AL-Logo

AL-Wahlzeitung 2000/2001


 

 Startseite
- - - - - - - - - - - -

 Selbstdarstellung
 Kontakt
 AL-Info
- - - - - - - - - - - -

 Antifaschismus
 Antimilitarismus
 Antirepression
 Bildungspolitik
 Biopolitik
 Kultur
 Ökologie
 Soziales
- - - - - - - - - - - -

 StudentInnenschaft
 AStA
- - - - - - - - - - - -

 Service
 Termine
 Links
- - - - - - - - - - - -

 AL-Archiv
 Suche

Neue Chancen durch Bachelor und Master?

Als eine der Wunderwaffen in der aktuellen Hochschulreform gelten die neuen Studiengänge "Bachelor" und "Master", in der Kurzfassung "BA/MA", ausgeschrieben "Bachelor/Master of Arts". Was verbirgt sich hinter diesen Studiengängen, die wahrscheinlich bald auch an der Universität Köln Einzug halten?

Das Grundprinzip von BA/MA ist die Abkehr vom einheitlichen wissenschaftlichen Studium, das hinter allen bisherigen Varianten wie Magister, Diplom oder Lehramt steckt. BA/MA ist "konsekutiv" aufgebaut, d.h. zuerst kommt ein meist sechssemestriges Bachelor-Studium, auf das dann ein meist viersemestriger Master aufgesattelt werden kann.

Eines der zentralen, offiziell propagierten Ziele von Bachelor und Master ist eine verbesserte internationale Anerkennung und Vergleichbarkeit deutscher Studienabschlüsse. Besonders stichhaltig ist dieses Argument nicht, ist doch ein US-amerikanischer BA/MA kaum mit einem britischen zu vergleichen, ebensowenig mit einem skandinavischen. Auch die bereits in der BRD existierenden über 400 Bachelor/Master-Studiengänge folgen kaum einem einheitlichen Muster.

Weitaus stärker leuchtet ein, dass hinter der BA/MA-Welle eine Politik von "Umbau statt Ausbau" steht. Da die Hochschulen der Anzahl der "Studierwilligen" seit Jahren nicht genügen können, verfechten die BildungspolitikerInnen nunmehr eine Verkürzung der Verweildauer an den Hochschulen. Ein verkürztes und inhaltlich entschlacktes Grundstudium könnte Kosten für Bund und Länder einsparen: Auf den Hochschulausbau kann verzichtet werden - weil nominell die StudentInnenzahlen sinken - und weitere Stellen werden gestrichen: In Nordrhein-Westfalen fallen bereits jetzt 2000 Stellen im Rahmen des so genannten Qualitätspaktes weg.

Noch völlig offen ist die Frage, ob nach absolviertem Bachelor der Übergang in das Master-Studium frei bleibt oder ob dort zusätzliche Hürden wie Bachelor-Abschlussnoten, kurze Studienzeit, Eingangsprüfungen oder gar Studiengebühren für den Master eingeführt werden. Schließlich versprechen rot-grüne BildungspolitikerInnen nur, dass das Studium, das zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss führt, gebührenfrei bleibe.

Gerade das vehemente Dementieren der Absicht, alles über die Kurzstudiengänge Hinausgehende mit Gebühren zu belasten oder auch BAföG-Zahlungen ab diesem Punkt auszusetzen, sollte nach der üblichen Entwicklungslogik der herrschenden Politik eher Sorgen bereiten. Schon jetzt wird in Bayern zwischen gebührenfreien und gebührenpflichtigen Masterstudiengängen unterschieden.

Eine andere Funktion, die die Zweiteilung des Studiums erfüllt, ist die Einführung einer Hierarchie in den Studienabschlüssen, die die gesellschaftlichen Verhältnisse im Bildungsbereich wieder "zurechtrückt". So könnte der Anteil der "gehobenen" Master-AkademikerInnen wieder auf das vor der Öffnung der Hochschulen in den siebziger Jahren übliche Maß zurückgedrängt werden.

Für die "normalen" Bachelor-HochschulabsolventInnen verstünde sich das Studium als verlängerte Schul- und Berufsausbildung. Die AbsolventInnen des wissenschaftlichen Aufbaustudiums würden wieder eine deutlich abgrenzbare Elite bilden. Eine solche Politik genügt keinesfalls einem kritischen Wissenschaftsverständnis, das - bei durchaus unterschiedlicher Gewichtung - Praxisbezug, Theorieentwicklung und Forschungsorientierung als unabdingbare Merkmale prinzipiell jeder Studienphase voraussetzt.

Markus Struben

mmmmmmmmm mmmmmmm mmmmmm mmm mmm mmm mmm mmm mmmm mmm mm mmm mmm mmmm mm mm mmmm mm mm
   

Netzseiten der Alternativen Liste, zuletzt aktualisiert am 18.03.2003. Kontakt: AL-Plenum@uni-koeln.de