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AL-Wahlzeitung 1999/2000 |
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Talare, leicht gebräunt Auch vor Hochschulen macht faschistoides Gedankengut nicht halt
Überfälle und Mordanschläge von Nazigruppen auf Flüchtlinge, Menschen mit anderer Hautfarbe, Lesben, Schwule, Behinderte, Obdachlose, JüdInnen und AntifaschistInnen sind weiterhin Alltag in Deutschland. Nach einem vorübergehenden Rückgang nach der faktischen Abschaffung des Asylrechts 1993 hat die Zahl der rassistisch motivierten Gewalttaten wieder zugenommen. In die EU bzw. in die BRD einreisende Menschen werden danach sortiert, ob sie "Wirtschaftsflüchtlinge" oder billige und ungesicherte Arbeitskräfte für Niedriglohnarbeit sind. Ausländischen StudentInnen, die für ihren Unterhalt nicht aufkommen können oder die in ihrer Studienleistung zurückhängen, droht die Abschiebung. Antisemitismus ist keineswegs aus Deutschland verschwunden, wie die neuerlichen Anschläge auf jüdische Friedhöfe zeigen. Die Zahl antisemitisch motivierter Straftaten steigt von Jahr zu Jahr. Das Konzept aller im Bundestag vertretenen Parteien einschliesslich des deutschtümelnden Flügels der PDS besteht darin, die rassistische Hetze und den Aufschwung der Rechtsextremen zu "stoppen", indem sie deren Parolen ins eigene Programm aufnehmen: "Kriminelle Ausländer sofort raus" ist Konsens von Gerhard Frey bis Gerhard Schröder. Sie können sich dabei nicht nur auf einige "fehlgeleitete Jugendliche" stützen, sondern auch auf einen breiten rassistischen Konsens: Sozialdarwinismus (= "das Recht des Stärkeren"), Autoritätsgläubigkeit und rassistische Ideologie sind in weiten Teilen der Bevölkerung verbreitet. Elemente von NS- und älteren reaktionären Traditionen und frauenfeindliches männerbündisches Bewusstsein in der deutschen Gesellschaft haben die bürgerlich-demokratische Erziehung durch die Alliierten, die antiautoritäre Bewegung der APO und die Kritik durch viele soziale Bewegungen prächtig überstanden. Hochschule und Faschismus Auch in den Hochschulen wurde seit jeher faschistoides Gedankengut vertreten. Während des Nationalsozialismus funktionierten die meisten akademisch Tätigen oder Gebildeten wie der Grossteil der deutschen Bevölkerung - ganz "normal": MathematikerInnen und StatistikerInnen berechneten die optimalen Methoden zur Erfassung der "rassischen" Zusammensetzung der deutschen Bevölkerung (z. B. durch Volkszählungen) oder bestimmten den Grad der volkswirtschaftlichen "Belastung" durch die Versorgung von behinderten Menschen. ÖkonomInnen, SozialwissenschaftlerInnen, GeographInnen etc. planten die Entvölkerung der neueroberten Gebiete im Osten und die Optimierung der Transporte der JüdInnen in die Vernichtungslager. Psychologische Institute erforschten die Stressanfälligkeit von Wehrmachtssoldaten und Bomberpiloten. Ebensowenig wie die Spitzen der Wirtschaft wurden die Hochschulen entnazifiziert. Eine Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit fand nie statt. Schnell wurden auch wieder personelle Kontinuitäten hergestellt. Beispiele dafür sind der Ex-SS-Mann Schneider, der unter dem Namen Schwerte an der RWTH Aachen als Rektor amtierte oder die Alt-Nazis Jahrreiß und Carstens, Ehrenmitglieder der Uni Köln. Auch in der Lehre mancher DozentInnen spiegeln sich bis heute geschichtsrevisionistische und rassistische Ideen wieder. So konnte der Politikwissenschaftler Pfeifenberger an der FH Münster jahrelang den 2. Weltkrieg als einen Verteidigungskrieg gegen eine "jüdische Weltverschwörung" bezeichnen. An der Uni Hamburg dürfen am Institut für Humanbiologie die "rassenhygienischen" Lehren der Nazis verbreitet werden und weiterhin Menschen nach Schädelformen und Charaktertypen rassisch und sexuell eingeteilt werden, Frauen eine "kindliche Psyche" zugeschrieben und die jahrhundertelange Diskriminierung von JüdInnen als "Heranzüchtung einer jüdischen Elite" gelehrt werden. Diese wenigen Beispiele zeigen, dass auch weiterhin gegen faschistoide Gesinnung bei HochschullehrerInnen und studentischen Gruppen angegangen werden muss. Autoritär-konformistisches Verhalten ist aber weiter verbreitet als nur in Burschenschaften. Reaktionäre Hochschulgruppen stellen sich als "überparteilich und unabhängig" dar, agitieren gegen angebliche "Sonderinteressen" von z. B. Antifaschismusreferaten und sehen in den studentischen Gremien in klassisch konservativer Tradition von Parlamentskritik nur "pseudopolitisches Gebrabbel" bzw. "kleinkariertes Politgezänk" am Werk. Aktivitäten gegen Nazis Ob an der Hochschule oder in Köln, in Rostock oder in den "national befreiten Zonen" in Ostdeutschland: Überall dort, wo Nazis auftauchen, müssen sie bekämpft werden. Weder der Versuch der NPD, am 1. Mai 1999 in Bremen für "deutsche Arbeitsplätze" zu marschieren, noch die Kommunalwahlkampfauftritte von "Deutscher Liga" (mit ihrem Kölner Ex- Jurastudenten Manfred Rouhs) und "Reps" blieben unbehelligt. Am 22. Mai 1999 konnte der erste Aufmarsch der NPD in Köln erfolgreich verhindert werden. 3000 GegendemonstrantInnen stellten sich den Nazis in den Weg, deren Kader arg bekleckert die Heimreise antreten mussten. Weniger erfreulich verlief der zweite Versuch der FaschistInnen am 2. Oktober. Von einem riesigen Polizeiaufgebot geschützt konnten 300 Nazis ungestört durchs Eigelsteinviertel laufen. Unter den tausenden KölnerInnen, die sich "querstellten", waren jeweils zahlreiche StudentInnen. Die AL hat sich an den Antifa-Aktionen massiv beteiligt und bis zum Sommer 1999 die Infrastruktur des AStA für antifaschistische Aktionen zur Verfügung gestellt. Seit der Wahl eines rechten Uni-AStAs befindet sich das ehemalige Antifaschismusreferat im Exil. Die antifaschistische und antirassistische Arbeit an der Hochschule ist spürbar erschwert worden, da Unabs/LUST/ RCDS den Zugang zu Räumlichkeiten, Medien und Infrastruktur des Uni-AStA versperrt haben und den Etat für studentische Antifa-Arbeit um 75% gekürzt haben. mmmmmmmmm mmmmmmm mmmmmm mmm mmm mmm mmm mmm mmmm mmm mm mmm mmm mmmm mm mm mmmm mm mm |