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Lass dich nicht keilen!

Burschenschaften - reaktionär und nationalistisch


Saufende, uniformierte, sexistische Ewiggestrige, die in spottbilligen Zimmern in Verbindungshäusern leben und sich gegenseitig die Gesichter mit Säbeln verunzieren - ein nicht ganz unzutreffendes Bild, dass vielen KommilitonInnen vorschwebt, wenn sie mit Burschenschaften, Verbindungen oder Corps, kurz Korporationen in Berührung kommen. Doch bei genauerer Betrachtung der Korporationenszene ergibt sich ein wesentlich düstereres und gefährlicheres Bild, als die muffigen Schaukästen im Untergeschoss des Hauptgebäudes der Uni Köln ahnen lassen.

Zu Semesterbeginn - und in diesem Semester stärker als in den letzten Jahren - schwärmen Burschen, Kartellbrüder und Korporierte aus, um für studentischen Nachwuchs ("Füchse" oder "Füxe") zu sorgen, was in der Verbindungssprache "keilen" heißt. Dabei betonen sie gerne, dass sie weder den oben beschriebenen Klischees entsprechen noch zum rechten oder gar rechtsextremistischen Spektrum gehören. Sie bezeichnen sich oft als liberal, unpolitisch, akademisch, (über)konfessionell oder traditionsreich, "gesunde Vaterlandsliebe" gehört auch meist zum Standardvokabular. Korporationen werden nicht müde, auf ihre angeblich liberalen Wurzeln zu verweisen. Die Geschichte der Burschenschaften, aber auch die der Verbindungen ist jedoch kaum von liberalen, sondern vielmehr von reaktionären Elementen bestimmt.

Spätestens seit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 war die Politik der Verbindungen durchgängig von Nationalismus, Imperialismus und Antisemitismus geprägt. Dies setzte sich während der Weimarer Republik fort. An den so genannten Freikorpsverbänden, die die ArbeiterInnenbewegung bekämpften und den gescheiterten Kapp-Putsch unterstützten, waren viele Korporierte beteiligt. An den Universitäten fand der aufkommende Nationalsozialismus in den Burschenschaften willige Bündnispartner. Schon im Mai 1931 beschloss der Dachverband der Burschenschaften in Deutschland, die Deutsche Burschenschaft (DB), gemeinsam mit dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) "im nationalsozialistischen Sinn an den Hochschulen zu arbeiten". Die von den Verbindungen heuzutage gern als Zwangsauflösung gekennzeichnete Verschmelzung mit den NS-StudentInnenorganisationen nach 1933 war tatsächlich eher ein herzliches Zusammengehen. Im März 1933 schrieben die Burschenschaftlichen Blätter, das offizielle, bis heute existierende Organ der DB: "Was wir seit Jahren ersehnt und erstrebt haben, ist Tatsache geworden", für weitere Belege besuche man das Online-Archiv Studentische Korporationen, im Internet unter: http://studenten.freepage.de/sjuergen.

Die Erfahrungen des NS-Faschismus haben rechtsextremistische Praktiken insbesondere der Burschenschaften nicht gestoppt. Forderungen nach einem Großdeutschen Reich inklusive Österreich und Südtirol wurde des öfteren erhoben: Die Deutsche Burschenschaft beschloss 1992, sie weise die Auffassung zurück, "wonach die territoriale Einheit Deutschlands mit der kleinen Wiedervereinigung vollendet sei". Das Absingen des Deutschlandliedes mit allen drei Strophen stellt für sie eine Selbstverständlichkeit dar, wie sie auch 1987 in einem Schreiben an die Intendanten von ZDF und ARD deutlich machten, in dem sie forderten, "zum Sendeschluß alle drei Strophen der Nationalhymne zu senden". Neben revanchistischen Gebietsansprüchen sind rassistische Positionen an der Tagesordnung. 1981 wurde ein "Heidelberger Manifest", erstellt, von mehreren korporierten Professoren unterschrieben und von der Germania Köln als Flugblatt verteilt, in dem sich Aussagen finden wie: "Die Integration großer Massen nichtdeutscher Ausländer ist daher bei gleichzeitiger Erhaltung unseres Volkes nicht möglich und führt zu den bekannten ethnischen Katastrophen multikultureller Gesellschaften".

Derart tief in den braunen Sumpf sind nicht alle Korporationen verstrickt - das Spektrum reicht von unpolitisch über konservativ bis nach weit rechtsaußen. Allen Verbindungen gemeinsam sind jedoch die Prinzipien der Männerbündelei und der Ämterpatronage. Öffentlich auf den Punkt gebracht hat dies am klarsten Manfred Kanther, CDU-Hardliner, ehemaliger Innenminister, tief verstrickt in den hessischen CDU-Spendenskandal und Mitglied des Corps Guestphalia et Suevoborussia Marburg. Im Jahr 1990 sagte er: "Wir wollen auch weiterhin national gesinnte Menschen in alle führenden Berufe unserer Gesellschaft entsenden."

Diese nationale Gesinnung will die Kölner Burschenschaft Germania am 19. Januar 2001 wieder demonstrieren: Sie feiert den Jahrestag der Gründung des Deutschen Reiches 1871. Vor zwei Jahren hat zum selben Anlaß eine Gegendemonstration, an der auch die AL beteiligt war, stattgefunden. Auch 2001 werden wir diese nationalistische und revanchistische Veranstaltung nicht kommentarlos verstreichen lassen.

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Netzseiten der Alternativen Liste, zuletzt aktualisiert am 18.03.2003. Kontakt: AL-Plenum@uni-koeln.de