Universität zu Köln
Department Psychologie
Sozialpsychologie II Kommunikations- und Medienpsychologie
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Sozialpsychologie II - Kommunikations- und Medienpsychologie - Prof. Dr. Gary Bente

Forschung Kongressbeiträge
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Zur visuellen Kommunikationskultur von Fernsehnachrichten

39. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie 1994 in Hamburg

Bischoff-Krauthäuser, K. & Bente, G.

Medienvergleichende Studien zeigen, daß selbst bei erklärter Informationsabsicht die spezifischen Effekte des Fernsehens eher emotionaler als kognitiver Natur sind (Sturen, 1991). Bei der Vermittlung emotionaler Fernsehwirkungen spielen neben der thematischen Ausrichtung und der dramaturgischen Aufbereitung sogenannte "formale Angebotsweisen", wie Schnittfolgen, Darbietungstempo, Kameraperspektiven und Einstellungen, eine bedeutsame Rolle. Kulturvergleichende Untersuchungen zeitgleicher Fernsehnachrichten in Deutschland, Frankreich und den USA legen die Schlußfolgerung nahe, daß derartige Angebotsweisen in besondere Weise auf die Rezeptions- und Verarbeitungsgewohnheiten des jeweiligern Publikums zugeschnitten sind, indem sie sich sozusagen am kleinsten gemeinsamen Nenner einer virtuellen kulturellen Darbietungsnorm orientieren (Bente & Frey, 1992). Die sich schnell verändernde und diversifizierende Medienlandschaft wirft nun die Frage auf, inwieweit etwa auch in den Nachrichtenangeboten der verschiedenen heimischen Sender (insbesondere der öffentlichen-rechtlichen und privaten) unterschiedliche Kommunikationskulturen gepflegt werden und welche differentiellen Wirkungen von diesen Angeboten auf die Zuschauer ausgehen.

Zur Beantwortung dieser Frage wurden die Hauptnachrichten von fünf Fernsehsendern (ARD, RTL, SAT1, VOX, ZDF) an 5 Werktagen (19.-23. April 1993) aufgezeichnet, mit Hilfe spezieller Zeitreihennotionsverfahren transkribiert (Bente & Frey, 1992) und einer Verlaufsanalyse zugeführt. Die Auswertung zentrierte sich auf die zeitliche Segmentierung des Bildmaterials (Schnittfolge) sowie auf die Präsentationsweise der Moderatoren (Kameradistanz, Bildposition, Einstellungsdauer). Es traten signifikante Unterschiede in der formalen Angebotsweise der verschiedenen Sender zutage, wobei eine Differenzierung nach "öffentlich-rechtlich" und "privaten" unangemessen erscheint. Anhand eines "besonders typischen" Sendetags wurde anschließend eine vergleichende Wirkungsanalyse an 75 Probanden durchgeführt. Neben subjektiven Eindrucksratings zur Sendung und zur Moderation sowie der Erhebung eines Gedächtnisprotokolls wurden während der Reizdarbietung umfangreiche psychophysiologische Messungen (GSR, EKG, Temperatur, EEG) durchgeführt. Die integrierte Verlaufsanalyse der Reiz-Reaktionsprotokolle verweist auf spezifische kognitive und emotionale Wirkungen unterschiedlicher Angebotsweisen.

ausführlicher Bericht

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