RRZK-Kompass Nr. 101 - 1. Juni 2004
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Asiatische Sprachen mit StarOffice


Die Textverarbeitung Writer von StarOffice bzw. des funktional identischen OpenOffice.org unterstützt von Hause aus die Textverarbeitung asiatischer und anderer Sprachen. Mit der Option "Complex Text Layout" werden z.Zt. Hindi, Thai, Hebräisch und Arabisch unterstützt, die "Unterstützung für asiatische Sprachen" bezieht sich auf Japanisch, Chinesisch und Koreanisch. Die "Unterstützung asiatischer Sprachen" und das Arbeiten mit StarWriter wird in den beiden folgenden Artikeln beschrieben.
Der erste Artikel von Marcel Boeing und Martin Fox stellt die unter Windows 2000/XP oder Linux notwendigen Betriebssystem-Konfigurationen vor, damit StarOffice/OpenOffice.org Texte in asiatischen Sprachen auf einfache Art erstellen und bearbeiten können. Anschließend wird beispielhaft die Eingabe gemischtsprachiger Texte (deutsch/japanisch) vorgestellt.
Der zweite Artikel "Grundlagen der Textverarbeitung mit StarOffice" bietet einen Überblick über die Benutzung von Formatvorlagen in StarOffice unter besonderer Berücksichtigung asiatischer Sprachen.
Marcel Boeing studiert seit drei Jahren Japanologie an der Universität zu Köln, seit einem Jahr auch Informationsverarbeitung. Sein besonderes Interesse im Bereich der EDV gilt der Verarbeitung von Japanisch unter Linux. Martin Fox studiert an der Universität zu Köln Regionalwissenschaften Ostasien und im Zweitstudiengang Soziologie, Japanologie und Geschichte. Wir danken den Autoren für die Bereitstellung des Artikels.
Bei Fragen, die sich auf Lizenzen und allgemeine Benutzung von StarOffice beziehen, können Sie sich per E-Mail an marxen@rrz.uni-koeln.de wenden, bei anderen Fragen mit Bezug auf asiatischen Sprachen wenden Sie sich bitte an Marcel Boeing, mboeing@gmx.net. Die Redaktion.

Einleitung

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Verarbeitung von Text in asiatischen Sprachen unter StarOffice bzw. dessen kostenlosem Pendant OpenOffice.org. Auf ein Anwendungsbeispiel folgt eine Anleitung zur korrekten Konfiguration der technischen Basis zur Zeicheneingabe unter Windows und Linux. Diese Anleitung ist möglichst einfach gehalten, setzt jedoch grundlegende Kenntnisse des verwendeten Betriebssystems voraus. Im Anschluss werden die Besonderheiten und Möglichkeiten von StarOffice bezüglich der Verarbeitung japanischen Textes vorgestellt.

Was dabei herauskommt

Damit Sie besser entscheiden können, ob dieser Artikel für Sie nützlich ist, wird das Ziel vorab definiert: Herauskommen soll ein Betriebssystem, das sowohl deutschen als auch asiatischen Text mit Hilfe der Textverarbeitung Writer von StarOffice erstellen kann. Die Eingabe des Textes soll leicht zu steuern sein und auch flüssiges Schreiben ermöglichen. Klar, dass das nicht mehr mit der Zeichentabelle geht, aus der man sonst auch schon mal ein seltenes Sonderzeichen in den Text eingefügt hat. Zudem gibt es zahlreiche Unterschiede zu beachten, die asiatischen Text von europäischem unterscheiden, und sei es nur die japanische von-oben-nach-unten Schreibrichtung. Aussehen sollte es dann ungefähr so wie in Abbildung 1 oder Abbildung 6.

Abbildung 1: Ein Beispiel japanischer Texteingabe mit kinput2 & canna unter Linux

Das notwendige Rüstzeug

Auf europäischen Computersystemen sind Sprachen wie Chinesisch, Japanisch, oder Koreanisch immer noch schwierige Gäste. Die schiere Anzahl der Zeichen fernöstlicher Sprachen erfordert ein Umdenken, weg von der Tastatur mit ihren gerade mal knapp über hundert Tasten, hin zu semi-intelligenten Eingabemethoden, die erraten müssen, welches der 40.000 Chinesischen Zeichen der Benutzer denn meint, wenn er "hao" tippt. Klar, dass dies selten in der Standardkonfiguration des Systems enthalten ist - aber so weit, wie man vielleicht denken mag, ist der Weg dorthin gar nicht.

Getrennt nach Betriebssystemen wird im Folgenden die Konfiguration zur Eingabe asiatischen Textes beschrieben.

Windows

Mit dem Betriebssystem des Redmonder Riesen gestaltet sich die Konfiguration je nach Windows-Version sehr einfach oder aber auch recht schwierig. Mit Windows 95, 98 und NT 4 bringt man gar einen langen Marsch hinter sich, nur um letzten Endes zu erkennen, dass es die Zusammenarbeit mit StarOffice und OpenOffice schlichtweg verweigert!

95, 98 & NT 4 - Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Für die älteren Versionen seiner Betriebssystemreihe stellt Microsoft auf seinen Internetseiten verschiedene Eingabemethoden (Input Method Editor - IME) zum Download bereit. Deren Funktionalität erstreckt sich jedoch nicht auf das gesamte Betriebssystem, sondern nur auf bestimmte Programme, die von Microsofts IME unterstützt werden - OpenOffice gehört leider nicht dazu, was durchaus verständlich ist, stellt es doch eine ernst zu nehmende Konkurrenz zu Microsofts hauseigenem Büropaket dar. Trotzdem führen wir die Konfiguration der IME hier aus Gründen der Vollständigkeit auf. Allerdings gibt es noch weitere Einschränkungen: Verzeichnissen Namen auf japanisch zu geben ist zum Beispiel nicht drin.

Diesen strukturellen Mängeln zum Trotz gestaltet sich die Installation recht einfach, wenn auch nicht ganz ohne Fallstricke. Auf Microsofts Internetseite Download Microsoft Global IME 5.02 for Windows 95, Windows 98, and Windows NT 4.0 werden verschiedenste Dateien zum Download geboten. Sie finden die Seite am einfachsten, wenn Sie auf der Startseite www.microsoft.com nach japanese IME suchen. Da dort keine Erläuterungen zu den Dateien zu finden sind, hier eine Liste der Sprachen mit Namen der passenden Download-Dateien:

Jamondo.exe       Japanischer IME
Komondo.exe       Koreanischer IME
Scmondo.exe       Simple Chinese IME
Tcmondo.exe       Traditional Chinese IME

Was die weiteren Dateien für eine Bewandtnis haben, vermag nur Microsoft zu klären. Die angebotene Datei msjaime.exe zum Beispiel gibt beim Ausführen an, Microsofts Input Method Editor für Japanisch zu sein - genau wie jamondo.exe, und um die Verwirrung komplett zu machen, führen beide auch noch die gleiche Versionsnummer. Nach dem Download der entsprechenden Datei geht der Rest der Installation jedenfalls leicht von der Hand: Ein Doppelklick auf die Datei, der gewohnt-obligatorische Neustart von Windows und es ist geschafft: Per Klick auf das Tastaturlayout-Symbol in der Taskleiste kann man zur IME der installierten asiatischen Sprache wechseln. Apropos Tastaturlayout: Microsofts IME basieren allesamt auf US-Tastaturlayout, im Vergleich zur deutschen Version sind die Tasten 'y' und 'z' vertauscht. Dies ist nicht abänderbar und führt im täglichen Gebrauch schnell zu Tippfehlern.

Windows 2000 & XP

Im Gegensatz zur mangelhaften Unterstützung asiatischer Textbearbeitung unter den älteren Versionen von Windows liefert Microsoft mit Windows 2000 bzw. Windows XP Systeme, die in dieser Disziplin zwar nicht glänzen, jedoch durchaus zufrieden stellen. Die Installation ist für die beiden Versionen unterschiedlich, aber denkbar einfach und schnell erledigt.

Windows XP

In den Regions- und Sprachoptionen der Systemsteuerung von Windows XP gibt es unter dem Reiter Sprachen einen Bereich namens Zusätzliche Sprachunterstützung, in dem die Option Dateien für ostasiatische Sprachen installieren auszuwählen ist. Nachdem das System sich die benötigten Dateien von der Windows-CD kopiert hat, wird Windows neu gestartet, nachdem man die CD aus dem Laufwerk entfernt hat, damit nicht je nach BIOS-Einstellung von dieser CD gestartet wird. Anschließend muss man nochmals zu dem erwähnten Reiter Sprachen zurückkehren und dort den Knopf Details im Kasten Textdienste und -eingabesprachen anklicken. Der erscheinenden Auflistung installierter Dienste fügt man durch Klick auf den Knopf Hinzufügen das gewünschte Eingabegebietsschema hinzu.

Abbildung 2: Auswahl der Sprache unter Windows

Nun ist im Systemabschnitt der Taskleiste ein Symbol sichtbar, mit dem man per Klick durch die installierten Eingabemodi wechseln kann (Abb. 2). Damit die Bedienung gut von der Hand geht, sollte man noch mit einem Rechtsklick auf jenes Symbol und Auswahl des Punktes Eigenschaften des auftauchenden Menüs, die Option Erweiterte Textdienste deaktivieren abwählen, da es ansonsten z.B. im Japanischen nicht möglich ist, Kanji einzugeben - eine nicht sehr klug gewählte Voreinstellung Microsofts, aber damit ist die Installation dann auch schon abgeschlossen. Alternativ kann die Tastenkombination <Alt>+<Umschalt> zum Umschalten der Sprache benutzt werden.

Windows 2000

Hier sind zuerst die Ländereinstellungen in der Systemsteuerung anzuwählen. Das auftauchende Fenster birgt den Spracheinstellungen für das System genannten Kasten, in welchem die gewünschten Sprachen angekreuzt werden müssen. Nach Bestätigung per Klick auf die Schaltfläche Ok fordert das System nun die Windows 2000-CD, um von ihr die benötigten Dateien zu kopieren. Einen Neustart später (auch hier sollte die CD aus dem Laufwerk entfernt worden sein) kehre man nochmals zu den Ländereinstellungen zurück. Hinter dem dortigen Reiter Eingabe verbirgt sich die Auflistung sämtlicher installierter Eingabeschemata, zu denen man durch Klick auf Hinzufügen auch das der Zielsprache addieren kann. Danach kann man das Sprachsymbol im Systemabschnitt der Taskleiste bzw. die Tastenkombination <Alt>+<Umschalt> zum Umschalten zwischen den Eingabemodi benutzen.

Abbildung 3: Die US-Tastenbelegungaller Eingabemethoden von Windows provoziert Tippfehler

Handhabung

Der Gebrauch von Microsofts Methode zur Eingabe asiatischen Textes ist anfangs gewöhnungsbedürftig, schleichen sich doch zu Beginn öfter Tippfehler durch die vertauschten y- und z-Tasten des der Eingabemethode immer zugrundeliegenden US-Tastaturlayouts ein (Abbildung 3). Jedoch sind die von Windows 95 & 98 bekannten Einschränkungen bei Windows 2000 und XP zum größten Teil ausgemerzt. So ist es jetzt durchaus möglich, Verzeichnissen Namen auf Japanisch zu geben. Man sollte allerdings nicht unbedingt davon ausgehen, dass dann auch alle Programme auf diese zugreifen können. Programme Microsoft-fremder Hersteller wie z.B. Macromedia Flash, Winamp, Mozilla haben zum Teil große Probleme mit den fernöstlichen Verzeichnissen, oder verweigern gleich schlichtweg, deren Inhalt überhaupt zu lesen. StarOffice und OpenOffice.org haben indes keine Probleme und verrichten ohne zu murren ihren Dienst auch in asiatischer Umgebung - und darauf kommt es hier ja schließlich an.

Einen Vorteil hat Windows noch für Menschen, die mehrere asiatische Sprachen gleichzeitig benötigen: Deren parallele Installation und paralleler Gebrauch sind problemlos möglich - ein Vorsprung vor Linux, der aber vielleicht bald aufgeholt ist. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Linux

Unter Linux führen mehrere Wege zum Ziel, welche alle mit verschiedenen Vor- und Nachteilen behaftet sind. Welcher Weg den persönlichen Bedürfnissen am besten gerecht wird, muss man selbst entscheiden. Zur besseren Orientierung werden drei Möglichkeiten vorgestellt, die jedoch alle eine einheitliche Softwarebasis voraussetzen: Eine Eingabemethode, welche die Tastatureingaben entgegennimmt, diese in mögliche Ausgaben "übersetzt" und dem Benutzer zurückreicht. Klingt kompliziert, läuft aber komplett im Verborgenen ab und verlangt vom Benutzer nur, gegebenenfalls zwischen mehreren Zeichen, die er mit seiner Eingabe gemeint haben könnte, auszuwählen.

Abbildung 4: Die Tastatureingabe "monogatari" wird noch während des Tippens im japanischen Silbenalphabet angezeigt

Ein Beispiel: Meine Tastatureingabe "monogatari" wird entgegengenommen und noch während ich tippe im japanischen Silbenalphabet angezeigt (Abb. 4).

Da es nun im Japanischen mehrere Schreibweisen dieses Wortes gibt, präsentiert mir die Eingabemethode eine Auswahl (Abbildung 5). Da man statt einzelner Worte auch ohne weiteres ganze Sätze tippen kann, geht mit dieser Methodik das Schreiben in asiatischer Schrift bald schnell von der Hand.

Abbildung 5: Mit der Leertaste schaltet man durch die Auswahl alternativer Schreibweisen

Einschränkungen gibt es jedoch auch hierbei: So ist es z.B. bei Gebrauch einer Eingabemethode für eine asiatische Sprache nicht mehr möglich, die mit zwei Tastenschlägen erzeugten Akzentzeichen einer deutschen Tastatur zu verwenden, da diese eine Eingabemethode für sich darstellen, die durch die asiatische verdrängt wird. Entweder oder, das heißt es auch bei der generellen Auswahl der Eingabemethode, da nicht zwei gleichzeitig betrieben werden können, z.B. eine japanische und eine chinesische. Dies wird sich aber über kurz oder lang ändern, da das betagte Serverprogramm XIM, welches unter Linux für die Verwaltung der Eingabemethoden zuständig ist, laut Mike Fabian von der SuSE AG bald durch das ungleich mächtigere IIIMF ersetzt werden soll. Mit diesem wird man auch mehrere Eingabemethoden einrichten können, zwischen denen man dann im Betrieb hin- und herzuschalten vermag.

Damit das Hingeschriebene auch visuell gut herüberkommt, bedarf es außerdem einer ansehnlichen Schriftart, welche alle benötigten Zeichen der Zielsprache beinhaltet. Die meisten Linux-Distributionen kommen heutzutage mit einem reichhaltigen Fundus von Schriftarten ins Haus, von denen jedoch nur wenige die Zeichen asiatischer Sprachen beherrschen. In der nachfolgenden Tabelle sind benötigte Programme und einige passende Schriftarten aufgeführt. (Der Einfachheit halber wurden nicht alle, sondern nur eine sinnvoll erscheinende Auswahl möglicher Programme getroffen. Die Erwähnung und Beschreibung aller Alternativen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.)

Sprache Benötigte Programme Passende Schriftarten Anmerkungen
Japanisch kinput2 und canna Kochi Gothic, Kochi Mincho, Mikachan Umschalten zwischen den Eingabemodi mit Shift-Leerzeichen
Chinesisch scim oder xcin Arphic, AR PL KaitiM, Mingti2L, SungtiL (letzterer fehlen seltene Zeichen) Umschalten mit Strg-Leerzeichen
Koreanisch ami Baekmuk Batang, Beakmuk Dotum, Beakmuk Gulim Umschalten mit Shift-Leerzeichen

Mit der Installation der benötigten Programme und Schriftarten hat man nun alles an Bord, um mit der Konfiguration des Systems zu beginnen. Wie bereits erwähnt, gibt es hier mehrere Varianten, die im Folgenden vorgestellt werden.

Variante 1: Freie Auswahl für jeden

Das Ziel dieser Variante ist es, jedem Benutzer die Möglichkeit an die Hand zu geben, beim Start des Systems die gewünschte Sprache vorzugeben. Der Vorteil liegt auf der Hand: Ein Benutzer muss sich auf diese Weise nicht auf eine Sprache festlegen, sondern kann flexibel beim Systemstart entscheiden. Der Nachteil gründet sich darauf, dass sich dies nur mit einem einzigen Programm erreichen lässt, das vielleicht im übrigen nicht dem persönlichen Geschmack entspricht: Der Login-Manager GDM des Gnome-Projektes erlaubt, im Gegensatz zu seinem Bruder KDM vom KDE-Projekt, dass man beim Start der graphischen Oberfläche eine Sprache auswählt.

Voraussetzung für den Betrieb von GDM ist, natürlich neben der Installation der GDM-Pakete, eine Einstellung in der Datei /etc/sysconfig/displaymanager, in welcher (als Systemadministrator root!) eine Zeile zu ändern ist:

DISPLAYMANAGER="kdm" wird geändert zu
DISPLAYMANAGER="gdm"

Beim nächsten Systemstart wird GDM als Standard-Login-Manager verwendet und man kann dessen Sprachauswahl-Menü benutzen. Eventuell muss beim ersten Start mit GDM noch der gewünschte Fenstermanager gewählt werden, da GDM ansonsten standardmäßig Gnome startet. Benutzer von KDE, Windowmaker usw. können diese im Fenstermanager-Menü vor dem Login auswählen.

Variante 2: Alle über einen Kamm

Variante zwei sieht eine starre systemweite Konfiguration der Spracheinstellungen vor, welche geeignet ist für Systeme mit nur einem Benutzer, oder mehreren Benutzern, die keine individuellen Spracheinstellungen benötigen. Der Vorteil hierbei ist, dass man die Einstellungen lediglich ein einziges Mal für alle Benutzer tätigen muss. Als Nachteil wirkt die Unflexibilität dieser Variante, die jedoch durch Kombination mit der dritten Variante auch bei Bedarf aufgelöst werden kann - aber dazu später mehr. Hier erst einmal die notwendigen Einstellungen:

In der Datei /etc/sysconfig/language, müssen (als Systemadministrator root!) folgende Zeilen geändert werden:

RC_LANG="" wird geändert zu
RC_LANG="de_DE.UTF-8"

RC_LC_CTYPE="" wird geändert zu
RC_LC_CTYPE="ja_JP.UTF-8"            für Japanisch, bzw.
RC_LC_CTYPE="zh_CN.UTF-8"            für Chinesisch, bzw.
RC_LC_CTYPE="ko_KR.UTF-8"            für Koreanisch.

ROOT_USES_LANG=""                            wird geändert zu
ROOT_USES_LANG="ctype"

Diese Zeilen bewirken lediglich, dass man asiatischen Text eingeben kann, die Standardsprache, in der die Menüs der Programme etc. angezeigt werden, bleibt Deutsch. Um auch die Anzeige auf die Zielsprache umzuschalten, müssen gegebenenfalls die entsprechenden Sprachpakete installiert werden (z.B. kde3-i18n-ja für KDE, Gnome benötigt keine zusätzlichen Pakete) sowie in der Zeile mit RC_LANG="" die Kodierung der Zielsprache eingetragen werden (analog zur Zeile RC_LC_CTYPE).

Variante 3: Eigenbrötler

Im Gegensatz zur zweiten Variante werden hier die Spracheinstellungen auf Benutzerebene vorgenommen, was eine individuelle Konfiguration zulässt. Dies ist auch möglich, wenn das gesamte System, wie in der zweiten Variante gezeigt, eigentlich starr konfiguriert ist und erlaubt so "Ausnahmen" von der Vorgabe. Hierzu gilt es, die im Heimatverzeichnis des Benutzers befindliche Datei .profile zu bearbeiten. Der anführende Punkt des Dateinamens ist dabei kein Druckfehler, sondern unter Linux das Merkmal einer versteckten Datei. In einer Linux-Konsole kann man sich mit dem Befehl ls -la auch die versteckten Dateien eines Verzeichnisses anzeigen lassen. Ansonsten lassen sich auch diese Dateien normal benutzen. Der Befehl pico ~/.profile würde zum Beispiel den Editor Pico mit der Datei .profile des aktuellen Benutzers aufrufen.

In der Datei muss folgende Zeile verändert bzw. hinzugefügt werden:

export LC_CTYPE="ja_JP.UTF-8"         für Japanisch, bzw.
zh_CN.UTF-8                                             für Chinesisch, oder
ko_KR.UTF-8                                             für Koreanisch.

Et voilá, beim nächsten Einloggen kann der Benutzer mit der in der obigen Tabelle für seine Sprache aufgeführten Tastenkombination zwischen den Eingabemodi wechseln.

Abbildung 6: Gemischter lateinisch/asiatischer Text - Seitenvorlage mit horizontaler Schreibrichtung, vertikaler Text in Textrahmen. In der Darstellung sind die Textrahmen mit einfacher Umrandung versehen. Zusätzlich sind hilfsweise alle "Objektumrandungen" angezeigt, die nicht gedruckt werden.

StarOffice goes Nippon

Das Verfassen japanischer (Abb. 1) oder japanisch-europäisch gemischtsprachlicher Texte (Abb. 6) stellt StarOffice/OpenOffice.org vor keinerlei Probleme. So sind im Programm zum Beispiel zwei verschiedene Schriftarten vorkonfiguriert: Eine für westliche Sprachen, eine andere für asiatische. Dieser frei änderbaren Konfiguration ist es zu verdanken, dass beim Wechsel der Eingabesprache automatisch auch die Schriftart geändert wird und man sich auf diese Weise viel Handarbeit für die Formatierung erspart. Besonders asiatisch-europäische Mischtexte lassen sich so ohne Mehrarbeit erstellen.

Ebenso gibt es für viele der sprachspezifischen Formatierungen, angefangen bei der Lesungshilfe Ruby über das japanische Genkouyoushi-Manuskriptformat bis hin zur klassischen Schreibweise von oben nach unten, reichhaltige Einstellmöglichkeiten. Jene Optionen sind zur großen Freude auch nicht in verwinkelten Extramenüs versteckt, sondern werden sinnvoll auf die existierenden Standardmenüs verteilt, sobald man im Menü Extras, Optionen, Spracheinstellungen, Sprachen die Unterstützung asiatischer Sprachen aktiviert hat. Dort gilt es dann auch, die gewünschte asiatische Sprache auszuwählen. Unter den Spracheinstellungen finden sich danach vielerlei Einstellungen bezüglich der als Standard zu verwendenden, grundlegenden Formatierungsvorgaben, wie spezielle Regeln für den Zeichenabstand asiatischer Schrift. (Details hierzu sind im nachfolgenden Artikel zu finden.)

Besondere Erwähnung im Kontext asiatisch-europäischer Mischtexte verdient übrigens die Option der Textrahmen (zu erreichen unter Einfügen, Rahmen), mit deren Hilfe fernöstlicher und westlicher Inhalt, auch bei starken Unterschieden der Formatierung, auf einer Seite friedlich koexistieren können. Die Rahmen sind praktisch selbst kleine Seiten, in die man Text eingeben kann. Sie werden im Dokument wie Bilder platziert und können mit der Option Umlauf sich ebenso nahtlos in den Fließtext einpassen. Jene Option befindet sich im Kontextmenü des Rahmens, erreichbar durch Rechtsklick auf selbigen. Unter dem ebenfalls dort befindlichen Menüpunkt Rahmen lassen sich nun Schriftrichtung, Spaltenaufteilung, Umrandung etc. festlegen - unabhängig von den Formatierungen der Seite, welche den Rahmen birgt. Der Punkt Beschriftung fügt einen (Unter-) Titel hinzu, welcher sich allerdings an dem Textfluss des Rahmens ausrichtet und nicht an dem der Seite, in die er eingebettet ist. Wer aber z.B. einem Rahmen mit vertikalem Textfluss eine horizontale Überschrift anfügen will, steht dennoch nicht im Regen, denn: Rahmen lassen sich auch ineinander verschachteln. Für jenen Fall bedeutet dies, dass der Rahmen mit vertikalem Textfluss in einen weiteren mit horizontalem eingesetzt werden kann und letzterer wird beschriftet - nun ebenfalls horizontal.

Problemlos stellen sich auch die restlichen Formatierungen dar, ein Textraster, die Textrichtung, doppelzeilige Schrift, sowie ein Hort von weiteren Japanisch-spezifischen Einstellungen lassen sich wie gewohnt in den Formatvorlagen des Stylisten definieren.

Schlaglöcher

Ein Problem hat sich dennoch gezeigt: Auf einigen Systemen wurden in der Standardkonfiguration asiatische Zeichen nicht korrekt dargestellt, wenn sie nicht im Text, sondern in der Programmoberfläche vorkamen - zum Beispiel im Eingabefenster für die japanischen Ruby-Lesungshilfen. Schuld daran ist der Umstand, dass die für die Programmoberfläche verwendete Schriftart in manchen Fällen nicht die zur Anzeige asiatischen Textes nötigen Zeichen beinhaltet. Eine Nachlässigkeit, für die es jedoch eine Kur gibt: Im Menü Extras, Optionen, StarOffice (bzw. OpenOffice.org) muss im Unterpunkt Zugänglichkeit die Option Systemschriftart für die Benutzeroberfläche verwenden deaktiviert werden. Im Unterpunkt Schriftarten kommt ein Häkchen vor Ersetzungstabelle anwenden. An dieser Stelle muss nun eine Ersetzungsregel definiert werden, die die Schriftart der Programmoberfläche durch eine geeignetere ersetzt, doch herauszufinden, welche denn momentan verwendet wird, ist nicht immer trivial - zur Not hilft ausprobieren. StarOffice verwendet für seine Oberfläche eine eigene, im Programmpaket mitgelieferte Schriftart namens Andale Sans UI, OpenOffice hingegen kommt ohne eigene Schriftart daher - es verlässt sich auf die Schriftarten des Betriebssystems, meist Albany oder 'Nimbus Sans L' (eine Prioritätenliste der von OpenOffice verwendeten Schriftarten findet sich in der Datei VCL.xcu im Unterverzeichnis /share/registry/data/org/openoffice/ des Programmordners, sie ist jedoch arg unübersichtlich. Die für die Programmoberfläche verwendeten Schriftarten stehen in der Datei hinter der Zeichenkette UI_SANS). Jene Schriftart muss nun in der o.a. erwähnten Ersetzungstabelle durch eine ersetzt werden, die auch asiatische Zeichen darstellen kann. 'Arial Unicode MS' oder 'GNU Unifont' sind gute Kandidaten für diesen Zweck. Mit Klick auf den grünen Haken wird die Eingabe bestätigt, die Ersetzungsregel taucht danach in der angezeigten Liste auf. Anzuwählen sind auch die zwei Kästchen vor der Ersetzungsregel mit der Bezeichnung immer und Bildschirm. Nach der Bestätigung per Klick auf den Ok-Knopf zeigt sich StarOffice bzw. OpenOffice.org mit der neu eingestellten Anzeigeschriftart, welche jetzt auch im Ruby-Fenster Japanisch darzustellen vermag.

Fazit

Das Verfassen von Texten in asiatischen Sprachen ist mit StarOffice und OpenOffice.org nicht nur möglich, es macht auch Spaß. Besonders die reichhaltigen Formatierungsmöglichkeiten öffnen ein Tor in die Welt fernöstlicher Typographie und laden den Neuling genauso zum Ausprobieren und Experimentieren ein, wie sie dem fortgeschrittenen Texter beinahe alle zu wünschenden Möglichkeiten an die Hand geben.

Allein Betriebssystem bedingte Unzulänglichkeiten wie die nicht sehr intuitive Konfiguration (Linux), oder Bedienung (Windows 2000 & XP) der Eingabemethoden stellt noch ein Hemmnis auf dem Weg zum einfachen Verfassen von Texten in einer asiatischen Sprache dar. Auch hapert es noch an kleineren Ecken, wie den ausgeschalteten Akzentzeichen unter Linux.

Sieht man von diesen Hürden ab, sind StarOffice und OpenOffice.org selbst sehr gute Wegbegleiter.

Marcel Boeing, Martin Fox


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