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Funktionale Variabilität im späten Mittelpaläolithikum auf der
Halbinsel Krim, Ukraine (1999-2006)

Das Auftreten des modernen Menschen vor rund 40.000 bis 35.000 Jahren und das Verschwinden des Neandertalers vor vielleicht 30.000 Jahren gehören zu den zentralen Themen der prähistorischen Archäologie. Vielbeachtete, früheste datierte Vorkommen des Homo sapiens sapiens einerseits und späteste datierte Vorkommen des Neandertalers andererseits bieten Zugang zu dieser Thematik. Besonders spät datierte Fundstellen mit kulturellen Überresten des Neandertalers kennen wir zur Zeit aus Südfrankreich, Südspanien, Portugal, Kroatien, vor allem aber von der Krim-Halbinsel, dort sogar in großer Zahl, mit ausgezeichneter Knochenerhaltung und mit Resten des Neandertalers selbst vergesellschaftet.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft förderte von 1999 bis 2006 das Projekt "Funktionale Variabilität im späten Mittelpaläolithikum auf der Halbinsel Krim, Ukraine", das vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln gemeinsam mit der Krim-Abteilung der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften in Simferopol, in Zusammenarbeit mit der Southern Methodist University, Dallas (Prof.A.E.Marks) durchgeführt wird. Ziel des Projektes ist es, über die Analyse der funktionalen Variabilität in der materiellen Kultur einen Beitrag zur Erforschung der Landnutzungsmuster der Zeit des späten Neandertalers zu leisten. Forschungen der letzten zehn Jahre haben gezeigt, dass das formenkundliche Bild mittelpaläolithischer Inventare sehr variabel ist und wesentlich durch die Belegungsdauer, die Funktion und die Belegungssaison mitbestimmt wird. Die radikal kulturelle Interpretation mittelpaläolithischer Variabilität ("Inventartypen sind kulturelle Einheiten in Raum und Zeit"), wie sie die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bestimmte, erzeugte in vielen Fällen Widersprüche. So stellt sich die Aufgabe, das Zustandekommen der einzelnen Inventarbilder nicht nur zu beschreiben und zu vergleichen, sondern möglichst detailliert zu erklären.

In Anlehnung an Konzepte der Systemtheorie sollten hierzu möglichst viele der durch Umwelt und Kulturverhalten gegebenen Parameter in einen Zusammenhang gestellt werden. Das auf fünf Jahre angelegte Projekt dient damit nicht nur der Regionalforschung in einem Schlüsselgebiet für den späten Neandertaler, sondern es soll Perspektiven aufzeigen, die die Archäologie des Mittelpaläolithikums aus einer Forschungskrise herausführen können.