Grundlagen der Textverarbeitung mit StarOfficeunter besonderer Berücksichtigung asiatischer Sprachen
Einleitung
Sun StarOffice bzw. das funktional identische OpenOffice.org (der Einfachheit halber wird nachfolgend nur noch von StarOffice gesprochen) sind bereits für die Unterstützung asiatischer und anderer Sprachen eingerichtet. Zur Zeit werden Hindi, Thai, Hebräisch und Arabisch sowie Japanisch, Chinesisch und Koreanisch unterstützt. Für diese fremdsprachige Textverarbeitung mit StarOffice unter Windows sind nur die Versionen XP und 2000 geeignet.
StarOffice ist in der Leistungsfähigkeit mit anderen Office-Paketen vergleichbar, in der Zuverlässigkeit sogar überlegen. In der Zeitschrift c't des Heise-Verlags wurden in der Ausgabe 7/2004 (Seite 170 ff.) vom April dieses Jahres sieben Textverarbeitungsprogramme verglichen, darunter Microsoft Word, Corel WordPerfect, Lotus WordPro und StarWriter aus dem Sun StarOffice-Paket. Bei einer der Testaufgaben ging es um die Erstellung eines 140 Seiten langen Textes mit vielen Abbildungen bzw. Grafiken sowie vielen Fußnoten, etwa Examensarbeiten entsprechend. Von den vier erwähnten "großen" Programmen schnitt StarWriter bei dieser Aufgabe am besten ab, drei "kleinere" Programme - Ragtime, Papyrus und Textmaker - waren in dieser Disziplin ähnlich gut wie StarWriter. Während mit Word 2003 ab der 50. Grafik "an gezieltes Layouten ... nicht mehr zu denken" war und der Test beendet wurde, sah dies mit StarWriter anders aus. Das Programm "schluckte ohne zu murren 120 Grafiken und 240 Fußnoten". Fazit: "Die großen Platzhirsche Word 2003, WordPerfect und Word Pro machten irgendwo auf der Mitte des Weges schlapp, während Papyrus, Ragtime, Textmaker und StarOffice/OpenOffice unseren Testparcours ohne Probleme absolvierten. ... Besonders Examenskandidaten und Autoren technischer, an Abbildungen reicher Bücher sollten sich deshalb aus Sicherheitsgründen mit einem der getesteten Alternativprogramme anfreunden."
Da StarOffice an der Universität zu Köln kostenfrei erhältlich ist (http://www.uni-koeln.de/rrzk/software/campus/staroffice.html) und OpenOffice.org sogar weltweit (http://www.openoffice.org), lohnt es sich, den wegen der Ähnlichkeit mit MS Office relativ einfachen Umstieg auf StarOffice zu wagen.
Um die Anfangsschwierigkeiten zu überwinden, soll hier ein knapper Überblick über das Arbeiten mit StarOffice und insbesondere mit Absatz- und Seitenvorlagen gegeben werden. Detaillierte Anleitungen finden Sie im (von mir geschriebenen) RRZN-Handbuch "StarOffice6 & OpenOffice1", das im Benutzerbüro im RRZK-B erhältlich ist und sich praktisch ohne Einschränkungen für die aktuellen Versionen StarOffice 7 bzw. OpenOffice 1.1 verwenden lässt.
Abbildung 1: Das Anwendungsfenster von StarOffice Writer mit Absatzvorlagen im "angedockten" Stylisten
Grundlegendes
Nach dem Start von StarOffice Writer zeigt sich ein Anwendungsfenster, das i.w. mit dem von Word übereinstimmt. Links ist zusätzlich eine Werkzeugleiste zu sehen, in der Schaltflächen für das schnelle Aufrufen von Funktionen wie Feldbefehle einfügen vorhanden sind (Abb. 1). Hinter Schaltflächen mit einem kleinen (grünen) Dreieck wie der erwähnten, versteckt sich eine Leiste mit mehreren Befehlen, die sich beim Festhalten der Maustaste öffnet und auch permanent als "Abreißleiste" bereit stellen lässt.
Die Texteingabe und Formatierung wird wie bei Word durchgeführt. Markierter Text kann gestaltet werden mittels "direkter" Formatierung etwa durch Klick auf die Schaltfläche [F] (fett), durch Aufruf des Dialogs Format, Absatz oder "indirekt" durch Anwenden von Formatvorlagen wie Überschrift 1 oder Standard.
Auch die sonstigen Funktionen in StarWriter sind sehr ähnlich zur Konkurrenz. Und selbstverständlich können Grafiken eingefügt (Einfügen, Grafik, Aus Datei) und beschriftet (Einfügen, Beschriftung), Inhalts-, Abbildungs- und Stichwortverzeichnisse automatisch erstellt (Einfügen, Verzeichnisse) und Querverweise angelegt (Einfügen, Querverweis) werden. Auch Fußnoten (Einfügen, Fußnote) bereiten keine Probleme, die Einstellmöglichkeiten sind sogar umfangreicher als bei anderen Programmen.
Formatieren - der Stylist
"Direkte" Formatierung etwa durch Aufruf eines Dialogs wie Format, Absatz oder Klick auf die Schaltfläche [F] (fett) ist höchstens für kleine Texte wie Briefe sinnvoll, keinesfalls aber für lange Texte wie Seminar- oder Examensarbeiten. Einerseits ist direkte Formatierung viel zu aufwändig (für jeden Absatz müssen die Attribute neu definiert werden), andererseits macht es das effiziente Ändern des Layouts unmöglich.
Gleichgültig, ob mit StarOffice Writer, Word o.a. Programmen gearbeitet wird, ist es daher unabdingbar, dass lange Texte mit Vorlagen gestaltet werden, die leicht erstellt und angewandt werden können. Durch Ändern einer benutzten Vorlage kann das Layout des gesamten Dokuments geändert werden.
Zentrales Werkzeug zum Formatieren der Texte in StarWriter ist der Stylist, der als freies Fenster auf dem Desktop (Bildschirm) platziert oder wie der "Aufgabenbereich" von Word rechts (oder links) im Anwendungsfenster angedockt werden kann (Abb. 1, rechts). Aufgerufen wird er mit <F11>, Klick auf die Schaltfläche [Stylist] (Hand mit Zeigefinger) in der Funktionsleiste oder mit dem Befehl Format, Stylist. Weitere Einzelheiten finden Sie auch in der StarOffice-Hilfe, wenn im Index nach Stylist gesucht wird.
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Abbildung 2: Register "Einzüge und Abstände" bei Absatzvorlage Standard
Vorlagen erstellen, bearbeiten und zuweisen
StarOffice Writer kennt folgende Vorlagentypen:
- Absatzvorlagen, die die gleichen Attribute kennen wie die bei Word (Abstände und Einzüge, Schrift, Ausrichtung, Tabulatoren, Sprache etc.). Zusätzlich gibt es das Attribut Initialen, das es auf einfache Art zulässt, den Absatz wie aus alten Büchern bekannt mit Initialen zu beginnen.
Zudem können hier Attribute für die asiatische Typographie sowie für das asiatische Layout gesetzt werden, falls die Unterstützung asiatischer Sprachen aktiviert ist (s. weiter hinten).
- Zeichenvorlagen, die u.a. Schriftart, Schriftgrad sowie die Sprache festlegen.
Daneben gibt es Rahmen- (Festlegen von Umlauf, Abständen zum Text etc. für Rahmen und Grafiken) und Nummerierungsvorlagen.
Die bisher genannten Vorlagentypen können wie bei Word auf anderen "basieren" (StarWriter: Verknüpft mit), so dass sie automatisch deren Attribute erben und ggf. die Änderung der Basisvorlage alle damit verknüpften Vorlagen automatisch analog ändert.
StarWriter erleichtert das sinnvolle Verwenden dieser "Vererbung" von Attributen dadurch, dass im Stylisten die "hierarchische" Auflistung aller Vorlagen möglich ist. So ist z.B. sofort erkennbar, dass alle Absatzvorlagen mit der Vorlage Standard verknüpft sind.
- Seitenvorlagen, in denen Kopfzeilen, Fußzeilen, Ränder und Nummerierungsformat sowie Spalten eingestellt werden. Zudem kann hier für asiatische Texte die Schreibrichtung und das Textraster der Seite festgelegt werden.
Will man in einem Dokument Seiten mit waagerechter und senkrechter Schreibrichtung benutzen, müssen passende Seitenvorlagen erstellt werden. Eigene Seitenvorlagen werden auch benutzt, um unterschiedliche Seitennummerierungen z.B. in der Einleitung i, ii, iii..., im Haupttext 1, 2, 3... und im Anhang A-1, A-2 etc. zu erzeugen. (In Word kann dies mit Abschnitten erreicht werden, s. z.B. die Kurzanleitung Textverarbeitung mit Word 2000 unter http://www.uni-koeln.de/rrzk/kurse/unterlagen/#office.)
Vorlagen werden bearbeitet oder neu erstellt, indem z.B. im Stylisten nach Auswahl des Vorlagentyps (z.B. Absatzvorlagen) per Rechtsklick auf eine Vorlage das Kontextmenü aufgerufen und dann Neu oder Ändern gewählt wird. Abbildung 2 zeigt den Dialog Einzüge und Abstände für die Absatzvorlage Standard. Die einzelnen Register und Optionen sind von Word bekannt, auch wenn sie dort leicht anders beschriftet sind. Beispielsweise werden auch Tabulatoren auf die gleiche Art wie in Word gesetzt, ggf. hilft zudem die kontextsensitive Hilfe.
Vorlagen werden zugewiesen, indem der betreffende Text (Wort, Absatz, Seite) markiert und dann die gewünschte Vorlage doppelt angeklickt wird. Ein Absatz oder eine Seite ist markiert, wenn die Schreibmarke darin steht oder die Markierung hineinreicht.
"Asiatische" Einstellungen und Vorlagen
Nach dem Grundsätzlichen werden kurz die Einstellungen und Attribute für die Verwendung asiatischer Sprachen vorgestellt.
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Abbildung 3: Extras, Optionen, Spracheinstellungen
Einstellungen im Dialog Extras, Optionen
Option Spracheinstellungen, Sprachen
Um asiatische Texte auf einfache Art eingeben zu können, muss im Dialog Extras, Optionen, Spracheinstellungen, Sprachen die Option Unterstützung asiatischer Sprachen aktiviert sein. Zudem wird hier die asiatische Standardsprache, etwa Japanisch, für die Dokumente eingestellt.
Die Unterstützung von Complex Text Layout bezieht sich z.Zt. auf Hindi, Thai, Hebräisch und Arabisch und ist für "asiatische Sprachen" (Japanisch, Chinesisch, Koreanisch) nicht notwendig.
Optionen Spracheinstellungen, Suchoptionen und Asiatisches Layout
Nach Bestätigen der Einstellung durch Klick auf [Ok] und erneutem Öffnen des Dialogs sind zwei neue Dialoge vorhanden, Suchoptionen für Japanisch (für die gewählte Standardsprache, Abb. 3 zeigt einen Teil der Optionen) und Asiatisches Layout mit Optionen für Unterschneidung (Kerning) und Zeichenabstand.
Option Textdokument, Grundschriften (asiatisch)
Hier können die zu verwendenden Schriftarten für asiatischen Text, Überschriften, Beschriftungen und Verzeichnisse eingestellt werden. Weiteres dazu im zweiten Artikel.
Seitenvorlage - Schreibrichtung und Raster
Schreibt man ein Dokument, in dem vor allem asiatischer Text (abgesehen vielleicht von in Rahmen eingefügten, kurzen "lateinischen" Zitaten) vorkommt, ist es sinnvoll, eine Seitenvorlage wie Seite-asiatisch anzulegen. In dieser Seitenvorlage wird zusätzlich zu den üblichen Seiteneinstellungen die Schreibrichtung (etwa die traditionelle von oben nach unten) sowie ggf. ein Schreibraster festgelegt.
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Abbildung 4: Vertikale Schreibrichtung einstellen
Dazu kann im Stylist der Vorlagentyp Seitenvorlagen gewählt und im Kontextmenü einer Seitenvorlage die Option Neu gewählt werden. Im Register Seite des Dialogs wird der Textfluss Rechts-nach-links (vertikal) eingestellt.
Im Register Textraster kann zudem die Art (nur Linien oder Linien und Zeichen) sowie das Rasterlayout (Größe des Rasters) festgelegt werden.
Absatzvorlage - "asiatische" Register
Weitere Einstellmöglichkeiten in zwei "asiatischen" Registern gibt es bei den Absatzvorlagen, die ebenfalls nur zu sehen sind, wenn in Extras, Optionen die Unterstützung asiatischer Sprachen aktiviert ist. Im Register Asiatische Typographie werden Optionen für den Zeilenwechsel eingestellt (Abbildung 5) und im Register Asiatisches Layout (ganz rechts in Abb. 5 noch zu erkennen) kann die Option Doppelzeilig schreiben aktiviert und dann ein Paar Einschließende Zeichen gewählt werden.
Abbildung 5: Absatzvorlagen, Asiatische Typographie
Zeichenvorlage - Asiatisches Layout
Das im vorstehenden Absatz beschriebene Register Asiatisches Layout ist ebenfalls für Zeichenvorlagen verfügbar, anwendbar, wenn in lateinischen Text asiatische Zeichen eingefügt werden.
Textrahmen
Textrahmen, wie sie im vorstehenden Artikel benutzt werden, um in Text mit horizontaler Schreibrichtung vertikalen Text zu integrieren, werden mit Einfügen, Rahmen an der Schreibposition eingefügt.
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Abbildung 6: Textfluss im Rahmen
Der Rahmen wird automatisch mit der Rahmenvorlage Rahmen formatiert, die wie weiter oben beschrieben (Kontextmenü im Stylist: Ändern) geändert werden kann; u.a. kann die Textrichtung im Rahmen eingestellt (Abb. 6), die Umrandung abgestellt und der Umlauf mit Abstand zum übrigen Text definiert werden. Wie üblich kann die Rahmengröße auch mit der Maus verändert werden (Abb. 7).
Will man "etwas" senkrechten Text in einem ansonsten horizontalen Text eingeben, wird eine neue Rahmenvorlage, etwa Rahmen-senkrecht, mit Textfluss Rechts-nach-links (vertikal) erstellt und der Rahmen damit formatiert. Soll senkrechter Text mit waagerechter Beschriftung versehen werden, so erstellt man einen "waagerechten" Rahmen, in den man einen weiteren "senkrechten" Rahmen einfügt. Im inneren Rahmen wird der senkrechte Text eingegeben, der äußere Rahmen wird nach Klick auf diesen mit Einfügen, Beschriftung beschriftet.
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Abbildung 7: Ein Textrahmen und die zugehörige Rahmenvorlage im Stylisten
Eine Alternative zu Rahmen bietet noch Vertikaler Text bei den Zeichenfunktionen in der Werkzeugleiste. Für den hiermit eingefügten Textrahmen werden keine Objektumrandungen angezeigt, ansonsten können aber Verankerung, Umlauf sowie Position und Größe wie bei "echten" Rahmen über das Kontextmenü oder das Menü Format gestaltet werden. In diesen Textrahmen wird der vertikale Text bei Bedarf korrekt horizontal beschriftet. Das Umschalten der Sprache funktioniert fehlerfrei, allerdings ist das Zuweisen von Vorlagen für diese Textrahmen nicht möglich.
Umschalten der Sprache und benutzen der "asiatischen" Vorlagen
Wie im Artikel "Asiatische Sprachen mit StarOffice" bei der Konfiguration der Betriebssysteme auf Seite 17 beschrieben, wird unter Windows XP&2000 zwischen der Eingabe der unterschiedlichen Sprachen durch Klick auf das Symbol in der Taskleiste umgeschaltet.
Schaltet man die Sprache um, so werden automatisch die in der verwendeten Absatzvorlage gewählten Schriftarten für westlichen bzw. asiatischen Text verwendet. Für senkrechten asiatischen Text weist man der Seite eine entsprechende Seitenvorlage zu, bei der sinnvollerweise als Folgevorlage die gleiche oder eine andere "senkrechte" Vorlage eingetragen.