![]() |
AL-Wahlzeitung 2000/2001 |
|
|
Weg mit rechtem Sound-Dreck! Längst ist Musik zu einem der wichtigsten Ideologieträger rechter Propaganda geworden, mit dessen Hilfe rassistisches Gedankengut einen immer weiteren Personenkreis erreicht. Neonazis üben über das Medium Musik einen massiven Einfluß auf große Teile der Jugendlichen aus. In vielen Regionen - und nicht nur in Ostdeutschland - ist eine neonazistische Jugendkultur vorherrschend. In diesem Zusammenhang fällt oft der Begriff von den so genannten national befreiten Zonen. Hinter diesem Konzept verbirgt sich der Versuch, das Alltagsleben von Jugendlichen zu dominieren und allen Menschen, die als GegnerInnen definiert werden (MigrantInnen, Linke, Andersdenkende, Lesben und Schwule usw.) mittels Gewalt jeglichen Freiraum zu nehmen. Die "kulturelle Hegemonie" soll erreicht werden, indem rechtsradikale Positionen in vielen kulturellen Bereichen verankert werden, um letztendlich zu dominieren. WissenschaftlerInnen streiten darüber, ob man von einer rechten Subkultur sprechen muss oder ob sich nicht gar eine "neue soziale Bewegung von Rechts" entwickelt hat. Neonazistische Skinheads verstehen sich oft als AnhängerInnen einer antibürgerlichen Subkultur. Dabei geht es ihnen nicht um eine Ablehnung des herrschenden Wertesystems. Im Gegenteil: Die Ideologie der extremen Rechten ist eher als eine radikalisierte Form allgemeingesellschaftlicher Positionen zu sehen. Rechte Musik ist nicht nur ein Agitationsinstrument, sondern auch Bindeglied zwischen festen Organisationen und einer jugendlichen rechtsradikalen Alltagskultur. Das funktioniert auch deswegen so gut, weil es ein internationales und weitverzweigtes Netzwerk gibt, mit dessen Hilfe Produktion und Versand des Rechtsrocks sowie die Durchführung von Konzerten ermöglicht wird. Die international agierende Neonazi-Organisation "Blood&Honour", die in Deutschland inzwischen verboten ist, spielt dabei eine wichtige Rolle. Und das Geschäft boomt. Seit Anfang der neunziger Jahre ist die Zahl der Plattenlabels und Vertriebe für rechte Musik in Deutschland stark angestiegen. Neben einigen großen Vertrieben wie beispielsweise Rock-O-Rama in Köln existieren über 60 subkulturelle Kleinunternehmen. Dort werden nicht nur CDs, sondern auch Accessoirs wie T-Shirts, Aufnäher et cetera verkauft. Rechtsrock lässt die Kassen klingeln und dient somit der Finanzierung der gesamten Neonazi-Szene. Doch rechte Musik lässt sich nicht allein auf Skinheads reduzieren. Auch im Dark Wave gibt es faschistische Tendenzen, und der so genannte NS-Black Metal bezieht sich ganz offen auf den Nationalsozialismus. Im Sommer hat die Antifa K unter dem Titel "Weg mit dem rechten Sound-Dreck" eine Kampagne durchgeführt. Im Rahmen der Kampagne wurden neben einer Vielzahl von Aktionen, Veranstaltungen und einer Demonstration gegen Rock-O-Rama, Europas größtem Nazi-Label, mit Unterstützung der Alternativen Liste (AL) auch zwei Vorträge zum Thema "White Noise - Einblicke in die internationale Neonazi-Musik-Szene" und zu "Ästhetische Mobilmachung - Dark-Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien" durchgeführt. mmmmmmmmm mmmmmmm mmmmmm mmm mmm mmm mmm mmm mmmm mmm mm mmm mmm mmmm mm mm mmmm mm mm |