliche‹
Heteronormativität und Homophobie (nicht zuletzt auch in der
Literatur) thematisieren und statt dessen die Inszeniertheit von
›Geschlecht‹ betonen. Zum anderen etablierte sich das
Feld der Men's Studies (Männlichkeitsstudien), in denen die
Maßgabe der Gender Studies, ›Geschlecht‹ als eine
sozial-kulturelle Konstruktion zu lesen, jetzt auch konsequent auf die
Konstruktion von (zumeist implizit heterosexuellen) Männlichkeiten
angewendet wird. [SMS]
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Feminismus
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Lindhoff, Lena:
Einführung in die feministische Literaturtheorie
2., überarb. Aufl. Stuttgart:
Metzler, 2003. (= SM; 285) [1995]
Der erste Teil dieser Einführung
geht zurück zu den Pionierinnen der feministischen
Literaturtheorie, Simone de Beauvoir und Virginia
Woolf, und erklärt, wie sich in den siebziger
Jahren aus deren Entwürfen zwei unterschiedliche
Richtungen literaturwissenschaftlicher Forschung entwickelten:
die ideologiekritische Relektüre des männlichen
Literaturkanons und die Frauenliteraturgeschichte,
die Suche nach einer verborgenen weiblichen Tradition.
Der sehr viel umfangreichere zweite Teil beschäftigt
sich mit dem Paradigmenwechsel innerhalb der feministischen
Literaturwissenschaft in den achtziger Jahren: dem
Wechsel von soziohistorischen zu poststrukturalistischen
Theoriemodellen. Zur Einführung erklärt
Lindhoff die Bedeutung der wiederentdeckten Psychoanalyse
als Grundlagenwissenschaft feministischer Literaturtheorie.
Darauf aufbauend entwickelt sie die Thesen der wichtigsten
Theoretiker aus dem Umkreis des Poststrukturalismus
(Lacan, Derrida, Kristeva, Cixous und Irigaray) und
bietet der Anfängerin damit eine wertvolle Orientierung.
Im letzten Abschnitt erklärt sie die Bedeutung
des Phänomens der Hysterie als Schlüssel
zu zentralen Problemen feministischer Literaturwissenschaft:
hysterische Weiblichkeit als Infragestellung der Identitätslogik.
[MCT]
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Eagleton,
Mary (Hg.): Feminist Literary Theory. A Reader
2., rev. Auf. Oxford u. New York:
Blackwell, 1995. [1986]
Dieses Buch möchte Studierenden,
die sich das erste Mal mit feministischer Literaturtheorie
beschäftigen, einen Einstieg in die selbständige
Lektüre ermöglichen. Es bietet charakteristische
Kurzausschnitte von oft nur zwei bis fünf Seiten
Länge aus den berühmtesten Werken der feministischen
Theoriebildung in Amerika bis 1986. Die Exzerpte sind
thematisch geordnet zu den Kapiteln: »Finding
a Female Tradition«, »Women and Literary
Production«, »Gender and Genre«,
»Towards Definitions of Feminist Writing«
und »Do Women Write Differently?«. Jedes
der fünf Kapitel ist mit einer kurzen, informativen
Einleitung versehen. [MCT]
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Bovenschen,
Silvia: Die imaginierte Weiblichkeit. Exemplarische Studien zu
kulturgeschichtlichen und literarischen Präsentationsformen
des Weiblichen
9. Aufl. Ffm:
Suhrkamp, 2000. (= es; 921) [1. Aufl. 1979]
Jahrhunderte sind Frauen von geschichtsprägenden
kulturellen und politischen Institutionen und Positionen
ausgeschlossen worden; dem entspricht heute die thematische
Absenz des Weiblichen in der geschichtlichen Überlieferung.
Nur in einem kulturellen Bereich haben Frauen eine
Rolle gespielt: in der Kunst und Literatur, in der
Imagination. Bovenschen systematisiert im ersten Teil
ihrer Untersuchung solche gängigen Imagines von
Weiblichkeit, um diese Bilder im zweiten Teil auf
ihre kulturhistorischen Entstehungsbedingungen und
spezifischen ästhetischen Ausprägungen hin
zu überprüfen. Besonderes Interesse gilt
der Frage, welche Auswirkungen diese Zuschreibungsmuster
für weibliche Künstler, deren Selbstinszenierung
und Ausdrucksmöglichkeiten bedeuteten, die ihrerseits
Fiktion, Imagines produzieren wollten bzw. welcher
Zusammenhang zwischen dem weitgehenden Ausschluß
von Frauen aus der kulturellen Produktion und der
männlich normierten Darstellung der Frau in Wissenschaft
und Kunst besteht. [MCT]
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Weber,
Ingeborg (Hg.): Weiblichkeit und weibliches Schreiben.
Poststrukturalismus, weibliche Ästhetik, kulturelles
Selbstverständnis
Darmstadt:
Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1994.
Der als humanistisch bezeichnete Femininismus
seit den siebziger Jahren ging davon aus, daß
die Geschlechterdifferenz nur kulturell bedingt sei,
und nahm daher im Namen der grundsätzlichen Gleichheit
der Geschlechter die in der Aufklärung definierten
Menschenrechte auch für die Frauen in Anspruch.
Der sog. gynozentrische Feminismus dagegen postuliert
eine fundamentale, wesenhafte Andersartigkeit der
Frau, die sich in ihrem Wahrnehmen, Fühlen, Denken,
moralischen Urteilen und daher auch in ihrer Schreibweise
zeigt. Ingeborg Weber analysiert im ersten, theoretischen
Teil des Buches diese vor allem von den französischen
Poststrukturalistinnen Hélène Cixous,
Luce Irigaray und Julia Kristeva vorgetragenen Thesen
über eine spezifisch weibliche Schreibweise,
die écriture féminine bzw. das parler
femme. Am Beispiel von short stories zehn verschiedener,
englischsprachiger Autorinnen aus unterschiedlichen
Kulturkreisen werden diese Thesen dann im zweiten
Teil von verschiedenen, männlichen und weiblichen
Beiträgern auf ihre Kohärenz und Anwendbarkeit
überprüft. [MCT]
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Vinken,
Barbara (Hg.): Dekonstruktiver Feminismus. Literaturwissenschaft in
Amerika
2. Aufl. Ffm: Suhrkamp, 1995.
(= es; 1678)
Am Beispiel der ›Freudfabel‹
entwickelt Vinken in ihrem einleitenden Aufsatz noch
einmal, warum geschlechtliche Identität weder
als biologisch noch historisch oder kulturell konstituiert
verstanden werden kann, sondern erst als Größe
der symbolischen Ordnung (Lacan) faßbar wird.
Daher rührt die Bedeutung der Literatur für
die Analyse von Geschlechterdifferenz: Ausgehend vom
Modell des selbst-dekonstruktiven literarischen Textes
(de Man), von Literatur als »dem Unbewußten
der Psychoanalyse«, folgt eine neue Leseweise:
Die Texte der Tradition werden nicht länger in
(falsche) Identität stiftende Diskurse umgesetzt,
sondern ›gegen den Strich gelesen‹,
als eine Ordnung von Zeichen, in die die verdrängte
Differenz eingeschrieben ist und damit lesbar wird.
Sexualität und Textualität erscheinen damit
nicht länger als essentielle Gegebenheiten, sondern
als differentielle Relationen. – In den Teilen
I und II der Aufsatzsammlung werden die beiden Schritte
der Defiguration und Refiguration erklärt und
in ihrem Zusammenhang vorgeführt. Teil III hat
die Debatte über die Repräsentation (von
Wirklichkeit im Text) zum Gegenstand und macht die
divergierenden Positionen in der Auseinandersetzung
zwischen ›französischem‹ (d.h.
poststrukturalistischem) und ›amerikanischem‹
(d.h. repräsentationsorientiertem) Feminismus
klarer. Eine große Stärke dieser Anthologie
ist neben ihrer inhaltlichen und methodischen Klarheit
die Auswahl der Beiträge: Leser und Leserin finden
hier die bekanntesten und wichtigsten Vertreterinnen
dieser Forschungsrichtung in zentralen Aufsätzen
präsentiert. [MCT]
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Gemzöe,
Lena: Feminism
Stockholm: Bilda förlag, 2002.
Leicht verständliche, knappe und
dennoch umfassende Einführung in Geschichte und Anliegen des
Feminismus, die konsequent Wissenschaft, politischen Aktivismus und die
private Sphäre verzahnt bzw. deren Trennung hinterfragt.
Gemzöe präsentiert unterschiedliche Kontexte und Ansätze
von der Ideologie der "samhällsmoderlighet" über liberalen
und radikalen Feminismus bis hin zu Postmoderne und
Konstruktivismus.Für Skandinavistikstudierende wegen des Fokus auf
die Situation in Schweden vom 19. Jahrhundert mit Fredrika Bremer und
Ellen Key bis zum heutigen »Staatsfeminismus« besonders
interessant. [LAK]
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Gender Studies
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Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter
[Gender Trouble:
Feminism and the Subversion of Identity; 1989.] Übers. v.
Kathrina Menke. Sonderausgabe zum 40jährigen Bestehen der Ed. Suhrkamp. Ffm: Suhrkamp, 2003. (früher als es; 1722)
Kaum ein anderes Buch zum Thema Geschlechterdifferenz
ist in den letzten Jahren so heftig diskutiert worden
wie dieses. Judith Butler analysiert in ihrer Abhandlung
ein Begriffspaar, das bis dahin weitgehend akzeptiert
worden ist: die Einteilung der Geschlechtsidentität
nach den Kategorien sex, d.i. das biologische Geschlecht,
der Körper, und gender, d.i. das soziale Geschlecht.
Die biologische Zweiheit der Geschlechter wurde dabei
als eine naturgegebene, nicht-hierarchische Differenz
angesehen, die durch die hierarchisch strukturierten
kulturellen Konstrukte eines femininen oder maskulinen
Geschlechtscharakters nachträglich überformt
wird (Lindhoff). Butler dagegen lehnt jede binäre
biologische Determiniertheit des Geschlechtscharakters
ab. Ihrer Meinung nach ist auch der Körper nur
kulturell als sexuell bestimmt, gendered. Die Geschlechtsidentität
hängt aber nicht zwingend mit dem ›biologischen
Geschlecht‹ zusammen, sondern ist immer ein
Akt sozialer Performanz. Für den Feminismus folgt
daraus, daß er sich nicht länger als politischer
Vertreter einer Identitätsgruppe ›Frauen‹
verstehen darf, weil er damit die aufgezwungenen Sexualkategorien
nur übernimmt und fortschreibt, sondern daß
es ihm darum gehen muß, die Geschlechterbinarität
als solche wo immer möglich zu verwirren, um
zu einer »Ent-Naturalisierung der Geschlechtsidentität
als solcher zu führen«. (S. 218) [MCT]
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Schößler,
Franziska: Einführung in die Gender Studies
Berlin: Akademie-Verlag, 2008.
Sehr übersichtliche, knappe und
dennoch sehr umfassende Einführung in die Geschlechterforschung.
Die kurzen Kapitel behandeln die Geschichte der
Geschlechterverhältnisse seit 1800, die Geschichte des Feminismus
und alle wichtigen theoretischen Ansätze und Verzweigungen von
Psychoanalyse und Dekonstruktion über Diskursanalyse, Queer,
Postkolonial und Men's Studies bis hin zur Wissenschaftskritik. Die
Kapitel schließen mit Diskussionsfragen und
Lektüreempfehlungen ab, die zusammen mit der den Band
abschließenden Übersicht über Forschungseinrichtungen,
Zeitschriften und Bibliografien das Studienbuch zu einem hervorragenden
Handwerkszeug machen. [LAK]
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Bußmann,
Hadumod, u. Renate Hof
(Hg.): Genus. Geschlechterforschung - Gender Studies in den Kultur- und Sozialwissenschaften; ein Handbuch
Stuttgart:
Kröner, 2005.
Kulturanthropologische
Studien vor allem im Rahmen der Frauenforschung seit den siebziger
Jahren haben gezeigt, auf wie vielfältige Weise
Geschlechtsrollen und ihre als männlich bzw. weiblich
gedeuteten Zuweisungen kulturell bestimmt sind. Wissenschaftliche
Objektivität darf daher von der Differenz der Geschlechter als
fundamentaler Analysekategorie nicht absehen. In zehn
Originalbeiträgen zur Methodik der gender-Forschung in den
Disziplinen Philosophie, Theologie, Sprach- und Literaturwissenschaft,
Geschichtsschreibung, Kunst- und Musikwissenschaft werden mit diesem
Band nun der aktuelle Forschungsstand dokumentiert und neue
Fragestellungen skizziert. Als wichtige Einleitung fungiert Renate Hofs
Beitrag zur Entwicklung der Gender Studies aus früheren
feministischen Fragestellungen.
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Intersektionalitäts-
forschung
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McClintock, Anne: Imperial Leather. Race, Gender and Sexuality in the Colonial Contest
New York: Routledge, 1995.
McClintocks Imperial Leather ist ein
frühes und bahnbrechendes Beispiel für
Intersektionalitätsstudien, die seither in den Kultur- und
Sozialwissenschaften an Bedeutung gewonnen haben. McClintock zeigt am
Kontext des britischen Kolonialismus und Imperialismus von seinen
Anfängen bis zur Ende der Apartheid in Südafrika, dass
Differenzierungskategorien wie »Rasse«, Klasse und
Geschlecht nicht getrennt voneinander sondern in ihren jeweiligen
Verschränkungen untersucht werden müssen, um komplexe
Machtverhältnisse beschreiben zu können. In ihrer Analyse
eines reichen Materials von frühen Landkarten über
Werbeplakate und Fotografie bis hin zu Gegenwartsliteratur lenkt
McClintock ihren Fokus besonders auf die Verschränkung von
Ökonomie und Sexualität, die in der Begegnung einer
weißen männlichen von Fortschrittsglauben geprägten
europäischen Kultur mit dem als weiblich und animalisch
imaginierten Afrika zum Tragen kommt. Damit widmet sich McClintock der
im Feminismus in Politik und Wissenschaft nach wie vor brisanten Frage
nach dem Verhältnis von Produktion und Reproduktion. [LAK]
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De los Reyes, Paulina, u. Diana Mulinari: Intersektionalitet
Malmö: Liber, 2005.
De los Reyes und Mulinari sind die
wichtigsten Vertreterinnen der Intersektionalitätsforschung in
Schweden und damit einer der wichtigsten Weiterentwicklungen der
Geschlechterforschung der letzten Jahre, die Geschlechter- und
Postkoloniale Studien zusammenführt. Die
Intersektionalitätsforschung speist sich aus einer Kritik an einer
weißen bürgerlichen und oft heterosexuellen Hegemonie im
europäischen Feminismus, die dadurch aufgebrochen werden soll,
dass unterschiedliche Differenzierungskategorien wie Geschlecht,
Klasse, Sexualität und »Rasse« in ihren
Verschränkungen untersucht und dargestellt werden. De los Reyes
und Mulinari gehen über diese Kategorien hinaus und untersuchen
weitere Intersektionen oder Überlappungen, in denen komplexe
Machtstrukturen sichtbar werden, beispielsweise zwischen individuellen
und institutionellen Praktiken oder zwischen Wissenschaft und Politik.
Der Text, wie auch das von de los Reyes herausgegebene »Maktens
(o)lika förklädnader. Kön, klass & etnicitet i det
postkoloniala Sverige« (Stockholm: Atlas, 2002), ist für
Skandinavistikstudierende besonders interessant, weil erstens Schweden
im »postkolonialen Raum« (S. 100-119) verortet und zweitens
die Übertragung internationaler theoretischer Ansätze auf
Skandinavien exemplarisch vorgeführt wird. [LAK]
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Queer Studies
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Krass, Andreas (Hg.): Queer denken. Gegen die Ordnung der Sexualität
2. Aufl. Ffm: Suhrkamp, 2005. (= es; 2248)
Eine Sammlung von zumeist geschichts-
und literaturwissenschaftlichen Basistexten der angloamerikanischen
Queer Studies. In seiner Einführung (S. 7-28) gibt der Herausgeber
Andreas Kraß eine Übersicht über die historische
Erfindung von Homosexualität, die Genealogie sowie den Charakter
von Queer Studies, die er nicht als akademische Disziplin, sondern als
ein transdisziplinäres kulturwissenschaftliches Projekt mit
explizit identitätspolitischer Bedeutung versteht. [SMS]
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Sedgwick, Eve Kosofsky: Between Men. English Literature and Male Homosocial Desire
New York: Columbia University Press, 1985.
Kosofsky Sedgwicks Between Men kann
als einer der Gründungstexte der Queer und Men's Studies in der
Literaturwissenschaft bezeichnet werden. Vor allen Dingen hat sich
Sedgwicks Verwendung des Begriffs Homosozialität als
außerordentlich fruchtbar für Männlichkeitsstudien und
Queertheorie in unterschiedlichen Disziplinen erwiesen. Ausgehend von
einer Analyse von Dreiecksbeziehungen zwischen einer Frau und zwei
Männern in der englischen viktorianischen Literatur entwickelt
Sedgwick die These, dass diese Beziehungen nicht nur vom Begehren der
Rivalen zur Frau strukturiert sind, sondern maßgeblich durch ein
soziales Begehren zwischen den Männern. Dieses homosoziale
Begehren regelt, über die Frau als Tauschobjekt, den sozialen
Status der Männer. Sedgwicks These war und ist deshalb Aufsehen
erregend, weil sie postuliert, die Grenze zwischen Homosozialität
und Homosexualität sei potenziell fließend und genau deshalb
Homophobie in homosozialen Kontexten wie im Sport oder in
Schüler-Lehrer-Verhältnissen besonders verbreitet. In
Epistomology of the Closet (Berkeley: University of California Press,
1990) entwickelt Sedgwick ihre Thesen weiter und verfolgt sie an
Beispielen aus der europäischen Literatur der Jahrhundertwende
1900. [LAK]
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Halberstam, Judith: Female Masculinity
Durham/London: Duke University Press, 1998.
Halberstams Female Masculinity ist
ein wichtiger Text der Gender und Queer Studies, weil sie zeigt, dass
Weiblichkeit und Männlichkeit nicht notwendigerweise an einen
weiblichen bzw. männlichen Körper geknüpft sein
müssen. In ihren Lesarten von literarischen Texten des 19.
Jahrhunderts, Filmen und Performances löst Halberstam nicht nur
biologisches Geschlecht und Identität voneinander ab, sondern
stellt die Frage nach dem Inszenierungscharakter von beidem. Halberstam
führt damit Judith Butlers These weiter, dass drag, das
»Verkleiden« in das jeweils andere Geschlecht, nicht eine
Maskerade ist, hinter der sich eine authentische und fixierte, an das
biologische Geschlecht gekoppelte Identität verstecke, sondern
eine feministische politische Praxis, die die Frage nach Identität
jenseits von körperlichen Merkmalen und geschlechtsspezifischer
Kleidung neu stellt. [LAK]
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Heede, Dag: »Mærkværdiggørelsen af dansk litteratur: For en ny fordeling af litteraturhistorisk dumhed og blindhed«
In: Kvinder, køn & forskning 12:1 (2003), S. 35-45.
In seinem Beitrag zu einem
Queer-Themenheft plädiert der wahrscheinlich wichtigste
Queer-Forscher Skandinaviens für ein überfälliges
›Queeren‹ des dänischen Literaturkanons. Die Konturen eines solchen ›Queerens‹
werden in Hinblick auf H.C. Andersens, Herman Bangs, Johannes V.
Jensens, Karen Blixens Klaus Rifbjergs und Kirsten Thorups Werk in
aller Kürze skizziert. [SMS]
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Ambjörnsen, Fanny: Vad är queer?
Stockholm: Natur och Kultur, 2006.
Eine populär gehaltene und leicht verständliche Einführung in ›queeres‹
Denken (Geschichte, Grundzüge der queer theory, zentrale Begriffe
und queerer Aktivismus), die für Studierende der Skandinavistik
besonders wegen der schwedischen Bezüge von Interesse ist. Mit
Literaturverzeichnis und Register. [SMS]
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Für eine Themennummer mit Queer-Lektüren skandinavischer Texte s. die Fachzeitschrift Scandinavica 40:1 vom Mai 2001.
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Men's Studies
Männlichkeitsstudien
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Martschukat, Jürgen, u. Stefan Neuhaus: »Es ist ein Junge!« Einführung in die Geschichte der Männlichkeiten in der Neuzeit
Tübingen: Edition Disckord, 2005.
Ein von zwei
Geschichtswissenschaftlern geschriebener Einführungsband in die
Geschichte von Männlichkeiten, in dem u.a. in
leichtverständlicher Form zentrale Begriffsbildungen
erläutert werden. Auch wenn Men's Studies in der
Literaturwissenschaft nicht thematisiert werden, empfiehlt sich dieser
Band zum Einstieg in das Forschungsfeld. Eine Bibliographie mit knapp
1.000 Titel hilft bei der weiteren Suche nach Literatur zum Thema.
[SMS]
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Connell, Robert W.: Der gemachte Mann - Konstruktion und Krise von Männlichkeiten
[Masculinities; 1995.] Übers. v. Christiane Stahl. Opladen: Leske und Budruch, 1999. (= Geschlecht und Gesellschaft; 8)
Dieses sozialwissenschaftliche Werk
ist Grundlage vieler nachfolgender Studien über
Männlichkeiten. Connell entwirft hierbei ein Hegemoniekonzept (Hegemonie,
Komplizenschaft, Unterordnung), das Gramscis Definition um den fehlenden
Geschlechterdiskurs erweitert und damit im Gegensatz zur
Geschlechtsrollentheorie Machtbeziehungen von Geschlechtern zu fassen vermag.
Zu beachten ist, daß Connell hier von patriarchalen Machtbeziehungen ausgeht. [KaS]
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Ekenstam, Claes, u. Jørgen Lorentzen (Hg.): Män i Norden: Manlighet och modernitet 1840-1940
Möklinta: Gidlunds Förlag, 2006.
Ein Sammelband, der sich mit der
Konstruktion von Männlichkeiten im Norden insbesondere des
ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts beschäftigt. Neue
Definitionen von Männlichkeit werden im Zusammenhang mit den
grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen in der Moderne
betrachtet. In ihrer Einleitung grenzen sich die Herausgeber zudem von
Connells Hegemoniekonzept ab und präsentieren ein neues Modell,
das sich auf die Dynamik zwischen Männlichkeit und Unmännlichkeit stützt. [KaS]
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Schnurbein, Stefanie von: Krisen der Männlichkeit. Schreiben und Geschlechterdiskurs in skandinavischen Romanen seit 1890
Göttingen: Wallstein, 2001. (= Europäische Literaturen und internationale Prozesse; 4)
In einem einleitenden Kapitel wird
die Entwicklung der skandinavischen Männerforschung dargelegt.
Dabei thematisiert die Autorin insbesondere den Begriff der
›Krise‹, der in den darauffolgenden Kapiteln anhand von
skandinavischen Romanbeispielen wie z.B. Pan, Fodboldenglen, En flyktning krysser sitt spor oder Le Plaidoyer d‘un Fou problematisiert wird. [KaS]
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Folkesson, Per, Marie Nordberg u. Goldina Smirthwaite (Hg.): Hegemoni och mansforskning. Rapport från nordiska workshoppen i Karlstad 19-21 mars 1999
Karlstad: Universitetet, 2000.
Ein Tagungsband, der sich vor allem
mit dem Hegemoniebegriff innerhalb der Männlichkeitsstudien
beschäftigt. So gibt unter anderem Marie Nordberg einen
hilfreichen Überblick über die unterschiedliche Anwendung des
Begriffes. Zusätzlich bietet Per Folkessons En kartläggning av nordisk manskforskning eine gute Einführung in die grundsätzlichen Debatten der nordischen Männerforschung. [KaS]
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Hermeneutik/
Rezeptions-
geschichte/
Rezeptions-
ästhetik
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Die Teilung der Natur-
und Geisteswissenschaften in ›zwei Kulturen‹
(C.P. Snow) wurde wesentlich im 19. Jahrhundert begründet.
Nicht zuletzt Wilhelm Dilthey hatte daran Anteil, wenn er meinte,
daß sich die Naturwissenschaft auf das
›Erklären‹ von Gegenständen
richte, die Geisteswissenschaft hingegen auf ihr
›Verstehen‹. In dieser Tradition steht auch
Hans-Georg Gadamer, dessen Abhandlung Wahrheit und Methode (1960), dem
Werk Martin Heideggers stark verpflichtet,
›Grundzüge einer philosophischen
Hermeneutik‹ ausarbeitete und zum einflußreichen
Vordenker einer modernen literarischen Hermeneutik wurde. [TFS]
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Hermeneutik
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Jung, Matthias:
Hermeneutik zur Einführung
3., unveränd. Aufl. Hamburg: Junius, 2007. (= Zur Einführung; 234) [1. Aufl. 2001]
Eine philosophiegeschichtlich
orientierte Einführung in die Geschichte der Hermeneutik, die
verständlich und in knapper Form deren Entwicklung von der Antike
über die Reformationszeit, die Romantik, den Historismus, Dilthey
und Heidegger bis zu Gadamer skizziert. Rezeptionsgeschichte und
-ästhetik, die auf die allgemeine Hermeneutik und nicht zuletzt
Gadamer zurückgreifen, werden leider jedoch im Kontext dieser
Darstellung nicht diskutiert. Doch auch so ist das kleine Buch mit
Gewinn zu lesen, wenn man sich mit dem jahrtausendealten und für
die Literaturwissenschaft konstitutiven Problem des Verstehens fremder
Texte aus vergangenen Zeiten beschäftigen will. [SMS]
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Rezeptionsgeschichte
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Jauss, Hans-Robert:
»Literaturgeschichte als Provokation der
Literaturwissenschaft«
In: Ders.:
Literaturgeschichte als Provokation. Ffm: Suhrkamp, 1970 (= es; 418),
S. 144–207; sowie in: Warning, S.
126–62.
Dieser Aufsatz verhandelt in grundsätzlicher
Weise Probleme der Literaturgeschichtsschreibung und
der Epochenbildung. Jauss entwickelt darin den z.T.
von Gadamer übernommenen, mittlerweile fest etablierten
Begriff des ›Erwartungshorizontes‹,
der das historisch differierende (Vor-)Verständnis
von Texten mit den unterschiedlichen Bedingungen (›Horizont‹)
und Auffassungen (›Erwartungen‹) der
jeweiligen Zeit kurzschließt. So beeinflussen
historische Eregnisse (z.B. die französische
Revolution), aber auch jüngere Texte (Moderne)
beispielsweise auch unseren Blick auf ältere
Literatur (z.B. Aufklärung oder Romantik) und
sorgen dadurch für einen ›Horizontwandel‹.
[TFS]
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Rezeptionsästhetik
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Warning, Rainer (Hg.):
Rezeptionsästhetik. Theorie und Praxis
4., unveränd.
Aufl. München: Fink, 1994. (= utb; 303) [1. Aufl. 1975]
Sammlung mit Texten v.a. der sogenannten
›Konstanzer Schule‹ (Iser, Jauss, Stierle),
aber auch ihrer Vorläufer und Vorbilder (Gadamer,
Ingarden). Diese hermeneutisch orientierte Literaturwissenschaft
stellt Prozesse der Verstehens und – in unmittelbarer
Folge – den Leser in den Mittelpunkt des Interesses.
Als Rezipient literarischer Texte (gegenüber
dem Autoren/Produzenten) füllt er ›Leerstellen‹
(Iser) aus; an ihm – als Menge der Leser –
bemißt sich die ›Wirkungsgeschichte‹
(Gadamer) literarischer Werke. Nach einer Einleitung
des Herausgebers über Rezeptionsästhetik
als literaturwissenschaftliche Pragmatik folgen, in
einzelnen Aufsätzen, verschiedene Standpunkte
und Perspektiven sowie Repliken auf Kritik. Vier Applikationen
zu Goethe/Racine, Henry Fielding und Diderot beschließen
den Band. [TFS]
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Iser, Wolfgang: »Die
Appellstruktur literarischer Texte«
In: Warning,
S. 228–52.
Dieser ursprünglich als Vortrag
gehaltene Aufsatz komprimiert in leicht zugänglicher
Weise wichtige Gedanken der Rezeptionsästhetik,
darunter die Annahme, daß Texte keine verborgene,
vom Leser lediglich zu entschlüsselnde Intention
›enthalten‹, sondern im Gegenteil von
einer grundsätzlichen ›Unbestimmtheit‹
geprägt sind. Diese Unbestimmtheit (als eine
Form von Spielräumen) erfordert die aktive Mitarbeit
des Lesers im Verstehensprozeß, indem dieser
bereits durch die Lektüre sogenannte ›Leerstellen‹
interpretierend ausfüllt. [TFS]
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Intermedialität
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Intermedialitätsforschung
beschäftigt sich mit den Beziehungen von Medien untereinander. Der
Begriff wurde zwar erst in den neunziger Jahren gebräuchlich, doch
hat sich die Intermedialitätsforschung aus zwei älteren
Forschungskonzepten entwickelt: (1) aus den sog. Interart-Studien (im
Englischen auch: Comparative Arts), die sich der "wechselseitigen
Erhellung der Künste" (Oskar Walzel, 1917) widmen, und (2) der
(post-)strukturalistischen Intertexualitätsforschung, deren Fokus
auf die Beziehungen zwischen Texten dann in der
Intermedialitätsforschung auf Beziehungen zwischen Medien
erweitert worden ist. Die Intermedialitätsforschung ist ein
äußerst produktives Forschungsfeld, doch ist immer zu
beachten, was jeweils für ein Medienbegriff zugrundegelegt wird.
[SMS]
Das Heft 2008:1 der schwedischen Tidskrift för litteraturvetenskap [TFL] ist ein Themenheft zur Intermedialität.
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Rajewsky,
Irina O.: Intermedialität
Tübingen u. Basel: A. Francke, 2002. (= utb; 2261)
Rajewsky bietet eine
äußerst gründliche und systematische Diskussion ihres
Gegenstandes, wobei sie es immer wieder versteht, den Rückbezug zu
früheren Forschungsdiskussionen (z.B. über das Problem des
sog. 'filmischen' Schreibens) herzustellen. Ihre Sprache und
Begriffsbildung ist indes von hoher und nicht immer leserfreundlicher
Abstraktheit; ein Nachschlagen im Glossar am Ende des Buches ist
häufig unumgänglich. Das Interesse der Autorin richtet sich
auf eine Systematisierung und Typologisierung der möglichen
intermedialen Bezüge; die Frage nach ihren (historischen)
Funktionen tritt dagegen in den Hintergrund. Mit Sach- sowie Personen-
und Titelregister. [SMS]
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Hockenjos, Vreni, u. Stephan Michael Schröder:
»Einleitung: Historisierung und Funktionalisierung: Zur
Intermedialität, auch in den skandinavischen Literaturen um
1900«
In: Stephan Michael Schröder
u. Vreni Hockenjos (Hg.): Historisierung und Funktionalisierung.
Intermedialität in den skandinavischen Literaturen um 1900.
Berlin: Nordeuropa-Institut, 2005, S. 7-35. (= Berliner Beiträge
zur Skandinavistik; 8)
In übersichtlicher Form werden
in diesem Aufsatz wichtige Entwicklungslinien und Forschungsprobleme
der Intermedialitätsforschung skizziert, wobei nicht zuletzt der
jeder Intermedialitätsforschung notwendig zugrundeliegende
Medienbegriff problematisiert wird. [SMS]
Der Aufsatz ist auch als PDF-Datei im WWW erhältlich.
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Heitmann,
Annegret: Intermedialität im Durchbruch. Bildkunstreferenzen in der skandinavischen Literatur der frühen Moderne
Freiburg i.Br.: Rombach, 2003. (= Rombach Nordica; 6)
An Textbeispielen von H.C. Andersen,
J.P. Jacobsen, Herman Bang, August Strindberg, Henrik Ibsen,
Sigbjørn Obstfelder, Illa Christensen, Victoria Benedictsson
u.a. demonstriert Annegret Heitmann zum einen, was eine intermediale
Perspektive in der Literaturwissenschaft zu leisten vermag, und
arbeitet zum anderen heraus, wie mit Hilfe intermedialer Verweise eine
moderne poetologisch zu lesende Selbstreflexivität literarisch
gestaltet wird. [SMS]
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Kritische
Theorie
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Gmünder,
Ulrich: Kritische Theorie. Horkheimer, Adorno, Marcuse, Habermas
Stuttgart: Metzler,
1985. (= SM; 220)
Nicht die einzige Einführung in die Labyrinthe
der Frankfurter Schule, jedoch nach wie vor die am
spezifischsten auf die Literaturwissenschaft ausgerichtete.
Im Mittelpunkt stehen vor allem Horkheimers Programm
des Instituts für Sozialforschung sowie Horkheimer/Adornos
folgen- und einflußreiche Untersuchung zur Kulturindustrie:
Dialektik der Aufklärung (1947). Den Abschluß
bildet das Nachwirken der Kritischen Theorie im Werk
von Jürgen Habermas. Wer insbesondere an Adornos
ästhetischer Theorie interessiert ist, greift
allerdings besser zu einer speziellen Einführung
in dessen Werk. [TFS]
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Bürger,
Peter: »Vorüberlegungen zu einer kritischen
Literaturwissenschaft«
In: Ders.: Theorie der
Avantgarde. 2., um ein Nachwort erw. Aufl. Ffm: Suhrkamp, 1974 (= es;
727), S. 8–19.
In seinen ursprünglich auf der Tagung des
deutschen Romanistenverbandes 1973 vorgetragenen Thesen
und Überlegungen bestimmt Bürger die Aufgabe
kritischer Literaturwissenschaft darin, daß
sie zum einen ihr spezifisches ›Erkenntnisinteresse‹
(Jürgen Habermas), kurzum: ihren Standpunkt bestimmen
müsse. Eine große Rolle spielt dabei die
von Bürger so benannte ›Werkintention‹
im Unterschied etwa zu einer ›Autorintention‹.
Zum anderen sei es die Aufgabe kritischer Literaturwissenschaft,
daß sie die Kategorien traditioneller Wissenschaft
daraufhin befragt, »welche Fragen mit ihnen
gestellt werden können und welche von vorneherein
ausgeschlossen sind«. In kritischer Literaturwissenschaft
gehe »Hermeneutik [...] in Ideologiekritik über«.
Ihr Programm beschreibt Bürger ebenso komprimiert
wie klar verständlich auf wenigen Seiten. [TFS]
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Adorno,
Theodor W.: Noten zur Literatur
Ffm: Suhrkamp
Taschenbuch, 1981. (= stw; 355)
Gewissermaßen Adornos praktische Anwendung
der Ästhetischen Theorie. Der 700 Seiten starke
Band enthält einige grundlegende Stellungnahmen
und Texte wie z.B. die »Rede über Lyrik
und Gesellschaft« oder den auf Beckett gemünzten
»Versuch, das Endspiel zu verstehen«,
in denen Adorno den gesellschaftlichen, d.h. politischen
Widerstand von Texten – im weiteren Sinne: von
Kunst – gerade durch ihre strikte Gesellschaftsferne
(Autonomie) begründet. [TFS]
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Löwenthal,
Leo: Das bürgerliche Bewußtsein in der Literatur.
Schriften 2.
Ffm: Suhrkamp
Taschenbuch, 1990. (= stw; 902)
Für Skandnavisten unumgänglich, weil der
Band, neben einem Kapitel zu Ibsen und einem Exkurs
zu Strindberg, auch den berühmten, zuerst in
der Zeitschrift für Sozialforschung erschienenen
Hamsun-Aufsatz aus dem Jahre 1936 enthält. Ideologiekritik
in ihrer Anwendung: das reaktionäre Moment wird
nicht anhand der Biographie, sondern auf der Grundlage
der Texte herauspräpariert. Alles spätere
ideologiekritische Durchgreifen gegen Hamsun fußt
auf Löwenthal. [TFS]
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Marxismus
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Raddatz,
Fritz J. (Hg.): Marxismus und Literatur. Eine Dokumentation in drei
Bänden
Reinbek bei Hamburg:
Rowohlt Taschenbuch, 1969. (= Rowohlt Paperback; 80, 81, 82)
Umfangreiche Textsammlung von Marx bis Trotzki,
Stalin bis Garaudy, von Bloch bis Sartre, von Gramsci
bis Hans Mayer. Listet sowohl Pamphlete wie auch Programmschriften
auf, theoretische Konzepte ebenso wie kritische Revisionen,
bietet daneben auch Auszüge aus Analysen (z.B.
aus Sartres voluminöser Flaubert-Studie). Eine
fünfzigseitige Einführung des Herausgebers
erläutert die Wandlungen des marxistischen Literaturbegriffs.
[TFS]
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Scholz,
Rüdiger, u. Klaus Michael Bogdal
(Hg.): Literaturtheorie und Geschichte. Zur Diskussion
materialistischer Literaturwissenschaft
Opladen:
Westdeutscher, 1996.
»Die Gegenwart des Marxismus« heißt
– gewiß nicht zufällig, sondern programmatisch
– der erste, von Fredric Jameson stammende Text
dieser Sammlung, die als ganze von der Frage beherrscht
ist: Was bleibt? Anders gesagt: Was ist verwertbar,
was kann (und muß) revidiert werden im Hinblick
auf eine von den Herausgebern formulierte »Weiterentwicklung
der Geschichtswissenschaft und der Literaturwissenschaft«?
Marxistische Gesellschaftstheorie sowie deren Leitbegriffe
wie Ideologie, Basis-Überbau werden diskutiert,
und zwar nicht zuletzt aus feministischer Perspektive;
Wahrheitspositionen der Wissenschaft in ihren marxistischen
und postmodernen Strategien (und Aporien) erörtert.
Im literaturorientierten Teil wird beispielsweise
die Frage nach Parteilichkeit (Lukács) oder
proletarischen Literaturtraditionen gestellt, oder
sogar und leicht ironisch nach den »Aufgaben
einer rot-grünen Literaturwissenschaft«.
[TFS]
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Lukács,
Georg: »Einführung in die ästhetischen
Schriften von Marx und Engels«
In: Kimmich u.a., S. 79–94.
Bereits in seiner frühen, noch stark dem
deutschen Idealismus und insbesondere Hegel verpflichteten
Theorie des Romans (1916) spricht Lukács davon,
daß der Roman nur als ›Totalität‹
verstanden werden könne. Mit seiner Hinwendung
zum Marxismus übernimmt er von Marx insbesondere
dessen Vorstellung vom ›Fetischcharakter‹
der Waren, die Lukács in Geschichte und Klassenbewußtsein
zu einer Theorie der ›Verdinglichung‹
ausweitet. Diese beiden Vorstellungen bilden zugleich
die Grundlage seines Realismuskonzeptes der Literatur,
das sich gegen jegliche ›Tendenz‹ wandte,
jedoch ›Parteilichkeit‹ einforderte,
wobei Lukács in letzterer keinen Hinderungsgrund
für eine ihm notwendig erscheinende Objektitvität
sah. – Der Aufsatz enthält eine implitzite
Theorie des Realismus (mit Hinweis auf das große
Vorbild Balzac). [TFS]
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Jameson,
Fredric: Das politische Unbewußte. Literatur als Symbol
sozialen Handelns
Reinbek bei Hamburg:
Rowohlt Taschenbuch, 1988. (= re; 461)
Jameson strebt eine Erneuerung gesellschaftskritischer
Literaturwissenschaft in der Nachfolge von kritischer
Theorie und Marxismus an, die er mit dem Strukturalismus
und der Dekonstruktion zu verbinden sucht, indem er
sich mit deren Kritik an Begriffen wie Totalität,
Teleologie, Basis/Überbau, ›große
Erzählung‹ etc. auseinandersetzt. Im Gegensatz
zu anderen postmodernen Positionen bleibt für
Jameson Geschichte (und mit ihr: Sinn) in literarische
Texte eingeschrieben – und sei es als ihr ›Unbewußtes‹.
Mit diesem Rückgriff auf den französischen
Psychoanalytiker Lacan (»Das Unbewußte
ist strukturiert wie eine Sprache«) nimmt er
sich in seinen Analysen vor allem der Literatur des
19. Jh. an (Balzac u.a.). [TFS]
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Medientheorie
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Spangenberg,
Peter M.: »Mediengeschichte –
Medientheorie«
In: Fohrmann;
Müller, S. 31–77.
Knappe, aber solide Übersicht über
die historische Entwicklung der (Speicher-)Medien,
angefangen bei Problemen von Oralität/Literalität
über den Buchdruck bis hin zu Photographie, Rundfunk,
Kinematographie und Fernsehen sowie einem abschließenden
Durchgang durch Medientheorien. Sehr gute Auswahlbiographie.
[TFS]
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Gumbrecht,
Hans Ulrich (Hg.): Materialität der Kommunikation
Ffm: Suhrkamp
Taschenbuch, 1988. (= stw; 750)
Nicht zufällig wendet sich Literaturwissenschaft
als Medientheorie (und umgekehrt) dem Problem der
Materialität ihrer Gegenstände zu. Der umfangreiche
Sammelband beschäftigt sich mit historischen
Problemen von Mündlichkeit/Schriftlichkeit bis
zur (vermeintlich) drohenden Ablösung des Buches
durch den Computer ebenso wie mit systematischen Problemen,
etwa der Frage nach dem Unterschied von Körper
und Maschine als Träger kommunikativer Praxis
oder nach der Originalität im Zeitalter der Fotokopie.
Körper und Schrift (und natürlich Medien)
sind die Leitbegriffe in diesem ansonsten sehr vielschichtigen,
weit über fünzig Aufsätze enthaltenden
Sammelband, der weniger Theorie(n) bilden als vielmehr
neue »Semantiken von Materialität«
entwickeln will, »weil wir Kommunikation nicht
mehr in Bildern semantischer Übertragungen, Transporte,
›Mitteilungen‹ denken können«,
denn diese seien beobachterabhängig und bereits
Interpretationen. Damit ist auch die gesamte Richtung
vorgegeben: Radikaler Konstruktivismus und Systemtheorie
beschließen den Band mit programmatischen Texten
von u.a. Jean-François Lyotard, Humberto Maturana,
Paul Watzlawick und Niklas Luhmann. [TFS]
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McLuhan,
Marshall: Die magischen Kanäle. Understanding Media
[Understanding Media.
The Extensions of Man; 1964.] Übers. v. Meinrad Amann.
Düsseldorf u. Wien: Econ, 1968. [Aktuelle Ausgabe: Dresden u.
Basel: Verlag der Kunst, 1994. (= Fundus; 127)]
Eigentlich Literaturwissenschaftler (wie übrigens
zahlreiche der neueren Medientheoretiker, nicht zuletzt
in Deutschland), wurde der Kanadier McLuhan mit dieser
teils euphorischen, teils skeptischen Untersuchung
bekannt vor allem mit dem – meist mißverstandenen
– Satz, daß das Medium die Botschaft sei.
Er meint nichts anderes, als daß jedes neue
Medium auch neue Inhalte hervorbringt bzw. ermöglicht
(z.B. die Telegraphie die tagesaktuelle Meldung).
Wichtig ist sein Buch nicht nur als Initialzündung
einer Medientheorie, in der die Literatur nur noch
eine Sparte neben anderen belegt, sondern auch wegen
seiner Feststellung, daß neue Medien immer auch
eine Ausweitung unseres Bewußtseins (als teilweise
Auslagerung unserer Wahrnehmung) mit sich bringen.
[TFS]
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Bolz,
Norbert: Theorie der neuen Medien
München:
Raben, 1990.
Bolz, von Hause aus Literaturwissenschaftler,
sieht im Übergang von der »Buchkultur zur
Telematik« die (einzige?) Zukunft und daher
in der Verwandlung von Literatur- in Medienwissenschaft
eine Notwendigkeit. Mit drei Kapiteln zu Nietzsche/Wagner,
Benjamin und McLuhan macht er an Personen und ihrem
Werk die »Urszenen der neuen Mediengeschichte«
dingfest. Das ist durchaus interessant, in der Mischung
aus Euphorie und mal flott überdrehtem, mal geschraubtem
Stil allerdings auch mit einiger Vorsicht zu genießen.
[TFS]
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Kittler,
Friedrich A.: »Draculas Vermächtnis«
In: Ders.: Draculas
Vermächtnis. Technische Schriften. Leipzig: Reclam, 1993 (=
RUB; 1476), S. 11–57.
Eine ebenso bestechende wie unterhaltsame Analyse
von Bram Stokers Roman Dracula als Vorbote neuer medialer
Entwicklungen und Speichersysteme, wie sie Kittler
in seinen beiden Büchern Aufschreibsysteme historisch
– auf die deutsche Literatur von Goethe bis
Nietzsche bezogen – und Grammophon, Film, Typewriter
systematisch unternahm. [TFS]
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New
Historicism
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Diese
mit Beginn der achtziger Jahre vor allem in den USA,
genauer gesagt in Kalifornien entstehende ›Schule‹,
deren Repräsentanten sich vor allem um die von
Stephen Greenblatt herausgegebene Zeitschrift Representations
scharten, hat sich gewissermaßen einen erweiterten
Literaturbegriff, eine Art Sozialgeschichte der Literatur
zum Ziel gesetzt (und ist damit auch und gerade für
die Kulturwissenschaften von Interesse), die ihre
Wurzeln auch in der französischen Mentalitätengeschichte
(L. Febvre, M. Bloch, F. Braudel) und in Foucaults
›Mikrogeschichte‹ hat. Es ist in Europa
heftig umstritten, inwiefern sie – anders als
in der von der ›reinen Immanenz‹ des
›new criticism‹ geprägten amerikanischen
Literaturforschung – tatsächlich etwas
Neues darstellt. [TFS]
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Baßler,
Moritz (Hg.): New Historicism. Literaturgeschichte als Poetik der Kultur
2., aktual. Aufl. Tübingen: Francke, 2001. (= UTB; 2265: LIteraturwissenschaft)
Der Band versammelt neben programmatischen Beiträgen
von Stephen Greenblatt und Louis Montrose zu einer
›Poetik der Kultur‹ auch kritische Anmerkungen
zum Phänomen des ›new historicism‹.
Eine Einleitung beschreibt Entstehung, Entwicklung
und Einflüsse, während sich Anton Kaes unter
dem Vorzeichen der Postmoderne mit der Relevanz des
›new historicism‹ gerade auch für
die Germanistik bzw. die europäische Literaturwissenschaft
beschäftigt. Mit Auswahlbiographie. [TFS]
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Ryan,
Kiernan: New Historicism and Cultural Materialism. A Reader
London u. New York:
Arnold, 1996.
Ryans Reader verknüpft den ›new
historicism‹ mit dem stärker politisch
(neomarxistisch) orientierten, aus England kommenden
›cultural materialism‹. In drei Kapiteln
nach ›Quellen‹, ›Standpunkten‹
und ›Auslotungen‹ sortiert erweitert
er das Fundament durch Namen wie Raymond Williams,
Clifford Geertz, Louis Althusser, Jacques Derrida
oder Alan Sinfield. Empfehlenswert vor allem auch
wegen der ebenso umfangreichen wie vorzüglichen,
auf Vollständigkeit bedachten Bibliographie,
die bereits Allerneuestes aus demselben Erscheinungsjahr
berücksichtigt und zum Beispiel auch Serien und
Periodika auflistet. [TFS]
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Veeser,
Hiram A. (Hg.): The New Historicism
London: Routledge,
1989.
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———
(Hg.): The New Historicism Reader
London: Routledge,
1994.
Zusammen bieten die beiden Bände einen
sehr guten Überblick über Ausgangspunkte,
Entwicklungen und Ziele des ›new historicism‹.
Während der erste Band den programmatischen Anfängen
sowie den kritischen Stellungnahmen mehr Raum gewährt,
entfaltet der zweite ein breiteres Spektrum von Fallstudien
und Einzelanalysen insbesondere zu den Lieblingsthemen
und -epochen des ›new historicism‹:
der (englischen) Renaissance und dem 19. Jh. Darüber
hinaus trägt der zweite Band neueren, den ›new
historicism‹ theoretisch und praktisch erweiternden
Debatten Rechnung (Stichworte: Postcolonialism, Gender
Studies). [TFS]
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Glauser,
Jürg, u. Annegret Heitmann (Hg.): Verhandlungen mit dem New Historicism. Das Text-Kontext-Problem in der Literaturwissenschaft
Würzburg: Königshausen und Neumann, 1999.
Die Beiträge des Bandes sind, so
die Herausgeber, vier Verhandlungsfeldern zuzuordnen: »eine
Verknüpfung des New Historicism mit ihm vorausgehenden
kulturwissenschaftlichen Ansätzen, eine Verfeinerung und kritische
Weiterentwicklung bestimmter Ideen und Theoreme, eine
wissenschaftsgeschichtliche und -politische Positionierung und
schließlich eine kreative Umsetzung in innovativen
Textlektüren« (S. 18) Interessant ist der Band für
Skandinavisten nicht zuletzt, weil sich zahlreiche Beiträge auf
skandinavische Literatur beziehen. [SMS]
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Greenblatt,
Stephen: Verhandlungen mit Shakespeare. Innenansichten der englischen
Renaissance
[Shakespearian
Negotiations. The Circulation of Social Energy in Renaissance England;
1988.] Übers. v. Robin Cacket. Berlin: Wagenbach, 1990.
[Taschenbuchausgabe: Ffm: Fischer Taschenbuch, 1993. (= Fischer
Taschenbuch; 11001)]
»Mit den Toten« wollte Greenblatt
sprechen. Längst ist dieser im ersten Satz des
Buches formulierte Wunsch zur programmatischen Wendung
des ›new historicism‹ geworden. Im Mittelpunkt
seines Interesses steht, was Greenblatt die »Zirkulation
sozialer Energie« nennt, also schlicht das Wechselverhältnis
von Literatur und Politik, von Kunst und Wirklichkeit
einer Zeit und wie sie sich (gegenseitig!) beeinflussen,
oder besser und mit Greenblatt gesagt: wie ein ständiger
(Aus-)Tauschprozeß zwischen den verschiedenen
Bereichen stattfindet. In vier Kapiteln untersucht
er am Beispiel des elisabethanischen Theaters Themen
wie die Legitimierung und Inszenierung von Macht,
die Funktionalisierung von Religion oder die Selbstdarstellung
der Geschlechter. [TFS]
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Performative turn
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Unter dem Performative turn versteht
man im weitesten Sinne eine veränderte Weise, mit Texten
umzugehen: Diese werden primär nicht (nur) in ihrem
Zeichencharakter betrachtet, sondern statt dessen werden ihre
Ausführungs- und Aufführungsdimensionen fokussiert. Dadurch
wird Literatur als kulturelle Praxis reflektiert, d.h. z.B. als
aufgeführte oder vorgelesene, was zugleich die Körperlichkeit
des Aufführenden und die Materialität des Aufzuführenden
ins Blickfeld rückt. Der Begriff des ›Performativen‹
geht vor allem auf zwei Traditionen zurück: zum einen auf die performance,
also die (z.B. Theater-)Aufführung, zum anderen auf den Begriff
der ›performativen Äußerung‹, die der Linguist
J.L. Austin in seiner Sprechakttheorie 1961 von konstativen
Äußerungen unterschieden haben wollte: Während letztere
nur konstatieren, werden mit ersteren Handlungen vollzogen (z.B. durch
die Taufformel des Pfarrers »Hiermit taufe ich Dich auf den Namen
...«). [SMS]
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Wirth,
Uwe (Hg.): Performanz. Zwischen Sprachphilosophie und Kulturwissenschaften
Ffm: Suhrkamp, 2002. (= stw; 1575)
Ein leider wenig für
Anfänger geeigneter Band, der aber den Vorzug hat, für die
Entwicklung der Performativitätsstudien zentrale
›historische Texte‹ von Autoren wie Austin, Searle,
Barthes, Foucault, Derrida etc. mit neueren Beiträgen von z.B.
Sybille Krämer in einem Band zu vereinen. [SMS]
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Hülk,
Walburga: »Paradigma Performativität?«
In: Marijana Erstic, Gregor Schuhen
u. Tanja Schwan (Hg.): Avantgarde - Medien - Performativität.
Inszenierungs- und Wahrnehmungsmuster zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Bielefeld: transcript, 2004, S. 1-17..
Selbst wenn man sich nicht dafür
interessiert, inwiefern ein Performativitätsstudien-orientierter
Ansatz dazu beitragen kann, die Kunst der klassischen Avantgarde zu
verstehen, lohnt es sich dennoch, diesen Aufsatz zu lesen, denn
einleitend skizziert Walburga Hülk in leicht verständlicher
Form auf wenigen Seiten wichtige historische Entwicklungen des heute
sog. performative turn. [SMS]
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Sasse,
Sylvia: »Performativität. Neuere deutsche Literatur«
Velten, Hans-Rudolf: »Performativität. Ältere deutsche Literatur«
In: Claudia Benthien u. Hans-Rudolf
Velten (Hg.): Germanistik als Kulturwissenschaft. Eine Einführung
in neue Theoriekonzepte. Reinbek: Rowohlt, 2002, S. 243-265 u. S.
217-242.
In diesen beiden durchaus auch
für Anfänger geeigneten Aufsätzen zeichnen beide Autoren
die Entwicklung des theoretischen Begriffsfelder der
Performativität nach, diskutieren darunter zu subsumierende
Theorieansätze sowohl in bezug auf die ältere als auch die
neuere deutsche Literatur und skizzieren Arbeitsfelder, die sich leicht
auch auf die Skandinavistik übertragen lassen. [SMS]
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Postkolonialismus

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Der Postkolonialismus nimmt seinen
Ausgangspunkt in der Feststellung, daß wir in einer Welt leben,
die durch koloniale Strukturen geprägt war und geprägt ist.
Untersucht wird, was für Auswirkungen dies auf die kulturelle
(einschließlich der literarischen) Bedeutungsproduktion gehabt
hat, und zwar sowohl in den kolonialisierten wie auch in den
kolonialisierenden Kulturen, und was für (auch: Text-)Strategien
und diskursive Praxen eingesetzt werden, um das komplexe
Verhältnis zwischen diesen Kulturen zu gestalten (z.B.
Dominanz/Subordination, Mimikry, Erzeugung von Hybridität, eines
›Dritten Raumes‹). Der Postkolonialismus ist in der
Anglistik und Romanistik entstanden und greift methodologisch vor allem
auf den französischen Poststrukturalismus sowie Kategorien der
Cultural Studies wie gender, race, class zurück.
In der Skandinavistik ist der Postkolonialismus erst ab ca. 2000
rezipiert worden. Applikationen auf skandinavische Literatur finden
sich z.B. in den Themennummern der folgenden beiden Zeitschriften: Tijdschrift voor Skandinavistiek Heft 25:2 (2004) (Surmatz, Astrid, u. Henk van der Liet (Hg.): Postkoloniale tilgange til nordisk rejselitteratur) und Heft 30:2 (2009) (Tema: Et postkolonialt Danmark) sowie in Kritik 178 (2005). [SMS]
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Valera,
María do Mar Castro, u. Nikita Dhawan: Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung
Bielefeld: Transcript, 2005 (= Cultural Studies; 12)
Anhand einer Einführung in das
Werk dreier Haupttheoretiker der kuranten postkolonialistischen
Diskussion (Said, Spivak und Bhabha) werden wichtige Grundzüge des
Postkolonialismus leicht verständlich und kompakt präsentiert
und diskutiert. Daß es sich um eine ›kritische‹
Einführung handelt, wird explizit im letzten Kapitel
»Postkoloniale Theorie kritisch betrachtet« demonstriert,
in dem zahlreiche Kritikpunkte an postkolonialer Theoriebildung
resümierend und z.T. unter Eröffnung eines historischen
Horizontes aufgegriffen werden - selbst eine so erfrischend freche
Frage wie »Was ist wirklich neu an postkolonialer
Theorie?«. [SMS]
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Loomba,
Ania: Colonialism/Postcolonialism
London: Routledge, 1998 (= The New Criticial Idiom)
Eine an englischsprachigen
Universitäten erprobte Einführung in die postkoloniale
Thematik mit ihren historischen Dimensionen und theoretischen
Diskursen, wobei immer wieder auf den Konflikt zwischen einer
politischen Kritik an den materiellen Konditionen einer durch
Kolonialismus geprägten Welt und der vorherrschenden
poststrukturalistischen Theoriebildung hingewiesen wird. Etwas
befremdlich ist, daß zwar einerseits unterstrichen wird,
daß es sich weder bei den Kolonisierenden noch bei den
Kolonialisierten um homogene Kategorien handelt, anderseits aber Europa
ausschließlich aus England, Frankreich, Spanien, Portugal und die
Niederlande zu bestehen scheint und alle Beispiele mit undiskutierter
Selbstverständlichkeit englischsprachige sind. Mit
Literaturverzeichnis und nützlichem Namens-, Titel- und Sachindex.
[SMS]
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McClintock,
Anne: Imperial Leather - Race, Gender and Sexuality in the Colonial Context
New York u. London: Routledge, 1995.
S. den Kommentar zu diesem Titel in der Intersektionalitätssektion.
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Psychoanalyse
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Gerade
wegen ihres analytisch-deutenden Ansatzes von ›Erzählungen‹
(auf der Couch), aber auch wegen ihrer Vorliebe für
literaturbezogene Theorie- und Begriffsbildung (Ödipus-Komplex,
Narzismus) hat die Psychoanalyse von Beginn an eine
Faszination auf die Literaturwissenschaft ausgeübt,
wie umgekehrt die Literatur gerne von Psychoanalytikern
für ihre Zwecke herangezogen wurde. Man kann
im Grunde zwei Phasen der Rezeption von Psychoanalyse
in der Literaturwissenschaft unterscheiden: eine frühe
(Freud), die sich vor allem durch ihren Autor- oder
Figurenbezug auszeichnet, sowie eine spätere
sprach- und vor allem textbezogene (Lacan, Kristeva
u.a.), die grundsätzlich davon ausgeht, daß
in literarische Texte stets ›Unbewußtes‹
einfließt. [TFS]
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Schönau,
Walter: Einführung in die psychoanalytische
Literaturwissenschaft
2. aktualis. und erw. Aufl. Stuttgart: Metzler, 2003. (= SM; 259)
Gegliedert in eine historische und eine systematische
Abteilung, bietet der Band im ersten Teil eine Rezeptionsgeschichte
der Psychoanalyse durch die Literaturwissenschaften
in Europa und den USA. Der andere Teil widmet sich
schwerpunktmäßig der Analyse des Schaffensprozesses
(Autor) sowie der Lektüre (Leser) und Deutung
(Autor, Figuren) von Literatur als psychoanalytisch
zu erfassende Vorgänge, wobei bestimmte, von
Freud erläuterte Mechanismen z.B. im Traum und
im Witz modellhaft verstanden werden. Zu kurz kommt
leider die Wendung zur ›Textualität‹
des Unbewußten (bzw. umgekehrt zu einem ›Unbewußten‹
im Text); die Kapitel über Deleuze u. Guattaris
›Schizoanalyse‹ und über feministische
Ansätze schließlich grenzen an Vernachlässigung.
[TFS]
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Felman,
Shoshana (Hg.): Literature and Psychoanalysis. The Question of Reading:
Otherwise
Baltimore: Johns
Hopkins University Press, 1981.
Einflußreicher Reader an der Schwelle
zur Postmoderne, der das Feld gleich in mehreren Richtungen
(z.B. Marxismus, Feminismus) neu absteckte, insbesondere
in Barbara Johnsons kritischer Reflexion über
Lacans ›Poe-Lektüre‹ und die darauf
folgende Kritik durch Jacques Derrida. Enthält
sowohl Einzeldarstellungen wie etwa Sh. Felmans exemplarische
Analyse eines Romans von Henry James als auch neue
theoretische Adaptionen der Psychoanalyse (Peter Brooks
über narrative Mechanismen) oder eine marxistische
Kritik an psychoanalytischer Literaturwissenschaft
(Fredric Jameson). [TFS]
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Nylander,
Lars (Hg.): Litteratur och Psykoanalys – en antologi om
modern psykoanalytisk litteraturtolkning
Sthlm: Norstedts, 1986.
Reflektiert, nach einer ausführlichen Einleitung,
die französische und amerikanische Debatte zum
Thema mit Texten von Kristeva, Jameson, Felman u.a.
Interessant wegen der eigens für diesen Band
geschriebenen Analysen von schwedischer Literatur
(Selma Lagerlöf, Pär Lagerkvist, Birgitta
Trotzig). [TFS]
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Freud, Sigmund: Schriften zur
Kunst und Literatur
Ffm: Fischer
Taschenbuch, 1987. (= FW; 7399) [zuerst 1969 als Bd. 10 der
›Sigmund Freud Studienausgabe‹]
Enthält u.a. »Der Dichter und das
Phantasieren«, »Das Motiv der Kästchenwahl«
(über Shakespeares Kaufmann von Venedig) sowie
die Initialzündung für eine Anwendung von
psychoanalytischer Verfahren auf Literatur, nämlich
Freuds berühmt gewordene, in ihrer Fixierung
auf Autor und Personen allerdings überholte Analyse
von W. Jensens Novelle »Gradiva« (in der
separaten Taschenbuchausgabe mit dem Text der Novelle!).
Allerdings muß man sich gerade jene Texte, die
die neuere, vor allem postmoderne Debatte beherrschen,
an anderen Stellen zusammensuchen, etwa »Erinnern,
Wiederholen und Durcharbeiten« (1914), »Notiz
über den ›Wunderblock‹« (1925),
»Das Unheimliche« (1919, über E.T.A.
Hoffmanns »Sandmann«) oder den bereits
von Benjamin rezipierten Essay »Jenseits des
Lustprinzips« (1920). [TFS]
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Lacan, Jacques: »Das
Seminar über E.A. Poes ›Der entwendete
Brief‹«
[Le
séminaire sur ›La lettre
volée‹, aus: Ders.: Écrits; 1966.]
Übers. v. Rodolphe Gasché. In: Ders.: Schriften 1.
Ffm: Suhrkamp Taschenbuch, 1975 (= stw; 137), S. 7–60.
Gewissermaßen die Anwendung der Psychoanalyse
auf zweiter Stufe: nicht mehr Autor oder Personal
eines Buches interessieren, etwa als Repräsentanten
neurotischer Zustände, sondern Texte und was
sich in diese ›einschreibt‹ wie etwas
Verdrängtes ins Unbewußte. Wenn nach Lacan
»das Unbewußte wie eine Sprache«
funktioniert, inkorporiert sich umgekehrt in literarischen
Texten ein solches Unbewußtes, und zwar jenseits
aller bewußten (Autor-)Intention. Poes »Entwendeten
Brief« interpretierend entwickelt Lacan hier
sein Konzept des Signifikanten, des Begehrens und
des Phallus, das zum Ausgangspunkt für weitere
(kritische) Diskussionen einer psychoanalytischen
Literaturwissenschaft wurde. [TFS]
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Spatial turn
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Der Spatial turn oder die ›räumliche Wende‹ beinhaltet, Sigrid Weigels
Differenzierung von 2002 folgend, eigentlich zwei verschiedene Wenden:
Während der Spatial turn in den Cultural studies das durchaus
konkrete politische Anliegen einer neuen Geographie verfolgt, wo z.B.
auf der Grundlage einer postkolonialistischen Umwertung von
europäischen Zentrum und historisch kolonialer Peripherie ›dritte‹ oder ›hybride‹
Räume ausgelotet werden, zielt die eher topographische als
allgemein räumliche Wende in den Literaturwissenschaften darauf,
Räumlichkeit und ihre Repräsentation z.B. auf Landkarten als
ganz konkrete in den Blick zu bekommen. [SMS]
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Döring, Jörg, u. Tristan Thielemann (Hg.): Spatial Turn. Das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften
Bielefeld: Transcript, 2008.
Ein erster deutscher Sammelband zum
Spatial turn, der seinen Ausgangspunkt in der inflationären
Verwendung des Begriffes nimmt und deshalb der Frage nachgeht,
inwiefern die vielevozierte räumliche Wende in den
Kulturwissenschaften und der Humangeographie eigentlich einen
»common ground« (S. 11) hat, wie es bewußt vorsichtig
formuliert wird. [SMS]
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Weigel, Sigrid: »Zum ›topographical turn‹: Kartographie, Topographie und Raumkonzepte in den Kulturwissenschaften«
In: KulturPoetik. Zeitschrift für kulturgeschichtliche Literaturwissenschaft 2 (2002), S. 151-165.
In diesem Aufsatz differenziert
Weigel zwischen einem angloamerikanischen Spatial turn der Cultural
studies und einem Topographical turn in der europäischen
Kulturwissenschaft (hierzu s.o. die Einführung zu Spatial turn).
Weigel plädiert dafür, die angloamerikanische Theorie, die
auf die Schaffung eines Gegendiskurses für Minderheiten zielt,
nicht einfach ohne Rücksicht auf ihren kulturellen ›Ort‹ zu importieren und dadurch zu methodologisieren, und diskutiert die europäische Tradition von Raumtheorien. [SMS]
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Dünne, Jörg, u. Stephan Günzel (Hg.): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften
Ffm: Suhrkamp, 2006. (= stw; 1800)
Eine umfassende Sammlung kulturell
wirkungsmächtiger Texte über den Raum, von Descartes
über Leibniz, Kant, Einstein, Husserl, Bachelard, Lacan, Irigaray,
Virilio, Foucault, Deleuze und Guatteri und viele andere. Die Texte
sind in sechs Kategorien klassifiziert worden (»Physik und
Metaphysik des Raumes«, »Phänomenologie der
Räumlichkeit«, »Körperliche, technische und
mediale Räume«, »Soziale Räume«,
»Politisch-geographische Räume« sowie
»Ästhetische Räume«), und jeder dieser Abschnitte
ist mit einer übersichtsvermittelnden Einleitung versehen. [SMS]
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