Universität zu Köln
Department Psychologie
Sozialpsychologie II Kommunikations- und Medienpsychologie
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Sozialpsychologie II - Kommunikations- und Medienpsychologie - Prof. Dr. Gary Bente

Forschung Kongressbeiträge
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Angstabbau durch visuelles Biofeedback in der zahnärztlichen Behandlung

39. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie 1994 in Hamburg

Feist, A. (1) , Bente, G. (1) , Lampert, F. (2) & Kipp, P. (2)
(1) Psychologisches Institut, Universität zu Köln (2) Klinik für Zahnerhaltung und Paradontologie, RWTH Aachen

Trotz optimierter Behandlungs- und Anästhesietechniken ist die Angst vor der Zahnbehandlung weiterhin ein großes Problem in der Zahnmedizin. In einer Felduntersuchung wurden die Wirksamkeit von Ablenkung, Information über den Grad der physiologischen Aktivierung und spezifischer Verhaltensinstruktion auf die Veränderung der Zustandsangst während der Zahnbehandlung untersucht. Die in der Literatur strittige Frage, ob eine effektive Ablenkungsstrategie auch mit einer erhöhten physiologischen Aktivierung einhergehen muß, wurde in zwei Treatmentbedingungen, Aktivierung und Entspannung, untersucht. Die Stichprobe bestand aus 65 Männern im Alter zwischen 19 und 43 Jahren. Bei jedem Patienten wurde eine Amalgam-Füllung an einem Seitenzahn gelegt. Zur Erfassung der Zustandsangst vor und während der Zahnbehandlung wurde der STAI von Spielberger eingesetzt. Die physiologischen Streßparameter wurden mit dem Kölner-Vitaport-System erhoben. Durch ein LCD-Display wurden die Patienten über ihre momentane Pulsvolumenamplitude und Herzrate informiert. Zwischen Aktivierungs- und Entspannungsgruppe ließen sich keine signifikanten Unterschiede in Pulsvolumenamplitude und Herzrate feststellen, allerdings zeigte die Aktivierungsgruppe eine signifikant kürzere Pulswellenlaufzeit. Die Verlaufscharakteristik der untersuchten psychophysiologischen Parameter verweist auf das Vorliegen emotionaler Situationstypen im Behandlungsverlauf, wobei sich das Legen der Zahnfüllung deutlich als Poststreßbedingung ausmachen läßt.

In Abhängigkeit vom Ausgangswert der Zustandsangst ergaben sich die folgenden signifikanten Effekte: In der Aktivierungsgruppe mit niedriger Zustandsangst (n=16) nahm die Angst signifikant zu, während in der Entspannungsgruppe mit hoher Zustandsangst (n=16) die Angst signifikant abnahm. Als wesentliche Einflußgröße auf die Zustandsangst wurde außerdem die Tageszeit identifiziert. Nachmittags ist die Zustandsangst erheblich niedriger als vormittags. Dieser Befund steht in Übereinstimmung mit Aussagen zum circadianen Rhythmus der Schmerzschwellenvariabilität.

 

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