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AL-Wahlzeitung 1998/1999


 

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GassiGEN

Immer neue Gene


Jahrelang sind die geistes- und sozialwissenschaftlichen Fachbereiche der Hochschulen zugunsten der fünf bis sechs bundesdeutschen Gentechnik-Forschungszentren ausgeblutet worden. In Köln wurden in mehreren Etappen ca. 30 Stellen u. a. aus Phil und PH/AfH zugunsten von Genetik-Professuren umgewidmet.

Der ehemalige Bundesbildungsminister Rüttgers schrieb 1996 einen "Bio-Regio-Wettbewerb" aus. Das Rheinland ist einer der Hauptpreisträger geworden. Der Millionengewinn fällt nun auf ein finanziell ohnehin großzügig subventioniertes Feld.

In der seit 1994 bestehenden "Landesinitiative Bio- und Gentechnologie" (BioGenTec) mit Sitz in Köln sind Pharma- und Chemiefirmen, Forschungseinrichtungen wie das MPI in Vogelsang, die Hochschulen, Banken und Industrie- und Handelskammern vertreten - nur keine KritikerInnen. Das wichtigste praktische Projekt der BioGenTec und des Landes ist der Bau des Kalker RTZ (Rechtsrheinisches Technologiezentrum). Geplant sind Labors, in denen mit Cholera- und AIDS-Viren gearbeitet werden darf. Im RTZ sollen Firmen und HochschulabsolventInnen gentechnische Produkte entwickeln und vermarkten. Angepasst-strebsame Studis sollen im RTZ Räume und eine Anschubfinanzierung erhalten, um ins freie Kleinunternehmertum einsteigen zu können.

Der Normalfall ist die Katastrophe

Die Forschung an Gen- und Reproduktionstechniken ist ein klassisches Beispiel für die ökologischen und sozialen Gefahren, die durch angeblichen "wissenschaftlichen Fortschritt" entstehen. Die Risiken des Umgangs mit genmanipulierten Organismen sind jedoch unkalkulierbar. Immer wieder kommt es zu unerwarteten "Nebenwirkungen", wie z. B. Krebserkrankungen in einem Gen-Labor (Pasteur-Institut), Todesfälle durch unerwartete Nebenwirkungen von Genmedikamenten oder Allergien (Paranußgen in Sojabohnen). Durch die Freisetzung genmanipulierter Pflanzen wird das Risiko noch größer. Inzwischen ist nachgewiesen, daß ausgesetztes Genmaterial von Bodenorganismen aufgenommen und damit ungekontrolliert weiterverbreitet wird. Der Einsatz von giftresistenten Genpflanzen in der hochtechnisierten Landwirtschaft führt zu noch mehr Pestizideinsatz, noch schnellerer Sortenverarmung und damit zu noch größerer Gefährdung der natürlichen Lebensbedingungen. Von der Linderung des Welthungers hingegen keine Spur...

In der Humangenetik sollen gendiagnostische Methoden ermöglichen, potentiell behinderte Föten zu erkennen, damit sie gezielt abgetrieben werden können. Darüberhinaus werden Menschen zu Rohstofflieferanten für Medikamente: Viele kommerziell verwertbare menschliche Gene sind bereits patentiert worden. In der Kölner Genetik hat sich Prof. Rajewski ein lukratives Patent auf ein Genmanipulationsverfahren von Säugetieren an Land gezogen.

Mehrheit gegen Gentechnik

In Umfragen lehnen 80% der Menschen Gentechnik weiterhin ab. Da immer weniger Menschen bereit sind, sich als Versuchskaninchen für Hoechst, Monsanto und Bayer mißbrauchen zu lassen, werden Gennahrungsmittel (Soja, Mais) massenhaft boykottiert und rund die Hälfte aller Gen-Freilandversuche in der BRD sabotiert, z. B. die Genkartoffeln des Kölner MPI (Max-Planck-Institut). Die AL und das Ökologiereferat arbeiteten mit den Kölner gentechkritischen Initiativen zusammen und unterstützen u. a. AntiGEN Kalk und "BürgerInnen beobachten Petunien".

  • Kein Anbau von genmanipulierten und pflanzengiftresistenten Sojabohnen, Rapspflanzen usw.

  • Keine Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen in Köln-Vogelsang und anderswo

  • Importverbot von Gentech-Soja und anderen genmanipulierten Nahrungsmitteln

  • Demokratisierung der Forschung statt Freiheit der Konzerne

  • Förderung der ökologischen Landwirtschaft

  • Schaffung gesunder Lebensverhältnisse und intakter Umwelt und Verbot krankmachender und krebserregender Stoffe, statt Förderung unwirksamer medizinischer Gentherapie

  • Gegen Gendiagnostik zur Selektion von möglicherweise behinderten Föten

  • Kein Bau den Genzentrums Köln-Kalk

  • Stop der Gentechnologie, Schließung der Sonderforschungsbereiche und Beendigung der öffentlichen Förderung durch Millionenbeträge

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Netzseiten der Alternativen Liste, zuletzt aktualisiert am 18.03.2003. Kontakt: AL-Plenum@uni-koeln.de