Universität zu Köln
Department Psychologie
Sozialpsychologie II Kommunikations- und Medienpsychologie
Richard-Strauss-Straße 2
50931 Köln

Tel.: 0221 470-6502
Fax: 0221 470-5299
e-mail:
bente@uni-koeln.de

 

Sozialpsychologie II - Kommunikations- und Medienpsychologie - Prof. Dr. Gary Bente

Forschung Kongressbeiträge
StartseiteSitemap Impressum

Emotionale Wirkungen von Musikvideos auf Rezipienten verschiedener Altersgruppen

Landefeld, J., Feist, A. & Bente, G.

In der aktuellen medienpsychologischen Diskussion werden immer wieder Fragen der emotionalen und kognitiven Belastbarkeit insbesondere älterer Menschen durch hohe Darbietungstempi moderner Medienangebote thematisiert. Dabei wird oft auf das Genre Musikvideo abgehoben, das angeblich in seinen visuellen Angebotsweisen besonders auf jugendliche Zuschauer zugeschnitten sein soll. Die vorliegende Untersuchung setzt sich im Rahmen eines experimentellem Paradigmas mit der Wirkung unterschiedlich schnell geschnittener Musikvideos auf die Rezeption verschiedener Altersgruppen auseinander. Dabei sollen sowohl emotionale als auch kognitive Wirkungen erfaßt werden. Im Zentrum der Analyse emotionaler Prozesse stehen psychophysiologische Parameter (Herzperiode, Pulsvolumenamplitude, elektrodermale Aktivität). Die Akzeptanz der Versuchspersonen gegenüber dem Stimulusmaterial wurde über ein Online-Meßverfahren zur kontinuierlichen Stimulusbewertung erfaßt. Es handelt sich hierbei um einen speziell entwickelten digitalen Schieberegler, über den die Probanden auf einer 11-stufigen Urteilsskala die Qualität des jeweiligen Clips bewerteten. Als Stimulusmaterial dienten 14 Musikvideos mit unterschiedlichen visualisierten Darstellungstempi (Schnittfrequenzen langsam, mittel, schnell), die auf der Grundlage einer Voruntersuchung aus 2000 Musikvideos ausgewählt wurden. Die Stichprobe setzte sich aus folgenden drei Altersgruppen je N=20 zusammen:

10-20jährige, 30-40jährige, 50-60jährige. Die Untersuchung erbrachte das überraschende Ergebnis, daß sowohl jüngere als auch ältere Zuschauer Clips mittlerer Darbietungsgeschwindigkeit bevorzugten. Der Extremvergleich deutet darauf hin, daß hier möglicherweise eine Konfundierung des formalen Merkmals Schnittempo und einer inhaltlichen Komponente "Handlungsorientierung" vorliegt. Insgesamt zeigte sich für alle Altersgruppen eine umgekehrt U-förmige Beziehung zwischen Schnittempo des Videoclips und der Akzeptanz beim Rezipienten. Zwischen der Online-Bewertung der Clips und den erhobenen psychophysiologischen Parametern zeigten sich ebenfalls signifikante Zusammenhänge.

 

 

Drucken Übersicht