Elektronische Multimediale Bedien- und Service-Assistenz (EMBASSI)
Bente, G. & Krämer, N.
EMBASSI ging als eines der Sieger-Leitprojekte aus dem Wettbewerb "Mensch-Technik-Interaktion in der Wissensgesellschaft" der Bundesregierung hervor und wird seit Mitte 1999 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Das EMBASSI-Konsortium umfaßt insgesamt 20 Partner aus Wissenschaft und Industrie (u.a. Fraunhofer IGD, Humboldt-Universität zu Berlin, FORWISS) unter der Federführung der Grundig Fernseh-Video Produkte und Systeme GmbH. In Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule für Medien, Köln (Prof. Dr. Ing. Georg Trogemann) wird das Teilvorhaben "Entwicklung und Evaluation einer universellen anthropomorphen Assistenzplattform (AAP)" realisiert.
Teilvorhabensbeschreibung
1. Ziele des Teilvorhabens in EMBASSI
Der wachsenden Diversifikation und Komplexität elektronischer Geräte und Medien steht die Forderung nach deren menschgerechter Gestaltung gegenüber. Neben ergonomischen Aspekten (usability) und Akzeptanzgesichtspunkten wird in diesem Zusammenhang zunehmend die Gestaltung von effizienten Hilfsfunktionen als Forschungs- und Entwicklungsziel genannt. Traditionelle textbasierte Bedienungsanleitungen und Handanweisungen scheitern an den hier gestellten Aufgaben nicht nur aufgrund jeweiliger Qualitätsmängel, sondern allgemein medienbedingt. Ihre lineare Logik setzt ein prototypisches Nutzermodell voraus, das naturgemäß dem Einzelnen kaum gerecht werden kann. Es fehlt an Adaptivität und Interaktivität. Auch interaktive CD-ROM-basierte Systeme können nur in begrenztem Maße adaptiv sein, d.h. sich den konkreten Voraussetzungen des Nutzers und den Situationskontexten anpassen. Wechselt man bei der Modellierung von Hilfssystemen die Perspektive von der Technik- zur Nutzerseite, macht man die Beobachtung, daß bei Bedienungsproblemen vermehrt der direkte Kontakt zu menschlichen Ratgebern gesucht wird, sei dies nun der Kundendienst, ein vermeintlicher Experte oder auch eine Person im eigenen Umfeld, bei der man einen gewissen Erfahrungsvorsprung vermutet.
Es ist das Ziel dieses Forschungsvorhabens, die hierbei wirksam werdenden Funktionsprinzipien zu erforschen und auf dieser Grundlage eine universelle anthropomorphe Hilfsfunktion zu entwickeln und zu evaluieren. Dabei liegt der Schwerpunkt mehr auf der Modellierung der kommunikativen Funktionen als auf der Wissensorganisation. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit wird sich hierbei zentral auf die nonverbalen Verhaltensaspekte richten (Mimik, Gestik, Blickverhalten etc.), deren Funktionsbereich weniger in der Informationsvermittlung zu suchen ist als vielmehr in der
- Interaktions-Prozeß-Steuerung (turn-taking, back-channel),
- llustration und Verdeutlichung (motorische Modellfunktion, Zeigerfunktionen, raum-zeitliche Abbildfunktionen) und in der
- Regulation sozio-emotionaler Aspekte (Aktivierung/Deaktivierung, Motivation, Sympathie, Vertrautheit etc.)
Das System soll universell einsetzbar bzw. auf verschiedensten wissensbasierten Systemen aufsetzbar sein. Darüber hinaus soll das System in Erscheinungsbild (virtuelle Personifikation des Helfers) und Funktionsumfang frei konfigurierbar, d.h. an die Gegebenheiten der unterstützten Technik sowie die individuellen Voraussetzungen und Vorlieben des Nutzers voll anpassbar sein. Aus der obigen Zielsetzung ergeben sich die folgenden Aufgaben:
- Implementierung von multimodalen anthropomorphen Schnittstellen (Eingabe: Mimik- und Gestikerkennung, Blickregistrierung; Spracheingabe durch Kooperationspartner; Ausgabe: Mimik- und Gestikanimation, Blickbewegungen, Lippensynchronisierung; Sprachausgabe/-synthese, akustische Ausgabe: Zuarbeit Kooperationspartner).
- Implementation nonverbaler Regelsysteme:
o (a) Festlegung des Verhaltensrepertoires (nonverbales Lexikon),
o (b) Festlegung von Funktionsbereichen und Regeln.
- Implementation von Entwicklerschnittstellen zur Einbindung anthropomorpher Assistenzfunktionen in konkrete Anwendungen.
- Exemplarische Umsetzung des Systems in spezifischen Hilfekontexten mit EMBASSI-Konsortialpartnern.
- Experimentelle Nutzungs- und Wirkungsanalysen von konkreten Implementierungen des Systems. Hier ist eine enge
- Zusammenarbeit mit der HU Berlin geplant. Insbesondere sollen die dort entwickelten Planungs- und Evaluationswerkzeuge genutzt werden.
Die Bearbeitung der oben genannten Aufgabenstellungen setzt eine intensive Kooperation der Bereiche Gestaltung, Informatik und Psychologie voraus. Grundlagenforschung und Basistechnologieentwicklung sind hierbei eng aufeinander zu beziehen. Dies betrifft insbesondere die Bereitstellung von Basiswissen zur Dekodierung und Enkodierung nonverbalen Verhaltens (Mimik, Gestik, Blickverhalten), sowie die Erstellung nonverbaler Lexika und spezifischer Animationstechniken. Ergänzend sollen in Kooperationsprojekten mit Industriepartnern spezielle Anwendungsszenarien implementiert werden, an denen die Ergebnisse der methodischen Grundlagenforschung und die Entwicklung der Basistechnologie bereits zur Laufzeit des EMBASSI-Projekts in der Praxis getestet werden sollen.
