Emotionale Wirkungen von Musikvideos auf Rezipienten verschiedener Altersgruppen:
Zur nonverbalen Kommunikationskultur der Geschlechter Eine Mikroanalyse des Blickverhaltens und des "nonverbalen Aufwandes" in gemischt-geschlechtlichen Dyaden.
39. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie 1994 in Hamburg
Bente, G.; Suwelack, B. & Urban, G.
Auf der Suche nach einer empirischen Grundlage für den äußerst langlebigen "Volksglauben an die weibliche Intuition" und an die stärkere soziale Motiviertheit des weiblichen Geschlechts wandte sich die Geschlechterforschung schon früh den nonverbalen Aspekten des Kommunikationsgeschehens zu. Obgleich in einer Vielzahl von Untersuchungen stereotypenkonforme Geschlechtsunterschiede zutage traten, blieb bislang weitgehend ungeklärt, wie rezeptive und produktive Aspekte des nonverbalen Verhaltens zusammenwirken, unter welchen situativen Bedingungen bestimmte Verhaltensweisen aus dem weiblichen und männlichen Repertoire zum Einsatz kommen, und wie sich solche Verhaltensentscheidungen auf den Interaktionsverlauf auswirken. Um derartige Fragen differenzierter beantworten zu können, wurde in der vorliegenden Untersuchung eine erweiterte Form des "Berner Systems zur Zeitreihennotation nonverbaler Interaktion" auf die Analyse von gemischt geschlechtlichen Dyaden angewendet. Im Rahmen eines dreifaktoriellen Versuchplanes (P x S x S), mit den Faktoren "Geschlecht", "Vertrautheit der Gesprächspartner" und "visuelle Aufmerkamkeit des Partners", wurde das nonverbale Interaktionsverhalten in insgesamt 21 gemischt-geschlechtlichen Dyaden untersucht. Der Schwerpunkt der Analysen lag dabei auf den Verhaltensaspekten "Blickzuwendung" und "nonverbaler Aufwand" (Gesamtbewegungsaktivität). Die Ergebnisse der MANOVA verweisen auf eindrückliche Verhaltensunterschiede in der zeitlichen Strukturierung der Bewegungsaktivität der Geschlechter sowie in der Dauer und Häufigkeit ihrer Blickzuwendungen. So zeigen etwa die Frauen ein ausgewogeneres Verhältnis von Aktivitäts- und Ruhephasen und wesentlich länger andauernde Blickzuwendungen als die männlichen Probanden. Darüber hinaus ergaben sich starke Interaktionseffekte zwischen dem Personmerkmal ''Geschlecht" und den beiden Situationsfaktoren. Frauen gleichen in einer unvertrauten Situation ihr Bewegungsverhalten stark dem der Männer an, während sich bei den Männern kaum Verhaltensunterschiede nachweisen lassen.
