Orientalisches Seminar der Universität zu Köln © 1999-2000
Die Max-Freiherr von Oppenheim Stiftung mit ihrer Bibliothek und Kunstsammlung
geht auf ihren Begründer Baron Max Freiherr von Oppenheim zurück,
der Diplomat, Forschungsreisender, Archäologe und Kunstsammler war.
Er wurde am 15. Juni 1860 als Sohn einer berühmten und einflußreichen
Privatbankiersfamilie geboren, die seit 1798 in Köln ansässig
war. Die Lektüre von 1001 Nacht, die er während seines
Besuchs des Apostelngymnasiums in Köln in der Secunda geschenkt bekommen
hatte, erregte in ihm den Wunsch, Forschungsreisender im Orient zu werden.
Dieser Gedanke setzte sich in ihm fest und ließ ihn nicht mehr loß.
Dennoch bemühte sich sein Vater, ihm seinen Wunsch auszutreiben und
ihn für die vorgesehene Nachfolge im Bankhaus zu gewinnen. Als Kompromiß
einigte man sich zunächst auf ein Jura-Studium, daß Max von Oppenheim
1879 in Straßburg antrat und in Berlin fortführte.1883 legte
er das Referendarexamen in Köln ab. Kurze Zeit danach promovierte er
in Göttingen.
Während seiner Referendarzeit (Amtsgericht in Bergheim, Landgericht
und Regierungspräsidium in Wiesbaden, Landratsamt in Rüdesheim)
und seiner Vorbereitung zum Regierungsassessor-Examen, einem erneuten Kompromiß
mit seinem Vater, machte Max von Oppenheim erste Bekanntschaft mit dem Orient.
Im Winter 1883/1884 begleitete er seinen Onkel auf einer Reise nach Athen,
Izmir (Smyrna) und Konstantinopel, wobei ihn der Orient sogleich in seinen
Bann zog. 1886 unternahm er seine erste Studienreise nach Tunis, Algerien
und Marokko, die mehr als sechs Monate dauerte. Diese Reise bestärkte
in nur noch mehr darin, Forschungsreisender zu werden. Nach Ablegung des
Assessorexamens in Berlin und nach einjähriger Dienstzeit in Köln
erhielt er 1888 endlich vom Vater die Einwilligung und die Mittel, um weitere
Forschungsreisen zu unternehmen. Sein erstes großes Projekt, zusammen
mit dem Afrika-Forscher Gerhard Rolfs von Tripolis durch die Sahara nach
Kamerun vorzudringen, scheiterte nach mehreren Anläufen trotz größter
Bemühungen und Anstrengungen. 1885 mußte er diesen Plan endgültig
aufgeben. Seine Studien, die er zum Zweck dieses Projekts angestellt hatte,
veröffentlichte er in dem Buch Rabeh und das Tschadseegebiet
(siehe Bibliographie).
In der Zwischenzeit beschloß er als Vorbereitung auf sein Projekt,
erst einmal selbst zum Orientalen zu werden. Nachdem ihm Anfang August 1892
eine Reise zusammen mit Wilhelm Joest, einem Ethnographen und Mitbegründer
des Rautenstrauch-Joest-Museums in Köln, erneut nach Nordafrika führte,
machte er sich Anfang September desselben Jahres alleine auf den Weg nach
Alexandria und schließlich nach Kairo, wo er sieben Monate lang ein
Haus in einem arabischen Viertel bewohnte. Während dieser Zeit setzte
er sein Studium der arabischen Sprache fort, das er bereits in Berlin vor
dem Assessorexamen begonnen hatte. "Sein Sprachlehrer besorgte ihm,
was er brauchte: eine schwarze Köchin, die allerdings nur die arabische
Küche beherrschte, einen arabischen Diener und eine Zeitfrau»,
die Oppenheim als eine 15 Jahre alte «Araberin mit abessinischem Einschlag»
beschrieb, und deren Schönheit er noch, als er 85jährig seine
Erinnerungen verfaßte, mit feurigen Worten beschrieb" (Michael
Stürmer, Gabriele Teichmann & Wilhelm Treue, Wägen und
Wagen. Sal. Oppenheim jr. & Cie. Geschichte einer Bank und einer Familie.
München, Zürich 1989, S. 265). Er genoß das Leben im arabischen
Milieu derart, daß er während dieser Zeit kaum das europäische
Viertel in Kairo aufsuchte. 1893 trat er eine weitere große Orientreise
an. Er zog über Beirut, Damaskus, Palmyra, Dayr al-Zor, Nissibin nach
Mosul und schließlich weiter nach Bagdad, Maskat, Aden, Sansibar und
Usambara (Landstrich im damaligen Deutsch-Ostafrika). Über diese Reise berichtet
er in seinem zweibändigen Werk Vom Mittelmeer bis zum Persischen
Golf.
1896 nahm sein Leben eine wichtige Wendung. Er trat in den Dienst des
Auswärtigen Amtes ein und wurde dem Generalkonsulat in Kairo als Attaché
zugeteilt. Dieses Amt bekleidete er bis 1909. Von nun an konnte Max von
Oppenheim seine Liebhaberei mit dem Beruf vereinbaren. In dieser Zeit führte
er, wie er selbst sagt, ein "Doppelleben" in der europäischen
und der arabischen Welt. 1899 brach Oppenheim im Rahmen der Streckenplanung
der Bagdad-Bahn zu einer siebenmonatigen Orientreise von Kairo auf, die
ihn von Damaskus über Homs, Aleppo und Urfa zum Khabur brachte. Die
Reise wurde zum Höhepunkt seines Lebens als Forschungsreisender, denn
auf dieser Reise entdeckte er die aramäisch-assyrische Residenz Tell Halaf, was ihm
Berühmtheit unter den großen Amateurarchäologen einbrachte.
Als Folge dieser Entdeckung verschrieb sich Oppenheim nun ganz der Archäologie
und quittierte 1910 vorläufig seinen Dienst im Auswärtigen Amt.
Von 1910 bis 1913 leitete er die Ausgrabungen am Tell Halaf, die er mit
seinen eigenen Mitteln sowie Zuschüssen seiner Familie bestritt. Der
erste Weltkrieg setzte den Ausgrabungen zunächst ein Ende.
Während der Kriegsjahre trat er wieder in den Dienst des Auswärtigen
Amts. Er leitete dort eine Übersetzungs- und Nachrichtenstelle für
den Orient. Ferner wurden ihm die Depeschen, die den Nahen Osten betrafen,
vorgelegt. Trotz seiner stets vorhandenen Bereitschaft, sich durch sein
fundiertes Wissen über den Nahen Osten an der Lösung politischer
Aufgaben seines Heimatlandes zu beteiligen, zu deren Zweck er mehrere Denkschriften
verfasste, spielte der Baron innerhalb der Politik und der Kriegsführung
Deutschlands eine unbedeutende und untergeordnete Rolle, denn er war
letztlich für die politische Bühne nicht befähigt und berufen.
Unbestritten bleibt aber die Tatsache, daß Oppenheim aufgrund seiner
hervorragenden Kenntnis des Arabischen, seiner engen Kontakte zur einheimischen
Bevölkerung, auch zu hochgestellten Persönlickeiten, und seiner
Reisen über genaue Kenntnisse der geographischen, sozialen, politischen
und wirtschaftlichen Verhältnisse des Nahen Ostens verfügte, wie
sie wohl sehr wenige Europäer im Diplomatendienst besaßen. Ein
besonderes Augenmerk von ihm waren seit langem die sozialen und genealogischen
Strukturen der Beduinenstämme gewesen, zu deren lokalen Stammesführern
er auf seinen Reisen und in Kairo Kontakt suchte. Sein breit angelegtes
Werk darüber, unter dem Titel Beduinen- und andere Stämme in
Syrien, Mesopotamien, Nord- und Mittelarabien, erschien seit 1919 und
wurde nach seinem Tod von dem Mitarbeiter seiner Stiftung und späteren
Professor für orientalische Philologie an der Universität zu Köln,
Prof.Dr. Werner Caskel (1896-1970), bearbeitet und herausgegeben.
Nach dem Ende des 1. Weltkriegs, der für ihn finanzielle Einbußen
und die Enttäuschung seiner deutsch-nationalen Ambitionen mit sich
brachte, setzte er 1927 und 1929 die Grabungskampagne am Tell Halaf fort.
Die Ergebnisse seiner dortigen archäologischen Forschungen veröffentlichte
er in mehreren Werken. Zu den bedeutendsten Funden zählen Steinfiguren
und Reliefplatten aus dem 9. Jh. vor Chr. und prähistorische Buntkeramik
aus dem 6.-5. Jht. v. Chr. Die Funde mußte er sich mit der syrischen
Regierung teilen. Die ihm überlassene Hälfte wurde in seinem 1930
gegründeten Tell Halaf-Museum in Berlin untergebracht. Eng verbunden
mit dem Museum war die Max-Freiherr von Oppenheim Stiftung, die er 1929
in Berlin gründete und die die Aufgabe eines Orient-Forschungs-Instituts
übernahm. Die Stiftung füllte damit zur damaligen Zeit eine große
Lücke aus. In der Satzung werden ihre Aufgaben wie folgt formuliert:
"[Die Stiftung hat den Zweck], die Erforschung des Vorderen Orients von der prähistorischen Zeit bis zur Gegenwart zu fördern. In erster Linie soll das Studium der Realien gepflegt werden, und zwar vor allem: Geographie, Landeskunde, Völkerkunde, politische, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte, Kunst- und Religionswissenschaft. Besondere Beachtung soll den Beziehungen und Zusammenhängen des Vorderen Orients mit den benachbarten Kulturgebieten zuteil werden. (...) Die Gewährung von Stipendien zu Studienzwecken, für Reisen im Orient oder zum Besuch von Museen und Bibliotheken, sowie die Unterstützung wissenschaftlicher Publikationen sollen eine weitere Aufgabe der Stiftung bilden. Auch wird sich gegebenenfalls, nach Maßgabe der verfügbaren Mittel an Ausgrabungen und Forschungen im Orient aktiv beteiligt. Ferner soll die Stiftung sich auch wirtschaftlichen und künstlerischen Kreisen sowie überhaupt den Orient-Interessenten mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Mit Forschungs- und wissenschaftlichen Instituten ähnlicher Art im In- und Auslande sowie mit deutschen und fremden Gelehrten soll Fühlung und Verbindung angestrebt werden." ("Max Freiherr von Oppenheim-Stiftung <Orient-Forschungs-Institut> zu Berlin," ZDMG 84 (1930)).
Die Stiftung umfaßte eine Bibliothek von 40.000 Bänden nebst einer umfangreichen Sammlung von islamischen Handschriften und Kunstgegenständen, die Oppenheim während seines Aufenthalts im Orient und im Kunsthandel zusammengetragen hatte. Diese Sammlungen boten einen hervorragenden Überblick über die islamische Kultur der letzten Jahrhunderte.
Tragischerweise fielen das Tell-Halaf-Museum sowie der größte Teil der Stiftungsbestände den Bombenangriffen am Ende des Zweiten Weltkriegs zum Opfer. Von den in Berlin verwahrten Tell-Halaf Funden blieben jedoch Rundplastikfragmente, Orthostaten, Basaltbruchstücke und Buntkeramikfragmente erhalten. Nachdem er selbst in Berlin ausgebombt worden war, floh Max von Oppenheim nach Dresden, wo er die schreckliche Zerstörung der Stadt miterlebte und fast sein ganzes Hab und Gut verlor. Den Rest seines Lebens verbrachte er in Landshut. Dort ist er auf dem städtischen Friedhof begraben. Sein Grabstein ist mit einer keilschriftartigen Inschrift versehen, die da lautet: "Hier ruht in Gott ein Mann, der die Wissenschaft, den Orient, die Wüste und den von ihm entdeckten und ausgegrabenen Tell Halaf geliebt hat. Dr. Max Freiherr von Oppenheim geb. am 15. Juli zu Köln 1860, gest. am 15. Nov. 1946 in Landshut" (Maria Lindner, Vor 50 Jahren starb in Landshut Dr. Max Freiherr von Oppenheim im Alter von 86 Jahren. Das abenteuerliche Leben eines Archäologen. Der Weg eines weltberühmten Forschers und Entdeckers uralter Kulturen).
Dank des großen persönlichen Einsatzes von Prof.Dr.Werner Caskel und seiner Frau konnten nach dem Krieg die Reste der Bibliothek und der Sammlungen der Stiftung von Berlin nach Köln gerettet werden. Dort wurden sie im Orientalischen Seminar der Universität zu Köln untergebracht und Interessenten zugänglich gemacht. Die Eröffnungsfeier fand am 22. März 1950 statt. Die Stiftung, die aus einem siebenköpfigen Gremium mit Vertretern der Fachrichtungen Archäologie, Orientalistik, Recht und Wirtschaft besteht, verlegte ebenfalls ihren Sitz nach Köln.
Das Kuratorium der Oppenheim Stiftung setzt sich derzeit aus folgenden
Personen zusammen:
Vorsitzender:
Prof. Dr. Wolfgang Röllig (Altorientalisches Seminar der Universität Tübingen)
Stellvertretender Vorsitzender:
Christopher Freiherr von Oppenheim
Geschäftsführender Kurator:
Universitätskanzler Dr. Johannes Neyses (Universität zu Köln)
Mitglieder:
Prof. Dr. Rainer M. Boehmer (Deutsches Archäologisches Institut, Abt. Bagdad, Berlin)
Prof. Dr. Werner Diem (Orientalisches Seminar der Universität zu Köln)
Prof. Dr. Josef van Ess (Orientalisches Seminar der Universität Tübingen)
Universitätskanzler a.D. Dr. Dr. h.c. W. Wagner
Grabungsleiter:
Prof. Dr. W. Orthmann (Vorderasiatische Archäologie der Universität des Saarlandes)
Im Auftrage der Stiftung werden heute hauptsächlich Grabungen auf dem Tell Chuera in Nordsyrien finanziert. Außerdem finanziert die Stiftung Neuzugänge aus den Bereichen Archäologie, Geographie, Kunst, Reisen und Völkerkunde für die Bibliothek. Die Bibliothek mit ihren alten und neuen Buchbeständen, den Handschriften sowie Gegenständen, die das Buch- und Schreibwesen betreffen, und einer Anzahl von Gemälden befindt bis heute im Orientalischen Seminar. Besonders wertvolle Stücke sind in Glasvitrinen und an den Wänden zu bewundern. Die Bibliothek wird von Herrn Friedrich Kaltz verwaltet. Dagegen sind 1990 die orientalischen Kunstgegenstände dem Rautenstrauch-Joest-Museum für Völkerkunde, die antiken Kunstgegenstände dem Archäologischen Institut der Universität zu Köln als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt worden. Die orientalische Kunstsammlung besteht aus ca. 1500 Objekten, die im wesentlichen folgende Gegenstände umfassen: Metallarbeiten, Waffen, Keramik, Musikinstrumente, Möbelstücke, Textilien, Kleidungsstücke und religiöse Utensilien.
Max von Oppenheim führte ein sehr ausgefülltes Leben voller Abenteuer und Erfolgen, aber auch Schwierigkeiten und harten Rückschlägen. Zunächst als Jurist und Diplomat seine Laufbahn beginnend, bestimmte die Wissenschaft über den alten Orient und den Nahen Osten seiner Zeit den größten Teil seines Lebens. Abschließend soll noch ein Verzeichnis der Schriften Max von Oppenheims gegeben werden. Das Verzeichnis ist angelehnt an die Liste in Caskels Nachruf auf Oppenheim in der ZDMG 101 (1951) und an die Liste in Faszination Orient: Max von Oppenheim, Forscher, Sammler, Diplomat. Hrsg. von Gabriele Teichmann und Gisela Völger im Auftrag der Max Freiherr von Oppenheim-Stiftung. Köln 2001:
(Beate Wiesmüller)
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Letzte Aktualisierung/Last update: 28. November 2001