RRZK-Kompass Nr. 104 - 20. Mai 2005
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Kleiner E-Mail-Knigge


Die WWW-Seiten http://www.netzmafia.de/ werden von Prof. Jürgen Plate und seinen "Mafiosi" erstellt und gepflegt. Prof. Plate lehrt Informatik an der FH München und stellt auf diesen Seiten u.a. vorlesungsbegleitende Schriften bereit, z.B. Einführungen in Computernetze und in das Internet. Unter Diverses sind noch "Hinweise zum Schreiben von Fachaufsätzen" sowie "Tipps zum mündlichen Referat" zu finden.
Der nachfolgende "kleine E-Mail-Knigge" ist den dortigen Seiten entnommen. Wir danken Prof. Plate für die Erlaubnis, den Text drucken zu dürfen.

Allgemeines

So wie man im Geschäftsleben den "DIN-Brief" oder ähnliche Standardisierungen kennt, so gibt es auch für E-Mails einige Grundregeln. Niemand wird mal eben einen dahingeschluderten Brief abschicken, denn das würde dem Image schaden. Erstaunlicherweise sind viele bei E-Mail nicht so sensibel. E-Mails tendieren zwar dazu, etwas salopper formuliert zu werden als Papierkommunikation, aber sollte es nicht auch bei E-Mails eine gewisse Schmerzgrenze geben? Bedenken Sie dabei, welchen Eindruck Ihr virtueller Gegenüber von Ihnen bekommt.

Wenn man also jemandem etwas mitteilen will, sollte man dafür sorgen, daß der Empfänger das auch lesen kann. Dies geht über die bloße Möglichkeit, den Text zu entziffern, hinaus. Ein gut lesbarer Text wird wesentlich mehr Aufmerksamkeit erfahren. Auch will sich sicher niemand als jemand outen, der von elementaren Grundregeln der elektronischen Kommunikation keine Ahnung hat. In den vergangenen mehr als 25 Jahren haben sich Regeln für das E-Mail-Schreiben herausgebildet, die von jedem erfahrenen Internet-Nutzer eingehalten werden:

   --
            (__)   ==         Prof. Juergen Plate         ==   (__)
   ~~\------(..)   ==   Fachhochschule Muenchen, FB 04    ==   (oo)------\
    * ||    (__)   ==  Dachauerstr. 98 B, 80335 Muenchen  ==   (__)    || |
    * ||w--||      ==       Telefon +49-(0)89-1265-0      ==      ||--w|| ~

Beispiel einer RFC-1855 konformen Signatur

Regeln für Antwortmails (Zitieren)

Am Anfang sollte man vor allem sagen, auf wen man sich bezieht. Weitere Angaben sind fast immer überflüssig, da sie im Header ablesbar sind (z.B. Subject der Bezugsnachricht, Message-ID der Bezugsnachricht (bei den meisten Programmen)). Diese Einleitungszeile sollte man kurz halten, maximal zwei Zeilen reichen. Lange "witzige" Einleitungen langweilen schnell. Selbiges gilt erfahrungsgemäß auch für Anreden etc.

Warum das Dateiformat von 'Word' (Endung .DOC) kein Austauschformat ist

Dem Benutzer von Microsoft Office wird vorgegaukelt, es sei ganz einfach, seine Dokumente im jeweiligen Format per E-Mail weiterzugeben. Wer solche Dateien erhält, wird gezwungen, Microsoft Office zu verwenden. Diese Produkte hat aber nicht jeder und sie sind auch nicht auf allen Rechnerplattformen verfügbar. Im Hochschulbereich ist es sogar wahrscheinlicher, auf nicht-Microsoft-Rechner zu stoßen als woanders. Aber nicht nur deshalb ist der Austausch von Dateien im .DOC-Format (oder .XLS, .PPT, ...) eine schlechte Idee. In den meisten Fällen ist das Format schlicht ungeeignet und zu risikobehaftet.

Word-Dokumente können Makroviren enthalten. Daher sollten .DOCs von fremden Rechnern nur nach sorgfältiger Prüfung geöffnet werden. Aber auch andere Makros können beim Empfänger unerwünschte Effekte hervorrufen. Auch wenn man davon ausgeht, daß die eigenen Dokumente sauber sind, kann man niemandem, der nicht genau die Risiken einschätzen kann, empfehlen, irgend ein fremdes Word-Dokument auf seinen Rechner zu holen.

Was ist unangenehmer als von einem Computer-Virus befallen zu werden? Aus Versehen einen Virus zu verbreiten! Eben dies ist Porsche im Sommer 2001 passiert.

Nicht einmal ältere Word-Versionen können Dokumente einer neuen WinWord-Version öffnen. Geschweige denn Menschen, die ein anderes Betriebssystem oder ein anderes Schreibprogramm benutzen.

Das .DOC-Format ist weder veröffentlicht, noch im Klartext nachvollziehbar. Jedes Dokument enthält unkontrollierbaren Datenmüll: den Autor, das Erstellungsdatum, den Dateipfad, den Makropuffer, den Löschpuffer, die Seriennummer Ihrer Netzwerkkarte und vielleicht noch mehr. Bei jedem Speichern werden zusätzliche Daten in die Worddatei geschrieben. Demzufolge sind Fragmente aus den Vorversionen, die längst gelöscht sein sollten und die gesamte Bearbeitungsgeschichte des Textes noch in der DOC-Datei enthalten. Mit einem Texteditor (Notepad) lassen sie sich teilweise wieder sichtbar machen. Mitunter werden sogar Fonts ins Dokument eingebunden. Die (unwissentliche) Weitergabe von Fonts kann sogar zu Copyright-Konflikten und damit vor den Kadi führen.

In den meisten Fällen ist es überhaupt nicht nötig, alle Formatierungen eines Textes weiterzugeben. Gerade bei E-Mails würde meist ein einfacher Text, direkt im E-Mail-Programm geschrieben oder übers Clipboard ("Zwischenablage") einkopiert, völlig genügen.

Wenn unbedingt ein formatierter Text versendet werden soll, kann man das RTF-Format verwenden (geht ganz leicht mit "Speichern unter .."). Oder man wandelt das Dokument mit Hilfe des Adobe Acrobat Destillers in das PDF-Format um. Microsoft hat Anfang Mai einen kostenlosen PDF-Konverter für Word angekündigt.

Legenden und Hoaxes

Legenden sind recht unterhaltsam, wenn sie das erste Mal auftauchen; verzeihbar auch noch beim zweiten Mal, aber nicht mehr, wenn's das siebte Mal ist, wenn es sie schon seit Monaten oder Jahren gibt. (Beispiel: Kostenlose Mobiltelefone von 'bitte passende Firma einsetzen', der arme Craig Shergold, der gerne eine Visitenkarte möchte oder die Virenwarnung, die man an alle Freunde und Bekannten verschicken soll). Diese Geschichten leben weiter, weil es offensichtlich Menschen gibt, die denken, daß Sie für jedermann neu sein müssen, weil sie doch jetzt erst davon gehört haben. Wenn man sich die vielen Webseiten über Legenden und Hoaxes ansieht, ist es eine Schande, daß viele bereit sind, ihre Glaubwürdigkeit zu ruinieren, indem sie an solche Geschichten glauben. Man muß davon ausgehen, daß die Absender die Geschichten glauben, weil sie diesen Müll verschicken, ohne daß sie nachgedacht oder vorher einmal die einschlägigen Webseiten gelesen haben.

E-Mail-Viren und SPAM

Neulinge im Netz werden öfters erschreckt durch die Meldung, daß man keinesfalls eine E-Mail mit dem Betreff "Good Times" (oder auch einem anderen Subject) lesen soll, da sonst ein Virusprogramm auf den Rechner gelangt. Das stimmt natürlich nicht. Durch alleiniges Lesen einer E-Mail kann meist nichts passieren. Leider sind einige Betriebssysteme und E-Mail-Programme inzwischen so angreifbar geworden, daß schon beim Öffnen der E-Mail ein in der Mail enthaltener Programmcode zur Ausführung gelangt. Da hilft es nur, auf andere Programme auszuweichen. Anders verhält es sich, wenn diese E-Mail eine angehängte Datei ("Attachment") mit sich führt. Diese Datei kann sehr wohl Gefahren mit sich bringen:

Es gibt noch ein paar andere Sorten von E-Mail, die zwar nicht gefährlich, aber doch lästig sind. Wie bei der Briefpost kommen mit der Zeit auch Werbe-E-Mails, welche die Mailbox verstopfen. Die zweite Sorte sind Kettenbriefe wie man sie auch seit vielen Jahren kennt. Meist tragen sie ein Subject der Art MAKE MONEY FAST". Schließlich geistern seit Jahrzehnten herzerweichende E-Mails durch das Netz, die von einem krebskranken Jungen erzählen (z. B. Craig Shergold), der gerne noch ins Guinness-Buch der Rekorde kommen möchte und dem man deshalb eine Postkarte oder Visitenkarte schicken soll. Tun Sie das nicht, denn entweder ist der Kleine schon 30 - 40 Jahre alt oder längst verstorben.

Wie war das mit "I Love You"?

Zeitungen und Multimedia-Firmen verloren ihre Bild-Datenbanken. Warum? Gab es keine Datensicherung? Kein Backup? Tatsächlich dokumentiert die schnelle Verbreitung des "I Love You"-Virus ein derartiges Maß an fehlendem Sicherheitsbewußtsein selbst in großen Firmen und Institutionen, dass die Experten nachgerade verzweifeln.

Die Links innerhalb des Scripts offenbaren drei Pseudonyme von Usern, zum Beispiel: http://www.skyinet.net/~koichi. Auf deren Homepage lag das Programm, das "I Love You" zur Datenspionage verwenden wollte. Seinen Provider verrät uns zum Beispiel die Datenbank Allwhois (http://www.allwhois.com/). Man muß nur skyinet.net in das Suchfenster eingeben und erhält Namen, Adresse und Telefonnummer: Sky Internet,Inc., L/G Victoria I Bldg. 1670 Quezon Ave, Quezon, Ph 1103 8000, +63 2 411-2005. So kommt man auch sicher an deren Kunden mit dem Pseudonym "koichi".

Was kommt sonst noch mit der E-Mail

Die meisten Mail-Programme werfen sofort den Web-Browser an, wenn sich HTML-codierter Text in der E-Mail befindet. Leider ist es eine Unsitte, dass viele Programme als Voreinstellung den Versand von HTML-codierten Dokumenten haben. Damit kann man sich neben den oben genannten Viren auch beispielsweise das folgende einhandeln (original so bei mir eingetroffen):

<BODY>
<P><FONT Color="#100001" FACE="Verdana" SIZE="2">
<B>Hey Du</B><BR><BR>
Am besten sofort anrufen:
<BR>
<B>Tel 0067.710.523
</B><BR>
Total affig!
<BR><BR>
Eine Überraschung von ??
</FONT>
<img src="http://lll.0lo.org/l0/RpC.ddd?a=plate@fhm.edu&b=0067SS" 
width="0" height="0" border="0">
</P></BODY>

Sobald die E-Mail geöffnet wird, ruft der Bilder-Link (<img src=...) ein Programm namens RpC.ddd auf und gibt ihm die beiden Werte von a (plate@fhm.edu) und b (0067SS) mit. Damit weiß das System des Spammers nicht nur, daß die E-Mail-Adresse gültig ist, sondern sogar wann und von welchem Rechner (IP-Nummer) aus die E-Mail gelesen wurde.

Was ist eigentlich Spam? Und was bedeutet ECP, EMP, UBE, UCE?

Zunächst eine knappe Erläuterung der Abkürzungen:

Wird ein Artikel gleichlautend in übermäßig viele Newsgroups gepostet oder crosspostet, so spricht man im ersten Falle von Spam oder EMP (excessive multiple posting), im zweiten von Velveeta bzw. ECP (excessive cross-posting).

SPAM steht für "Spiced Pork and hAM"1, so eine Art Preßfleisch, das in Amerika verkauft wird (sieht aus wie Katzenfutter). Es gibt einen Sketch aus Monty Python's Flying Circus, in dem ein Paar in einem Restaurant die Speisekarte vom Kellner vorgelesen bekommt und in jedem Gericht ist SPAM drin, zum Teil sogar mehrfach. Auch in dem Restaurant sitzt eine Gruppe Wikinger, die am Ende des Sketches 'Lovely Spam, wonderful Spam!' singen. Insgesamt kommt in dem Sketch das Wort SPAM ca. 120 mal vor.

Bei E-Mail spricht man von:

Da UCE zunehmend lästiger wird, sind in letzter Zeit einige Leute auf die Idee gekommen, ihre News-Artikel unter einer falschen Adresse zu posten. Im Body des Artikels finden sich dann meistens Hinweise auf eine gültige Adresse. Diese Methode, sich gegen UCE zu wehren, ist jedoch problematisch. Wird der Domain-Teil der Adresse verändert, kann es passieren, daß diese Adresse trotzdem gültig ist (sogar 'xxx.de', 'nospam.de' oder 'deletethis.de' sind beim DE-NIC registriert. Wird nur der Namens-Teil der Adresse verändert, erhält zumindest der Postmaster eine Fehlermeldung per Mail. Die UCE-Versender bekommen von Fehlermeldungen/Bounces dagegen in der Regel nichts mit, da sie fast nie unter einer gültigen E-Mail-Adresse ihre UCE versenden bzw. keine gültige Rücksendeadresse angegeben haben.

Sinnvoller ist es deshalb, das Problem UCE an der Wurzel zu packen. Dies kann durch das Einrichten von Teergruben oder durch das Filtern von bekannten Spammer-Domains geschehen.

Die Tricks der Spammer

Um Ihre Opfer zu erreichen, brauchen die Spammer zuerst eine gültige E-Mail-Adresse, an die sie auf verschiedenen Wegen gelangen:

Wenn die Mail an einen ungültigen Empfänger gerichtet ist, wird gewöhnlich eine Fehlermeldung an den Absender (in diesem Fall den Spammer) zurückgeschickt, und der Spammer kann die nächste Möglichkeit ausprobieren. Wenn die Mail einen gültigen Empfänger erreicht, und keine Fehlermeldung zurückkommt, weiß der Spammer, dass die Adresse existiert, und speichert diese in seiner "Opfer-Datenbank"

In der Regel wird der Spammer aber versuchen seine Absenderadresse zu verschleiern, bzw. einfach eine ungültige Absenderadresse anzugeben, so dass er auf direktem Weg keine Antwort erhalten kann. Um trotzdem eine Bestätigung über die Existenz des Opfers zu erhalten, benutzt er einen einfachen Trick:

Er merkt sich einfach zu jeder versendeten E-Mail einen systematisch erzeugten Schlüssel, z.B. eine lange Zufallszahl. Diese Zahl wird in einen gewöhnlichen Hyperlink eingebaut, z.B:

...
Um sich aus dieser Mailingliste wieder auszutragen klicken Sie auf:
http://www.firma.de/reply.cgi?id=2374654000332

Wenn der naive Empfänger jetzt auf diesen Link klickt, oder die Nachricht zurückschickt, braucht das Programm auf dem Webserver nur noch den übergebenen Schlüssel mit den gemerkten Schlüsseln zu vergleichen, und kennt wieder eine gültige Opferadresse mehr.

Doch selbst, wenn man nicht auf die Links in der SPAM-Mail klickt, kann der Spammer z.B. bei HTML-Mails den Link als externe Ressource verlinken (Bilder, Töne, Flash). Die E-Mail enthält dann einen Hyper-Link in der Art

<img src="http://www.firma.de/reply.cgi?id=2374654000332"> 

Dieser Link wird vom Mail-Programm normalerweise als Link auf ein Bild interpretiert. Es wird daher versuchen, das Bild von der angegebenen Adresse zu laden. Und dort freut sich schon der Webserver des Spammers auf die ID des Besuchers.

Selbstverständlich werden die Netzwerkeffekte des Internets auch von den Spammern genutzt, so dass die Datenbankbestände vieler einzelner Spammer zusammengefasst und auf CDs an andere Spammer weiterverkauft werden (die Angebote für diese CDs werden teilweise als SPAM verschickt).

Weiterführende Links

Jürgen Plate, Fachhochschule München

1 Manche Leute behaupten, es steht für Synthetically Produced Artificial Meat.

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